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Entadelt Euch! -
Statt "Adel verpflichtet"
den Adel verpflichten

Vom "Family Office"
über das "Home Office"
zum "Genossenschaftsoffice"

 

Ein Gespenst geht um in Europa.

Man scheint es nicht zu sehen - und wenn man es sieht,
so scheinen es viele dennoch nicht sehen und wahrhaben zu wollen.

Europa ist noch immer ökonomisch in den Händen des Raubadels,
der täglich der politisch demokratischen Grundordnung des Europäischen
Kontinents durch unangemessene soziale Vorteilsnahme ohne entsprechende
Legitimation widerspricht.

Der Adel verbirgt sich hinter seinem "Habitus" als VIP-Lieferant in der
"VIP-Industrie". (Beatrix Novy, Adelsprivilegien Gesetzlich abgeschafft
– doch der Nimbus bleibt, Deutschlandfunk 23.6.2020)

Der Adel wird insoweit als politisch kastriert wahrgenommen,
obwohl seine Macht gerade auch in den westlichen Demokratien, die
fälschlicherweise behaupten, den Adel gezähmt und überwunden zu
haben, ökonomisch tagtäglich mit brachialer Gewalt in die sozialen
Verhältnisse eingreift, und in Form des Boden- und Immobilienbesitzes -
und eben nicht nur als "Haltung" oder Blasenkultur nach dem Motto:
"Adel verpflichtet" in die Gesellschaft direkt eingreift.

Der moderne Adel steckt vielfach hinter den begüterten "Familien",
die allzu sehr den osteuropäischen Oligarchien oder arabischen Clans
ähneln, wenngleich ihre Regeln "clandestine" häufig rechtsstaatlich
kultivierter und wahrscheinlich auch weniger kriminell sind.

"Die Geschichte des Adels seit dem späten 18. Jahrhundert hat in
besonderer Weise von den neuen Entwicklungen der Geschichtswissenschaft
insgesamt profitiert. Stand seit den 1960er-Jahren im Kontext der Diskussionen
um den ›deutschen Sonderweg‹, der in die Diktatur und den Holocaust mündete,
die politische Sozialgeschichte vor allem der preußischen ›Junker‹ im Mittelpunkt,
so hat die kulturgeschichtliche Erweiterung in den letzten Jahrzehnten den Adel
als Kulturformation interessant gemacht. Formen adliger Männlichkeit, Fragen
nach einem spezifisch adligen Habitus und besonderen Formen des Selbstgefühls,
aber auch die Übertragung von Adelsvorstellungen in Figurationen von ›Geistesadek‹
haben mittels der Sonde einer traditionellen Herrschaftselite neue Einblicke in die
kulturelle Imprägnierung der Moderne erlaubt" (Monika Wienfort, Selbstverständnis
und Selbststilisierung des deutschen Adels um 1800 - https://link.springer.com/
chapter/10.1007/978-3-476-00814-5_6).

Gehören Sie auch, oder gehört Ihr auch, liebe Leser dieses Blogs, zu den
Superreichen, den UHNWIs?

"So genannte Ultra-High-Net-Worth-Individuals (UHNWI) verfügen über ein
investierbares Vermögen von über 30 Millionen USD." (https://www.moneyland.
ch/de/uhnwi).


Der Adel lässt sich nicht mehr sauber von den "bürgerlichen Emporkömmlingen unter
den heutigen Superreichen trennen. Die modernen UHNWIs können inzwischen sowohl
einen "bürgerlichen" als auch einen "feudalen" Hintergrund haben, wobei diese Trennung
historisch oft allzu willkürlich gezogen wurde, denn das wohlhabende Bürgertum hat sich
auch früher schon sowohl aus dem für eine gewisse Phase "abgestiegenen" Adel
entwickelt, und sich nur insofern von diesem abgegrenzt, als auch in der gesamten
Moderne eng mit dem Adel zusammen ökonomisch agiert. Bürgerlicher Aufstieg ohne eine
Nähe zu einer durch Adel privilegierten Herkunft war äußerst selten. Der Handwerker und
der Kaufmann hatten insofern oft deutlich unterschiedliche Herkünfte. Der reiche Bürger
besaß meist ein Herkunfts- und Bildungsprivileg.

Im Moneyland spielen nur wenige mit. Dass die Superreichen die Welt regieren,
ist so sicher nicht richtig, dass sie aber von Gesetzen profitieren, die sie nach
wie vor über Gebühr oder häufig ohne Gebühr (nämlich angemessene Steuern)
schützen, ist hinlänglich bekannt.

Gerade jetzt wurde wieder die neue Liste der Milliardäre bei Forbes veröffentlicht.
An der Spitze steht Bezos mit sagenhaften 177 Milliarden Dollar, gefolgt von
Großmaul Musk mit 151 Milliarden. Bill Gates liegt aktuell bereits nur noch auf
Platz 4 mit seinen "wenigen" 124 Milliarden.

Liste der reichsten Milliardäre

Nur Zyniker freuen sich allerdings als Ausdruck modischen Hasses allein darüber, dass
Trump um 300 Plätze auf dieser Liste gefallen ist (https://www.spiegel.de/wirtschaft/
unternehmen/forbes-liste-donald-trump-stuerzt-im-milliardaers-ranking-ab-a-28f324c7
7625-40c4-afa0-6fd956073579
), während "Realisten" und wir romantischen Träumer sich
hoffentlich doch noch ein Gespür dafür bewahrt haben, wie grotesk die Tatsache ist,
dass einige wenige Personen, das, was viele andere durch ihre Leistung erwirtschaftet
haben, als ökonomisch abgesicherte Clique allein für sich in Anspruch nehmen können
und Ihnen das jeweilige Vermögen somit nominell zur Verfügung steht. Naiv wäre
allerdings die Meinung, dass die Milliardäre deshalb bereits mit ihrem Reichtum machen
können "was sie wollen"; vielmehr sind diese Vermögen systemisch und ökonomisch
gebunden. Die Regeln bestimmen vor allem die relativ personenunabhängigen Systeme
des Marktes von Angebot und Nachfrage im Kontext der Genese von Werten und deren
Verwendung. Tatsächlich können die reichen Charaktermasken selbst nur innerhalb eines
prinzipiell vorgegebenen ökonomisch-politischen Rahmens agieren, worauf ja Karl Marx
schon vor fast 2 Jahrhunderten in seinen brillanten Analysen längst hingewiesen hat.
Dennoch können diese Wenigen relativ autoritär und oft sogar in Alleinverfügung (wenn
man deren Familien-, Verwaltungs-, oder Aufsichtsräte in diesem Kontext als Mitent-
scheidungsträger mal kurzfristig als relativ unwichtig außer Acht lässt) "Grundsätze"
der Verwendung von Mitteln für neue Investitionen und viele andere daran geknüpfte
Entscheidungen, die Tausende, wenn nicht Millionen von Menschen betreffen, auch
weiterhin mehr oder weniger als "autark" Handelnde vorentscheiden, bevor dann doch
die parlamentarische Demokratie durch politische Mehrheiten über die Zulässigkeit
solcher Handlungen und Aktionen durch Gesetze und Verordnungen in Form einer
Kontrolle bzw. einer Korrektur "mit"entscheiden darf.


