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Der "Gordische Knoten" Nahost -
... und immer wieder, die Draufschläger sind am Werk ...

Trotz meiner Besuche in der Westbank, Jordanien oder Tel Aviv und zahlreicher Lektüre dazu, steht es mir nicht an Lösungen für den "Gordischen Knoten" im Nahen Osten zu formulieren.

Auch mit mir befreundete Palästinenser oder meine Leidenschaft für die jüdische Philosophie bringen mich dabei nicht weiter. Die '"eine" geniale Lösung für diese Konflikte, außer dem intensiven und notwendigen Gespräch miteinander, die gibt es aktuell sicher auch nicht. Aber es lohnt sich versierten Sachkundigen zuzuhören.

Gordische Knoten löst man eben nicht nur gewaltsam mit der Waffe, sondern viel erfolgreicher mit Ausdauer, Besonnenheit, Kreativiät und Verstand, bekannt auch unter dem Namen "Vernunft". Der Knoten lässt sich langfristig nur durch geläuterte Beteiligte lösen und die kluge politische finanzielle und wirtschaftlich infrastrukturelle Unterstützung Dritter für beide Konfliktseiten (auch weiterhin mit Hilfe der gesamten EU). Dazu gehören vor allem Projekte, die Gemeinsamkeit und Verständnis zwischen den historischen Feinden bewirken, für die in so vielen langen im Kleinen dennoch auch erfolgreichen Jahren beispielsweise ein so ausdauernder Mentor wie Daniel Barenboim eingestanden ist.

 

Den Gordischen Knoten lösen

(Quelle: https://www.business-on.de/duesseldorf/serie-business-
diplomatie-folge-15-den-gordischen-knoten-loesen-_id33832.html)


Eine einmalige Gelegenheit das Aufschaukeln von Emotionen und die Genese des Hasses zwischen Palästinensern und Israelis relativ aktuell und zeitnah zu studieren, bietet die hier verlinkte Dokumentation; gerade weill sie schon weit vor dem aktuellen Terrorakt sehr sachlich, neutral aber aufrüttelnd das Vorkriegsdrama beschreibt.

ARTE Reportage - Westjordanland: Krieg um jeden Hügel

Nutzungsbedinungen der ARD-Mediathek

Wer jetzt statt einer differenzierten Analyse der Lage in Israel und Palästina, wie unsere dummdreiste Außenministerin (die sich gerne als "Frau Wichtig" - ohne Gespür für die notwendige diplomatische Zurückhaltung) - nun aufgrund der aktuellen Ereignisse nur noch mit einseitigen Schuldzuweisungen an die Verbrecher agiert, und alle Menschen guten Willens nur noch "zu Israelis" machen will (viel mehr fällt ihr dazu nicht ein), der hat die über Jahrzehnte gewachsene Hass-Spirale nicht begriffen.

Baerbock reist ja aktuell gerne überall hin, und sonnt sich mit Allgemeinplätzen persönlich dabei möglichst publikumswirksam als internationale "Problemlöserin", obwohl mir zumindest seit dem Beginn ihrer Amtszeit nichts einfällt, was als ein wirklich persönliches Profil in dieser Richtung betrachtet werden kann. Insofern tritt sie nur einfach wieder in die Fußstapfen zahlreicher ihrer männlichen Vorgänger, die oft auch keinerlei eigenes Profil mit dem entsprechenden Mut zur konstruktiven Positionierung besaßen.

ntv: Baerbocks Außenpolitik mit dem Zeigefinger funktioniert nicht

Jetzt hätte Frau Baerbock eine neue reale Chance endlich einmal wirklich Haltung zu zeigen und sich trotz oder besser wegen des Terrors der Hamas, der sich ja vor allem auch gegen die eigene zivile Bevölkerung richtet, sich ebenso klar wie für das legale Verteidigungsrecht Israels entsprechend darüber hinaus - und damit genau so deutlich - für den Schutz unschuldiger Menschen in ganz Palästina auszusprechen. Das tut sie aber eben nicht explizit und überläßt dies anderen klügeren Köpfen, die dabei natürlich Gefahr laufen als Terrorunterstützer missverstanden zu werden. Sie möchte statt dessen lieber gerne, als versierte karriereorientierte Aufsteigerin - ohne in ihrer Naivität irgendwie anzuecken - everybody's aufgehübschtes darling (Hair Force One) der selbsternannten und selbstverliebten Gutmenschen sein, und sieht sich dabei schon - hoffentlich vergeblich - als spätere Aussitz-Kanzlerin wie Angela Merkel.

