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BANK ODER SPARKASSE (2010)

Banker und Unternehmer sind aktuell ins Gerede gekommen, also geborene Risikoträger. Die neuen Helden der Gesellschaft der Sparsamkeit sind Buchhalter, Sparkassendirektoren und Finanzpolitiker (Staatssparer), also geborene Risikovermeider, frei nach dem Motto: „Wir haben es immer schon gewußt (aber niemals gesagt!!!)“ .

Wer fragt sich vor diesem Hintergrund noch ernsthaft, ob sich Gesellschaften in der Geschichte eher gesund
gespart oder eher gesund investiert haben? Sparen ist Ausdruck des Wunsches nach Erhalt eigenen oder fremden Erfolges aus der Vergangenheit, Investieren ist Ausdruck der Hoffnung nach eigenem oder fremdem Erfolg auf der Basis guter Ideen und ihrer Realisierung in der Zukunft. Sparen ist rückwärtig orientiert, Investitionen folgen dem Postulat des vorwärts.


Obama ist aktuell en vogue mit seinem inhaltsleeren
„yes, we can“; warum wohl, in einer Gesellschaft, in der nichts mehr geht, weil es alle nicht gewesen sein wollen? Was aber sollen wir nun können können? „Herr obama Dich unser“ in der Beantwortung dieser Frage!

Die Täter standen schon immer unter Generalverdacht. Dank Dostojewskijs „Schuld und Sühne“ wissen wir auch, daß der kreative Mensch mit seiner aufrührerischen Seele immer nah beim Verbrecher liegt, und die feige Gesellschaft der Ängstlichen nichts lieber bestraft als das Scheitern der Mutigen.

Die klassische Erfahrung unternehmender Menschen im Angesicht einer Sparkasse war die Frage nach „Sicherheiten“. Mit anderen Worten: die Perpetuierung der vorhandenen Ungerechtigkeiten als Voraussetzung für gebremsten Pseudowandel. Und die Antwort der Sparkassen auf ein Kreditanliegen auf der Basis einer „nur“ guten Geschäftsidee war weit häufiger als gewünscht: „No, we can not!“ Und wenn ein Sparkassendirektor durch die Inkaufnahme eines kalkulierten Risikos dann doch einmal über seinen Schatten gesprungen ist, oder besser durch einen Kreativen dazu verführt und entsprechend als das vorgeführt wurde was er ist, ein peinlicher Nachäffer und Feigling, so stieß er - mit Helmut Dietl durch seinen Film „Rossini” kaum prägnanter karikierbar - ein freudiges „Ich hab ein gutes Gefühl!!!“ aus, wohlwissend dass auch im Falle seines Scheiterns natürlich die Zeche wieder der „kleine Mann“ bezahlen muß. Risikofinanzierungen waren zumeist eben nicht Aufgabe der Sparkassen, sondern eigens dafür gegründeter Banken, und auch diese hatten in ihrem öffentlichen Ruf unter ihrer eigenen ebenso sicherheitsgeleiteten Bremsermentalität zu leiden. Immerhin aber waren mit Banken Risikogeschäfte zu finanzieren. Der Banker ist schuld, es lebe der Sparkassendirektor! Leute orientiert Euch an diesem Vorbild: Bringt Euer Geld zur Sparkasse! Seid genügsam und mehret Euch, stets vorsichtig und bedachtsam, denn nur dies seid ihr dem Vaterland schuldig.

Wir wollen in diesem Zusammenhang einmal nicht über die menschliche Peinlichkeit der aktuellen Banker-, Unternehmer-, und Politikerriege reden, und schon gar nicht über die unter ihnen so weit verbreitete Habgier, Selbstgefälligkeit, Dummheit und Leichtfertigkeit, aber wir brauchen doch Banker, Unternehmer und Investoren!!! Alle risikobelasteten Institutionen drohen nun zudem ebenfalls in den Sog der menschlichen (!) Inkompetenz der Verantwortlichen zu geraten und selbst die „Geld“gesellschaft an sich gerät unter Generalverdacht.