Auf 2755 Milliardäre sei die Zahl nun angewachsen, wobei viele Oligarchen, Clans und
Mafioten dabei nach wie vor noch im Dunkeln bleiben. Aber die Ausweitung der Milliardäre
ist natürlich nicht ein Indiz für die weitere Differenzierung und Demokratisierung von
Entscheidungen über das Schicksal der Welt sondern vielmehr eher ein Ausdruck
der weiteren um so größeren Spaltung. Das Ärgerliche ist dabei, dass die "tradierte"
Ungleichheit inzwischen als so "natürlich" erlebt wird, dass die "Agonie", die dieses nach
wie vor unglaubliche Drama nach sich zieht, fast schon als eine Art Naturgesetz
angesehen und erlebt wird, weil es ja "schon immer" Ungleichheit unter den Menschen
gegeben habe. Erhebliche Verantwortung dafür tragen die totalitären Regime der
"sozialistischen" Staaten, die durch ihren Kriegskommunismus die Träume in Richtung
auf soziale Gleichberechtigung und Teilhabe entwertet haben, und die Skepsis der
Bürger, dass es auch einen demokratischen Staat geben könne, der tatsächlich als
ein Vertreter der Gesellschaft als Ganzes - statt eines nur repressiven Steuereintreibers
mit einem unangenehm empfundenen Gewaltmonopol - angesehen werden könne.

Die politische Demokratisierung schützt nach wie vor nicht vor der ökonomischen
Autarkie der Wenigen, die in fast allen modernen Verfassungen durch einen
albernen und primitiven bürgerlichen Eigentumsbegriff juristisch für viele Jahre
und Jahrzehnte wohl weiter abgesichert ist. Man möchte die enge privatime und
deshalb im Sinne der griechischen Demokratie eigentlich eher "idiotische" Welt der
Kleineigentümer mit einem Gartenzaun des Eigentums absichern und wehrt sich dabei -
fast schon masochistisch und eigentlich unverständlich - gegen durchaus bereits erlebte,
und auch in Zukunft noch konstruktiv gestaltbarere Infrastrukturleistungen eines ent-
sprechend durch seine Bevölkerung legitimierten "positiven" Staates, dessen "Erfolge"
ja letztendlich "allen" zugute kommen könnten.

Habermas hat diese "Zwiespältigkeit" des "gebenden", also durchaus auch autoritär
zuteilenden und dabei zugleich eben auch "nehmenden" Staates in seinem Buch über
den "Strukturwandel der Öffentlichkeit" ja sehr ausführlich dargestellt, wenngleich er
dabei stets verschwiegen hat, dass die Grundgedanken dazu längst bei Hannah Arendt
und auch anderen Autoren schon weit früher angelegt waren.

Politisch will an der schier unglaublichen ökonomischen Ungleichheitsschieflage aktuell
kaum eine Partei wirklich grundsätzlich und prioritär etwas ändern. Man hat Angst durch
angemessene Forderungen nach Vermögensabgaben, Änderung des Erbrechts oder gar
Enteignungen entweder als "Neidhammel" oder gar als "Verfassungsfeind" abqualifiziert
zu werden, obwohl ja zumindest das Deutsche Grundgesetz das "Eigentum zum Gemein-
wohl" verpflichten möchte, und insofern sogar demokratische Enteignungen, wenn auch
vorerst nur auf der Basis "angemessener Entschädigungen", prinzipiell möglich macht.

Nur wenige Politiker besinnen sich allerdings auf solche Möglichkeiten,
weil sich viel zu wenige Bürger darum kümmern, das einzufordern, was
ihnen durch den Adel und superreiche Familien, die häufig aus ihm heraus
entstanden sind, eigentlich vorenthalten wird.

Gerade in Coronazeiten, in denen sich die Staatshaushalte auf Jahre hinaus
verschulden müssen, gilt es Ausschau zu halten nach neuen Quellen der
sozialen Umverteilung, und da sind die Vermögen der UHNWIs eigentlich
schnell identifizierbar, auch wenn sie sich stets in Steueroasen zu verstecken
versuchen; denn immer noch ist ihr finanzieller Wettkampf untereinander
und ihre Eitelkeit sowie der Wunsch zu der anerkannt oberen gesellschaftlichen
Kaste, mit den daran geknüpften VIP-Privilegien zu gehören, eine Möglichkeit
zumindest einen gewissen Eindruck in die Vermögenswerte der geheimen
Nutznießer unseres Wirtschaftssystems zu bekommen.

Es sind die Nationalsozialisten gewesen, die der an sich vernünftigen
Forderung nach sozialer Umverteilung von Vermögenswerten die Aura
des Antisemitismus und entsprechender Verschwörungstheorien verschafft
haben. Die autoritären antiliberalen sozialistischen wie kommunistischen Regimes
machten zudem jeden politischen Wunsch nach "Enteignung" in den parlamentari-
schen Demokratien sofort zu einem "Verdachtsfall", den der jeweilige Verfassungs-
"schutz" subversiv zu überprüfen habe, obwohl aktuell sozialistische Gewaltordnungen
ja eigentlich nur noch in China, Russland und einigen anderen wenigen asiatischen,
osteuropäischen, südamerikanischen oder afrikanischen Ländern als verdeckte
kapitalistische "Oligarchien" ohne tatsächliche Eigentums"revolution" überlebt
haben. Dort werden sie zum Teil auch noch heute garniert mit einem sozialistischen
"Jargon", der aber mit der eigentlichen Sache selbst nichts mehr zu tun hat.

