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Liebe Göttin schütze mich vor den TTs


Aus dem Studium der verschiedensten Religionsgeschichten und mit den nötigen anthropologischen Kenntnissen versehen habe ich gelernt, dass Gott wohl ebenso gut eine Göttin sein könnte, und dass diese, wenn sie in der Frühgeschichte der Menschheit mit dem entsprechenden Schöpfungsakt verortet wird, wohl eher eine dunkle Hautfarbe haben muss. Aber Spaß beiseite, bleiben wir doch "sachlich", und darum geht es eben in diesem Blog.

Sie tauchen plötzlich überall auf, die Agentinnen der neuen Sachlichkeit. Gestern erst gab eine TT ihre Kandidatur für den Vorsitz der Grünen bekannt. Auf Ihrer Homepage führt sie als TT natürlich unter "meine Themen" vier zentrale Themen auf: Klimaschutz, Europa, Kohle und Brandenburg. Nicht dass ich mich mit einer TT über die Gewichtung dieser Themen streiten möchte, schließlich hat jeder Mensch das Recht auf seine eigenen Lebensschwerpunkte und -gewichtungen, auffällig ist vielmehr dass die TTs neuerdings solche Ts explizit brauchen.

Der Soziologe Schelsky diagnostizierte nach der Befreiung der Deutschen vom Nationalsozialismus die nachfolgende Generation, die den Glauben an alles verloren hatte, als "skeptische Generation".

In der Nachfolge von "68" und der Ideologisierung der kulturellen, politischen und sozialen Auseinandersetzungen in den folgenden 70er und beginnenden 80er Jahren hatte sich bereits mit der Techno-Szene ein breites Einverständnis unter damals noch jungen Leuten herausgeschält, dass die Katastrophenszenarien der kritischen Generation jede Lebensfreude ersticken und dass „Technik“ an sich als Lösungsmodell für Lebensfreude betrachtet werden kann. Die "Spaß-Gesellschaft" nahm in der Folge ihren Lauf und schnell kam in den 90er Jahren die Katerstimmung des postmodernen Dogmas "anything goes" auf.

Technik und Ökonomie wurden unter den eher empfindsamen und klugen jungen Leuten immer mehr als verantwortlich für die zunehmende Weltzerstörung identifiziert, auch wenn man natürlich schon sehr viel früher den Bericht des Club of Rome hätte lesen können. Einig sind sich aber junge Leute noch immer, dass Menschen meiner Generation, die grundsätzliche und radikale kritische Fragen aufwerfen wollen, wohl eher zu den fossilen Spaßbremsen der Gesellschaft gehören. Dabei blicke ich inzwischen auf ein langes Leben voller Spaß und Genuss zurück und kann mich insofern in keiner Weise beklagen. Einmal Hippie, immer Hippie! Make Love not War!

Aber wiederum zurück zu den "ernsten" Dingen des Lebens, die die Verfechter der "Neuen Ernsthaftigkeit" entsprechend einfordern. Nicht Träume und Visionen bestimmen die Welt, sondern konkrete Lösungen für spezifische Probleme. Dies verbindet die jungen Enkel der skeptischen Generation mit ihren Großeltern. Die Lösungen der 50er und 60er Jahre waren, auch wenn sie uns heute ökologisch belasten, ebenso spezifisch und konkret, eben technologisch. Genau dies aber wollen die neuen Generationen der "Neuen Sachlichkeit", die sich mit der "Neuen Ernsthaftigkeit" paart, indem sie sehr phantasievoll und nachhaltig eine ganz andere Technologie gestalten. Sie sind so sehr überzeugt von der Rettung durch sachliche Lösungen, dass sie insofern genau einer ähnlich "geheimen" oder eher impliziten Ideologie aufsitzen, wie die bigotten Ritter des Wirtschaftswunders, die sich unmittelbar nach der Notgemeinschaft des Krieges die Tonnenideologie des hohen Energieverbrauchs, das Postulat des mächtigen Fressens und Saufens, die Maxime der mechanischen und chemischen Produktivitätssteigerung, die Richtschnur des Zersiedelns von Landschaft durch das private "Häuslebauen" und den ungehemmten Ausbau des Straßenverkehrs in der Nachkriegszeit ohne Rücksicht auf die tatsächliche Steigerung der Lebensqualität in Arbeit und Freizeit ebenso ideologisch auf ihr Panier schrieben

Gegen diese Maschine der Kolonialisierung von Lebenswelt durch das Geld und den Konsum protestierte insofern sehr erfolgreich eine provokante Minderheit meiner Generation und löste damit eine Kulturrevolution in Deutschland aus. Heute können und dürfen Väter ihre Kinder nicht nur beim Namen kennen sondern auch lieben und direkt selbst betreuen. Frauen erobern neue Bastionen der Gleichberechtigung. Die Menschen der Postmoderne fallen nicht mehr als negative Außenseiter auf, wenn sie sich nur vernünftig ernähren und mäßig genussvoll miteinander trinken. Der Sex ist nach wie vor meist monogam aber immerhin nicht mehr klammheimlich sondern sozial "vorhanden". Man spricht sogar darüber. Manchmal ist es einer wachsenden Minderheit der Bevölkerung zudem auch ohne relative soziale Ausgrenzung erlaubt, auf eine steile Karriere der Anpassung zumindest für eine gewisse Zeit zu verzichten und uns dabei eine gewisse Auszeit von den Intrigen der wirtschaftlichen Mächte zu gönnen. Natürlich nur, wenn wir über die entsprechenden finanziellen Ressourcen hierzu verfügen!

Die große Revolution und Revolte gegen die krankmachenden Nebenaspekte und Kollateralschäden des Kapitalismus ist indes vorerst ausgeblieben. Vor diesem Hintergrund wächst inzwischen die Armut des "unteren Drittels" wieder, und mit unserem wirtschaftlichen Glück sind wir doch kaum wirklich glücklicher und zufriedener geworden. Da sich die letzteren Gedanken aber der sachlichen Beurteilung entziehen, versuchen die neuen TTs diese Schieflagen "thematisch" gleich ganz zu vermeiden. In unseren Talkshows bestätigen sich TTs, profitierende Charity-"Gut"menschen und die sie begleitenden Mitmacher und Claqueure gegenseitig ihre gute Laune und schieben die von der Entwicklung Abgekoppelten als Unterhaltungsgestörte und Nörgler in deren jeweilige Ghettos ab. In arroganter Manier will man sich von den „Prolos“ möglichst abgrenzen, Pierre Bourdieu hat über dieses Verhalten ganze Bücher geschrieben. Auf Anweisung dürfen die „Loser“, die sich als solche natürlich weder fühlen noch explizit fühlen sollen, "dabei" sein, denn man braucht ja Claqueure zum Beifall klatschen. Das Publikum feiert sich gehorsam infolgedessen selbst - als eben doch teilnehmendes Publikum, weil man - auch ohne eigene "Aura" - wenigstens als Beobachter unserer VIPs „dabei“ sein darf.

