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Der Himmel über Berlin
(ein wachsendes Fragment in der Zeit)

Die Sonne lacht heute über Berlin
… und auch ganz Bayern lacht über Berlin.
Ja, ja, der Flughafen ….
dabei denkt niemand an den Potsdamer Platz,
den ich zwar nicht mag,
der aber eine logistische Meisterleistung ist und war.

Ich habe mir vorgenommen, in der mir noch verbleibenden Zeit
aus meiner Perspektive Berlin ein wenig zu beschreiben.
Vor allem für meine Freunde und meine Familie, aber
als öffentlicher Blog natürlich auch für all diejenigen, die das
interessieren könnte, will ich die Seite Woche für Woche
erweitern.

Mein Doktorvater, einer der intelligentesten Menschen,
die ich je kennen gelernt habe, sagte immer zynisch:
„Die Berliner sind eigentlich zu nichts nutze,
sie sind oft inkompetent und machen fast alles verkehrt.
Aber sie haben eine Größe, die in der Welt fast einmalig ist:
Sie haben für entscheidende und wichtige Aufgaben,
ob in der Architektur, der Wirtschaft, der Politik oder Kultur
immer „Fremde“ gesucht und diese auch zugelassen.“
Das macht die eigentliche Erfolgsgeschichte der Berliner aus!

Mein Berlin, da will keiner hin,
das ist ganz anders als der Kennedy
- auswärtig, aber eben außenseitig -
das ist eher so wie „das Knie“ von Alexander Kluge (s.u.).

Viele Berlinerinnen und Berliner, die ich in diesem
Blog geschlechtsneutral als Berliner subsumiere,
die würden so selbst gewählte Außenseiter wie mich
am liebsten ausbürgern, ähnliches kann ich aber auch
über meine deutschen Mitbürger an sich behaupten.

Wenn ich eines nicht sein möchte, dann möchte ich
weder deutsch noch berlinerisch sein, obwohl ich doch
eben genau beides bin, und insofern zu einem absurden
Leben in dieser Stadt und in diesem Land verurteilt bin.
Geradezu unverschämt wird meine Selbstsicht vor allem
dann, wenn ich auch noch bekenne, dass ich die Vorteile
dieser wohlhabenden Stadt und dieses wohlhabenden Landes
tagtäglich für mich in Anspruch nehme. Immerhin gönne
ich Gleichartiges aber auch denjenigen, die (wo auch immer
herkommend) nach Berlin geraten sind, und guten Willens
im Sinne eines gerechten Lebens in einer solchen
multikulturellen Gemeinschaft und Gesellschaft sind.

Hier ein Fragment zu Deutschtum und Berlin,
dort eine Übereinstimmung und dann vor allem aber auch
immer wieder ein expliziter „Dissent“.

„Die Patriotin“ von Alexander Kluge;
Deutschland 1979; 121 Minuten; Farbe.

"Das Dilemma beginnt mit dieser Stimme.
Alexander Kluge spricht einschmeichelnd sanft,
ganz dicht am Mikrophon, verführerisch wie ein
geschulter Kinderfunk-Märchenonkel.
Er will uns überreden, zu glauben, er sei ein Knie:
das Knie des Obergefreiten Wieland, der in Stalingrad fiel.
Christian Morgenstern: "Ein Knie geht einsam um die Welt. /
Es ist ein Knie, sonst nichts!" Sonst nichts?
O-Ton Kluge: "Als deutsches Knie interessiere ich mich
natürlich vor allem für die deutsche Geschichte."
Das ist?s also: Das mittlere Beingelenk des Obergefreiten
Wieland hebt an zu einer Wanderung durch die deutsche Geschichte,
zu einem großen historischen Diskurs.
Mitnichten sieht man den braven Soldaten oder sein Knie oder Stalingrad,
sondern, zwei Stunden lang, Schnipsel, Bruchstücke, Partikel,
ein labyrinthisches Trümmerfeld:
Schlachtszenen, Schlösser, Landschaften, Feldherren, Politiker;
Photos, alte Bilder und Postkarten, Kinderzeichnungen, Comics,
inszenierte und improvisierte und Dokumentarszenen.
Genauso zerstückelt ist das Filmmaterial: Farbe und Schwarzweiß,
Zeitraffer und Zwischentitel, frühe Experimente und neue Trickaufnahmen,
Spielszenen und dazwischen Hunderte von Miniatur-Montagen,
kaum begonnen, schon zerronnen.“

(https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-39685947.html)

Kann man Berlin lieben? Nach meiner Meinung nach eher „Nein!“,
zumindest ich liebe Berlin nicht, weil man eine Stadt eben „überhaupt“
und „an sich“ nicht lieben kann, und schon gar nicht, wenn sie sich selbst
als „Haupt-Stadt“ geriert. Dann müsste ich über Berlin hinaus auch noch
Deutschland lieben, und das überlasse ich eher den ängstlich Dummen,
die eine offizielle Heimat brauchen, oder den Nationalisten, die abstrakte
Begriffe und Konzepte statt menschliche Güte und Wärme anbeten.