Was aber wäre die Moderne nach Simmel ohne die anonyme Qualität des Geldes? Stets bekannte und stets kontrollierte Geschäfte und Lebensbeziehungen stehen uns nun ins Haus, als Antwort auf das Scheitern der „Freien“, bedingt durch deren Mißbrauch von „Freiheit“. Die moderne Planwirtschaft geriert sich zunehmend sozial, dahinter verbirgt sich aber die Denkwelt der großen alten tyrannischen Imperien, deren Hauptaufgabe darin lag, die Tributzahlungen exakt zu überwachen. Alle mobilen, weil annonymen, monetären Institutionen, wie die „Aktien“, die „Optionen“ und die „Termingeschäfte“ waren Motoren des sozialen Fortschritts. Gerade weil sich die Risikoträger nicht ständig und persönlich „outen“ mußten für ihre Handlungen und Motive. Die „Gier“ nach Gewinn angewandt auf den rechten Zweck bleibt nach wie vor ein wünschenswerter sozialer Motor.

Man sehe sie sich doch an, die stets auf Sicherheit bedachten Oberlehrer, Bedenkenträger, ohne erotische Ausstrahlung, die sich noch vor jedem wilden Orgasmus fragen: Ja, darf ich denn das? Die Sozialdemokraten waren schon immer Revoluzzer, im Zivilstand Lampenputzer mit einer tief verwurzelten Polizistenmentalität. Man schaue nur in die müden Augen der rechten wie linken, grünen wie roten, gelben wie schwarzen politisch Korrekten, die Langeweile ihrer Ehen, und achte sensibel auf die innere seelische Abneigung und Verachtung durch deren eigenen Kinder. Worin liegt ihre Vorbildfunktion, im „Aushalten“ der eigenen menschlichen Langeweile? Man berücksichtige ferner deren spurenlosen Abgang selbst noch im Tod, auf deren Grab kein Stein als Bekenntnis zu einer Sache sondern nur ein riesengroßes Fragezeichen gepflanzt gehört. Und selbst zu den ernsthaften und mutigen Fragen ist diese Kaste der Kümmerlinge im Laufe ihres Lebens nicht gekommen. Sie haben auch nicht den Mut sich zum Scheitern vor den Fragen durch fehlende Antworten zu bekennen. Also wäre sogar das Fragezeichen als das persönliche Kreuz auf dem Grabe wohl eher verfehlt. Nur ein durch nichts zu manifestierendes „Nichts“ als die Verkörperung des Vakuums, das sie nicht hinterlassen sondern vielmehr bedeutet haben, könnte die angemessene Warnung auf der Grabstätte ihres Scheiterns sein.

Mächtige Akteure sind nun zu öffentlichen Underdogs geworden und werden für ihre unbedachten „Entscheidungen“ sozial geächtet, was einerseits vor dem Hintergrund der Arroganz der Macht ein wünschenswerter Prozeß ist; andererseits aber mißfallen mir die neuen Helden, die feigen und übervorsichtigen, die pseudo-bedachtsamen und die karriere-eilfertigen Kriecher mit beamtengesichertem Status. Statt „Sex in the City“: „Sex with a pity“. Dostojewskijs Spieler haben die Welt nun verzockt, aber sie haben immerhin ein Spiel in der Welt gewagt. Natürlich ist ein ökonomisches Spiel, vor allem dann, wenn es scheitert, immer ein Spiel zu ungunsten anderer Personen, und selbstverständlich bleibt noch genügend Spielraum für anständiges und nachhaltiges wirtschaftliches Handeln (der ehrbare Kaufmann), aber um diese Verantwortung muß der Spieler wissen und mit der Strafe durch Konkurs, sozialen Abstieg oder Ächtung zahlt er zu recht (!) seinen Preis (!).

Wie aber wird soziale und persönliche Untätigkeit bestraft? Die Todesstrafe lautet „Köpfen“ durch vorzeitiges abhacken des Genuinen, des Authentischen, Eigensinnigen und Erotischen bzw. „Hängen“ durch ein im Leben Aufgehängtsein in die klammheimliche aber nie wirklich enden wollende Karrieresucht, das Dasein eines freudlos mittelmäßigen Workaholics“ oder die bigotte und pharisäerhafte Pseudozufriedenheit des besserwissenden „Hab ich doch gleich gesagt!“. Wo aber bleibt die verständnisvolle Milde für diese ansonsten so ge- und beförderte wertvolle soziale Randgruppe der ewig Ängstlichen, „weil doch nicht jeder ein Held sein kann“? Wem auch immer sei Dank für die geniale Tröstung der ewig Feigen durch eine eigene Institution und die Abmilderung des Todesurteils in ein nur „lebenslänglich“. Was zur Beruhigung bleibt, ist das samtweiche kaum spürbare Urteil der größten persönlichen Selbstverachtung: die unehrliche leidenschaftslose bürgerliche Ehe. Yes we can.