Für die medial "Geadelten" indes ist das private Biedermeier angesagt. Man frönt den ästhetischen Leidenschaften auf probiotische und manufakturelle Weise vor allem in den "Eliten" und der erweiterten Oberschicht. TTs sind immer nett zueinander, deshalb ist auch Frau Merkel unter den TTs so beliebt. Wer schimpft muss Unrecht haben und wird dadurch zum blinden Wutbürger gestempelt. Die Nuancen zwischen leidender Skepsis, stillem und offenem Protest gegen sozialen Missbrauch und dem persönlich natürlich nicht zu rechtfertigenden gewaltsamen „Ausrasten“ werden dabei oft bewusst übersehen.

"Macht kaputt, was Euch kaputt macht!" ist "out". "In" ist die Neuordnung der Umwelt und der Gesellschaft durch "sachliche" und dabei nachhaltige Lösungen, die für die jeweiligen Themenfelder scheinbar nur „eben mal so“ zu finden und entsprechend zu gestalten sind. Für den Rest der erforderlichen Erfindungen, da haben wir ja unsere Genies und die dazu passenden Nobelpreise. Man hat Optimist zu sein, dass sich trotz Klimakatastrophe und Meeresverschmutzung doch noch alles zum Guten wendet. Auf dieser Welle schwimmen die TTs, die ThemenTussis, inzwischen sehr erfolgreich. Nach deren Meinung bedarf es weder großer Revolten, noch der Umordnung der Einkommens-, Vermögens- und Machtverhältnisse in der Gesellschaft: Die Erfindung einer neuen energiesparenden Elektrodrohne reicht aus um die Gesellschaft zu bereichern. Und schließlich hat man doch auch alles besprochen und „thematisiert“. Thematisierung wird zur Beschwörungsformel des Mitmachens und der Ignoranz. Ein Lieblingskind der TTs ist die Digitale Wende, noch mehr und schnelleres Internet verspricht nachhaltiges "ewiges" Glück. Auf diesen albernen Konsens scheinen sich im Moment fast alle TTs fast aller politischen Parteien zu verständigen. IT ist wie die Mathematik aber nur ein Sekundärbehelf zur Lösung primärer Probleme, und diese müssen vor einer Lösung erst einmal genau und im Konsens gründlich und oft radikal neu identifiziert werden. Die TTs sind eng verbandelt, wie man in Bayern sagen würde, mit der Generation Y.

 

 

"Zu der Generation Y (Englisch: Why?) zählt man die Jahrgänge 1980-1995, die dafür bekannt sind, Althergebrachtes in Frage und die Arbeitswelt auf den Kopf zu stellen. Sie werden auch als Digital Natives bezeichnet." (https://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/generation-y)

Natürlich nimmt die Gründerszene rund um den IT-Sektor sehr selbstgefällig für sich in Anspruch Rebellen der Revolutionierung des Arbeitslebens zu sein, dabei nimmt die Generation Praktikum das Konzept nicht wirklich aktiv in die Hand sondern hat sich notdürftig den schwierigen Beschäftigungsverhältnissen der 90er Jahre und der von Arbeitgebern (bis an den Rand der Erschöpfung) geforderten flexiblen "'persönlichen' Wandlungen" zu Gunsten der technologiegetriebenen neuen Arbeitsbedingungen zu Beginn dieses Jahrtausends angepasst. Kein Betriebsrat, bloß keinen Betriebsrat, das können wir doch alle selbst regeln und möglichst allein mit dem Chef im intimen Gespräch! Dann aber ächzen sie und stöhnen doch über zu niedrige Entgelte, Löhne oder Gehälter, ständige Überstunden und Ungewissheiten bezüglich ihrer beruflichen Zukunft. Gewerkschaft igitt, dass ist doch Old School.

"Mitglieder der Generation Y haben größtenteils einen akademischen Hintergrund. Sie können von ihren potenziellen Arbeitgebern mehr fordern, da sie bedingt durch den demografischen Wandel und der damit einhergehenden Abnahme junger Altersgruppen weniger Mitbewerber haben. Sie haben bestimmte Vorstellungen von Arbeitsbedingungen, die zunehmend den Arbeitsalltag beeinflussen. Dabei geht es vor allem das Infragestellen von starren Hierarchien und um Selbstbestimmung: Die junge, motivierte und technikaffine Generation will selbst denken und handeln und zudem eigenverantwortlich, mobil und flexibel arbeiten. Sie legt Wert auf Sinnhaftigkeit, Transparenz und Nachhaltigkeit bei der Arbeit. Eine persönliche Entfaltung durch den Job ist ihr wichtiger als Karriere im klassischen Sinne – Glück geht vor Geld." (https://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/generation-y)

Meine Generation konnte sich ihr „libertäres“ Leben auch nur deshalb leisten, weil wir in den Schuhen von Generationen aufgewachsen sind, die uns durch ihren Fleiß, ihre Sparsamkeit und ihre Entbehrungen den Boden für ein gepampertes Leben geliefert haben. Auch wenn wir uns unsere jeweilige berufliche Stellung und die entsprechenden Erfolge mit den immanenten Risiken natürlich ebenso selbst erarbeiten mussten, so starteten wir doch auf den Schultern der begrenzt wohlhabenden Riesen, die wir für ihren rigiden Arbeitssinn, ihre "Kulturlosigkeit" und die merkwürdige Mischung aus Untertanen- und Autoritätsgehabe dennoch oftmals auch ungerecht sogar „verachteten“. Der jahrzehntelange Frieden in Mitteleuropa, und der Untergang des gesellschaftsübergreifenden alten Militarismus, den haben wir Bundesbürger zudem nicht erkämpft, sondern von den Alliierten im Kalten Krieg und der damit verbundenen Rekapitalisierung der Gesellschaft nur einfach so "geschenkt" bekommen. Dies war eine weitere und nicht unerhebliche Ursache für mein "Generationenglück". Insoweit hat meine Generation folglich auf keinen Fall das Recht die neue Generation dafür zu schelten, dass sie auch einfach "nur gut leben" möchte. Im Gegenteil, von der preußischen Arbeitsethik und unmenschlichen Disziplin zu eher freieren und menschenwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen zu gelangen, ist wohl der Traum einer jeden Generation. Und wir Hubschraubereltern haben das ja für unsere Kinder auch genau so gewollt.

"Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Sabbaticals: Leistung und Lebensgenuss gehören für Generation Y untrennbar zusammen. Die „Egotaktiker“ arbeiten intensiv, haushalten jedoch mit ihren Kräften – gegen Erschöpfung durch Arbeitsdruck und für ihre eigenen Bedürfnisse. Anstatt einen Chefposten zu übernehmen, ziehen sie es vor, mehr Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen. Generation Y geht weniger Kompromisse ein als vorherige Generationen. Dadurch verändert sie gerade die Arbeitswelt. Arbeitgeber, die um qualifizierten Nachwuchs konkurrieren, müssen sich diesen Herausforderungen stellen." (https://www.gruenderszene.de/lexikon/begriffe/generation-y)

All die flexiblen Neuerungen, soweit sie freiwillig und unter eigener Vorteilnahme eingegangen werden, sind sicher ein positiver Schritt in die richtige Richtung; doch seien wir ehrlich, nur eine Minderheit der Gesamtbevölkerung, wenn auch sicher ein wachsender Teil der Gesellschaft, lebt in solch einem Schlaraffenland. Alle entscheidenden Studien zeigen stattdessen, dass es inzwischen in Deutschland und darüber hinaus auch im restlichen Europa ein erhebliches Wohlstandsgefälle gibt, und dass viele Menschen, die als anerkannte Facharbeiter(innen) noch in den 70er oder 80er Jahren ein akzeptables finanzielles Auskommen hatten, sich inzwischen von dieser Wohlstandsentwicklung vollständig abgekoppelt fühlen. Durch die Verhältnisse zerschlagen wurden nicht nur die Sparschweine derer, die sich mit wenig Geld und entsprechenden Entbehrungen dennoch ein Häuschen leisten konnten, ein Privileg, das heute fast nur noch Immobilienspekulanten, Wirtschaftskriminellen oder leitenden Beamten gelingt. Selbst der bürgerliche Mittelstand in Handwerks- und Kleinbetrieben, schaut ernüchtert auf eine Welt, in der man anstatt „anständig zu arbeiten“ wohl eher ein medienverwöhnter Fußballspieler oder Musiker sein sollte. Und über die Brut des verbrecherischen Managements in Deutschen Großbetrieben sollte an dieser Stelle gar nicht erst weiter spekuliert werden. Um dies zu konstatieren, muss man aber weder ein Hass- noch ein Wutbürger sein, dies bringt die ganz alltägliche Medienschau so mit sich. Und gerade die wirklichen Ideengeber(innen) und Leistungsträger(innen) leiden doch selbst unter solchen Tatbeständen, weil sie in den gleichen allzu leicht verwechselbaren Lebensverhältnissen leben, anstatt sich selbst von den Pseudoeliten durch sozialen Respekt und die entsprechende soziale und politische Verantwortung adäquat abzugrenzen. Immer wieder gibt es aber eben auch solch „romantisch“ gesinnte Menschen in einer ansonsten partiell verkommenen Welt.

Geradezu zynisch ist die Vorstellung, die neue Generation sei "krisenerprobt", und dies sei der entscheidende "Trigger" zu einer neuen Leistungsbereitschaft bei einer ausgeglicheneren "Work-Life-Balance". Was waren das schon für "Kriselchen". Wie kann man dies vor einer Generation von Groß- und Urgroßeltern sagen, die noch den Krieg, den Hunger und den Durst erlebt hat? Wie kann man darüber hinaus das Elend außerhalb Deutschlands und Europas ignorieren, das schon im Süden unseres Kontinents seine Heimat selbst unter jungen Leuten hat?

Was ich infolgedessen einfordere, ist nicht Scham bei den erfolgreichen jungen Leuten, sondern Einsicht. Es geht darum den Menschen etwas zurück zu geben, die man entweder aus dem Arbeits- und Sozialleben verdrängt hat, oder denen man die aktuelle persönlich gut situierte Lebensqualität verdankt. Diese "Modernisierungsopfer" sind eben keine dumpfen "Proleten", sondern oft Menschen, und vor allem Frauen, die ihr ganzes Leben im Einzelhandel, in Krankenhäusern, in Fabriken am Band zu niedrigsten Löhnen gearbeitet haben, und heute an ihrem Lebensabend auch weiterhin ein Dasein in Armut und Entbehrung fristen zu müssen. Proletarier, das waren historisch stolze Menschen, deren solidarische Kultur dem intriganten egozentrischen Biedermeier des Bürgertums oft haushoch spannender und interessanter überlegen waren. Gemeinsamkeit im wohlverstandenen Sinne schafft Oasen des Glücks, und das gerät in der privaten Fernsehgesellschaft mit dem "negativen" Familientisch immer mehr ins soziale Abseits. Und auch hier können die neuen Jungen Wilden, mit ihren pubertären Clans und Banden, die wir Alten so fürchten, eher ein Vorbild des gemeinsamen füreinander Einstehens sein. Nur vollständig isolierte Menschen wittern in der Gemeinsamkeit in erster Linie die Verabredung zum Verbrechen. Erst wer Gemeinsamkeit verachtet und die Möglichkeiten hierzu vor dem Hintergrund einer Angst vor dem orientalischen "Jugendterror" verbieten möchte, sorgt für die Wut der isolierten kriminellen Einzeltäter, die man mit ähnlich archaischen unkultivierten Verhaltensweisen bis weit in die Chefetagen der Unternehmen hinein findet. Es ist doch eigentlich so einfach "Glück" durch Widmung und Zuhören zu schenken.

Und dabei ist nicht an die heute allseits beliebte "Charity" aus dem schlechten Gewissen heraus gedacht, sondern an eine politische Bejahung des sozialen Ausgleichs, der Besserstellung der Armen in der Krankenversicherung, einer angemessenen Einkommens- und Vermögenssteuer um den staatlichen Organen und öffentlichen Einrichtungen kompensatorische Leistungen für erlittenes oder wirtschaftlich zugefügtes Unrecht zu ermöglichen. Und das gilt weit über die Grenzen unseres Landes und unserer Kultur hinaus. Gerade dafür bewundere ich die neuen Generationen, wenn sie sich "international aufstellen", aber damit nicht das nur persönliche internationale Jobhopping in Richtung auf persönliche Einkommenssteigerung verstehen, sondern wirklich politisch, wie kulturell, technologisch und sozial Beiträge zur Stärkung des "Wohlstands" der Gemeinschaft (statt Gemeinheit) und zur Entwicklung eines kollektiven Gemeinsinns leisten. Diese Belohnung in der Steigerung der eigenen Wertschätzung durch eine anerkannt ethisch moralische Grundeinstellung, die in Politik mündet, kann nur aus einem romantischen Impetus erfolgen. Schon deshalb muss ein Mensch, der Utopien und Visionen hat, und diese auch realisieren möchte, nicht, wie der Pragmatiker Helmut Schmidt meinte, zum Arzt sondern auf das olympische Sieger-Treppchen der Zwischenmenschlichkeit. Was soll man auch von einem Menschen halten, der als Offizier gehorsamst auf Menschen geschossen hat oder hat schießen lassen, und sich bis zu seinem Lebensende darauf auch noch einen gewissen arrogant dümmlichen Stolz bewahrt hat?