Ja ich gestehe, zumeist liebe ich die Berliner nicht. Der Berliner Jargon
ist oft geistlos und grob, so als ob in irgendeiner Berliner Eckkneipe
eine Horde Besoffener wenn das Runde ins Eckige geraten ist
lauthals grölt: „So sehen Sieger aus!“, und ich ihnen dann ehrlich
eher bescheinigen müsste, dass ich mich auch unter solchen
Losern nur dann wohl fühlen kann, wenn ich mich auf ein ebensolches
Level von Dummheit vorgesoffen hätte, was aber – vor allem zum Selbstschutz -
in solch einer Atmosphäre allzu selten vorkommt. Damit meine ich
natürlich nicht nur die klischeehafte Kolportage darüber, dass der Dativ in Berlin
dem Genitiv sein Tod ist, und natürlich hat „der“ Berliner oft neben dem bekannten
Vokalschwund im Berliner Dialekt auch noch einen Gehirnschwund, wenn er sich
zu seinem Deutschtum - ohne wenn und aber - bekennt, dabei ist dem Berliner
ja schon das Deutsche sprachlich fremd. Zum Glück gibt es diesen Negativ-Berliner
inzwischen allzu selten, und dann hält er sich ja auch am liebsten im Zoo,
bei einem Panda auf, so dass man ihn im multikulturellen Alltag dieser Stadt
in Wirklichkeit kaum wahrnimmt. Selbst als schnoddriger Taxi- oder Busfahrer
ist er wohl eher vom Aussterben bedroht, weshalb er von jungen Multikultis
wie eine Reminiszenz aus besseren Zeiten romantisierend gefeiert wird.

Wie ist es möglich dass so eine humorvolle, spritzige und bildreiche Sprache
wie der Berliner Dialekt so an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurde?

Verantwortlich sind die Eliten dieser Gesellschaft, die die Lasten der
Urbanisierung nur den einheimischen Menschen aufgebürdet hat. Die
wohlhabenden Berliner pflegen ihr verdurchschnittlichtes Deutsch als
elaborierte Hochsprache, den Berliner Schulen wurde indes beim Elite-Run
auf den Numerus Clausus nur wenig Gelegenheit gegeben, die Vielfalt,
die der Berliner Dialekt als solcher bietet, auch in einer lebendigen Sprache
weiter zu entwickeln. Der Berliner Dialekt entartete insofern zu einer
Karikatur seiner selbst.

Noch immer findet man vereinzelt vor allem Berliner Frauen, die die
Sprachgewalt einer lebendigen Berliner Dialektsprache weiter tragen.
Frauen sind uns Männern in der Vielfalt der sprachlichen Verwendungen
ja eh überlegen. Immer wieder überraschend und an völlig unerwarteten
Orten in nicht vorher bestimmbaren Situationen sind mir deshalb
sprachbeeindruckende Frauen und nur selten sprachwitzige Männer
in Berlin begegnet, die sich ohne Bitterkeit und mit der an sich
urberlinerischen Fröhlichkeit den Charme und den bahnbrechenden
Humor einer wirklichen Berliner Pflanze bewahren konnten.
Nicht umsonst gibt es ja auch einen breiten Fundus an typisch
Berliner Witzen, die meist obrigkeitskritisch und sehr wohl auch
multikulturell offen waren. Leider sind die Frauen mit diesem Berliner
Charme, von denen ich weiter oben sprach, in eher niedrigen Lohn-
und Gehaltsgruppen beschäftigt und leisten oft Bewundernswertes
in ihrem jeweiligen Beruf, ob im Krankenhaus, einem Einzelhandelsgeschäft
den Discountern oder als Beschäftigte eines Nahverkehrsunternehmens.
Unabhängig davon hat sich der Berliner Dialekt aber immer mehr zu einem
Unterschichtenjargon gewandelt, dessen Verwendung inzwischen sehr
häufig einen niedrigen Bildungsstand indiziert, und Menschen bei der
Verwendung ihrer tradierten Sprache zwangsläufig in die Gefahr eines
Vorurteils mangelnden Wissens und mangelnder Intelligenz bringt.
Selbst die kompetenten Berlin-Sprecher weichen jedoch auf längere
Sicht unweigerlich den Jüngeren mit neuen Sprachbildern, die mit dem
eigentlichen Berliner Dialekt immer weniger anfangen können und ihre
jeweiligen diversen Muttersprachen dann auch noch in eine oft holprige
deutsche Hochsprache einbringen.