Nun ich lasse ich mich persönlich als "Verdachtsfall" insoweit gerne
beobachten, wenn dies an sich nicht doch zu viel der Ehre wäre;
denn dazu bedeutsam ist mein Blog, für den ich ja bewusst nicht werbe,
sicherlich nicht. Persönlich halte ich ihn auch eher für einen Fall von
"Bedachtsamkeit" statt einer "Verdachtsamkeit", die pseudorevolutionäre
Menschen brauchen, um sich in der eigenen "Gefährlichkeit" zu baden.
Anregen - statt primär aufregen - soll mein Blog allerdings diejenigen
schon, die ihn durch Weitersagen manchmal weiterempfehlen oder auch -
im Gegenstz dazu - voller Ekel ;-)) - als neurotisch linksliberales Nörgeln
inhaltlich vollständig ablehnen. In Wirklichkeit wurde der Blog eigentlich nur
deshalb konzipiert, weil ich mir wünsche, dass mein geliebter Enkel irgendwann
einmal nachlesen kann, wenn er es denn möchte, was für ein verrückter Hahn
sein eigener Großvater gewesen ist. Und auch insoweit sind meine Aussagen
politisch eigentlich völlig irrelevant und eben eher "ungefährlich".


Welchen Einfluss hat aber der deutsche Adel heute noch auf die Wirtschaft und
auf die Gesellschaft? Wurde er wirklich vollständig in der Moderne und in der
Gründerzeit von den bürgerlichen "Erfindern" oder Firmenpatriarchen und später
auch deren Managern mit besonderen Produktideen überholt und als neue "Elite"
dann durch diese mehr oder weniger komplett ersetzt?

Weit weniger als allgemein vermutet waren Adel und neues Unternehmertum
eng miteinander verbunden. Das Kapital zur Finanzierung der neuen unter-
nehmerischen Abenteuer stammte sehr oft aus dem feudalen Raubkapital,
das der industriellen Entwicklung vorausging. Die Manufakturen waren
noch mehrheitlich feudaler Herkunft, und aus diesen gingen gepaart mit
dem bürgerlichen Sachverstand, aber oft finanziert durch die alten
Kapitalien die neuen Industrien hervor. Die Mär vom kompetenten Bürger,
der den inzüchtig debilen und faulen Adel ökonomisch ausgestochen hat, ist ein
beliebter Mythos, denn alle modernen Abenteuer bedurften der Finanzierung,
und auf diese hatte immer noch der Adel sehr wohl seine Hand. Die "Juden",
die "Fugger" und die Banken als nutznießendes Feindbild stammen ebenfalls aus
dieser die braven Bürger aufwertenden Erzählung. Der Boden, die Felder, die
Forsten und die Jagden und häufig auch die Gebäude, in denen das neue
Bürgertum seinen Wohlstand erwarb oder pflegte, waren bis in die heutigen
Tage hinein nach wie vor zu einem erheblichen Anteil oft in den Händen
von Menschen entweder im Adelsstand oder mit einer adeligen Herkunft.
Aus Grund und Boden auf dem Land wurde später in der Stadt wertvolles
Bauland, das sich der Adel entsprechend über die Jahre vergolden ließ.

Der Traum vom Reichtum aus der privaten Garage heraus, vom Erfinder in Jeans,
der uns heute durch die Medien gerne ebenso "ohne Adel" kommuniziert wird, lässt
ebenfalls völlig außer acht, dass hinter den Apples, Microsofts, Amazons, Googles
oder Teslas dieser Welt eben nicht nur die "genialen" Personen und Gründer wie
Bezos, Gates, Zuckerberg, Musk oder Page stehen, sondern kapitalkräftige
Investoren, Lieferanten, Kunden, Banken und Fonds, die aus dem Reich des "alten"
Geldes stammen und diesen neuen "Geldadel" als "Galionsfiguren" einer neuen
Wirtschaftswelt entsprechend alimentiert haben. Aktienkapitale entstehen eben
nicht aus dem "Nichts" heraus, sondern erneuern sich kontinuierlich durch die
Umverlagerung alten Geldes in neues Vermögen, das macht ja gerade die Dynamik
und gierige Kreativität unserer modernen kapitalistischen Welt aus: Schumpeter
läßt grüßen!

Sind die alten feudalen Herrenmenschen also deshalb verschwunden?

Nein, sie wurden nur von einer neuen Avantgarde überholt, die nicht mehr auf
Herkunft als auf Ideen setzen darf, deren Hintergrund aber nach wie vor die
Welt der Wenigen bleibt, in die sie dann durch Hochzeiten und Verbrüderungen
wieder diffundiert. Noch immer aber sitzt der alte Adel zu einem oft wenig
beachteten Teil auf seinen durch Herkunft erlangten "Kapitallatifundien".

Und warum hat die mit dem Adel und Feudalismus verbundene Herrenmenschen-
mentalität nach wie vor noch so eine Attraktivität, dass selbst die neuen
Oligarchen sich immer noch wie Aristokraten gerieren, obwohl der Mensch
in seiner Sucht nach persönlicher Besserstellung und Selbstbeweihräucherung
für seine Mitmenschen doch eher unangenehm oder gar peinlich ist? Dem
Adel ist es irgendwie gelungen sich als ein solcher bürgerlich sozial und bieder
zu verstecken, und ist dennoch für das soziale Leben ein unnötiges "pain in the as"
geblieben. Die Villen der Reichen sind deren neue "Burgen" und ihre gecasteten
Models aus Wirtschaft, Politik und Kultur als Ehegattinnen oft die alten "Mätressen".

Die Politik des "understatements" scheint dem Adel besser gelungen zu sein als
den modernen bürgerlichen Parvenüs, die meinen mit dem finanziell Erreichten stets
reüssieren und angeben zu müssen. Dazu zählt inzwischen als "Public Relations"
ganz selbstverständlich die "öffentliche Wohltätigkeit als Charity", und rein optisch
gibt sich neben den Old-school-Managern der neue IT-Adel gern legere. Der alte
Adel ist kein wirkliches Feindbild mehr für die durch ihn Unterdrückten.