Gibt es also eher eine Generation IT als eine Generation Y? Eigentlich ist es albern ganze Generationen überhaupt für etwas verantwortlich zu machen. In meiner Generation der Kulturrevolte der 68er und frühen 70er wollen im Nachhinein plötzlich alle "jugendbewegt" dabei gewesen sein, und wollen schon damals durch einen eigenen persönlichen Beitrag die Welt so dramatisch verändert haben. Dabei waren in den "Goldenen 68er Jahren" - genau wie heute - geschätzte mehr als 80 Prozent der Gesamtbevölkerung profunde Spießer, und ein deutlich höherer Anteil der Bürger im Vergleich zu heute sogar rechtsradikal. Ich nehme an, dass Deutschland selbst mit dem Deutschen Herbst nach den "rebellischen" Jahren auch heute noch - trotz AfD - weit weniger spießig ist als die Welt "damals".

Schon die Rocker der 50er und 60er Jahre konnten wie die modernen FunFunFun-Menschen mit Politik und Verantwortung nichts anfangen, wenn überhaupt waren sie die ersten "Spassbürger" der neuen Republik - ohne ein explizites Konzept von sozialer und politischer Verantwortung. Und doch hatten auch sie etwas, was uns inzwischen sehr häufig fehlt, einen Gemeinsinn, wenn auch nur innerhalb ihrer eigenen Clique und Kultur. Sie waren auf ihre Art zudem die ersten "Egotaktiker", wie man heute die Generation Y ja „analytisch“ und „sach“orientiert bezeichnet, um sich in einer nachkriegsgeschüttelten Welt das Überleben an den Aufsteigern und Spießern der Gesellschaft vorbei eher frei und eigenständig zu sichern. Krisen aber werden die Menschen wieder aufeinander beziehen und gegeseitig an sich binden, das hat ja bereits die "Migrations- und Flüchtlingskrise" zumindst teilweise bei den "ganz normalen" und anständigen Menschen gezeigt.

Die, die Anfang der 80er bis zum Beginn dieses Jahrtausend geboren wurden, sind alles andere als eine homogene Gruppe der Generation Y, genau wie es in den 80er Jahren auch nicht nur "die" Generation Golf mit dem entsprechenden Verzicht auf soziale Verantwortung oder die technikaffine Generation des TECHNO-DANCE in den 90ern gab. Aber immer stärker auszuprägen scheint sich unter den jungen Leuten doch eine gewisse "Herkunftsvergessenheit". Ein "Herkunftsbewußtsein" ist aber wichtig, um die eigenen Leistungen und Errungenschaften in Demut zu relativieren. Nicht nur Dankbarkeit für die erleichterten Startbedingungen der jungen Weltreisenden nach dem Abitur kann hier wegweisend sein, man sollte vielmehr wissen und lernen, dass man auch nur rein individuell nicht wirklich glücklich werden kann in einer Welt von lauter geplagten, verletzten und benachteiligten Mitmenschen. Das Resultat einer oligarchischen Welt sind die Reichenghettos in Osteuropa, die Gefühlspuffs in Plüsch, die man auch trotz des Schwelgens in Farbergé-Eiern auf Dauer nur schwer ertragen kann. Wir Deutschen Männer wollen auf eine archaische Weise wie ein Putin des Westens möglichst auf allen Feldern und Ebenen stets immer nur Sieger sein. Wirklich siegreich sind aber die Menschen, die sich selbst überwinden, um nicht nur sich sondern das gesamte Gemeinwesen zu bereichern.

Männliche Technologieträume haben historisch oft, fast könnte man sogar sagen "stets" in die Irre geführt, soviel ist sicher, vor allem dann, wenn man nur auf den Straßenverkehr oder das Militär schaut. Aber was haben denn aktuell die ThemenTussis zu bieten? Wäre es nicht besser statt mehr "Sach"lichkeit mehr "Mensch"lichkeit in den Mittelpunkt zu stellen? Doch irgendwie hört sich ein solcher Streit wie ein neuer abstrakter und unergiebiger "Marken"disput an, es bleibt doch alles beim Alten und wird nur anders benannt. Statt des "Alten" ist jetzt die "Neue" dran. Die neue Marke "Sache" scheint irgendwie cooler zu sein als der "Mensch". Der Mensch steht für Irrungen und Verwirrungen, die Sache hingegen scheint nicht aufzuhalten zu sein. So ist aus der neuen "skeptischen" Generation, die die Ideologien und Religionen zu recht abschütteln will, auch wieder eine neue technokratische Generation herangewachsen, die in ihrer Zeit auf gleiche Weise Gefahr läuft, uns mit ihren jeweiligen „alternativlosen“ und voreiligen "nachhaltigen" Lösungen ebenso in die Irre zu führen, wie dies die Technokraten und Bürokraten der 50er, 60er und 70er Jahre mit der Welt gemacht haben. Schwierig wird dies vor allem dann, wenn man sich vorrangig von technokratischen „Vor“urteilen leiten lässt und sich nicht genügend Zeit für wirklich kluge und vom Konsens getragene Lösungen durch ein entsprechendes "Nach"denken nimmt, was eben immer auch ein "Vor"denken bedeutet.

Das E-Auto als einzige Mega-Lösung ist inzwischen durch den Mangel an passenden Rohstoffen für die Akkus und die eingeschränkten Einsatzmöglichkeiten im Langstreckenverkehr und im Wintereinsatz sowie die fehlenden Ladestationen und zu langen Ladezeiten vorerst entzaubert. E-Autos aber waren noch vor wenigen Jahren das Glaubensbekenntnis der TTs bei den Grünen, die bis dato zumeist die Ingenieur- und Naturwissenschaften ihren männlichen Kollegen überlassen haben (Karohemd und Samenstau - Du studierst Maschinenbau!). Die Vorgaben der Entwicklung werden allerdings inzwischen immer häufiger in Management-Coachings, mit viel NewSpeak durch kommunikative TTs gemacht und auch durch die wachsende Zahl weiblicher Controller die Einhaltung der Vorgaben entsprechend kontrolliert. TTs mögen schriftliche Regeln und sie lieben die Bürokratie, weil sich dort in wunderbarer Weise stets neue Ts erdenken und entwickeln lassen. Die Frau als verkomplizierender Faktor - durch zu viel "unnötigen" Text, der das "Handeln" blockiert, ist folglich das neue antifeminine Klischee.

Immer mehr Frauen indes streben aber tatsächlich in technische, naturwissenschaftliche und handwerkliche Berufe und beweisen dort umso mehr, dass sie mindestens ebenso erfolgreich sein können wie ihre männlichen Kollegen. Das zeigt sich mir zufälligerweise aktuell ganz persönlich bei einem abH-Projekt für Mechatroniker, das ich pädagogisch betreue. Ja, die eher sorgsame und weniger ungestüme Art der Frauen kommt den nachhaltigen Ansprüchen an moderne Technik sogar noch entgegen. Läßt sich diese an sich erfreuliche Entwicklung nun auch auf die Politik übertragen? Jein! Zumindest nicht zwingend!