Ja, Berlin, und selbst nur seine Sprache zu lieben, das ist wirklich eine
eigene Sache. Lieben, das ist wohl so etwas wie eine freiwillige Übernahme
von Verantwortung, Das ist vielleicht auch der stets unmögliche Versuch
„grenzenlose“ Güte auf eine geliebte Person, eine Familie, ein Kollektiv
oder eine umfassendere „Gemeinschaft“ zu projizieren, und insofern
hat auch das aussterbende Exemplar des Berliners „an sich“ diese Güte
verdient; aber leider ganz ehrlich: In meinem engeren Bekanntenkreis
gibt es kaum Exemplare der vorher beschriebenen urberliner Art, und selbst
diejenigen, die in Berlin aufgewachsen sind, gehören in Wirklichkeit eher
zu den an die multikulturelle Hauptstadt Assimilierten.

Wie aber soll man solch eine Verantwortung und Empfindung
quasi bevorzugt für nur eine und inzwischen so „ganze“ Stadt entwickeln?
Berlin ist für mich vielmehr eher so etwas, wie ein „bevorzugter Ort“.
Schließlich möchte ich hier auch begraben werden - oder doch verbrannt?
Es hätte auch schlimmer kommen können im Leben als in Berlin zu leben.
Es hätte auch Paris sein können, wovon ich in meiner Jugend immer geträumt habe.
Diesen Traum aber hat meine Tochter gelebt, und die ist dann nach Den Haag gezogen.

Meine Liebe zu Berlin, das ist wohl letztendlich nur eine lange Anwesenheit dort
mit den damit verbundenen „Erlebnissen“ und „Erfahrungen“. An Berlin
liebe ich also weniger die Stadt, als vielmehr mich selbst, der ich doch
all diese Erlebnisse gehabt und entsprechende Erfahrungen gemacht habe.

Dem ähnelt eine Berliner Atmosphäre die ich immer wieder im Rahmen
von kulturellen Ereignissen, die ich besucht habe, wahrgenommen habe:
Wenn ein Berliner einen kulturellen Ort aufsucht, was viel seltener geschieht,
als die Nicht-Berliner meinen, dann adelt er diesen Ort durch seine „Anwesenheit“.
Ich habe mich immer gewundert, warum die Besucher von Veranstaltungen
in Berlin so „zwangsbegeistert“ zu sein scheinen. Auch bei eher schlechten
bis durchschnittlichen Darbietungen stampfen sie oft vor Begeisterung mit
den Füßen, fordern im Theater mehr Vorhänge als angemessen oder sie
klatschen sich die Finger wund und jubilieren mit lautem Schreien und Stöhnen.
Aber ja, der Berliner kann nicht verkraften, für etwas gezahlt zu haben, was
vielleicht doch nichts taugt. So trommelt er voller Vergnügen die Begeisterung
herbei, die doch nur für seine eigene Fehlentscheidung steht, Bejahung des
Negativen bis hin zur Prognose des eigenen Untergangs der Menschheit
samt den Berlinern, und den sehnt die aktuelle Berliner Apokalyptiker-Welt'
groteskerweise wohl am süchtigsten herbei; denn dann hätten die Wahrsager
des allgemeinen Nieder- und Untergangs ja sogar recht gehabt.
Nichts liebt der Berliner mehr als „recht“ zu haben, selbst unter Inkaufnahme
des eigenen Scheiterns. Obwohl Berlin von den Fremden lebt, will dies
der "bedrohte" Ur-Berliner nicht richtig wahrhaben. Dabei ist seine Sprache
in ihren Ursprüngen sowohl eine Quelle des Humors als auch des Spottes,
aber immer mehr geht die Kraft dieses Dialektes verloren und der Berliner
bleibt als bitterer und nur noch nörgelnder Beobachter einer multikulturellen
Szene übrig, die doch eigentlich den Reichtum dieser Stadt ausmacht.