Durch den allgemein vermehrten durchschnittlichen Massenwohlstand im Westen
sind wir alle selbst ein wenig "feudaler" geworden.

Wir trinken inzwischen tagtäglich als Connaisseure und Privatsommelies so viel Alkohol
und Wein wie früher nur der Feudaladel, kleiden uns nach unseren Moden eher vielfältig
mit wahrscheinlich mehr Kleidungsstücken im Schrank als ein mittelalterlicher Graf und
unsere durch die Industrialisierung verbilligten Lebensmittel lassen uns häufig so adipös,
bewegungsarm und behäbig werden, wie dies früher nur den Lehnsherren auf der Basis
des Nichtstuns vorbehalten war. Bei den m² pro Bewohner kann der bürgerliche Zivilist
zwar noch nicht mithalten, aber auch das moderne Heim wird immer mehr zum aufge-
peppten castle, in dem der Bürger neuestens auch seine "haute cuisine" erprobt.

Doch, wenn man genauer hinsehen würde, dann könnte man nach genauer Analyse
erkennen, dass
wir nach wie vor unnötigerweise noch immer indirekt unseren "Zehnt" an
die parasitären Adelsfamilien zahlen, nur wir merken es nicht mehr. Die Wege zur
Enteignung und Übervorteilung der Bürger durch den Adel sind insofern verschwommener
geworden.

Die "Normalisierung" des Adels hat sicher auch dazu beigetragen. Ja, im Lebensstil gibt
es bei manchen "Reichen" sogar eine Umkehr nach dem alten Motto: "Satt frisst sich die
Canaille, der Adel hält auf Taille". Die Kulturen der Reichen sind inzwischen oft vegan,
"bio" und eher "bescheiden". Man hat zwar unter Umständen seinen Rolls Royce, Bentley
oder banaler Jaguar in Keller oder Garage, aber wenn schon kein Understatement im
kleinen Smart, dann steht wenigstens ein Tesla als E-libi vor dem Büro. Und schließlich
kann heute ja jeder Prol mit einem kleinen gut gehenden Geschäft in der Stadt einen
Maserati oder auch nur einen Porsche Cayenne steuern. Auch bei den Reisen hält man
sich eher diskret und ohne Pomp oder Aufsehen per Privatjet zurück. Gegessen wird eben
im privaten Club, einem verborgenen Eliterestaurant als Geheimtip, oder zuhause unter
vollständigem
Ausschluß der Öffentlichkeit. Das Hofzeremoniell findet inzwischen eben
ganz privat statt. "Honi soit, qui mal y pense", über Geld spricht man nicht, aber ...
vergesellschaftet wird eben auch nicht! Und genau darum - und nicht um den Neid -
soll es in diesem Blog gehen. Gäbe es da nicht die Yellow Press oder VIP-Shows im
Fernsehen, dann würde man meinen der Adel sei politisch-ökonomisch eher ausge-
storben. Den nervigen Glamour überlässt man allzu gerne eher den Selbstdarstellern
in Kunst und Kultur. Die feudale Macht ist in jeder Hinsicht ansonsten weniger sichtbar
und diskreter geworden; und deshalb weckt sie auch keine politisch Begierde auf die
Veränderung ihrer Eigentumsverhältnisse.

"Heute übt der Adel teils sehr bürgerliche Berufe aus, man findet sie beispielsweise
in der Medizin, in der Politik und in den Chefetagen großer Unternehmen. Und trotz
allem genießen sie noch immer einen gewissen Stand und ihre klangvollen Titel üben
noch immer eine gewisse Faszination aus. Wie leben diese Menschen, wohnen sie
wirklich hinter dicken Schlossmauern und was machen sie mit ihrem Vermögen?
Natürlich können wir nicht auf sämtliche Adelsfamilien, deren oft über Jahrhunderte
zurückgehende Historie
und zahlreiche Verzweigungen innerhalb der Linien, eingehen,
daher haben wir uns auf die bedeutendsten und interessantesten Adelsfamilien und
deren Oberhäupter beschränkt" (Die wohlhabendsten und bedeutendsten deutschen
Adelsfamilien, 25. Mai 2020, https:// www.familyofficeresearch.de/deutscher-adel)

Und gleich im Anschluss an dieses Zitat wird bereits eine adelige Familie aufgeführt,
(derer von Braumbach), die alleine (sic !) über ein sagenhaftes Vermögen von kaum
glaubhaften 47,5 Mrd € verfügt.

Der Adel ist eben anders als vielfach behauptet nicht nur eine "Geisteshaltung"
oder die kulturelle Verkörperung eines überlebten Erbes, sondern er lässt sich direkt
als eine in Euro zu messende wirtschaftliche Kraft darstellen, und die Rankings
der führenden Familien selbst in der "entadelten" Bundesrepublik geben ein
indirektes Bild über die geballte ökonomische Macht, die sich auch bei uns
immer noch in den Händen einiger weniger Familien befindet. Die Österreicher
haben dem Adel sogar das Führen ihrer Titel und Herkunftsbezeichnungen juristisch
verboten, aber in kaum einem Land ist der Adel dennoch politisch und ökonomisch so
präsent wie in der staatlichen "Nachfolgeorganisation" der alten Donaumonarchie.

"Im Gegensatz zu unseren europäischen Nachbarländern, wie Norwegen, Schweden
oder Großbritannien, wo der Adel noch lebt und gelebt wird, hat er in Deutschland
keine offizielle und juristische Bedeutung mehr. Eigentlich. Nach dem Ende des ersten
Weltkrieges vor gut 100 Jahren mit der Weimarer Verfassung wurden Adelswürden und
damit einhergehende Vorrechte abgeschafft und nur die alten Titel, als Bestandteil des
bürgerlichen Namens, durften von früheren Adeligen behalten werden. Dennoch
übernehmen die rund 3.000 existierenden deutschen Adelsfamilien wichtige
gesellschaftliche Aufgaben, halten und bewahren Kulturgüter, wie z.B. Schlösser, Burgen
und gewaltige Kunstsammlungen, engagieren sich häufig in gemeinnützigen Stiftungen,
pflegen zum Teil jahrhundertelange Traditionen und Familienhistorien und bewirtschaften
enorme Wald-, Agrar- und Forstgebiete." (Die wohlhabendsten und bedeutendsten
deutschen Adelsfamilien, 25. Mai 2020, https://www.familyofficeresearch.de/deutscher-
adel)
.