Sind wir "so" alle Israelis, Frau Baerbock?

Beispiel 1: Die "falschen" Palästinenser
Beispiel 2: Der Umgang mit Kindern

Bericht von Amnesty International über die Zustände
in Palästina vor dem Attentat der Hamas


(Nachtrag 6.11.: "'Diese Debatte bricht uns alle' Viele Muslime in Deutschland finden die Taten der Hamas entsetzlich. Aber sie finden auch, dass die deutsche Gesellschaft das Leid der Palästinenser geradezu ignoriert. Die Geschichte einer Entfremdung. ... So wenig finden Palästinenser, Araber, Muslime ihren Standpunkt in der deutschen Öffentlichkeit wieder, dass kaum noch jemand deutsche Medien verfolgt. Lieber schauen sie angelsächsisches Fernsehen, BBC Arabic oder lesen israelische Zeitungen wie Ha’aretz . Fast alle folgen auf X und Instagram Seiten wie jener des Fotografen Motaz Azaiza in Gaza oder „Eye on Palestine“. Dort finden sie, was sich in Deutschland höchstens das Fachpublikum zumutet, den Truppenbesuch des israelischen Sängers Moshiko Mor beispielsweise, der bejubelt wurde für Verse wie „Wer hat kein Wasser, Essen oder Strom – in Gaza? / Wer wird in Zelten leben – in Gaza?“ Sie lesen die Forderung der israelischen ExMinisterin Galit Distel-Atbaryan, dass Gaza „ausgelöscht“ werden müsse. Und sie sehen Aufnahmen toter Kinder in Gaza, Reihen kleiner Körper in weißen Tüchern, davor schreiende Eltern, stumme Eltern, auch: die Hamas verfluchende Eltern. Mehr als 3400 palästinensische Kinder sind laut Unicef seit dem 7. Oktober gestorben, die Organisation „Save The Children“ spricht von einem toten Kind alle zehn Minuten. Manche zweifeln die Zahlen an, weil sie meist auf Hamas-Angaben beruhen. Als ergäben ein paar Hundert tote Kinder weniger ein grundsätzlich anderes Bild. Über all das würden arabischstämmige Deutsche gern sprechen, in Talkshows, in Interviews, in Gastbeiträgen, aber oft tun sie es dann lieber nicht. Viele Gesprächspartner sind im Lauf der Recherche abgesprungen, weil sie um ihren Aufenthaltsstatus fürchten, um staatliche Förderung für ihre Projekte oder einfach nur um ihren Ruf. Einige wollen ihren Nachnamen nicht nennen. Sie vermuten, dass ihre Worte verdreht werden, dass Begriffe wie „Besatzung“, oder „Befreiung“ oder „Genozid“ als antisemitisch interpretiert werden. Eigentlich, so sagen sie, erwarte das deutsche Publikum von ihnen nur eines: die Verurteilung der Hamas." (Quelle: Süddeutsche Zeitung, 6.11.2023, S.3))

Nur noch auf die zivilen Opfer der Hamas im Gaza-Streifen draufzuschlagen hilft eben nicht; denn auch die Palästinenser sind selbst Opfer ihres eigenen Hasses geworden, weil dieser bekanntermaßen blind und für das Schicksal Dritter völlig teilnahmslos eiskalt und gefühlsarm macht. Das ist die eigentliche Tragik - neben den Morden und Verletzungen des aktuellen Konfliktes, dass Menschen, wie der ehemalige israelische Verteidigungsminister Avigdor Liebermann, als bekannter Draufschläger, nun ein ganzes Volk wie die Palästinenser kollektiv bestrafen, und dies auch noch direkt und unkommentiert bei Phoenix im deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit der Aufforderung der "Vernichtung", "Reinigung" und "Säuberung" von "Menschentieren" so äußern und ankündigen darf. Er ruft in unseren ansonsten relativ objektiven und demokratischen Medien offen dazu auf neben dem harten militärischen Kampf gegen die Hamas, unschuldigen Menschen Wasser, Strom und notwendige Lebensmittel zu verweigern, und er bereitet dabei der humanitären Katastrophe den Weg, die schon vergleichbar früher Menschen in ihren Ghettos auch ohne den direkten Einsatz von Waffen nur einfach hat verhungern oder sterben lassen.

