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"For me, this strange, unsettling moment in American life is defined by the feeling that nothing is possible and everything may be." (Anand Giridharadas, Love the world anyway. Talking to Hannah Arendt's new biographer about propaganda, evil, forgiveness, hope, and loving the world enough to believe that it can changehttps://the.ink/p/arendt - Dieser Artikel, der erst gestern, am 12.1.2020 erschienen ist, erklärt eigentlich alles noch viel besser als in diesem nachfolgenden Blog, der schon zwei Monate zuvor von mir erstellt wurde.)


Make America great again!

"Nur das Ganze ist das Wahre"
(Hegel, zitiert nach Harald Lesch)

"Wir irren uns empor"
(gehört bei Harald Lesch, der den ursprünglichen
Autor nicht zitiert, danach gefunden bei Gerhard
Vollmer davor schon zitiert bei Kurt Lambeck.
Wissenschaftliche Eitelkeit macht manchmal
einen kleinen Schwenker bei den Quellen.
Das betrifft leider nicht immer nur Politiker
mit einem Doktortitel )


"Die Geschichtsphilosophie in Deutschland, zumindest seit Hegel, glaubte immer, irgendwie prophetisch sein zu müssen. Ich halte das für falsch. Man lernt von der Geschichte, aber heute und jetzt endet die Geschichte. Gegenüber der Zukunft müssen wir eine ganz andere Einstellung haben als die, den Versuch zu machen, aus der Geschichte zu extrapolieren und sozusagen die Geschichtsbahnen weiter
in die Zukunft zu verfolgen.
" (Sir Karl Raimund Popper, Interview im Spiegel 23.3.1992)


Auch wenn es absurd ist die Zukunft der Welt nach Trump vorhersagen zu wollen, und das Ende der Ära Trump zeichnet sich ja schon vor den Wahlen in den USA ab, so macht es doch Sinn den Amerikanern bereits jetzt zu ihrer demokratischen Überwindung dieses Syndroms zu gratulieren, denn, das größte "Verbrechen" von Donald Trump in seiner nun zur Neige gehenden Amtsperiode war sicherlich die Zerstörung des "American Dream".

Gerne richten jetzt die "Gutmenschen" nur einen ethischen Appell an die "neuen" USA, dabei geht es um viel mehr, gerade auch bei uns selbst.

"Den ethischen Appell hat es seit dem Mittelalter in verschiedenen Formen gegeben. Unter christlichen Denkern wie auch unter denen der Aufklärung war der ethische Appell die Hauptsache. Und die Gegner dieses ethischen Appells waren im wesentlichen die Romantiker. ... Das ist so ungefähr die romantische Gegeneinstellung gewesen: Ohne Krieg und ohne Gewalt geht''s nicht - das ist Hegels Anwendung seiner historischen Erfahrung. Doch wenn man die Idee durchführt, diese kriegerischen Erfahrungen der Vergangenheit auf unsere Zukunft anzuwenden, dann gibt es wirklich keine Hoffnung mehr: Unsere Waffen sind vernichtend geworden. An die Stelle des Stahlbades und des Blutbades, das unseren romantischen Vorvätern noch so erfrischend erschien, ist das allvernichtende atomare Strahlenbad getreten. ... " (Sir Karl Raimund Popper, Interview im Spiegel 23.3.1992)

"Der kommunistische Wahnsinn besteht im wesentlichen darin, und das findet sich schon in Marx, daß die sogenannte kapitalistische Welt als teuflisch angesehen wird. Das, was Marx Kapitalismus genannt hat, hat es nie auf der Welt gegeben, auch nie etwas Ähnliches. "
(Sir Karl Raimund Popper, Interview im Spiegel 23.3.1992)

Doch, entgegen Popper, hat sich das eigenständige Vermehrungsprinzip des Kapitals, Profitmehrungen durch ständig wachsende Ansprüche an weitere Profitmehrung über die Welt zu stülpen, etabliert, auch wenn es jetzt an seine immanenten Grenzen stößt. Marx hat allerdings übersehen, was Schumpeter später nachreichte, wie innovativ und kreativ der Kapitalismus geworden ist, und dass in einer "freien" Marktwirtschaft ständig neue Akteure und Ideen aufkommen, die die Ursache dafür waren, dass der Kapitalismus ohne seine imperialistische Seite ein auch für uns Arbeitende oder Konsumenten in den Industrieländern relativ "freundliches" Gesicht entwickeln konnte. Solange die rein an der Kapitalvermehrung orientierten Kräfte in vielen Lebensbereichen noch immer die Oberhand bewahren, führt dies zu immer größeren Legitimationsproblematiken dieses Wirtschaftssystems, das insofern an seine finalen Grenzen stößt. Freie und kreative Zukunftsgestaltung werden deshalb in der Zukunft eher von der quantitativen Kapitalvermehrungsbewegung, nur noch gemessen an Profiten, abgekoppelt, und sich an modernere Nützlichkeitserwägungen für die gesamte Menschheit und den Ausbau eines qualitativen und weniger quantitativen Wohlstandes andocken.

Selbst wenn aber Popper fälschlicherweise den Kapitalismus, der in den USA sicherlich kulminiert, für die größte Entwicklung in der Menschheitsgeschichte hält, und die "Romantiker" gar als Kriegstreiber pervertiert, so hat er mit seinem entscheidenden Grundsatz recht: Geschichte ist in dem was sie faktisch und als ein Ganzes sein wird, prinzipiell offen!

Wir Romantiker haben dabei allerdings ein entscheidendes Wort mitzureden, indem wir auf das "Reich der Möglichkeiten" hinweisen, das dieser Offenheit innewohnt, in gewisser Weise eine Fortsetzung der Kontingenzdebatte bei Niklas Luhmann. Romantiker wollen die Debatte um die Möglichkeit von Seele und Geist hinter den Strukturen der Strukturen offen halten. Und die Debatte über das Ende von Trump in den USA hat einen sehr romantischen und auch grundsätzlichen Gehalt. Dazu gehört eben doch der "schwärmerische Protest", und gerade weil dieser Protest auf der Höhe der Zeit und insofern vernünftig ist, wird er die illegale Gewalt auf Dauer nicht mehr benötigen, wenn man endlich aufhört auch passiven Widerstand durch polizeiliche Maßnahmen als Gewalttat umzudefinieren.