Noch immer ist der Großgrundbesitz auch in Deutschland in vielen Regionen ein
historisch erhaltenes Adelsprivileg. Um nicht aufzufallen werden solche Böden dann für
uns Normalbürger heutzutage sogar unter dem Marktwert in "Erbpacht" vergeben, aber
das entlastet den Adel zumindest "moralisch" nicht davon, dass in der Feudalgesellschaft
die Menschen von den Böden auf denen sie lebten, durch die Vergabe von Lehen
(monopolisiert in den Händen des Adels) mit Gewalt einfach enteignet wurden. Und wäre
das Recht ein Ausdruck von Ehre, Anstand und Moral, und nicht von Macht und Ohn-
macht, dann hätte der Adel sein an sich zu Unrecht erworbenes Vermögen längst an
die Gesellschaft rückübereignen müssen. Ohne eine radikale und lautstarke Revolution,
und ohne die Gefahr eines wütenden oder gar verbrecherischen Mobs auf der Straße,
ließe sich dieser Prozess zwar durchaus per Steuer-, Vermögens- oder Sozialpolitik
und eine Änderung des Erbrechtes bewerkstelligen, aber wo kein Kläger, da kein Richter,
denn der brave Bürger wartet politisch lieber - wenn überhaupt - auf die Enteignung des
Polen Robert Lewandowski oder gar Bayern Münchens. Das Vermögen des Adels und der
"großen" Familien in denen er genetisch wirksam ist, kann deshalb nach wie vor als
immens, ungerecht verteilt, ökonomisch bedeutsam und dennoch vorerst unangetastet
bezeichnet werden.

Die 10 größten Waldbesitzer stammen noch heute alle durchweg aus dem Adel. Hierbei
handelt es sich jeweils um Gebiete zwischen 9.000 und 20.000 Hektar (Grafik: Giesel /
Quelle: wald-prinz.de nach Mark Fehr, Wem gehört Deutschland?, FAZ 19.10.2020,
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/schneller-schlau/grund-und-boden-unternehmen-
wald-wem-gehoert-deutschland-17005863.html). "Die größten Waldbesitzer sind vor
allem Adelsfamilien, deren Grundbesitz zu großen Teilen aus Zeiten weit vor Gründung
der Bundesrepublik stammen dürfte. Verkäufe großer Waldflächen finden vereinzelt
statt, sind aber nicht häufig. So mancher der aktuellen Großgrundbesitzer hat noch nie
persönlich Wald gekauft." (ebenda)

Die adligen Familien besitzen natürlich nicht nur alleine die Mehrheit der Wälder, sie
sind mit Ihren einstmals gestohlenen Kapitalien auf fast allen andern Märkten präsent.
So kann man sich - bereits nach wichtigen deutschen Städten gegliedert - über die
Wirtschaftsmacht der wichtigsten Familien und über die Deutschland in erster Linie
Besitzenden auf der insofern durchaus sehr interessanten Website des "Family Office
Research" (https://www.familyofficeresearch.de/) relativ genau informieren, Familien,
in die der "alte Adel" über die Jahre so sukzessive diffundiert ist, wenngleich ich per-
sönlich als ein Aperçu z.B. dort auch noch neben Städten wie München, Düsseldorf,
Hamburg oder Köln auch noch gerne einen Überblick über die Berliner Situation gefunden
hätte, die dort leider ohne Gebühr nicht zugänglich ist. Aktuell sind die meisten Büros in
großen Komplexen direkt oder indirekt vermittelt über entsprechende Fonds oder Stif-
tungen im Besitz großer Familien, die "an sich" direkt Immobilien besitzen und darüber
hinaus eben auch noch an entsprechenden Fonds oder Banken beteiligt sind.

Das private Office ist auch in seiner bisherigen Form schon vor dem neuen Trend zum
"Home"office insoweit doppeldeutig bereits ein "Family(s)" Office. Mehr Homeoffice
könnte insoweit sogar eine gewisse Enteignung der jeweils großen Immobilien-
Familys bedeuten, wenn nicht auch die private Wohnung für das Homeoffice nicht
längst als vermieteter Besitz in den Händen der Familys wäre. Besitz an Wohnungen
paart sich aber zudem ebenso oft mit dem Besitz an sonstigen Wert-, Finanz- und
auch Industrieanlagen. Und die großen Immobilientycoone und Magnaten des
Grundbesitzes greifen wie eine Krake auch in das Leben der kleinen Freiberufler
und Gewerbetreibenden ein.

Der Staat zahlt in Krisenzeiten wie der aktuellen Pandemie den kleinen Selbständigen
zwar ein gewisses Handgeld, mit dem diese und ihre Mitarbeiter dennoch oft kaum noch
überleben können, aber der wirksame Versuch einer staatlichen Regelung zur gesetz-
lichen Drosselung von Gewerbemieten, um solchen Unternehmen den Konkurs
kraft fehlender Mittel zur Mietzahlung zu vermeiden, ist mir bisher kaum bekannt.
Die Immobilienwirtschaft wird dabei nicht einmal Thema der Medien, obwohl gerade
auch sie einen Beitrag zum Erhalt der Lebensfähigkeit der privaten wie gewerblichen
Mieter zu leisten hätte. Private Mietschulden werden inzwischen in Einzelfällen zwar
gestundet, aber ein Schuldenerlass gerade auch für die kleinen Gewerbetreibenden
wäre in solchen Krisenzeiten mehr als überfällig. Eine wirkliche Bodenreform hat es
zudem nur in der autoritären DDR gegeben, und die wurde gerade auch auf Druck
des deutschen Adels, der mehr als eng mit dem Nationalsozialismus verbandelt
war, schnell nach der Wende wieder rückgängig gemacht. Die Erben der Junker
sind und bleiben nach wie vor die Erben der Junker, der Erben der Erben der Junker
und die Erben der Erben der Erben der Junker. Eine solche Besitz- und Vererbungskette
passt eigentlich längst nicht mehr in eine moderne Demokratie, aber genau darüber
möchte nach der Wende auch niemand mehr reden.