Liebermann bei Phoenix (aktuell auf youtube)

"2001 gestand Lieberman, einem zwölfjährigen Jungen, der seinen Sohn angegriffen hatte, ins Gesicht geschlagen zu haben. Der Vorfall ereignete sich 1999 in der israelischen Siedlung Nokdim. Nachdem sein Sohn ihm von dem Angriff erzählt hatte, spürte Lieberman dem Jungen auf und schlug ihn zu Boden. Anschließend zerrte er den Jungen zu seinem Elternhaus in Tekoa und drohte damit, ihn wieder zu attackieren, würde der Junge zurück nach Nokdim kommen. Er wurde wegen tätlichen Angriffs und Drohung schuldig gesprochen".
(Quelle: https://de. wikipedia.org/wiki/Avigdor_Lieberman)

Rassentrennung wie in Südafrika sind das hehre Ziel dieses Draufschlägers und Aufpeitschers, der den friedensfeindlichen Terroristen der Hamas dabei direkt in die Arme fällt, denn die würden umgekehrt auch wieder am liebsten alle Israelis nur noch in ein riesengroßes Konzentrationslager stecken, wenn sie den Staat schon nicht gänzlich vernichten können. Erschreckend ist dabei zudem, wie leider auch bei zahlreichen Jugendlichen mit einem entsprechenden familiären Hintergrund in Berlin, wie von mir persönlich selbst gehört und erlebt, der größte historische Verbrecher Hitler eine Renaissance als oberster Judenhasser und "Vernichter" erfährt. Jüdische Extremisten, wie Liebermann, öffnen - sicher eher ungewollt und auch in seiner Täterschaft keineswegs vergleichbar - einem neuen "humaneren" Rassismus den Weg.

"Er (Liebermann, der Verf.) nennt die israelischen Araber (Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft) eine 'Fünfte Kolonne'. Er und seine Partei fordern ihren Transfer. Liebermans Plan sieht vor, zehntausenden israelischen Arabern die Staatsbürgerschaft zu entziehen und sie 'mit den Arabern im Westjordanland wieder zu vereinigen'. Die übrigen israelischen Araber sollen einem Loyalitätstest unterzogen werden, um zu entscheiden, ob sie in Israel bleiben dürfen. Israelische Siedlungen im Westjordanland sollen annektiert werden, kleinere arabisch besiedelte Gebiete in Israel könnten an das Westjordanland abgetreten werden." (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Avigdor_Lieberman)

Im Deutschen Fernsehen darf nun also, weil wir ja alle Israelis sind, der Hetzer und ehemalige israelische Verteidigungsminister Lieberman offen in einer direkt mit Übersetzung übertragenen Pressekonferenz Menschen als Tiere bezeichnen, die es zu eliminieren gilt. Die Gleichsetzung von Menschen mit Tieren ist schon Franz Josef Strauss bei uns politisch nicht gut bekommen, und auch klügere Israelis, die in ihrer Mehrheit noch vor wenigen Wochen gegen ihre eigene Regierung lautstark opponiert haben, lassen sich trotz ihrer aktuellen Angst, Betroffenheit, Solidarität mit den Opfern und der gebührenden Trauer nicht vor den Karren solch provokanter und für ganz Israel dennoch atypischer Extremisten spannen - selbst dann wenn auch sie harte militärische Konsequenzen fordern, weil sich aktuell das Land wohl nur so gegen den Terror der Hamas wehren kann.

