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Meine persönliche Osterbotschaft 2024:
Seid endlich wieder dewütig!

 

(Wir müssen lernen in Gesichtern widersprüchlich zu lesen!)

(Quelle: https://www.welt.de/politik/ausland/article238639847/Putin-stellt-Ukraine-Krieg-als-reine-Verteidigungsaktion-dar.html)



In einer Zeit mehr Demut einzufordern, in der fast schon - wie in den nur quasi historisch hinter uns liegenden allgemeinen Menschvernichtungszeiten der großen Kriege - die Demütigung von Menschen der Normalzustand zu sein scheint und der Widerstand dagegen die große Ausnahme, klingt sicher auf eine gewisse Weise obszön, abstrus oder gar zynisch. Dabei vergessen wir ganz, dass zum Beispiel die großen Zyniker (Kyniker) zu den bedeutenden Weltbekehrern in der Philosophie gehörten.

Im Westen breitet sich wieder die große "Doppel-Wumms"-Angst aus, die den armen bis ärmeren Süden und Osten aus europäischer Sicht auch ohne den Wumms schon immer geprägt und belastet hat. Nun also sind auch wir wieder dran, unseres "positiven" Schicksals nicht mehr so widerlich selbstsicher zu sein. Alles scheint jetzt möglich geworden, dabei war schon immer alles möglich, wir haben es nur verdrängt.

Rettung liegt für mich persönlich nur in der Neubesinnung auf neue Ziele und neue Wege, die vor uns liegen. Dabei könnten drei Worte als Adjektive in ihrer Kombination des positiven Werdens uns eine gewisse Leitschnur sein:

- demütig

- wütend

- gütig.

Wären die "Jesus People" nicht ein albernes sektenhaftes Popidol gewesen, so könnte man die Elemente des neuen Evangeliums, die den Kernbestand der christlichen Lehre einmal ausgemacht haben, fast (eigentlich) eins zu eins als die größte Herausforderung und Orientierung der Menschheit übernehmen. Was aber haben die monotheistischen Religionen nur daraus gemacht, eine Chimäre des allein Besserwissens! Religion, vor allem dann wenn sie kirchlich gebunden ist, macht nur noch dumm, aggressiv Andersdenkende verachtend und infantil einfältig.

Alle warten auf den großen eher singulär gedachten Einfall und den uns rettenden Akteur in diese Richtung ("alle" bisherigen PolitikerInnen scheinen dabei für die "Dummbeutel" in der Welt prinzipiell und strukturell ungeeignet zu sein), dabei brauchen wir doch die besonderen "Ein"fälle und eben nicht die Einfalt von Führertum und Rassismus um die vor uns liegenden Probleme zu lösen.

Die großen Führer der Menschheit scheinen aktuell irgendwie versagt zu haben und dennoch kriechen sie überall wieder aus ihren Löchern. Während man sich diese früher nur rein maskulin vorstellen konnte, hat eine gewisse Multiplikation des Führens schon einmal dadurch eingesetzt, dass man sich die Führenden inzwischen auch feminin vorstellen kann. Das ist historisch sicher schon einmal ein Gewinn. Aber mehr Last und noch mehr Verantwortung auf so viele Menschen wie möglich zu verteilen sollte stattdessen die Leitschnur für eine "gemeine" Gesellschaft sein.

Die Doppelspitze der Welt, so sie aber immer noch nicht gelernt hat, die Welt als ganze Sozialität gleichberechtigter Wesen mit auf den Weg zu nehmen, bleibt in der banalen Welt der scheinbar nur fehlenden Führerschaft stecken. Sie, die idealen Führer-Schein-HaberInnen, sollen es sein, die uns die Wärme einer neuen Heimat erobern. Damit sind wir alle wieder aus der Verantwortung entlassen, wo doch Rettung eigentlich nur dort liegen könnte, wo wir unsere individuelle Verantwortung für Welt auch erst einmal erkennen und dann vielleicht sogar in Vernunft ernst nehmen.

Ja, Demut hilft hier um uns selbst von unseren eher peinlichen Träumen der über uns schwebenden End-Lösungen zu befreien und damit auch von der Machtgier der Wenigen zu lösen, die es nach wie vor als Haupthindernis für die Förderung einer liebenswerteren Gesellschaft zu bekämpfen gilt. Mit Demut ist also insofern nicht Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden in und an der Welt gemeint sondern sie muss, um wirksam und glaubwürdig zu sein, auch immer an die Wut angesichts der nicht enden wollenden Ungerechtigkeit in der Welt gebunden sein.

Wütendes Rebellentum führt aber, wie die Geschichte der "Revolutionen" beweist, sehr schnell in seiner Verkehrung der Rückkehr der Herrschaft der Wenigen als "Pseudo-Rebellen" zum neuen Terror der "Korrektur-Ideologien", wie uns Dostojewski in seinen Werken so überzeugend nahegelegt hat.