" Romantik, was ist das?
Mit ,,Romantik" wird eine geistes- und stilgeschichtliche Epoche bezeichnet, die mit Beginn des 18.Jahrhundert in England, Frankreich und Deutschland ihren Anfang hat. Vorbereitet hat die Zeit der Aufklärung. Das Wort ,,romantisch" geht zurück auf das altfranzösische ,,romanz". Dieses Wort war der Oberbegriff für alle Dichtungen in einer Landessprache. Später kennzeichnete man damit nur noch den ,,Roman", meinte damit die Möglichkeit, in dieser Dichtung das Unwirkliche, Fabulöse, Utopische darstellen zu können. Bezeichnend auch, dass das Wort ,,romantique" den Pathos einer wilden unberührten Landschaft ausdrückte. Man gebrauchte den Begriff zunächst eher abschätzig.
Man kann allerdings vorbehaltlos feststellen, dass der Höhepunkt der Romantik in Deutschland lag. Die Wurzeln liegen bei J.J. Rousseau. Er erklärte die Bewegung zum Künstlerbegriff. Er war auch der erste, der die Bezeichnung in die menschliche Qualitäten bezeichnete.
Ohne die deutsche Sturm- und Drangzeit mit ihrem schwärmerischen Protest gegen die Vernunft der Aufklärung, die dann in der Klassik nochmals Erweckung fand, wäre die ,,Romantik" nicht zu einer echt deutschen Kunstepoche geworden. Ihr Wesensbegriff entzieht sich allerdings einer eindeutigen Formulierung. Die deutschen Frühromantiker Wachener und Tietz, welche die deutsche Landschaft stimmungsgeladenen beschreiben, stehen im harten Gegensatz zu den Geistesgrössen der Aufklärung."
(https://www.grin.com/document/98049)

Popper widerspricht sich selbst, indem er aus der Geschichte des über Jahrzehnte gewachsenen allgemeinen Wohlstands - "für alle" vor allem primär in den Industrieländern - seiner eigenen Methode widersprechend die darauf folgende Zukunft aus der bisherigen Entwicklung heraus extrapoliert. Ja, der allgemeine Wohlstand der Industrieländer war die eigentliche Ursache für die Etablierung des Rechtsstaates und die damit verbundene Demokratisierung. Insoweit standen auch die USA bisher an vorderster Front. Aber die imperialistische Dimension der "Siegermächte" hat durch die "Grenzen des Wachstums" eine völlig neue Richtung bekommen. Jetzt versucht sich der inzwischen überkommene Kapitalismus durch die Leugnung der Offenheit weiterer Entwicklungsoptionen als eine Ewigkeitsphilosophie zu etablieren, und wir Romantiker, die andere Entwicklungschancen thematiseren, um sie in faktische neue Wirklichkeiten durch unser Handeln zu verwandeln, müssen dabei - für die herrschenden Kräfte notwendig - kriminalisiert oder gar psychotherapiert werden, wie dies so zynisch Helmut Schmidt immer wieder behauptete. Der Imperialismus wird dabei immer aggressiver, um die aktuellen Eliten auf Dauer gegen grundsätzliche Veränderungen zu immunisieren und greift dabei ganz zwangsläufig über seine nationalstaatlichen Grenzen hinaus. Aber die USA sind eben nicht nur imperialistisch, weil es die USA als solche gar nicht gibt, ohne die Widersprüche und Diversitäten unter ihren Bürgern zu berücksichtigen.

Popper, Merkel, führende Politiker in den "abtrünnigen" ehemaligen RGW-Staaten oder beispielsweise auch der britische Johnson verpflichten sich noch immer zu einer Vasallentreue gegenüber den USA: "Wir sollten uns bemühen, in dieser Pax americana so aktiv mitzuarbeiten, daß es eine Pax civilitatis wird. Das ist einfach die Notwendigkeit der gegenwärtigen Situation. Es geht hier nicht um Kleinigkeiten, sondern um das Überleben der Menschheit." (Sir Karl Raimund Popper, Interview im Spiegel 23.3.1992) Die "Pax civilitatis" ist aber in keiner Weise auf Dauer an den US-amerikanischen Staat gebunden, sollte vielmehr eine internationale Initiative in den Händen aller Vernünftigen in den Vereinten Nationen werden.

Jemand, der wie ich auch in den USA studiert hat, und Amerika immer mal wieder besuchen durfte, der ist bestürzt, dass sich nun durch Donald Trump jede Deppin und jeder Depp berechtigt und dazu ermutigt fühlen darf, mit Donald Trump Amerika als Ganzes verurteilen zu dürfen.

Dabei haben wir Deutschen den Amerikanern neben der Befreiung vom Faschismus zusammen mit den anderen Alliierten, aus welch niederen Motiven vor dem kalten Krieg auch immer, in erster Linie unseren immensen wirtschaftlichen Wohlstand zu verdanken, der uns jetzt in die Lage versetzt, auf der Basis von Sozialleistungen einen entmilitarisierten demokratischen Staat zu pflegen.

Vergessen ist auch die Tatsache, dass es die Entrechteten und Verfolgten waren, die aus Europa nach Amerika flüchteten um dort eine neue Welt aufzubauen.

Und wer zu recht heutzutage die Bewegung "Black Lifes Matter" unterstützt,
und auch die Verbrechen an der indigenen amerikanischen Urbevölkerung
in Betracht zieht, der kommt dennoch nicht umhin, die amerikanische Verfassung
als die entscheidende Grundlage für den sukzessiven demokratischen Umbau
moderner Gesellschaften zu betrachten.

Ja, der amerikanische Kapitalismus ist ein Imperialismus geworden,genau so, wie dies Karl Marx in seinen klugen Analysen hervorgesagt hat. Aber Amerika hat seine Bürger und auch uns durch seine Marktwirtschaft wohlhabend gemacht, und Wohlstand ist nun einmal die Grundlage für dauerhafte soziale Sicherheit, Bildung und Kultur.

Selbstverständlich sind wir einen ganzen Schritt weiter, ökonomischer Wohlstand ist eben nicht mehr "Alles", und er kann gerade durch den Missbrauch natürlicher Ressourcen mehr als irreführend sein, aber auch den "Umweltschutz" haben nicht die Europäer oder gar die Deutschen erfunden, sondern Anfang der 70er Jahre hatten beispielsweise Deutsche PKW enorme Schwierigkeiten die harten insbesondere kalifornischen Umweltvorschriften zu erfüllen.