Genug der Klischees, denn diese Seite wird ein fortzuschreibender Blog im Blog werden.
Ich werde sie mit den Auffälligkeiten des Berliner Alltags für mich sukzessive spicken.
Fast alles was ich erlebe, werde ich aber in Wirklichkeit verheimlichen und verblümen,
denn auch das ist für „uns“ Berliner so typisch, wenn ich das einmal so dreistfrech
behaupten darf.

Berlin eignet sich als eine anonyme Großstadt für fast alle Geheimnisse,
also all das, was man an sich am wenigsten mag, das darf man auch in Berlin
für sich behalten. Eigentlich interessieren sich in Berlin nur wenige für
andere, das habe ich spätestens dann gemerkt, als einer unserer Nachbarn in
unserem Wohnblock nach Monaten des unbemerkten inneren Verfaulens im
Sarg aus seiner Wohnung getragen wurde, und mir die zuständige Polizistin
sagte, sie habe in Berlin inzwischen eine Nase dafür und rieche den Tod
eines Menschen schon an der Haustüre, und das obwohl unser Haus doch
7 Stockwerke hat, und wir zusammen mit dem Verstorbenen in einem der
oberen wohnten.

Schwul oder lesbisch sein, ist in dieser Stadt eigentlich kein Geheimnis mehr,
und selbst Neurotiker mit den verrücktesten Ticks bis hin zu gravierenden
Leiden trifft man in fast jedem öffentlichen Verkehrsmittel. Dass die Stadt
zu den schmutzigsten Städten in Deutschland gehört, wenn man den Armutsgürtel
am nördlichen Ruhrgebiet, wo ich ursprünglich lange gelebt habe, einmal auslässt,
fällt jedem Neuankömmling auf, aber zugleich auch, dass die Berliner Stadtreinigung
BSR in Abhängigkeit vom Durchschnittseinkommen der Bürger dem jeweiligen
Kiez eine unterschiedliche Pflege zukommen lässt.

Das Berliner Gutmenschentum hat sich eine besonders perfide Form des
Versteckspiels für die eigene Ausländerspießigkeit ausgedacht. Während
in den wohlhabenden Berliner Stadtteilen von Steglitz, Wilmersdorf, Dahlem,
Zehlendorf über Charlottenburg, Pankow, Prenzlauer Berg bis nach Wilmersdorf
bzw. Schöneberg das verbale Multikulti en vogue ist, und die Grünen dort mehr
als 30 Prozent der Stimmen für ihr multikulturelles Engagement bekommen,
sind dies zugleich die Stadtteile mit den niedrigsten Ausländeranteilen.
Einzige Ausnahmen insofern sind Kreuzberg, das eh einen eigenen Lebensstil
propagiert, und inzwischen auch - zumindest teilweise - Wohnviertel in
Friedrichshain oder im Umfeld des Tempelhofer Flughafens. Bigotter kann
man sich kaum verhalten. Da wird öffentlich über die AFD-Wähler und
„Ausländerfeinde“ unter den Biodeutschen in den armen Berliner Stadtteilen
gewettert, während es andererseits kaum Initiativen gibt, die Berliner Ghettos
in Richtung auf die Wohnsiedlungen und Villen der Wohlhabenden aufzulösen
oder zumindest zu entlasten. Die gesunde Berliner Mischung, von der in den
Kiezen so gerne geschwafelt wird, bleibt insoweit eine reine Fiktion, die durch
die ökonomischen Verhältnisse auf dem Wohnungsmark konterkariert wird.
Sprachliches Berlinern wird dort zur anti-multikulturellen Gegenkultur, und
eigentlich kann man es den bitteren Opfern der „Globalisierung“ auch kaum
verdenken. Der stolze, intelligente und gebildete berlinernde Facharbeiter der
Vergangenheit mit seinem antiautoritären Eigenwitz wurde zusammen mit seiner
Frau, Mutter, Tochter oder Kollegin längst aus den Betrieben verdrängt.
Geblieben ist das Stadtrandschicksal der neuen Berliner Urgemeinden, weil
dort der Boden, die Wohnungen und die Häuser vorläufig noch bezahlbar sind.
Aber selbst Gebiete in Spandau, in denen noch lange urberlinert wurde,
erfahren inzwischen in ihren attraktiven Regionen die sprachliche Angleichung
durch die neuen Berliner Eliten. Und die erfolgreiche Start-Up-Company möchte
ich sehen, in der noch ehrlich und nicht als Schauspiel berlinert wird.