"TEL AVIV (dpa-AFX) -Israels Oppositionsführer Jair Lapid will der Notstandsregierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Oppositionspolitiker Benny Gantz nicht beitreten. Er glaube nicht, dass die Regierung funktionieren werde, sagte Lapid in einer Ansprache am Donnerstag. Grund sei unter anderem, dass Extremisten Teil der Notstandsregierung seien. Auch sind Lapid zufolge Kräfte dabei, die für die Versäumnisse verantwortlich seien, die den Terroranschlag der Hamas erst möglich gemacht hätten. Seine Partei unterstütze dennoch den Krieg gegen die Hamas als solchen." (Quelle: https://www.handelsblatt.com/dpa/israel-oppositionsfuehrer-will-nicht-in-notstandsregierung-eintreten/29444178.html)

Ganz klug und besonnen zu bleiben, und "schlechte Noten" an alle Kriegsbeteiligten zu verteilen, kann sich trotz des aktuellen "Erstschlages" der Hamas wohl nur noch ein Stardirigent öffentlich leisten:

"Der Stardirigent zum Krieg in Nahost : Barenboim verurteilt Hamas-Terror – und kritisiert Israel. Der Gründer des West Eastern Divan Orchestra verurteilt die Hamas-Angriffe aufs Schärftste - und nennt die israelische Belagerung des Gazastreifens eine 'Politik der kollektiven Bestrafung'. Der Dirigent und Pianist Daniel Barenboim, der als einziger Mensch auf der Welt die israelische und die palästinensische Staatsbürgerschaft besitzt, befürchtet angesichts der Terrorattacken der Hamas auf Israel, dass die israelisch-palästinensische Lage sich in unvorstellbarem Ausmaß verschlechtert. In einem Statement auf der Webseite der von ihm gegründeten Berliner Barenboim-Said-Akademie nennt der ehemalige Generalmusikdirektor der Staatsoper den Angriff der Hamas auf die israelische Zivilbevölkerung 'ein ungeheuerliches Verbrechen', das er aufs Schärfste verurteile. 'Der Tod so vieler Menschen im Süden Israels und im Gazastreifen ist eine Tragödie, die noch lange Zeit nachwirken wird', schreibt der 80-Jährige. Das Ausmaß der Tragödie zeige sich auch in den Geiselnahmen, den zerstörten Häusern und verwüsteten Gemeinden. Barenboim fügt allerdings hinzu, dass die israelische Belagerung des Gazastreifens 'eine Politik der kollektiven Bestrafung' und eine Verletzung der Menschenrechte sei." (Quelle: https://www.tagesspiegel.de/
kultur/der-stardirigent-zum-krieg-in-nahost-barenboim-verurteilt-hamas-terror--und-kritisiert-israel-10605016.html)

Bemerkenswert ist auch wie sich der neue Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz Christoph Heusgen um Differenzierung bemüht und davor warnt, dass man durch mangelnde Differenzierung dem Ziel der Hamas die eigene aktuelle Mord-Täterschaft mit der historischen Opferschaft zahlreicher Palästinenser zu überdecken sehr schnell auf den Leim gehen kann:

Invasion wird die Sache noch schlimmer machen

(Aktueller Nachtrag zu diesem Blog: Inzwischen scheint mit dem noch nicht genau geklärten aber auf jeden Fall unverantwortlichen Angriff auf ein Krankenhaus im Gazastreifen - von wem auch immer - mit wahrscheinlich mehr als 500 Toten genau dieses völkerrechtswidrige Negativszenario nach dem Konzept: "Gegenmord folgt auf Ursprungsmord" - "Zahn um Zahn") schon eingetreten zu sein. So können sich nun unverantwortliche undifferenzierte Äußerungen auch bei denjenigen, die die Palästinenser ursprünglich nur differenzierend vor imperialem und rassistischen Völkermordfantasien israelischer Siedler schützen wollten, nun wiederum in eine Täter-Opfer-Umkehr verwandeln, bei der geleugnet wird, dass die Hamas aktuell eindeutig als mordlüsterner Aggressor zu identifizieren ist, auch wenn dies die Rechtsbrüche nationalistischer Israelis (insbesondere mit der illegalen Besiedelung palästinensischer Gebiete) rückwirkend in keiner Weise zu legitimieren vermag: Aktivistin von Fridays for Future attackiert Zentralrat der Juden. Nun stellt sich auch noch die neue Frage, ob sich die von der Hamas aufgehetzten an sich legitimen Verteidiger eines unabhängigen Palästinas u.U. durch ihre wütenden allzu parteiischen Gegenreaktionen nicht sogar in anderen Ländern, und gerade auch bei uns, strafbar machen, was am Ende noch einmal Öl in die aufgeheizte und inzwischen kriegerisch flammende Atmosphäre gießen würde. Ist Jubel über Terror strafbar?)