Die Amerikaner haben eine kulturelle Alltagslässigkeit und mediale Vielfalt zu uns gebracht, die die Steifheit der Europäer über viele Jahrzehnte sehr alt aussehen ließ. Amerikanern hatte ich es zu verdanken, dass ich sonntags nicht mehr in einen Anzugsdrill gezwungen wurde, dass ich meine Beine im Wohnzimmer nach Belieben auf den Tisch legen durfte, und dass ich inzwischen essen darf, wonach mir ist, und dass die Zeiten, in denen nur das gegessen werden musste, was auf den Tisch kommt, für alle Zeiten vorbei sind. Fast Food ist, wenn man es so betrachtet, für viele Jahre auch zum "free food" geworden.

Dass diese freie "amerikanische" Kultur zu einem erheblichen Teil auch eine lässige schwarze widerständige singende und tanzende Musikkultur war, ist dem deutschen Spießbürger mit Lokalen "off-limits" für schwarze Soldaten in Europa erst sehr spät aufgegangen.

Wir Hippies haben darüber hinaus den Männlichkeitswahn mit amerikanischen Vorbildern, amerikanischer Literatur und amerikanischer Musik in Kopf und Herz überwunden.

Veganes Leben wurde zuerst in den amerikanischen Kommunen realisiert und der Mief unter den Talaren wurde nicht nur in Europa sondern gerade auch durch die Freiheit der Wissenschaften in den USA enttarnt, die über Jahrzehnte viele europäische Forscher in ihren Bann gezogen hat.

Amerika war der Ort des freien Exils, der modernen Experimente, und nicht zuletzt
hatte auch die sexuelle Revolution ebenfalls in den USA ihre Wurzeln.

All dies hat eigentlich Amerika groß gemacht, und ein solches demokratisches und
kulturell aufgeschlossenes Amerika sollte man sich jetzt zurück wünschen. Nicht
Trump, sondern Freiheit, Demokratie und sozialer Wohlstand, auch wenn letzterer
sicher nicht so vergleichsweise gerecht verteilt wurde wie in Europa, haben
Amerika groß gemacht. Und ein solches Amerika, das auf sein liberales Wertesystem
setzt und vom Imperialismus Abschied zu nehmen vermag, das wünscht man sich
jetzt.

Globalisierung könnte insofern eine allumfassende gesellschaftliche multikulturelle Chance bedeuten, alle Ethnien, alle Kulturen, auf eine angemessene und der Kultur wie der Natur gesellschaftlich verträgliche Reise mitzunehmen. Dazu brauchen wir auch die Rede- und Informationsfreiheit, die sehr wohl in der amerikanischen Verfassung besser verankert ist als im europäischen Denken, wo man immer erst bei Vater Staat um Erlaubnis fragen muss, bevor man etwas ändern darf. Vom Generalgeschmack abweichendes Reden oder auch nur Denken ist in Europa immer noch verpönt, obwohl es doch die Grundlage für eine politisch demokratische Entwicklung sein sollte. Da wird mehr um politisch Korrektes gestritten, als um eine allgemeine Verbesserung der tatsächlichen Wohn- und Lebensverhältnisse für alle.

Auch wenn die Amerikaner häufig nur einen Wohlstandspragmatismus pflegen, so wollen wir in Europa doch eigentlich auch nur das Gleiche oder Ähnliches, nämlich dass es uns jeweils individuell wirtschaftlich gut geht und wir vor wirtschaftlichen und sozialen Risiken möglichst gefeit sind. Diese Art von kollektivem "Individualismus" ist in Wirklichkeit die weltweit einigende Bewegung, die die Mehrheit von uns allen heimlich im Herzen trägt.

Die Liebe, die gerne als tragendes Fundament, vor allem von christlich religiösen Menschen wie ein Panier bigott vor sich her getragen wird, ist zwar sicherlich das kulturell größte Geschenk, aber sie kommt meist dann erst richtig zum Tragen, wenn der Magen gefüllt und die Wohnung gesichert ist, wie schon Brecht in seiner Dreigroschenoper so deutlich erklärte. Dabei die Dritte Welt als nur dümmlich zu betrachten ist die westliche Arroganz, die immer noch tief in unseren Herzen und Seelen verwurzelt ist, weil wir uns für so viel besser und erfolgreicher halten als die "Primitiven" dort.

"SPIEGEL: Nach Ihrer Überzeugung leben wir in der besten und gerechtesten Gesellschaft, die es je gab. Zur Beseitigung des Massenhungers in der Dritten Welt oder der Umweltzerstörung hat diese liberale Demokratie gleichwohl keine überzeugenden Lösungen anzubieten.
POPPER: Wir sind mehr als fähig, die ganze Welt zu füttern. Das ökonomische Problem ist gelöst: von der Technik her, nicht von den Ökonomen.
SPIEGEL: Aber Sie werden doch kaum bestreiten können, daß es in weiten Teilen der Dritten Welt Massenelend gibt?
POPPER: Nein. Aber das ist hauptsächlich auf politische Dummheit der Führer in den verschiedenen Hunger-Staaten zurückzuführen. Wir haben diese Staaten zu schnell und zu primitiv befreit. Es sind noch keine Rechtsstaaten. Dasselbe würde geschehen, wenn man einen Kindergarten sich selbst überließe."
(Sir Karl Raimund Popper, Interview im Spiegel 23.3.1992)

Die Staatsskepsis, die den Amerikanern mit den negativen Staatserfahrungen
nach deren Vertreibung aus Europa gegen Ende des "drittletzten" und zu Beginn des vorletzten Jahrunderts kulturell so eigen war, muss kein Widerspruch zum demokratischen Sozialstaat in Europa sein, der im Rahmen seiner Verantwortlichkeiten
natürlich statt Austerity eher eine kluge Infrastrukturpolitik betreiben sollte. Aber die Rede- und Denkfreiheit, für die die USA nach wie vor durch ihre insofern weltoffenere Verfassung stehen, in der eben auch Dummheiten als ein Äußerungsrecht der Bürger vorgesehen sind, die treibt doch durch Argumente der Vernunft auf Dauer den sogenannten Populisten die fake News aus, und insofern ist es jetzt gerade auch für Europa ein Gewinn, dass die Periode Trump nun endlich nach Jahren der Verwirrung demokratisch (!) beendet wird. Nicht die modischen "Faktenchecker" gegen die fake News haben primär dazu beigetragen sondern der ganz normale "gesunde Menschenverstand", der jahrelang von den Übertreibungen und Lügen des Herrenmenschen Trump überwältigt und vergewaltigt wurde. Der Trump hatte einfach seine Hand immer an der falschen und regelmäßig eher unerwünschten Stelle. Die Amerikaner sind ihn schlicht leid geworden, noch bessere Motive wären da allerdings auch die Einsicht zur strukturellen Veränderung.