Nach meiner persönlichen Meinung kommt es in einer repräsentativen Demokratie, in der die Politik, vor allem in der Legislative ja nur begrenzt direkt steuernde Aufgaben für Wirtschaft und Technik übernimmt, für den wahlverwöhnten Bürger eigentlich erst einmal auf Vertrauenswürdigkeit und Glaubwürdigkeit der Akteure an, wenn er den Staffelstab der Entscheidungen stellvertretend für sich an die Politiker(innen) weitergibt. Die TTs hingegen gebärden sich wie die „Wahlomaten“, die inzwischen vor Wahlentscheidungen in den Medien ihr Unwesen treiben. Die Wahlomaten sollen, so deren Autorinnen und Autoren, zur Ver“sach“lichung der Wahlentscheidung beitragen. Dies aber ist das aller unsachlichste Argument, denn jeder einigermaßen sozialwissenschaftlich gebildete Mensch weiß, dass mit dem entsprechenden un"sach"gemäßen Input jeder Wahlomat manipulativ zu un"sach"gemäßen Entscheidungen führen kann.

Wie stellt sich also die junge Vorstandsaspirantin der Grünen ihre Rolle vor? In Themen! Wenn Sie denn wenigstens Lösungen geschrieben und diese auch genauer beschrieben hätte. Aber nein, in einer TT-Demokratie reicht es vollkomen aus, einen Markenanspruch auf Themen nur zu behaupten. Das "Soziale" wird gar nicht erst definiert, denn dieses ist ja zumeist kein Sachthema. Dabei hat der naturwissenschaftlich so gebildete v.Förster einmal zu recht gesagt, die "hard sciences" (Natur, Medizin und Technik) nennen sich "hard sciences", weil sie die "soften" Probleme lösen, und die "soft sciences" (Sozialwissenschaften) heißen "soft sciences", weil sie die harten Probleme lösen müssen.

Von einer Politikerin, bzw. von einem Politiker erwarte ich erst einmal, dass sie/er mich durch ihre/seine Grundeinstellung überzeugt, dadurch kann ich davon ausgehen, dass sie/er in allen Entscheidungslagen aufgrund genau dieser Orientierung für mich stellvertretend agiert; und stimme ich mit ihm erst einmal insofern prinzipiell überein, so fällt es mir einfacher dann mehrheitlich durch Dritte getroffene Entscheidungen auch für mich zu akzeptieren. Politiker sollten für mich zudem die Fähigkeit haben, Brücken zu bauen. Dies hat mir bei Herrn Özdemir bei den Grünen so gut gefallen, der auch in das konservative Lager hinein zu wirken vermochte, wenngleich dann doch sehr schnell auffiel, dass, wenn er erst einmal eine Brücke gebaut hatte, plötzlich nicht mehr klar war, was darüber eigentlich transportiert werden sollte. Für mich war Herr Özdemir ein Hoffnungsträger als Deutscher Obama, der nun kongenial durch Robert Habeck ersetzt werden soll, der als ein ebensolcher Brückenbauer ins konservative wie ins wirtschaftsliberale Lager hinein bekannt ist, und wohl ebenso die Fähigkeit zu haben scheint über politische Gräben hinweg auch Freundschaften zu pflegen, was aus meiner persönlichen Perspektive für politisch erfolgreich agierende Menschen besonders wichtig ist.

Habeck fiel mir als Lichtgestalt besonders auf, als er in einer Talkrunde bei Anne Will, bei dem "Seehofer-Bashing" angesagt war, in einem kurzen Nebensatz nur sagte, dass er diesen trotz aller erheblichen politischen Differenzen, ansonsten eigentlich für einen anständigen Menschen halte, und ihn insofern sogar schätze. Wahrscheinlich ganz anders indes ist der ebenso konservative Söder, die männliche Thementussi, der als ein machthungriges Chamäleon stets um die Gunst des Stammtisches buhlt, sich dabei aber leider - trotz einer deutlich wahrnehmbaren Charakterlosigkeit- auch ein luziferisches Gespür für die Trends der Zukunft bewahrt hat, um auf positiven neuen Veränderungen zu schwimmen, die er früher eher bekämpft hat, und jetzt für den Machterwerb gut zu nutzen vermag. Man vergleiche Seehofer mit Söder: Ersterer hat als ein sehr Konservativer Grundsätze, die ich nicht teile, der bis dahin aber ewig Zweite, der bald ein "Erster" sein wird, ist ein machtbesessener Aufsteiger, eine in jeder Hinsicht anpassungsfähige TT, der ohne solche Grundsätze auch zu einer Gefahr für die Menschheit werden kann. Seehofer hat sich bezüglich Söder scheinbar ein intuitives Gespür und Bauchgefühl für die unehrlich verlogene Seite in Söder bewahrt, deshalb scheint er ihn auch so abgrundtief abzulehnen und die Menschheit vor ihm zu warnen. Auch Söder baut sicher Brücken, aber wohl eher nur für seine private Taktik und sein privates Kalkül, um Mehrheiten für sich, aber eben nicht für bestimmte Grundsätze, die ihm wichtig sind, zu erringen. Nur wenn die Grundsätze transparent und glaubwürdig sind, kann man sich an ihnen politisch messen, und sie in einer repräsentativen Demokratie an Dritte vertrauensvoll transferieren. Genau diese oben erwähnten Brücken sind für mich eben kein "Thema" und auch keine sachlichen Lösungen sondern "Orientierungen". Politiker(inne) sollten vor allem orientieren und eine Orientierung haben, selbst dann wenn ich diese nicht teile, dadurch weiß ich wenigstens woran ich bei einem solchen Menschen bin. Und kann sie oder ihn dann notfalls auch abwählen, wenn sie/er dagegen verstößt.

Natürlich gibt es auch naheliegende sachliche Lösungen, dazu gehört z.B. der „Ausstieg aus der Atomenergie“ oder die „Einführung des Mindestlohns“. Auf solche Entscheidungen sollten vertrauensvoll gewählte und glaubwürdige Politiker hinführen. Frau Nahles, sicherlich nicht Trägerin einer massenwirksamen und mediengängigen Aura, konnte so dennoch ihren positiven Ruf begründen. Sie wurde zwar erst auch als eine TT wahrgenommen, konnte dann aber sehr schnell beweisen, dass Sie auch eine durchsetzungskräftige Löserin von Problemen ist.