Bis heute erkennt Israel übrigens auch wie die USA, Russland, China oder Indien genau so wie manche Schurkenstaaten den Internationalen Gerichtshof in Den Haag nicht an um den eigenen Soldaten freie Hand zu Folter und Morden gegen das Völkerrecht zu lassen.

"Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag ist verantwortlich für die Strafverfolgung von Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Angriffskriegen. Verhandelt werden hier allerdings keine Konflikte zwischen Staaten: Hier müssen sich Einzelpersonen vor einem unabhängigen Gericht der weltweiten Staatengemeinschaft für ihre Taten verantworten. Der Internationale Strafgerichtshof wird dann tätig, wenn Staaten diese Verbrechen nicht selbst verfolgen können oder wollen. Die Voraussetzung für ein Verfahren ist, dass sich ein Verbrechen in einem Staat ereignet hat, der die Gerichtsbarkeit des IStGH anerkannt hat oder wenn der Tatverdächtige die Staatsangehörigkeit eines dieser Staaten besitzt. Mehr als 120 Staaten, darunter alle EU-Staaten, erkennen den Internationalen Strafgerichtshof an. Russland, Israel und China erkennen das Gericht allerdings nicht an – und auch die USA tun dies nicht. 'Ohne den Beitritt der Schwergewichte kann der Strafgerichtshof die Erwartung kaum erfüllen, schwerste internationale Verbrechen zu ahnden', so die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. So werden sich US-Soldaten und der frühere US-Präsident George W. Bush nicht für ihre mutmaßlichen Verbrechen im Irakkrieg verantworten müssen." (Quelle: https://www.t-online.de/nachrichten/specials/id_90385596/wieso-die-usa-den-internationalen-strafgerichtshof-nicht-anerkennen.html)

Deutsche und Juden stehen in gewisser Weise unmerklich in einer gewissen "double bind"-Beziehung zueinander. Schlimm am Judenhass ist inzwischen deshalb auch, dass viele Juden aufgrund ihrer unglücklichen Geschichte begonnen haben über Gebühr selbst an sich zu zweifeln, oder sich gar zu hassen, während den Palästinensern, Arabern aber auch Muslimen "an sich" - natürlich nur die, die ich jeweils persönlich kennengelernt habe (!), und eben nicht "alle" Muslime - diese, an sich wünschenswerte Distanz zu sich selbst - solange sie nicht in Selbsthass oder Selbstmitleid ausartet - oft allzu selten weder familiär noch kulturell als konstruktiv für das eigene Ich vorgestellt bekommen haben. Wo der Mensch nach außen absolute Stärke zeigen möchte, und das meinte der neue Staat Israel im Sinne seiner Selbsterhaltung so tun zu müssen, ist er in "seiner" Wirklichkeit oft höchst unsicher, eher desorientiert, und kompensiert das mit seinem "starken", oft wenig glaubwürdigen monokausalen Bild nach außen (Alfred Adler). Insoweit ähneln sich auch Nachkriegsdeutsche und Juden sogar in gewisser Weise, weil sie mit dem Komplex leben müssen jeweils auf unterschiedliche Weise gegen das Böse historisch - oft feige oder ignorant - nicht genug getan zu haben, selbst dann, wenn sie individuell unschuldig sind oder waren.

(Nachtrag und Einschub am 3.11.23: Dankbar bin ich inzwischen für die klaren und klugen Worte, die Wirtschaftsminister Habeck wunderbar differenzierend endlich auch öffentlich gesprochen hat. Eigentlich hätten solch klärende Gedanken weit früher vom Bundeskanzler und insbesondere auch der Außenministerin so geäußert werden müssen; dann wäre auch die Debatte in Deutschland sicher weniger einseitig - statt der hohlen Phrase "Wir sind jetzt alle Israelis" - geführt worden: Robert Habeck zu Israel und Antisemitismus; denn es ist eine Tatsache, die Israel gerade in den letzten Monaten als Demokratie so ausgezeichnet hat, dass so viele Israelis nicht mit ihrer nationalistischen und zionistischen Regierung einverstanden sind, und sich davon schon vor den Terrorakten seit Monaten distanzieren und gerade auch den Siedlungsterror der Nationalisten im Westjordanland immer wieder abgelehnt und kritisiert haben, deshalb muss man sich ebenso deutlich und jetzt sogar um so mehr von den mörderischen Angriffen der Hamas und der Hisbollah abgrenzen, wenn man den Menschen in ganz Palästina eine zukünftige Perspektive öffnen will. Die Hamas konnte den Beweis für die Leistungsfähigkeit einer Demokratie in Israel nicht ertragen, weil sie immer noch nur in den überkommenen Strukturen von autoritären Kalifaten zu denken vermag. Universell brauchen aber "alle" Menschen den Schutz vor Rassismus, und der Antisemitismus ist historisch in Deutschland leider immer noch die älteste und makaberste Form davon.)