Gratuliere Amerika, denn Du machst Dich auf autonome Weise und ohne Eingriff von außen wieder great again! Dies wünscht man sich auch für die oligarchischen Schurkenstaaten, für die wir inzwischen neben den außereuropäischen Großmächten Russland oder China mit Ungarn, Belarus, Polen, der Türkei und selbst Ländern wie Tschechien in der EU doch ebenfalls genügend negative Beispiele haben. Mit einem Politclown "on top of the scene" scheint jetzt wieder nur Nordkorea übrig zu bleiben, wären da nicht allzu aktuell mit Bolsonaro ein ähnlich Verblendeter an der Spitze Brasiliens oder ein Rambo Duterte auf den Philippinen. Klamauk in den Medien liefern uns aber durchaus auch europäische Demokraten wie Rocky Boris, Premier Johnson in Großbritannien. Das kitschige Drama Trump mit seiner steinernen First Lady ist nun beendet. Fortsetzung folgt vielleicht mit dem Margarine-König der Thailänder Maha Vajiralongkorn, genannt Rama. Wahrscheinlich gilt die Einreihung von Benjamin Netanjahu in dieses Wachsfigurenkabinett der Lächerlichkeiten schon als ein Antisemitismus, aber Bibi wie man ihn auch nennt, ist mir eben nun einmal schon als Person deutlich weniger sympathisch als die gleichnamige Wiener Tatortkommissarin, die ich persönlich als Rolle so verehre. Die Verteufelung von Menschen aufgrund ihrer lächerlichen Verhaltensweisen hilft politisch wenig, vor allem dann, wenn sie auch noch auf eine ganze Nation übertragen wird.

Nach der Verteufelung der imperialistischen Amerikaner werden wir sicher schon bald wieder den chinesischen oder russischen Imperialismus verurteilen, anstatt zu begreifen, dass die Nationen eben nicht aus den jeweiligen politischen Eliten bestehen. Ich habe sowohl in den USA als auch in Russland (in China war ich leider noch nicht) so wunderbare Menschen kennengelernt, dass mir jetzt - nach meiner Meinung - das kollektive Amerikaner-Bashing der Europäer (mit Donald Trump als bösem und peinlich dummen Buben in unserem kulturell verletzten Kopf und beleidigtem Herzen) in die falsche Richtung führt. Nur hochkulturelle Zeitschriften wie der Cicero führen in Deutschland noch Sympathiedebatten für Amerika, der Rest scheint sich in der Ablehnung der Amerikaner irgendwie einig zu sein.

"Die USA sind kapitalistisch, kriegstreiberisch und nehmen es mit der Demokratie nicht sehr genau. Das Bild, dass in Europa von Amerika gezeichnet wird, ist nicht selten voller Klischees. Tobias Jaecke hat in einem neuen Buch den Antiamerikanismus in deutschen Medien untersucht."
(https://www.cicero.de/aussenpolitik/usa-bashing-
die-amerikaner-sind-gefaehrlich-eigennuetzig-und-profitgierig/57118)

Susanne Schädlich brachte es im Deutschlandfunk auf den Punkt:
"Deutsche und Europäer lieben das Reiseland USA. Musik und Film sowie Mode und Technik von der anderen Seite des Atlantiks waren für sie zu allen Zeiten 'Kult'. Und trotzdem pflegen viele – vor allem politisch und wirtschaftlich – einen Antiamerikanismus. Aber warum und warum sprechen Amerikaner nicht ebenso voller Vorurteile über Europa und Deutschland? Amerika, du hast es besser ...bloß nicht in deutschen Medien. Regelmäßig werden die USA genüsslich niedergemacht:
Amerika sei durch und durch rassistisch, Weltpolizist, verantwortlich für die globale Umweltzerstörung, ungezügelten Kapitalismus, ebenso ungezügelte Überwachungspolitik und die Finanzkrise, für Terror und Krieg, sei im Großen und Ganzen Schuld an der gesamten Weltlage und allen Miseren. Städten in den USA wird exemplarisch der Niedergang prophezeit – man erinnere sich an Detroit, dabei ist Berlin viel höher verschuldet. Die USA waren schon oft am Ende. Mit der Demokratie sei es nicht weit her, nein, eigentlich hätten die USA ein totalitäres Regime.
Barack Obama war der Neue Messias, auch in Deutschland. Mittlerweile kommt es allenthalben auf den Nenner: Ach Obama..."
(https://www.deutschlandfunkkultur.de/antiamerikanismus-usa-
bashing-total-ueberholt.1005.de.html?dram:article_id=330500)

Ja, auch ich habe ehemals gegen Amerika und den Vietnamkrieg protestiert, aber eben genauso gegen den Einmarsch der Russen in Prag. Gegen Kalkar und das nun endlich besiegte Endlager in Gorleben war ich dabei, doch gegen all das haben sich ebenso Amerikaner zu wehren versucht. Beim Protest in Harrisburg waren zwangsläufig geographisch bedingt nicht wir Europäer sondern vor allem die Amerikaner selbst am Start. Das international vorbildliche Sozialsystem der Bundesrepublik im Vergleich zu den USA konnte auch durch Obama-Care nicht kopiert werden, aber das liegt doch nicht an den Amerikanern sondern an den korrupten amerikanischen Eliten, die sich doch jeweils weltweit vergleichbar in ihren jeweiligen Ländern persönlich bereichern und bedienen. Macht da ein Kanzler Schröder wirklich noch eine Ausnahme, unterscheidet er sich wirklich noch grundsätzlich von der Charakterlosigkeit eines Donald Trump? Und dabei habe ich Kanzler Schröder ursprünglich einmal vor und kurz nach seiner Wahl durchaus für eine Lichtgestalt in der deutschen Politik gehalten. Leiden inzwischen nicht gerade auch viele alleinstehende Frauen und ihre Kinder in Deutschland unter den Missbräuchen durch die Sozialbehörden im Rahmen von Hartz IV? Und zeichnet nicht auch in Deutschland ein ebensolcher Macho Schröder dafür verantwortlich? Er tritt zwar nach wie vor seriöser auf, aber ist die "Personifizierung" eines Landes durch deren korrupte Politiker denn wirklich erlaubt?