Noch krasser hinsichtlich des Aufsaugens von gesellschaftlichen Reichtum durch den
Adel im modernen Europa ist die Situation natürlich in den tatsächlichen "faktisch"
erhalten gebliebenen europäischen Monarchien, in denen den Bürgern bisher - mit
leider meist breiter öffentlicher
und politischer Zustimmung wohlgemerkt - ein erheblicher
Teil ihres Bruttosozialproduktes in den Adelshäusern vorenthalten wird. Ich werbe
insofern auch z.B. unter Europaparlamentariern für eine breite politische neue Initiative
in ganz Europa, um den Bürgern Europas durch eine demokratische Enteignung des Adels
deren Reichtümer wieder zur eigenen kollektiven Verfügung zurück zu übereignen, und um
damit insbesondere die vor uns liegenden finanziellen Krisensituationen zu meistern, die
die aktuelle Pandemie neben der Finanzblase so deutlich gemacht hat. Noch lieber
wäre mir natürlich die Abschaffung von Monarchien in ganz Europa, doch würde man
dies nicht den Bürgern in den jeweiligen Ländern überlassen, so würde dies letztendlich
eher nur "Krieg" bedeuten, bzw. die EU würde durch die Abspaltung wichtiger Länder
noch kleiner und dann auch ineffektiver werden.

Liste der reichsten Monarchien in Europa

Es ist eher unwahrscheinlich, dass diese Liste, die mit allen Einschränkungen
in der Wikipedia veröffentlicht wurde, wirklich annähernd genau, aktuell und
vollständig ist, aber sie gibt zumindest einen Eindruck um welche immensen
Vermögenswerte es sich dabei handelt. Albern wäre es aber, zu behaupten,
oder gar auch nur zu vermuten, dass diese Vermögen den Europäern zur
Finanzierung ihrer zukünftigen Zahlungsprobleme tatsächlich nach einer
entsprechenden Umverteilung zur Verfügung stünden, sie sind aber ein
gewisser Indikator für den unglaublichen Reichtum, der sich dort immer
noch in den jeweils alleinigen Händen der dortigen Monarchen befindet.

Gerne redet man sich in Adelskreisen durch die enormen finanziellen Aufwendungen
für wohltätige Zwecke heraus. Dies ähnelt zwar sicher auch den Entschuldigungen
für die wirtschaftlichen und zum Teil sogar wirtschaftskriminellen Missbrauchsorgien
der Kirchen und Religionsgemeinschaften, die ebenfalls eigentlich einer genaueren
sozialen Kontrolle bedürften, aber hinter dem natürlich von der Mehrheit aller
Bürger gewünschten Erhalt des Weltkulturerbes, zu dem ganz selbstverständlich
auch Parks, Burgen oder Schlösser in Adelsbesitz gehören, verbergen sich häufig
Werte ganz anderer Natur.

Der Adel sitzt heute nicht einfach auf seinen Immobilien und seinem Großgrundbesitz,
er ist vielmehr, zum Beispiel mit den so geldgeilen Oraniern in den Niederlanden, die die
ganze, wenn auch aktuell kriselnde Flugindustrie in ihrem "eigenen" Land mit der Gesell-
schaft KLM in ihren Klauen halten, zu einem immensen Wirtschaftsfaktor geworden,
der sich jeder wirklich direkten parlamentarischen Kontrolle geschickt entzieht.

Wer aber allzu modern in den Start-Ups der Musks und den Gates dieser Welt nur zu
beklatschende Idole des neuen Hipster-Jetsets sieht, die ja ebenfalls wie Monarchen
autoritär und selbstgefällig mit ihren Vermögen agieren dürfen, der hat eigentlich kein
Recht und auch keinen Grund insofern auf den "alten" Adel herabzublicken, der sich
vielfach ebenfalls nicht nur sozial parasitär sondern oft auch sozial sehr konstruktiv
verhält. Zudem darf nicht unterschlagen werden, dass die Monarchien in Europa
nach wie vor eher zu den Ländern mit der größten Lebenszufriedenheit (!) gehören.
Der Reichtum einiger Weniger ist insofern nicht immer ein Hindernis zur Entwicklung
auch des kleinen Glücks im privaten Alltag. Vor diesem Hintergrund wird dann die
Forderung der Abschaffung der europäischen Monarchien durchaus nicht einfacher.

Es geht mir beim Anstoßen einer umfassenden europäischen Enteignungsforderung
gegenüber dem Adelsbesitz folglich nicht um die persönliche Denunzierung zahlreicher
adeliger Akteure sondern darum, dass ich nicht auf die inzüchtige Einsicht "derer von"
warten möchte, sondern vielmehr durch neues Recht und Gesetz sicherstellen will,
dass sich auch die nachfolgenden Adelsgenerationen durch politische und soziale
Kontrolle in den Händen demokratisch legitimierter Institutionen an den jeweilig
gewünschten sozialen wie kulturellen Impetus gebunden fühlen, indem sie konkret
durch neue Institutionen dazu verpflichtet werden, bzw. als handelnde Personen
durch Dritte, andere gewählte Personen, entsprechend ersetzt werden können.

Dabei gilt es gerade auch im europäischen Rahmen darum den neuen globalen IT-Adel<
in seinen individuellen Machtbefugnissen in gleicher Weise zu beschränken und für einen
erheblichen Beitrag durch entsprechende Steuern an den europäischen Sozialsystemen
gesetzlich zu sorgen. Für eine solche Initiative könnte es durchaus auf Dauer eine
"europäische" Mehrheit in den Parlamenten geben. Erste kleine Versuche in dieser
Richtung laufen ja gerade auf parlamentarischer Ebene.

Die neuerdings auch in den deutschen öffentlich-rechtlichen Medien um sich
greifende "VIP-Industrie", die sich ebendiesen europäischen Adelshäusern
durch servile Berichterstattung und Würdigung von Pseudoleistungen immer
mehr widmet, forciert auch noch die Fortsetzung der kulturellen Legitimation der
alten Adelsprivilegien und des ökonomischen Raubrittertums in der modernen
politischen Demokratie durch die mangelnde Aufklärung über die sozial nicht mehr
legitimierbaren Erbansprüche der nachwachsenden Adelsgenerationen in einer
modernen Welt.