Fordern wir als kritische Freunde des weltoffenen Israels deshalb auch weiterhin eine "Zwei-Staaten-Lösung" und das Ende des sich gerade auch aktuell dramatisierenden Siedlungsterrors im Westjordanland, zum Schutz dieses wunderbaren Landes und seiner Menschen, weil wir nicht wollen, dass sich völlig durchgeknallte zügellose und völlig ideologisch verbiesterte Araber in ihrem Hass anmaßen, die Flüchtlinge des Holocaust aus ihrer Heimat zu vertreiben.

Eine besonders neue Form des Rassismus ist, dass man alle Araber und Muslime für unfähig erklärt zwischen Terroristen, Verbrechern und Kritikern der historischen wie aktuellen Kolonialisierung von Welt zu unterscheiden.

Vergessen wir dabei zudem eben auch nicht, dass es ein Teil der arroganten Kolonialpolitik aller europäischen Großmächte und deren Fehler war - ohne eine angemessene historische Zusammenarbeit mit der dort ansässisigen palästinensischen Bevölkerung - in Gesamtpalästina einen sicheren homeplace für die entwurzelten und bis heute weiter international verfolgten Juden zu schaffen.

Aktuell wächst vor diesem Hintergrund eine neue weltweite antiimperalistische Bewegung der geknechteten, versklavten und entrechteten Menschen gerade auch unter jungen Menschen heran, die weder historisch noch aktuell einen Genozid an wem auch immer dulden. Wenn wir das nicht begreifen und diese jungen Leute nur noch durch polizeiliche Maßnahmen öffentlich auch ohne deren tatsächliche Gesetzesverletzungen "stimmlos" machen wollen, dann treiben wir sie immer mehr in die Arme der -ismen von menschenverachtenden Terroristen, was langfristig zu noch mehr Blut und Hass führt in einer eh schon immer schwierigeren Welt.

Die Hetze gegen Menschen, die sich aus dem Hass speist, die gehört mit allen juristischen und polizeilichen - aber eben nicht mit militärischen Mitteln - gebremst und bestraft. Geschieht dies allerdings nur mit der gleichen Inkonsequenz, mit der sich rechte Nationalisten nach wie vor polizeilich wenig eingeschränkt auf unseren Straßen zeigen dürfen, dann muß man sich über die illegalen Überreaktionen eines meist nur wenig politischen ungebildeten Mobs auf unseren Straßen nicht wundern. Die USA waren in Rede- und Demonstrationsfreiheit immer schon offener als das alles vorab bewertende Europa, das zeigt sich jetzt wieder, auch wenn die Vereinigten Staaten ansonsten alles andere als ein Vorbild in Hinsicht auf demokratisch politische Strukturen sind. "Free Palestine" ist keine Hetzparole der Hamas und der Hisbollah sondern ein berechtigter Aufschrei der imperial betrogenen Menschen weltweit, und rüttelt gerade die besonders für Ungerechtigkeiten sensible Jugend auf, für die Palästina jetzt nur ein Anlass ist; aber das Leiden der armen Menschen und ihrer Länder sitzt eben tiefer und die Emotionen gegen die Hypermacht der Imperialismen müssen dabei ganz zwangsläufig überborden.