Ich war froh, als sich der weibliche fundamentalistische Franz-Josef-Strauss bei den Grünen verabschiedet hat, Frau Ditt war schnell furth aus der Politik, und das war auch gut so, eben weil sie zumindest in der Politik keine Brückenbauerin war, auch wenn mir ihre politisch inhaltliche Orientierung eher zugesagt hat als die von Özdemir. Also inhaltliche Grundorientierung und die Fähigkeit als ein "Mensch" Brücken zu bauen gehören für mich zumindest in der Politik zwingend zusammen. Bei den Sozialdemokraten ist Herr Stegner hingegen so ein Unsympath, auch wenn ich in Hinsicht auf seine Positionen, was das Lager innerhalb seiner Partei betrifft, ebenfalls eher auf seiner Seite bin. Klare Linie muss eben nicht rigiden und schlecht gelaunten Umgang miteinander bedeuten. Politiker sollten folglich nicht primär TTs sein, wobei es ebensogut männliche wie weibliche ThemenTussis gibt, sondern sie brauchen ein überzeugendes Gesamtprofil, was über für wichtig erachtete Themen konsequenterweise weit hinaus geht.

Eine überzeugende Lösung statt nur ein überzeugendes Thema, wie Gesundheitspolitik an sich, um es noch einmal konkret zu machen, wäre die Bürgerversicherung. Ein Großteil der Gesamtbevölkerung wünscht sich eine solche, um besonders gravierende Ungleichbehandlungen und Ungerechtigkeiten im Gesundheitswesen schon kurzfristig abzuschaffen. Sozialdemokraten, die wie die Lemminge meinten, auch mit unter 20 Prozent Zustimmung noch politisch und gesellschaftlich akzeptiert zu sein, hätten hier eine wunderbare Chance Inhalte glaubwürdig mit Personen zu verbinden, doch traut in Medien und Gesellschaft inzwischen niemand einem der führenden Sozialdemokraten die Fähigkeit zu genau dieses - von der Mehrheit der Bevölkerung deutlich gewünschte Ziel - entsprechend glaubwürdig und vertrauensvoll anzugehen. Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten! Dabei braucht unsere Gesellschaft so dringend eine Partei des sozialen Ausgleichs. Die Linken haben sich der sozialen Themen ausgehend von ihrer Motivation sicher am glaubwürdigsten angenommen, aber es sind dort nur wenige Brückenbauer in Sicht, weil man sich eben noch immer als eine vor allem nur "ideologische" Partei begreift. Frau Wagenknecht ist zwar keine TT, aber in ihrer Selbstgefälligkeit unterscheidet sie sich kaum von anderen Menschen, die ohne Brücke zum anderen Ufer wollen, und dabei sogar auf das Schwimmen verzichten wollen.

Das reine "Thema" verhält sich zu einer "Lösung" wie die "Furcht" zur "Angst". Themen sind aussagelos und so generell und desorientierend wie die Angst. Die konkrete Furcht vor etwas Bestimmten indes steht der Lösung eines konkreten Problemes sehr nahe und führt durch Vermeidung oft schon alleine in eine "bessere" Richtung. Viele konservative oder enttäuschte Protestwähler haben (wie auch Menschen mit ganz und gar gegenteiliger Überzeugung) "Angst" vor Frau Merkel; denn es ist nicht sicher ob mit ihr auf Dauer doch das Chaos, die Verarmung oder die soziale Spaltung in der Zukunft drohen. Aktuell geliebt wird nicht die Aura von Frau Merkel als Person sondern der relativ noch verlässliche Erfolg der Deutschen Ökonomie. Zu dieser „Stärke“ hat die Merkel-Regierung - wenn überhaupt - dann nur durch das weitere Auspressen anderer Menschen und Nationen beigetragen, und indem der status quo der sozialen Ungerechtigkeit nur einfach fortgeschrieben wurde. Auch Frau Merkel ist eigentlich eine nichtssagende TT. Sie wirft nur deshalb einen bedeutsameren Schatten auf ihren Dunstkreis (im Vergleich mit der grünen TT Baerbock aus Brandenburg), weil sie gemessen an dieser Novizin der Bundespolitik aktuell sehr viel erfolgreicher und mächtiger ist. Nur vorerst!

Zugestanden, man weiß ja nie was noch kommt, Merkel gilt auch anders als Kohl oder Schröder als nicht direkt kaufbar oder korrupt. Man kann sich vor Frau Merkel trotz einer diffusen Zukunfts"angst" nicht wirklich fürchten, weil man in vielerlei Hinsicht nicht wirklich weiß, was sie tatsächlich will. Furcht setzt immer ein "Furcht wovor" voraus. Angst nicht. Angst ist geheimnisvoll und diffus. Merkel hat scheinbar kein sachliches Ziel, außer an der Macht zu bleiben. Ihre Positionen und Visionen für die Zukunft unserer Republik sind nicht bekannt. Solch ein Verzicht auf Grundsatzpositionen ist sehr typisch für die TTs. Auch in den Unternehmen, wo die TTs oft sehr schnell nach ihrem Karriereeinstieg reüssieren, mogeln sich diese Personen von unten nach oben, ohne einen wirklich erkennbaren Beitrag zur positiven Veränderung der Leistungserbringung erzielt zu haben. Sie thematisieren alles und dabei in Wirklichkeit nichts, weil sie nicht deutlich eine Position beziehen können oder wollen. Ihr Lieblingsgenre ist das "Qualitäts"management, bei dem mit riesenlangen Multiple-Choice-Listen zwar alles Denkbare angesprochen, aber nichts wirklich vorgeschlagen und verändert wird. TTs verflüchtigen sich gerne dann, wenn es außerhalb ihrer "Expertise" konkret wird. Sie schauen ungern über den ihre wenigen Ts umgrenzenden Gartenzaun hinüber. Sie hassen vor allem jede Art von Radikalität, selbst dann, wenn diese aus der Not heraus geboten ist, und die Dringlichkeit von gravierenden Unstimmigkeiten zu zügigen Veränderungen Anlass geben sollte. Scheitern die TTs in einem T, dann wandern sie schnell innerhalb ihres weiterhin engen Rahmens in ein anderes naheliegendes T aus. Die TTs sind die Wechsler der Felder von Freundschaften, Verbindlichkeiten und Loyalitäten, ohne wirklich ernsthafte Kontinuität, und das System des Aufstiegs belohnt dieses Fluchtverhalten auch noch als mutiges "Engagement", was in Wirklichkeit indes nur eine phantasielose Pseudoflexibilität bedeutet.