"Adelsland in Volkeshand!" wäre zwar insofern eine allzu populistische Forderung,
aber ein Nachdenken über die Inanspruchnahme der nach wie vor feudal gepflegten
Besitztümer - weit über Grund und Boden hinaus - in eine neue, die Europäischen
Gemeinschaft der Bürger "mit" dem Adel verpflichtenden sozialökonomische Ausgleichs-
strategie, wäre sicherlich sinnvoll, zumal von einer solchen Umverteilung nur einige
"Wenige" durchaus vertretbare neue Lasten zur Stärkung des Gemeinwohls erfahren
müssten, bevor so viele wie in der aktuellen Pandemie inzwischen sozial "Abgehängte"
wirtschaftlich darben müssen.

Ja, der Adel darf und kann uns historisch verbürgt längst nicht mehr "willkürlich"
nach eigenem Gusto versklaven oder gar mit eigener Justiz "aufhängen", aber das
"Abhängen" der sozialen Loser vom Gemeinschaftszug ist ihm immer noch durch
seine parasitären Aktivitäten indirekt gestattet. Änderung tut also not, und die nötige
Radikalität mag dabei durchaus dennoch ein gewisses Überleben des Adels als eine eher
liebenswerte nur noch "kauzige museale Marotte und Lebensweise" Einzelner garantieren.

Auch wenn der Adel im Bau- und Immobilienmarkt seine eher monetären Stärken
besitzt, so ist sein Boden-, Land- und Forstbesitz eher ökologisch und bezogen
auf neue Wege der Landwirtschaft relevant. Die Fläche, die in Bezug auf das
Wohnen der Bundsbürger in Adelshand sein kann, ist schon deshalb prozentual
relativ klein, weil die Wohnflächen selbst nur einen minimalen Teil der Flächen-
nutzung darstellen, zudem werden mehr als 50 Prozent der Wohnungen nicht
von den großen Fonds und privaten Wohnungsbaugesellschaften, die zumindest
im Teilbesitz des Adels sind, vermietet, sondern von Kleinbesitzern, denen man
ihren Wohnungsbesitz als private Geldanlage oder Altersversorgung durchaus
unangetastet gönnen sollte.

"Die Frage, wem ein Land gehört, ist leicht zu stellen, aber schwer zu beantworten.
In den vergangenen Jahren immer wieder aufgeflammt ist die Debatte über die
Verteilung des Vermögens auf die Einwohner. Berechnungen, wonach ein winziger Teil
der Bevölkerung fast das gesamte Vermögen kontrolliere, lassen sich aus Sicht von
Kritikern mit dem Ideal der rechtlichen Gleichheit aller Bürger schwer vereinbaren –
obwohl von einer Gleichverteilung des Eigentums in der Verfassung keine Rede ist.
Ein
wichtiger und der deutschen Volkswirtschaft direkt zuordenbarer Teil des Vermögens ist
der innerhalb der Grenzen der Bundesrepublik liegende Grund und Boden, also das Land
und die darunter liegenden Bodenschätze. Die Fläche lässt sich weder ausdehnen noch
transportieren. Ihren knappen Platz nutzt die Industrie- und Exportnation vor allem für
die Landwirtschaft, was allein die Hälfte des gesamten Landes beansprucht. Auf
weiteren 30 Prozent der Fläche stehen Wälder, sodass für den volkswirtschaftlichen
Kern, die Industrie, winzige 1,7 Prozent des gesamten Platzes reichen müssen. Allein das
Straßen- und Schienennetz nimmt mit einem Anteil von 5 Prozent weit mehr Platz ein als
Fabriken und Gewerbe. Der für die soziale Gerechtigkeitsfrage so bedeutende Boom des
Wohnimmobilienmarktes spielt sich auf nur 3,8 Prozent der Landesfläche ab. Die Zahl
verdeutlicht auch, warum Wohnraum selbst in einem klimatisch gemäßigten Land ohne
Wüsten so knapp ist. Den nach der Landwirtschaft größten Flächenanteil nimmt der
Wald ein, der als Rohstofflieferant eine Rolle spielt aber auch als Erholungsgebiet gefragt
ist. Fast die Hälfte des deutschen Waldes gehört Privatleuten. Der Staat ist ein großer
Waldbesitzer, den größten Anteil besitzen die Bundesländer, allen voran Bayern.
Ebenfalls bedeutenden Waldbesitz haben die Kirchen, deren Anteile jedoch in der
bundesweiten Waldinventur gemeinsam mit denen der Kommunen und Universitäten
ausgewiesen werden.
" (Mark Fehr, Wem gehört Deutschland?, FAZ 19.10.2020,
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/schneller-schlau/grund-und-boden-
unter
nehmen-wald-wem-gehoert-deutschland-17005863.html)

Fairerweise sollte man hierbei ergänzen, dass sich gerade beim Adel in den letzten
Jahrhunderten natürlich auch über die Generationen hinweg eine außerordentliche
Kompetenz z.B. in der Waldbewirtschaftung angesammelt hat. Ob dies allerdings tat-
sächlich nur eine Kompetenz der Besitzer, als nicht vielmehr dieselbe der von ihnen
beschäftigten Förster und Waldarbeiter ist, soll jeder für sich beantworten. Ich
persönlich gehe davon aus, dass in genossenschaftlichen Kontexten kompetente
Adlige als Person durchaus ein Wort mitreden sollten, aber die aktuelle Alleinverfügung
ist dabei wohl eher das aktuell zentrale Problem.

D
ie Devise meinerseits sollte dabei heißen: So "wenig Adel wie nötig", und dann -
meinetwegen auch, "so viel Adel wie möglich", um ältere Damen und Herren oder
geistig als private "Idioten" zurückgebliebene Menschen in den abendlichen VIP-
Shows mit entsprechenden Histörchen und Skandalen weiter bedienen zu können.

Ein Aufruf an alle parlamentarischen Kräfte, die im Kontext des europäischen
Adels versteckten wirtschaftlichen Reserven zur Finanzierung neuer Investitionen
oder Sozialleistungen zu prüfen, und Wohnen, Leben und Arbeiten auf deren Boden
in deren Immobilien zu verbilligen, ist dennoch mehr als überfällig, auch wenn
aufgrund der gerade vorgestellten Daten nicht einfach darauf geschlossen werden
kann, dass das Mieten von Wohnungen oder das Pachten von Grundstücken für
Eigenheime durch die Enteignung des Adels für alle dramatisch sofort billiger werden
kann. Dazu sind die Probleme der Preisbildung am Markt doch deutlich komplizierter.