In Amerika landet der nicht mehr Leistungsfähige auf der Straße, das ist ungerecht und bitter, aber in Europa landen die Nichtleister in den Chefetagen der Unternehmen. Niemand wünscht sich die amerikanische Welt des "hire and fire" für Europa zurück, aber dennoch hat mich in den USA begeistert, dass man dort primär danach fragt, ob jemand etwas weiß oder kann, und nicht welch häufig unverdiente Zeugnisse oder Zertifikate man - wie in Deutschland stets gefordert - entsprechend vorweisen kann.

Verwende ich in Deutschland meinen Doktortitel, in Österreich war das noch schlimmer, dann schlagen bei einer deutschen Behörde und selbst bei einem Deutschen Polizisten noch immer gleich die Hacken zusammen, obwohl Menschen ohne solch einen Titel oft genau das gleiche oder häufig sogar mehr leisten. Ich muss dennoch zu meiner Schande gestehen, dass ich das durchaus pragmatisch zur "Vereinfachung" auch gerne selbst einsetze. Und mein kurzer Ausflug mit einem Professorentitel in die österreichische Welt der Wissenschaft war insofern noch viel erfolgreicher. Aber kaum einer weiß, dass derjenige, der in Deutschland einen "ordentlichen" Professorentitel erwirbt, häufig fast schon automatisch den Griffel niederlegt und seinen "Leerstuhl" wie ein Priester vor der lutherischen Reformation als eine Pfründe verteidigt, für die man kaum noch zu wirklichen Leistungen verpflichtet ist. Die Leistungen übernimmt dann meistens der Mittelbau, für deren Akteure man als Professor oft nur einfach noch den Namen hinhält. In den USA muss ein Professor an der Hochschule wenigstens regelmäßig Leistungsvereinbarungen mit seinem Dean abschließen, deren Erfolg oder Misserfolg dann auch regelmäßig überprüft wird! In Baden-Württemberg wollte man das kurzfristig auch in Deutschland einführen, aber die deutsche Professorenlobbys haben solche Vorschläge schnell wieder mit den entsprechenden "wissenschaftlichen" Gutachten vom Tisch geschoben. Stattdessen hat man sich inzwischen an mehreren Universitäten untereinader selbst zur Elite bzw. Eliteuniversität erklärt und entsprechend formell zur Verwendung erhöhter staatlicher Zuschüsse auch erkoren. Jährlich feiert man nun diese öffentliche Anerkennung, die man sich in Wirklichkeit doch nur einfach selbst von Professoren zu Professoren verliehen hat.

Ob amerikanische gesellschaftliche Leistungskontrollen wirklich effektiver sind, kann man für verschiedene soziale Sektoren zwar zu recht bezweifeln, und Korruption und Mafia leisten in den USA auch dazu noch einen eigenen Beitrag. Die USA stehen beim CPI-Index von Transparency International bei 180 gelisteten Nationen 1998 auf Platz 22, während Deutschland mit Platz 11 eher einen der oberen Plätze einnimmt. Aber mein Eindruck ist, dass Inkompetenz und selbstgefällige Mittelmäßigkeit dort schneller bestraft und korrigiert werden als bei uns. "Connections" sind in den USA nicht zwingend das Gleiche wie Beziehungen bei uns, und statt mit letzteren bei uns zu reüssieren, steuert man dort die Leistungen eher durch "Bezüge" als direkte Belohnungssysteme. Und schließlich ist die Mafia ja sogar eine europäische Erfindung.

Fest steht, dass das finanziell vorerst noch "stabilere" Europa - trotz all seiner internen politischen Instabilitäten - von davon faszinierten mittel- und osteuropäischen Oligarchen, arabischen Eliten und EU-gestützten Kleptokraten dazu genutzt wird zu ebensolchen stabileren Investitionen und Anlagen zu kommen. Es gibt insofern inzwischen einen neuen Kapitalsog von den USA weg hin nach Europa für ethisch nicht verantwortbares "fluktuierendes" Kapital begünstigt durch unklare und widersprüchliche gesetzliche Regelungen in unserem "Kultur"kreis. Man scheut sich bei uns in Europa auch in den parlamentarischen Demokratien längst nicht mehr diese zweifelhaften Transfers auch für "sauberere" Geschäfte weiter zu vewerten und entsprechend zu verheimlichen. Dafür soll das folgende Beispiel stehen, das inzwischen für den Umgang der Europäer mit Steueroasen und Bananenrepubliken so typisch geworden ist.

"Zum Auftakt Mitte Oktober diskutierten drei Expertinnen und Experten, welche Lehren die EU aus bisherigen Erfahrungen ziehen sollte. Als Aufhänger und aktuelles Beispiel dienten die Luanda Leaks. Die im Januar 2020 veröffentlichten Dokumente zeigen, wie Isabel dos Santos, Tochter des ehemaligen angolanischen Präsidenten und mutmaßlich reichste Frau Afrikas, ihr rund zwei Milliarden US-Dollar schweres Firmennetzwerk durch zugespielte staatliche Aufträge aufbauen und die Gewinne durch Investitionen in Firmen in der EU waschen konnte. Der Fall steht exemplarisch für 'Kleptokraten', also Herrschende, die sich und ihre Entourage unzulässig bereichern. Ein Kernproblem im Kampf gegen Geldwäsche, so die ehemalige EU-Abgeordnete Ana Gomes, sei politischer Unwillen — sowohl auf europäischer Ebene als auch in ihrer Heimat Portugal, das besonders enge Verbindungen zu Angola hat. Dort haben einige Banken und Unternehmen mit Beteiligung von dos Santos ihren Sitz. 'Niemand tat etwas dagegen', sagt sie über dos Santos illegale Aktivitäten, für die es schon früh Anzeichen gegeben habe. Gomes kritisiert vor allem die engen Verbindungen von Anwaltskanzleien und Unternehmensberatungen zu politischen Entscheidungsträgern. Teilweise würden dieselben Anwälte Kriminelle und Politiker beraten. Das liege auch am Prinzip der „revolving door“ — Wechseln von Staatsbediensteten in die Wirtschaft und umgekehrt." (Jan Borchert, Im Kampf gegen das schmutzige Geld von Kleptokraten, Scheinwerfer. Das Magazin gegen Korruption, Dezember 2020, S. 23)

Neue Gesetze und Verordnungen, um solchen und anderen wirtschaftskriminellen Mißbrauch einzudämmen, werden zwar immer wieder bei uns angekündigt, aber scheinen doch eher nur der Beschönigung des Althergebrachten durch Pseudoregulierungen zu dienen, damit der brave Bürger meint, es werde jetzt endlich etwas gegen solch unhaltbare Zustände unternommen.