"Panta rhei", alles fließt, ist der Aphorismus der dem Philosophen Heraklit ursprünglich zugeschrieben wird. Damit ist aber nicht der kontinuierliche postmoderne Relativismus gemeint, der von Verantwortung zu entlasten scheint und stattdessen nur den möglichst schnell wechselnden Umgang mit unseren Lebensverhältnissen thematisiert. Gemeint ist vielmehr der Mut sich den stets neuen "wesentlichen" Herausforderungen der menschlichen Existenz zu stellen, vor allem dann, wenn die Lösungen eben nicht naheliegend oder offensichtlich sind. Oder, wie Bertrand Russel in seinem ABC der Relativitätstheorie nahelegte, sich von seiner eigenen Pseudoüberlegenheit zu befreien, und ins Glied der "Fehlerhaften" zurückzutreten, indem man sich immer wieder um einen absoluten und insofern riskanten Standpunkt bemüht: "Es gibt eine Sorte ungemein überlegener Menschen, für die alles relativ ist. Wenn aber alles relativ wäre, wozu sollte es relativ sein?" (B.Russel). Positionierung ist die Voraussetzung für den Mut zur Veränderung. Dabei kann man natürlich eine entweder falsche oder sogar eine unangemessene Stellung einnehmen, aber mit ihrer Formulierung und Veröffentlichung tut man genau das kund, was in der Demokratie als ein bedenkenswerter Vorschlag begriffen werden kann, der dann entweder angenommen oder verworfen wird. Die TTs entziehen sich durch die Tücke der Pseudo-Sachlichkeit genau diesem Prozess der sozialen Begutachtung ihrer Vorschläge, weil sie es auf fast schon geniale Art und Weise immer wieder vermögen, im Falle des Scheiterns von "Lösungen" (sui generis - ohne adäquate Problembeschreibung) gleich defensiv neue "Standpunkte" einzunehmen, weil sie sich hinter ihren alten Fehlentscheidungen möglichst schnell verstecken möchten. Die Angst vor dem Scheitern ist die fatalste Blockade für wirklich innovative und revolutionäre Veränderungen. Das eigene Scheitern in seiner ganzen Tragweite zu akzeptieren, ist die menschlichste aller Fähigkeiten. Kein Tier wird sich loben für das, was ihm nicht gelungen ist; der Mensch aber hat das Recht sich selbst als das unvollkommenste Lebewesen in der Natur zu begreifen, das aber gerade dadurch zu seinen eigentlichen evolutionären Erfolgen gelangt ist. Die TTs wollen die Welt gerne kontrollieren statt sie zu gestalten. Wenn sie sich ändern wollen, so ist ihnen die Therapie der Vermeidung von Flugangst zu gönnen: Eine Konfrontationstherapie im Umgang mit der eigenen Angst vor der archaischen Radikalität, die in ihnen - wie übrigens auch in jedem anderen Menschen - allerdings graduell deutlich unterschiedlich - vielleicht doch noch stecken dürfte.

Bei aller Abneigung gegen die Invasion der TTs bleibt aber doch noch ein weiterer Hoffnungsschimmer übrig: wie alle anderen Menschen auch, bleiben TTs ebenso wandelbar. Da sie ja wirklich extrem ehrgeizig sind, werden sie vielleicht doch irgendwann lernen, dass man zwar wie ein Hasardeur auf das Glück des Erfolgs durch einen positiven Automatismus vor allem der wirtschaftlichen Verhältnisse als Rahmenbedingung für die eigene Arbeit setzen kann, und wie Frau Merkel von diesen dann profitiert, aber eine Garantie auf Dauer ist das nicht. Ist dann die TT von ihren Ts bereits ab- oder ausgewandert, hat sie noch einmal Glück gehabt, denn man merkt infolgedessen ihr Scheitern nicht. In der Regel wird der Mißerfolg konsequenterweise den Nachfolgern der TT zugeschrieben. Nur wenn sie bleibt und dann doch scheitert, wird die "faktische Zufälligkeit" ihrer "Erfolge" sichtbar. Deshalb sind die TT so flexibel und meist eher eilig unterwegs um nicht konkret mit ihren Erfolgen und Mißerfolgen gestellt werden zu können.

Schröder war solch eine Thementussi, mir seiner Agenda 2010, die in Wirklichkeit ja nicht einmal von ihm persönlich stammt, und die die TTs in aller Welt so begeistert hat. Nachweislich hat die Agenda 2010 nicht die ihr zugeschriebenen wirtschaftlichen Erfolge gebracht, sondern umgekehrt lieferte diese herrliche Legende einer Pseudo-Erfolgstory die Chance der weltweiten Vernebelung des Aufstiegs der Deutschen Wirtschaft im neuen Jahrtausend duch die mehr als glückliche Chance zu einer noch umfassenderen Ausbeutung der zweiten und dritten Welt, indem sich zu der Nutznießung der Arbeitskräfte aus Mittel-, Ost- und Südeuropa nun auch noch die Präkarisierung der "einheimischen" Bevölkerung gesellte. Entscheidend für den Erfolg aber waren der noch vorhandene Vorsprung in Industrialisierung, Flexibilisierung, Roboterisierung und Digitalisierung der Produktion, in der die Ware Arbeitskraft immer mehr zu einer Randgröße geworden ist. Schon deshalb ging der Hauptimpuls der Entwicklung eben nicht von der parallel laufenden Verbilligung und weiteren Ausbeutung von Arbeitskräften aus. Der Mythos der international nach wie vor noch geglaubten Mär von dem preiswerteren Qualitätsgaranten "Made in Germany" war stärker als die politischen und ökonomischen Fehlsteurungen, die letztere insofern nur verblassen und in den Hintergrund haben treten lassen. Jetzt erst kommt das Ausmaß der umfassenden Unfähigkeit, Gier und Arroganz in den Managementetagen gerade auch deutscher Unternehmen vollständig zum Ausdruck, sei es in den Banken-, Währungs- und Immobilienkrisen oder im täglich wuchernden Dieselskandal. Das Resultat: Die Enteignung der "einfachen Leute" von ihren mühsam erarbeiteten und ersparten Werten. Bricht zudem die Automobilindustrie in Deutschland tatächlich zusammen, was nur durch eine radikale und äußerst kreative Modernisierungs- und Entwicklungsinitiative zu vermeiden wäre, so wird dies nicht ohne Folgen auch für den sozialen Zusammenhalt in Deutschland bleiben.

 

 

Dabei gibt es noch so viel zu forschen und zu entdecken, neue Werkstoffe, neue Verfahren, Lernen von der Natur und ein weiteres Eindringen in die Gesetze des Lebens, der Chemie und der Physik. Sind unsere Sinnfragen überzeugend, dann macht auch das Suchen nach Antworten in Philosophie und Geschichte Spaß. Unsere sozialen Belohnungssysteme sind auf die falschen Metiers gerichtet. Die exorbitanten Honorare in Sport, Medien und Musik führen zu völlig falschen und verzerrten Vorstellungen über Berufskarrieren bei Kindern und Jugendlichen. Es lassen sich gerade durch staunendes Wissen die Erfolge erzielen, die für unser Selbstwertgefühl doch so wichtig sind. Meine aktuelle Erfahrung in der Jugendbildung; es gibt zwei große Dramen junger Menschen, unter denen die überwiegende Mehrheit leidet: Erhebliche Einsamkeit trotz der diversen Facebookfreunde und ein schwindendes Selbstwertgefühl trotz zahlreicher allzu aufgedrehter und selbstüberheblicher Internetstars. Es ist wieder die Wirtschaft, die sich die Charakterdeformationen solcher Stars in Musik, Sport und Medien für neue Märkte zu eigen macht.