Dabei denke ich zudem auch nicht an neue Wellen der Verstaatlichung sondern an
kreative Formen der Bürgerbeteiligung, des Bürgerengagementes und des Bürger-
besitzes in genossenschaftlichen Strukturen, für die eine neue Generation von
besonders strukturkritischen jungen Leuten längst die notwendigen politischen
Alternativen in Form von Volksbegehren und Bürgerentscheiden gefunden hat.
Mietpreisbindungen sind insofern ein notwendiger erster Schritt, aber wenn wir
nicht den Mut haben an die Eigentumsverfassung der Bundesrepublik und darüber
hinaus in Europa heran zu gehen, dann werden uns die Gerichte immer wieder zu
Recht einen Strich durch die Rechnung machen, denn noch ist das private Eigentum
der Kleinen völlig unverständlich wie das Privateigentum der Großen in "gleicher"
Weise geschützt.

Die in der bürgerlichen Gesellschaft vieler Länder legal längst vollzogene Abschaffung der
Monarchien - als einen unnötigen Ballast aus der so nicht mehr wünschenswerten
Vergangenheit heraus - sollte neuen konstruktiven Streit auch in die "expliziten"
europäischen Monarchien tragen, damit der westeuropäische Adel endlich zu "seinem"
Beitrag zum Neuaufbau gezwungen wird, genau so wie die Enteignung der osteuro-
päischen Oligarchen zur Schaffung weniger korrupter Verhältnisse in ganz Europa
schnellstmöglich notwendig ist.

Aber immer wieder hat der Europäische Spießbürger bei allen Forderungen nach
Vergemeinschaftung von Vermögen Angst um die Enteignung seines kleinen Privat-
grundstücks, seiner eigen Wohnung oder seines Häuschens, die doch sicher so nicht
gemeint ist. Weder eine Planwirtschaft noch eine sozialistische antiliberale Kriegs-
wirtschaft können dabei geeignete Vorbilder sein, aber die konsequente Umsetzung
der Sozialverpflichtung des Eigentums, beispielsweise wie im Deutschen Grundgesetz
bereits verankert, könnte die Richtung dabei vorgeben. Doch auch hier wäre eine
Grundgesetzänderung insofern von Nöten, denn eine Enteignung bei voller Kompen-
sation der Vermögenswerte zugunsten des Adels wäre nur eine weitere soziale
Übernahme "schlechter" Risiken wie bei den voraus gegangenen "Privatisierungen",
indem "gutes" Geld "schlechtem" Adelsbesitz nur hinterhergeworfen würde.

Enteignung ohne gleichwertige soziale Kompensation wird aber ohne eine Grund-
gesetzänderung bei der nach wie vor konservativen Ausrichtung der Verfassungs-
gerichte eben ganz sicher in Deutschland so schnell nicht erreicht werden können.
In anderen europäischen Ländern könnte das ähnlich aussehen. Und eine Zwei-
drittelmehrheit für die wirkliche Abschaffung auch der ökonomischen Adelsprivilegien -
schon in Deutschland allein - würde wohl noch lange auf sich warten lassen. Bis also
aus Boden und Immobilien der großen Adelsclans und -familien tatsächlich ein "Home-
office" in Genossenschaftsbesitz wird, wird noch viel Wasser den adelsbesetzten Rhein herunterfließen. Das "Genossenschaftsoffice" wird wohl noch viele Jahre der Traum
von uns "wirklichkeitsfremden" Romantikern bleiben.

Zu befürchten ist stattdessen, dass durch den Verzicht der aktuellen europäischen
Politik auf die notwendige Änderung der Eigentumsordnung im gesamten Binnenraum
(um durch solche an sich ganz vernünftige Forderungen, diese Defizite in der Strategie
einer sozialen Angleichung von Rechten und Pflichten in Zukunft auszugleichen), die
an sich berechtigte "Skepsis gegenüber unberechtigtem Reichtum" auf Dauer wohl eher
wieder - wie leider
in der Vergangenheit shon so oft - nur von den Extremisten zur
eigenen Legitimation von deren autoritären semikriminellen Umverteilungseingriffen in
das politische Spiel der Mächte ohne parlamentarische Absicherung populistisch miss-
braucht wird.

Die Nazis haben statt einer Umverteilung von "Reich" nach "Arm" die Werte wohl-
habender Juden und antinationalistischer Eliten nur gestohlen, und die Kommunisten
haben ihre Eliten mit der gleichen Pseudo-Umverteilung gefüttert, damit sie heute
auf Kosten ihrer jeweiligen Gesellschaften nach der politischen Wende ihr Dasein als
unkontrollierte, quasi feudale Oligarchen genießen und somit ihrer Gesellschaft jeweils
massiv schaden dürfen. Damit eine Umverteilung nicht zur ideologisch totalitären
Chimäre wird, muss sie demokratisch vollzogen und deshalb von der Mehrheit aller
Bürger deutlich gewollt werden, schon deshalb erfordert der Weg zu mehr sozialer
Gerechtigkeit so außerordentlich viel Geduld: Zeit, die wir eigentlich nicht haben,
wenn wir unsere Welt nicht zerstören und verslummen lassen wollen.

Nachtrag 12.1.204: Imponierend in dieser Richtung ist eine einsichtige wohlhabende VIP-Frau (siehe den hier gelinkten Beitrag), die zu einem hohen Anteil auf ihr Erbe verzichten möchte und stattdessen für mehr Gleichheit der Lebenschancen, "Rückverteilung" und demokratischen Umgang mit Geld und überzogenem Wohlstand, mithin für eine solidarische Gesellschaft, eintritt. Mir allerdings kaum verständlich ist darüber hinaus ihre Position allerdings, dass es dabei nur um die Erbschaftssteuer, nur zum Teil um die Vermögenssteuer und schon gar nicht um die Versteuerung von viel zu hohen Privateinkommen unserer VIPs geht. Da sollte sie ihren Standpunkt bei ihrer ansonsten so vorbildlichen Initiative sicher noch einmal überdenken.

Deutschlandfunk Kultur: Superreichtum? Nein Danke

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