"Dieselskandal, Wirecard oder Cum-Ex-Geschäfte, bisher kamen Konzerne bei kriminellen Geschäftspraktiken recht glimpflich davon. Werden Straftaten eines Unternehmens aufgedeckt, ist im Grunde das Schlimmste, was den Anteilseignern passieren kann, ein Wechsel des Personals. Nach der Grundkonzeption des deutschen Strafrechts können nämlich nur Menschen belangt werden. Unternehmen sind jedoch sogenannte juristische Personen und fallen nicht unter das Strafrecht. Bei Unternehmenskriminalität bedeutet das oft gewissermaßen eine Tat ohne Täter. Die Hemmschwelle ist niedrig, wenn sich kriminelle Handlungen hinter einer glitzernden Bürofassade und im Schutze eines Firmenschildes abspielen. Im Vergleich zum angerichteten Schaden und der Zahl an Betroffenen, siehe Diesel-skandal, sind die Strafen für die Unternehmen in Deutschland gering. Die Sanktionierung von Firmen wird bisher über das Ordnungswidrigkeitenrecht geregelt." (Scheinwerfer. Das Magazin gegen Korruption, Dezember 2020, S.19)

Und leider sind auch unsere Medien mit ihrer doch so notwendigen Kontrollfunktion davon betroffen.

Über den Selbstbedienungsladen "öffentlich-rechtlicher" Rundfunk bei uns, den ich als solchen dennoch sehr schätze, will ich in Hinsicht auf die völlig überzogenen Gehälter, die man sich dort genehmigt, gar nicht erst reden. Daß Familienzöglinge und Günstlinge der Parteien in unserem eben gezielt nicht privatwirtschaftlichen Rundfunk als Vasallen der Wirtschafts- und Kulturelite eine Eintrittskarte für lebenslange Absicherungen und Pfründe haben, erstaunt wohl inzwischen noch kaum jemanden, der sich die Stellen-Besetzungslisten und die dort vorfindbaren Namen mit beispielsweise einer deutlichen Überrepräsentanz des Adels, genauer betrachtet. Auch wenn sich der rechte Kampfbegriff der "Lügenpresse" in Deutschland häufig zu unrecht viel mehr auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als auf den privaten Boulevard-Printbereich bezieht, so fragt man sich doch, warum es für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk Kontrollgremien gibt, die als solche nicht funktionieren, um die fast schon aristokratische Binnenversorgung der oft völlig inkompetenten Leitungsgremien und festen Mitarbeiter dort entsprechend zu unterbinden.

Überfällig ist auch der Abbau bzw. die Reduktion und monetäre Neubewertung des aufgeblähten Unterhaltungssektors im öffentlich-rechtlichen Sektor. Welch eine Arroganz zeigen die Gottschalks und Jauchs, die ohne irgendein besonderes Talent, als quasi "bedeutsame" Personen, zudem nur durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk "als solche" selbst hervorgebracht, wie wirklich herausragende Leistungsträger in Sport, Schauspiel oder Musik hoffiert werden. Natürlich wird auch in den letztgenannten Sektoren individuell "über Gebühr" soziale Leistung von uns allen abgeschöpft, aber immerhin ist dort Leistung noch relativ einfach durch den Wettbewerb der Talente verifizierbar. Die so genannten "freien" Mitarbeiter sind zudem in Wirklichkeit die allzu flexiblen und häufig besonders stark beanspruchten und dennoch vergleichsweise schlechter ausgestatteten Lastenträger. Aber bei aller notwendigen Kritik sind ARD, ZDF und Deutschlandfunk sicher die positiven Highlights im Vergleich zu den USA mit dem dort nur als ein Alibi für den Privatfunk vor sich hindümpelnden Public Broadcasting Service, ohne tatsächliche journalistische Power und Bedeutung.

Will man die USA wirklich konsequent demokratisieren, so ist ein radikaler Umbau des dortigen Mediensystems nach dem Muster der BBC oder ARD unumgänglich, aber aus Angst vor einem Staatsrundfunk will diese notwendige Reform im selbsternannten Musterland der Freiheit niemand anfassen. Privatwirtschaft ist in den USA leider zu einem Dogma geworden, und eine Lobby für eine demokratische Kontrolle privaten Wirtschaftens wird häufig nur als eine "kommunistische" Veschwörung zur Unterwanderung uminterpretiert. Dabei engagieren sich wahrscheinlich mehr Amerikaner in ihren Kommunen aktiv und privat als dies in vielen Ländern Europas üblich ist.

Flexibilität und Privatwirtschaft gehören in den USA zusammen. Während meines Studiums habe ich in den USA in den Semesterferien auf Nantucket Island als Tellerwäscher gearbeitet, obwohl es damals ein staatlich verordnetes Arbeits- und Beschäftigungsverbot für ausländische Studenten gab, und bin dadurch natürlich nicht zum Millionär geworden. Aber ich durfte ohne irgendein Zertifikat, wenn auch zum Mindestlohn von damals ich glaube 2,50 Dollar, dennoch als "qualifizierter" Fahrradmechaniker in einem Motel arbeiten, oder jeweils täglich die Seekarten für den Kapitän des Fährschiffs von martha's vineyard abzeichnen, der gleichzeitig das Motel, für das ich arbeitete, besaß. Flexibilität ist amerikanisch, die Sturheit und Fixiertheit auf Gedrucktes eher deutsch. Mit dem Beschäftigungsverbot wollten die USA erreichen, dass möglichst eher Kinder aus privilegierten oder wohlhabenden Haushalten der ausländischen Eliten in den USA studierten. Und ohne ein entsprechendes Stipendium beispielsweise hätte ich die hohen Studiengebühren in den USA gar nicht bezahlen können. Doch haben wir nicht auch in Europa Beschäftigungsverbote für Flüchtlinge und Migranten, damit möglichst wenige der Ärmsten der Armen einen Neuanfang mit sozialer Sicherung bei uns starten können?

Die handwerklichen Zünfte in Europa in Kooperation mit der Regelungswut der Behörden waren natürlich ein gewisser sozialer Schutz, den man in seiner Wirkung bis hin zum Facharbeiterbrief nicht unterschätzen sollte, aber die sprichwörtliche Arroganz und Faulheit manch deutscher Handwerker wird zu recht mit der oft deutlich höheren Leistungskraft und Leistungsmotivation zum Beispiel polnischer Handwerker karikiert. Gerade "Einwanderer" haben oft einen höhere Motivation und Energie, weil für sie im Mittelpunkt das "Bleiben dürfen" steht, und dazu verwenden sie möglichst alle ihre eigenen Kräfte. Leistungskraft und Leistungswille sind eben nicht an bestimmte Nationalcharaktere gebunden, und die Qualität des "Made in Germany" stammt nach den entsprechenden Firmenauslagerungen doch längst aus China.