Demonstration in Washington

(Nachtrag 1 6.11. Wer nicht berührt war von den Bildern des gestrigen Marsches auf Washington, dem fehlt einfach das Herz auch für die Sorgen und Ängste der rassistisch unterdrückten jungen Leute in der Welt und der Verstand daraus die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen.
In den deutschen öffentlich-rechtlichen Tagesschau-Medien wurde diese ganz neue Bewegung mit Hunderttausenden von Menschen völlig ignoriert, bzw. nur am Rande notiert. Immerhin aber öffnet die Süddeutsche Zeitung heute genau auch damit: "Besonders die Jungen verlangen allerdings dezidiert mehr Distanz zu Israel. Auch ein 23-jähriger Afroamerikaner aus Virginia äußert sich enttäuscht über Biden. 'Ich habe Joe Biden gewählt, aber er tut nichts von dem, woran ich glaube und was er versprochen hatte', sagt er. 'Ich schäme mich, ihm meine Stimme gegeben zu haben.' Die Alternative Donald Trump sei indes ebenso wenig auf seiner Linie. Nun muss Biden befürchten, dass viele Afroamerikaner am Wahltag entmutigt zu Hause bleiben, statt für ihn zu stimmen. Für sie ist das Schicksal der Palästinenser eng mit jenem ihrer eigenen Bürgerrechtsbewegung verbunden: Schon Malcolm X und Nelson Mandela hätten sich mit den Palästinensern solidarisiert, erklärt beispielsweise der Demonstrant in Washington. Der Protestzug findet unter dem Motto „Free Palestine“ als „March on Washington“ statt, ein Begriff, der bei Amerikanern Erinnerungen an den Protestmarsch der Bürgerrechtsbewegung von Martin Luther King vor 60 Jahren wachrufen soll. Um Menschenrechte soll es auch am Samstag in Washington gehen, „gemeinsam für die Menschlichkeit“, wie die Demonstrantin Areej Ramadan sagt. Antisemitisch wollte man nicht sein hier, sondern eine friedliche und bunte Protestbewegung, zusammengewürfelt aus allen möglichen Gruppen, allesamt befeuert von der Unzufriedenheit über die Mächtigen dieser Welt." (Quelle Süddeutsche Zeitung, 6.11.2023, S.2))

(Nachtrag2 6.11. Ob der Rache-Krieg Israels gegen die Hamas rein militärisch überhaupt gewonnen werden kann, wird nun sogar vereinzelt von eigenen israelischen Soldaten bezweifelt: "Ex-Israeli soldier says 'this government can't defeat Hamas'") Aber in Deutschland sind nach wie vor auch in den öffentlich-rechtlichen Medien nur begrenzt irgendwelche Zweifel an Sinnhaftigkeit der Fortführung der militärischen Maßnahmen in Gaza erlaubt, und im Videotext der ARD nennt sich der Liveblog sogar immer noch 'Liveblog zum Angriff auf Israel' obwohl der aggressivste Angreifer inzwischen längst die israelische Armee geworden ist. Als ob man mit solchen Verdrehungen irgendeinen Juden, Kommunisten, Schwulen, Behinderten oder Roma rückwirkend aus den Deutschen Konzentrationslagern befreien und die Deutschen Verbrechen an ihnen so ungeschehen machen könnte. Wir müssen in Zukunft die inhumanen "Konzentrations"lager, wo auch immer und für wen auch immer vermeiden helfen. Dies hat auch für "alle" Asylanten und Flüchtlinge zu gelten.)

Momentan droht die gesamte deutsche Gesellschaft rund um den Konflikt im Nahen Osten in zwei feindliche Lager zu divergieren.

Zerrissene Gesellschaft?- Deutschland und der Nahostkrieg - ARD STORY

Nutzungsbedinungen der ARD-Mediathek

Hören wir also weiterhin denen zu, die sich dort auskennen, die zur Mäßigung aufrufen, und unterstützen wir sie in ihrem schwierigen Kampf um Versöhnung nach einer militärischen Klärung der Lage in den vor uns liegenden dem Frieden hoffentlich dennoch förderlichen Jahren, anstatt uns in unserer Trauer z.B. um die auf einem friedlichen Musikfestival ermordeten und verletzten Hunderten von Opfern selbst in Drauf- und Totschläger zu verwandeln.

Existenzrecht für Israel und Palästina

European Jews for a Just Peace

Stellungnahme zum aktuellen Gaza-Krieg und der Gewalteskalation in Israel

Jüdische Stimme

(Nachtrag 13.12.2023 ... und jetzt, ein wenig mehr als 2 Monate nach dem Angriff der Hamas befinden wir uns alle in gewisser Weise in einer NervenheilANSTALT
ZDF Die Anstalt vom 12.12.2023 Thema:Nahostkonflikt)