Dass Berlin recht großzügig mit breiten Straßen und Alleen angelegt ist,
und von mehreren Flüssen und Kanälen durchzogen ist, hat meine persönliche
Wahl für Berlin nicht entschieden, wenn schon eher die Zufälligkeiten des
Lebens, die für meinen Zuzug aus Nordrhein-Westfalen verantwortlich waren bzw.
die dreiste Arroganz, dass ich meinte, hierhin zu gehören, weil diese Stadt ein Ort
für Menschen ist, die sich selbst ernst und wichtig nehmen. Und zu meiner Lebensart
und meiner Lebensweise gehört ganz sicher, dass ich mich besonders wichtig
nehme, was ich übrigens auch all meinen Mitmenschen empfehle. Selbstliebe
fördert die Fremdliebe, womit natürlich weder Selbstgefälligkeit noch Egoismus
gemeint sein sollten. Der größte Eigennutz bleibt nach wie vor der Gemeinnutz.

Ja, ich bin davon überzeugt, dass ein Reiz dieser Stadt die Tatsache
ist, dass Berlin interessante und kreative Menschen anzieht, die zumindest
die Fähigkeit haben sich selber zu lieben. Würde dies jedoch so bruchlos
gelingen, würden sich so viele Berliner weder so allein fühlen, noch könnte
dies erklären, warum das Klima in Berlin in den letzten Jahren doch auch
so aggressiv geworden ist.

Wahrscheinlich übertreiben wir Berliner es in der Dichte der Großstadt
doch ein wenig zu sehr mit dem fordernden Eigeninteresse, anstatt uns
selbst häufiger gütig mit unseren Fehlern zu lieben und dadurch die damit
verbundene notwendige Gelassenheit in der Gemeinschaft zu entwickeln,
die uns lernen lassen würde, auch die Fehler der Anderen entsprechend
anzuerkennen.

Berlin ist sicher nicht die Stadt der Makellosen und Fehlerlosen. Alles ist eben
in Berlin, wie wir Berliner selbst, nicht perfekt und nicht vorbildhaft. Solche
„Eigenschaften“ einer Stadt, die es ja eigentlich so gar nicht gibt, überlassen
Berliner eher in dieser Hinsicht so sterilen Verwaltungsstädten wie Münster,
Düsseldorf, Stuttgart oder München, wo sich die Ordnung, die Sauberkeit und
der Glamour der Stadt, anders als in Berlin nicht nur auf wenige Haupt-
oder Einkaufsstraßen bezieht.

Dabei hat Berlin vielleicht sogar weitaus mehr Verwaltungen als die Sauberstädte.
Selbst die wohlhabende Handelsstadt Hamburg hat ja, wie die vorher genannten
Städte auch, ihre punkigen Kieze, und auch das bigotte Spießertum kann sich in Berlin
sicher nur besser verkriechen als andernorts, so dass es in der Gesamtbewertung
nur weniger auffällt.

Kurzum: Städtevergleiche dieser Art sind eigentlich albern, aber vielleicht kann
man das mit einem Erlebnis aus meiner eigenen wilderen Vergangenheit vergleichen.
Meine Mutter wurde einmal von einer Freundin gefragt, was hältst Du eigentlich
von Deinem Sohn Uli, also von einem der drei Brüder, und sie antwortete, übrigens
sofort und wie aus der Pistole geschossen: Mit dem Uli erhältst Du wahrscheinlich
nicht meinen besten Sohn, aber auf jeden Fall meinen interessantesten. Zur
Irritation meiner damaligen Freundin konnte ich persönlich mit diesem Urteil gut leben,
und so dürfte es irgendwie im innerdeutschen Städtevergleich auch der Stadt Berlin
gehen. Sie ist sicher eine der interessantesten Städte Deutschlands – auf den ersten
Blick, obwohl natürlich jeder Ort, ob egal, ob er groß oder klein ist, wenn man ihn
richtig kennenlernt, seine interessanten Seiten aufweisen kann. Dies ist ein wenig
so wie dies Martin Buber für den Umgang von Menschen untereinander im Ideal
für wünschenswert hält: wir sollten lernen uns durch das gegenseitige miteinander
reden und handeln als interessant und wichtig zu begreifen, dann bleibt nur wenig
Spielraum für Einsamkeit und Langeweile, die von uns Menschen sicher am wenigsten
gewünschten Lebenssituationen. In Berlin sollte man eigentlich gezwungen sein,
miteinander zu reden, und dieser Blog soll ein Beitrag dazu sein.

(Dieser Beitrag ist noch unkorrigiert und wird erst sukzessive
vervollständigt - insoweit also nur ein Vorgeschmack)