"Wir" Deutschen sind eben anders als die alten Klischees nicht mehr nur pünktlich, fleißig oder gar "perfekt", sondern mit unseren "Fehlern" inzwischen im internationalen Vergleich ganz "normal" geworden, und das ist auch gut so. Meine eigene gepamperte Generation hat sich insofern im Sozialstaat Deutschland gut eingerichtet. Kein Wunder also, dass sich schon sehr schnell auch die zweite und dritte Generation der Migranten ebenfalls in das weiche soziale Bett fallen läßt. Viele Deutsche beschweren sich dann darüber, weil sie meinen, nur ihnen stehe als Bio-Deutsche diese soziale Sicherung zu. Dies ist dann eine der Hauptursachen für deren Verführbarkeit durch Rechtsradikale und Rassisten. Die richtige Mischung aus Fordern und Verwöhnen, zur Vermeidung des statischen Ausruhens in sozialen Netzen, kann aber nur dann erreicht werden, wenn das Bildungssystem die Chancen wirlich möglichst gleichmäßig verteilt, um in einer Konkurrenzgesellschaft zu rüssieren. In der internationalen Rangskala der Gleichheit im Bildungssystem nimmt Deutschland deshalb keinesfalls einen der vorderen Plätze ein, was der Wirtschaftskraft unseres Landes eigentlich entsprechen würde. In den USA machen sich Einwanderer gar nicht erst die Illusion, dass man sich sozial "ausruhen" kann. Das aber bringt wenigstens einen gewissen Realismus auf dem schweren Weg in die neue Gesellschaft mit sich, während wir den Migranten Seifenblasen der Chancengleichheit ins Gesicht blasen, und uns dann wundern, dass viele genau daran scheitern.

Wir Deutschen gehören nach unserem Wirtschaftswunder im Kalten Krieg - und gerade auch wir selbstgefälligen und besserwisserischen Hauptstadtberliner - nicht mehr nur zu den Exportmeistern im Automobilbau sondern auch zu den Weltmeistern im Feten feiern. Gerade das macht uns beim Zuzug junger internationaler Fachkräfte in Berlin so beliebt. Auch wenn die Clubkultur keine Berliner sondern eine amerikanische Erfindung ist, so gilt sie inzwischen doch als das Markenzeichen deutscher Städte von Berlin über Hamburg, Düsseldorf, Köln bis nach München. In Wirklichkeit ist das urbane Leben "an sich" ohne einen wirklich besonderen Nationalcharme schlicht nur weltweit einfach attraktiver geworden.

Die nord-, ost- und mitteleuropäischen Länder und ihre urbanen Zentren
wurden in Lebensstil und ihrem Wertesystem ein wenig "leicht-sinnlicher", und die mediterrane Leichtigkeit in Frankreich, Spanien oder Italien, ist dort im Zuge der Globalisierung der Härte im internationalen Konkurrenzkampf gewichen. Zwei Stunden Mittagspause, wie in Frankreich früher üblich, kann man sich auch dort nicht mehr leisten. Viele nationalsinnige Franzosen sind wie die vielen "dirty old men" in deutschen Vereinen oder Chefetagen inzwischen keine Rebellen mehr, wie sie früher einmal als "ganz anders" durch Jean Gabin so trefflich verkörpert wurden, sondern ebenso peinliche und vehemente nationalistische Spießer wie viele AfD-Wähler und sonstige Dummdeutsche bei uns. Aber verteufeln sollte man auch diese eben nicht. Die sind nun einmal so, wie einer meiner meist klügeren und toleranteren Neffen so sagen würde. Der gleiche Spießer fährt jetzt in Frankreich eben eher VW oder Mercedes statt ursprünglich mit Renault R4 oder einer Ente von Citroen den hervorgehobenen Status und die alberne Bedeutung des Autos an sich zu karikieren. Parkte früher ein Franzose in Paris ein, so gehörte die Berührung der Stoßstangen (Warum heißen die auch so?) zur Normalsituation, während heute bei jedem kleinen Kratzer oder jeder Beule auch in Frankreich gleich die Polizei bemüht wird. Europa hat uns eben alle ein wenig "gleicher" gemacht, mit all den Vor- und Nachteilen, die daran geknüpft sind.

Der Urlaubsanspruch von Arbeitnehmern hat sich in Europa von Jahr zu Jahr
vergrößert. Wir leben infolgedessen fast alle in Europa von den gemeingefährlichen
Arbeitsbedingungen, langen Arbeitszeiten und minimalen Urlaubstagen, die man
den Arbeitskräften in Asien, Afrika, Osteuropa oder Südamerika gönnt, damit sie
Produkte für uns im Akkord fertigen können, obwohl Akkordarbeit bei uns längst aus
der Mode gekommen ist, und man stattdessen bei uns seinen Burnout pflegt. Auch die Amerikaner sind übrigens anders als wir Europäer mit ihren "Multijobs" alles anderes als urlaubsverwöhnt, und müssen im "Green Card"-Einwanderungsparadies vergleichsweise viel härter arbeiten. Aber "job-hopping", Minijobs und Mehrfachbeschäftigung bei unterschiedlichen Arbeitgebern sind inzwischen längst auch in Europa in Mode gekommen.

In meinem langjährigen und durchaus vielfältigen Berufsleben habe ich zudem
längst erfahren und gelernt, dass selbst im modernen Deutschland wie in den USA
die zumeist nur "ungelernten" oder "angelernten" Arbeitskräfte in vielen Unternehmen
die wahren Leistungsträger sind und waren, nur eben deutlich schlechter bezahlt als die akademischen Eliten im gleichen Betrieb, trotz deren häufig deutlich angenehmer Arbeitsatmosphäre.