Demut, in Form des Wissens darüber, dass eben weder Einzelne noch nur Wenige "Recht" haben können und dürfen, ist die Voraussetzung für das Wirksamwerden von Gemeinheit im Sinne von Illich, einem der wenigen mir sympatischen Österreicher, der sich wie nur wenige bisher auf der Welt der Literatur und des Nachdenkens von einem "Führer"idol zu befreien vermochte.

Wut aber über den nicht zu rechtfertigenden Tatbestand der Oligarchien in der Welt ist das geborene Geschwister der Demut, um an der betonharten Festigkeit ungerechter Verhältnisse zu rütteln. Es braucht schon einer besonderen Kraft, Intensität und hohen "wütenden" Motivation um der "produktiv bedachtsamen Demut" gegenüber der lähmenden zum Durchbruch zu verhelfen.

Dass es wieder die Bedrohung eines neuen Weltkrieges gibt, macht mich einerseits demütig, weil das aufgeblasene Rasseln mit Waffen, Kanonen oder neuen Säbeln in Form von modernen Drohnen historisch immer schon zu noch mehr Gewalt, Zerstörung und Demütigung von Menschen geführt hat (Kriege lassen sich nicht zielgerichtet als "Sonderaktionen" führen, das beweisen die aktuellen zerstörend waffenzentrierten Katastrophen; denn sie bedeuten nicht nur den Einsatz für einfache "gewisse" Werte - ob diese nun gerecht seien oder nicht - sondern fast automatisch die Umkehr "aller" Werte); aber andererseits eben sollen sich die Angreifer des gerechten und nicht des faulen Friedens in der Welt auch immer meiner eigenen Wut gewiss sein, dass ich alles mir Mögliche unternehmen will, und leider allzu selten auch werde, um das kriegerische Grauen durch den Kampf um Gerechtigkeit und soziale Vernunft zu unterbinden.

Nun wissen wir auch, dass sich das alles sehr leicht sagt und umso weniger überzeugend in eine neue Wahrheit des Handelns überführen lässt. Schon deshalb bedarf es einer zusätzlichen Besinnung auf die notwendige Dauer von Widerstand um humane Ziele zu erreichen. Da kommt nun die Güte ins Spiel, die wir vor allem brauchen, um uns selbst die Armseligkeit unseres oftmaligen Scheiterns auf dem Weg zu verzeihen. Die Güte ist also das dritte Geschwister auf dem nie enden wollenden Pfad in Richtung auf eine gerechtere Welt, die immer die bessere Option darstellt im Gegensatz zu einem nur "beherrschten" und somit allzu zerbrechlicheren menschlichen Universum.

Wer naiv leugnet, dass Menschsein immer auch bedeutet brutal zerstörend zur Natur zu sein, verharmlost die implizierte Gier der Autopoiese des Menschen. Wer aber daraus den Fehlschluss der Ideologie des "Survival of the Fittest" zieht, vergisst eben leider auch dass wir aus der egoistischen menschlichen Nutznießung von Natur nicht deren Zerstörung im Anthropozän ableiten sollten und dürfen; denn sie, die Natur, wird ja noch gebraucht ;-).

"Im ersten Dreigroschenfinale mit dem Titel »Lied über die Unsicherheit menschlicher Verhältnisse« kommentiert Peachum die Rolle des Menschen in der Gesellschaft. Er entwickelt dabei eine zynische Haltung und rechtfertigt gleichzeitig sein eigenes Verhalten: „Ein guter Mensch sein, Ja, wer wär’s nicht gern? Sein Gut den Armen geben, warum nicht? […] Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so! […] Die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht“""
(Quelle: https://lektuerehilfe.de/bertolt-brecht/die-dreigroschenoper/interpretation/der-mensch-ist-schlecht)

Wenn wir angesichts der eben nicht nur zerstörerischen Verhältnisse, die uns umgeben und die wir zumindest aktuell und kurzfristig schon nicht umfassend ändern können, weiterhin "balanciert", also weder entmutigt resignierend noch naiv reüssierend leben wollen, so sollten wir uns zumindest bemühen weiter durch unser hoffnungsvolles Streben lebendig zu bleiben, nur indem wir uns einfach aber konsequent "dewütig" dazu verhalten.

Die Zukunft liegt auf der Seite eines Schicksals, das wir eh nicht begreifen werden, aber eben auch auf einer Ebene des eingreifenden Handelns, bei dem wir uns nicht von den falschen Freunden des "Siegens" leiten lassen sollten, sondern von und mit den Freuden guter Ideen in Richtung auf den Frieden in Gerechtigkeit leben. Das macht die Romantik als Leitschnur menschlichen Handeln aus.

Nicht die Tatsachen des Lebens sondern das Träumen dass anderes Leben immer auch möglich ist, gepaart mit der Hoffnung dass alles dabei auch immer noch für möglichst viele unter uns besser werden kann, macht für mich persönlich die humane "Auferstehungsphantasie" aus widrigen Verhältnissen zum Osterfest aus.

Dafür braucht es für mich keine Leichen, die wunderhaft aus Gräbern steigen, sondern nur den festen Glauben an die Möglichkeit einer immerwährenden Wiederkehr auch des Guten in uns allen.

 

 

 

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