Die Agenda 2050 sollte ein umfassendes Ermutigungsprogramm für die neue Generation sein, so wie die Fluglinie Easyjet propagierte "Inländer raus" und Ausländer rein, um gegenseitig von und miteinander zu lernen. Wir investieren in die falschen Energien, denn die wichtigsten Energien sind die Köpfe, Seelen und Herzen, der nachwachsenden Generationen. Ihnen vor allem sollte unsere Aufmerksamkeit, unsere Widmung und unser Leben in Form von Vorbildern der Gemeinsamkeit gelten, Schwarzmalen kann vor einem hellen Hintergrund durchaus zu sehr reizvollen Ergebnissen führen. Dies aber sind keine Sach- sondern Menschenthemen. Cool ist das Unbekannte, das Riskante, die neue Welt, die es zu erobern gilt. Wir haben alle Voraussetzungen der nächsten Generation die günstigsten Startbedingungen für einen solchen Flug in die Veränderung anzubieten und zu ermöglichen. Wir müssen glaubwürdig erklären können und gute Gründe dafür benennen, warum das professionelle Eintauchen in die Geheimnisse des Wissens weitaus cooler sein kann als die Clicks für das Album eines unintelligenten Musikers oder eines dementen Profi- oder Leistungssport-Ignoranten. Die Geheimnisse, die warten nicht an den "angesagten Orten" und bei den medial aufgepeppten Mega-Stars des Internets, die doch zumeist nur billigste Propagandisten für Produkte sind.

 

 

Und doch geht es uns noch sehr gut! Welch ein Glück für uns Bundesbürger, da wir groteskerweise "alle", selbst die Ärmsten der Armen, durch das im internationalen Raum vielfach bewunderte ALG II, direkt oder indirekt nach wie vor finanziell von dieser "Sicherheitsgarantie" im worst case profitieren! Das viele Geld in unseren staatlichen Haushalten oder der rasante soziale Aufstieg der "Couponschneider" haben bei der überwiegenden Mehrheit von uns allen den Traum geweckt, dass das viele, statt mit Waffen durch "Geschäfte" eroberte Geld nun auch auf Dauer und quasi in "Ewigkeit" der Steigerung des allgemeinen Wohlstands und neuen auch nachhaltigen ökologischen oder sozialen Projekten zugeführt werden könnte. Das ist immer noch der Traum von einer "Endlösung", die doch niemals eintreten kann und wird.

Ich erinnere mich noch ungern an die Pressekonferenz zurück, in der eine Vertreterin der grünen Verhandlungskommission für die Koalitionsbildung vor der Neuauflage der Großen Koalition erwähnte, dass man sich im internen Kreis doch so schön auf so viel Geld verabredet habe, das man noch vor dem Dissens mit der FDP hätte gemeinsam ausgeben können und wollen. Welche Projekte damit aber konkret blockiert wurden und welche entsprechend gescheitert wären, wurde bei aller "Sachbezogenheit" nicht genannt. Die Grünen hatten insofern Pech, man zeigte ihnen während der Verhandlungen den offenen Tresor, der dann aber schnell wieder vor ihnen mit einem neuen Code verschlossen wurde.

Wir Deutschen sind inzwischen stolz auf unsere "Nullnummer" in den Haushalten, die uns der menschlich gestörte Geizigste aller Geizigen in seinem Rollstuhl als verdiente Besonderheit des Deutschen Wesens einzureden vermochte. Nicht Investitionen, radikale Erneuerung und kreative Entwicklung sind mit dem neuen Geld angesagt, sondern weiterer sozialer Rückschritt (geriert als Reform) und die menschenverachtende Sparsamkeit der ALDI-Brüder triumphiert einmal mehr, mit deren Produkten wir nun den Gürtel enger schnallen und daran auf Dauer neben dem Dieselqualm ersticken dürfen. Nur gut, dass wir Deutschen im Vergleich zur Größe unseres Landes so eine kleine Küste haben, und die Verschmutzung der Meere und Erwärmung des Klimas als ein Dritte Welt-Phänomen abtun können. Ja, es geht uns im internationalen Maßstab natürlich gut, besser als Menschen in den meisten aller Länder, aber erstens wie lange noch und zweitens warum meinen wir eigentlich, dass uns dieser Wohlstand alleine zusteht?

Man möchte mit den Geschwistern Scholl ein Flugzeug mit Flugblättern starten und diese Wahrheiten über unserer "blinden Republik" abwerfen, doch ändern wird dies natürlich nichts, da wir längst medial über alle Skandale hyperinformiert sind und zudem auch noch das gründliche Lesen verlernt haben. Selbst der Aufruf zu einer allgemeinen "Empörung" von Stéphane Hessel ringt uns nur noch ein müdes Lächeln ab, und sein "Engagez vous" klingt wie eine leere Verzauberungsformel. Nun denn, gehen wir also mit der SPD den Gang der Lemminge, dabei ist doch längst nachgewiesen, dass die Lemminge eben keinen kollektiven Selbstmord begehen sondern nur auf der Suche nach neuen Lebensräumen bei ihren strapazierenden Wanderungen ums Leben kommen. Genau dies ist es wohl was uns abhanden gekommen ist, die Vorstellung, dass das menschliche Leben anstrengend sein kann und sogar anstrengend sein muss, wir schlucken gerade gemeinsam die "Glücks-Pille-Danach", ob uns dies wirklich auf Dauer gut tut, wird sich zeigen.

Persönlich bewundere ich übrigens, anders als die neue Rechte, nach wie vor gute Poltiker „jeder parteipolitischen Couleur“(!); denn es ist mit Sicherheit eine der schwierigsten sozialen Beschäftigungen und eine Aufgabe die der ständigen und umfassendsten sozialen Erfolgskontrolle unterliegt. Gerade jüngere Abgeordnete zeigen ja, dass Sie durch klare Positionierung und erkennbares ehrliches Engagement die „Sachkompetenz“ jahrelanger Hinterbänkler in Fachausschüssen zu übertrumpfen vermögen. Ich ärgere mich zudem über Aussagen, dass jemandem die jahrelange Erfahrung in dieser oder jener Position fehlt. Ein politisches Amt ist im Zugang zu diesem durch die Verfassung bewusst nicht an eine bestimmte berufspolitische Eintrittsbedingung geknüpft. Was der Bürger aber erwarten kann ist, dass er nicht nur Themen sondern konkrete und nachvollziehbare Perspektiven und Lösungen auf dem Weg zu diesen auf der Basis von politischen und möglichst menschlichen Grundsätzen vorgestellt bekommt. Inweit wir diese dann annehmen oder verwerfen bleibt nach wie vor unsere Sache. Die TTs sollten das eigentlich wissen.