Eigentlich gehört zur Einkommens- und Verteilungsgerechtigkeit dazu, dass Arbeitnehmer, die unter besonders belastenden Arbeitsbedingungen leiden, durch zusätzliche finanzielle Anreize belohnt werden, und diejenigen die mit den privilegierten und bequemeren Arbeitsaufgaben eh schon "honoriert" wurden, dafür eher entsprechende finanzielle Abstriche in Kauf nehmen müssen. Bereits 1948 veröffentlichte Skinner seine Zukunftsvision Walden II, die mich als Buch sehr begeistert und bis heute inspiriert hat, um auch für mich selbst nach neuen Arbeits- und Belohnungssystemen zu suchen, und um den Alltag insofern glücklicher zu bewältigen. Obwohl ich das simple psychologische Modell der reinen Verhaltenspsychologen nicht teile, so habe ich doch durch Skinner für mein Leben gelernt dann mit weniger Geld zufrieden zu sein, wenn man selbst durch die Qualität der Arbeit und nicht durch die Menge des Geldes geadelt wird.

Job-Hopping wie in den USA, mit einem Zweit- oder gar Dritt-Job "nebenbei" ist jetzt, wei bereits erwähnt, auch bei uns üblich, und vielfach zu einer vor allem von den Unternehmen gepflegten Untugend geworden, was bedeutet, dass die "angestammten" Berufe wie zuvor schon in den USA jetzt auch bei uns längst entwertet wurden. Die stetig wachsende Zahl an Zeitverträgen und die Beschäftigung bei Arbeitsverleihfirmen unterminiert auch in Deutschland ganz wie in den USA die sozialen Sicherungssysteme. Also warum mit Verachtung auf die Amerikaner schauen, wenn wir die notwendige soziale Absicherung auch ohne Obamacare hier selbst nicht in den Griff bekommen?

Ja, dazu stehe ich nach wie vor, das Leben in Deutschland ist deutlich angenehmer und in den Möglichkeiten, Vielfalt als Lebensqualität zu erfahren, weitaus erfüllender als in den USA, aber die sogenannten Wohlfahrtsstaaten im skandinavischen Nordeuropa haben wir erst vor einigen Jahren eingeholt, und die sind jetzt selbst mit einer wachsenden Krise konfrontiert. Die Welt und die Krisen der Globalisierung holen uns inzwischen alle ein, auch wenn die Nationalismen in der Verachtung dieser Tatsachen dabei umgekehrt proportional anwachsen. Lösungen für die neu aufgeworfenen Probleme verlangen internationale Gemeinsamkeit, stattdessen vergraben sich die Nationen wieder hinter ihren sogenannten Nationalcharakteren.

Ein kulturell und sozial wachsendes offeneres Amerika liegt also doch gerade jetzt
und in der unmittelbaren Zukunft im allgemeinen Interesse der Welt, und das sollten wir alle anerkennen und unterstützen. Nicht ein einzelnes Land kann auf Dauer "groß" gemacht werden auf Kosten anderer Länder; die dadurch induzierten Krisen werden uns irgendwann einholen.

Die Amerikaner können insofern in wenigen Wochen zu recht stolz darauf sein, den Albtraum Trump auf demokratische und vielleicht sogar gewaltlose Art und Weise mehrheitlich hinweggefegt zu haben. Wenn dadurch auch die Hybris des wachsenden Nationalismus reduziert werden könnte, so wäre dies doch für die ganze Welt ein Gewinn.

Noch immer gilt das Zitat von Jacques Tati: "Wer sich zu groß fühlt, um kleine Aufgaben zu erfüllen, ist zu klein, um mit großen Aufgaben betraut zu werden."

Ein solches starkes Amerika wünsche ich mir, noch mehr aber wünsche ich mir wachsenden Wohlstand und nicht einfach nur einen ökologischen Verzicht für die Dritte Welt, denn diese braucht das wirtschaftliche Wachstum um auch in Bildung, Kultur und Politik mit uns kollektiv sozial Privilegierten wirklich mithalten zu können. Verzicht für uns, aber wachsender Wohlstand - vorerst sicher auch im "klassischen" Sinne mit manchen "Kollateralschäden" - für die durch uns verarmte Welt um uns herum!

Amerika hat vor diesem Hintergrund die eigentliche große Chance zu sozialer Versöhnung, demokratischem und ökologischem Umbau, von dem wir aktuell so selbstgefällig behaupten, dass dies eine moderne rein europäische oder gar deutsche Erfindung sei.

Amerika war historisch der Ort der Freiheit gegenüber den monarchistischen, religiösen und staatlichen Gängelungen in Europa, deshalb wurden die späteren USA zu einem Fluchtort der Beleidigten und Entrechteten. Dass diese wiederum andere Menschen als Sklaven behandelten und die indianische Urbevölkerung ermordeten und in Reservate sperrten, war eigentlich die Politik der "neuen" Eliten, die sich aus den alten europäischen Eliten in den USA sehr schnell wieder heraus bildeten.

Der freie amerikanische Bürger, der sein Eigentum mit der Waffe verteidigt, ist sicher
kein positives Leitbild der Moderne, aber ohne Wohlstand bleibt die Egalisierung der
Gesellschaft meist aus. Deshalb ist die französische Revolution auch sehr schnell
in der Reaktion stecken geblieben, und alle nachfolgenden sozialen Errungenschaften
in Europa konnten den Mächtigen nur durch sozialen Kampf vor dem Hintergrund
eines steigenden ökonomischen Wohlstands abgerungen werden.

Warum ist die "Greencard" bis heute ein Traum für die Armen und Benachteiligten
geblieben? Weil diese immer - selbst in einer sozial durchaus sehr gespaltenen USA -
ein besseres Leben zu finden meinen als in ihren häufig noch stammeszentrierten
autoritären Ländern der "Dritten Welt". Die Hauptursache für deren soziale
Benachteiligung ist aber eben mangelnder Wohlstand dort, der auf der imperialen
Ausbeutung durch uns Industriebürger basiert. Würden diese Länder einen ähnlichen
Wohlstand erfahren, so wären sie sicher weit schneller demokratisch als wir uns
dies noch heute vorstellen können. Da werden ethnische Klischees aufgebaut, dass der arme russische Bauer eben die gewaltsame Knute brauche, weil er zur Demokratie
unfähig sei, und der arabische autoritäre Patriarch sei ein Ausdruck seiner ebenso regelgeleiteten Religion, anstatt dass man begreift, dass wirtschaftlicher Wohlstand quasi natürlich die Rechte des Einzelnen und seine Bildung fördert, als Grundvoraussetzung für eine moderne Demokratie. Vergessen bleibt dabei die Tatsache, dass es auch in Europa erst eine Renaissance brauchte um die Privilegien des Adels zu beschränken, und noch heute betreiben die blaublütigen machtbesoffenen Eliten ihre inzüchtigen Geschäfte weiter, und halten einen Großteil des gesellschaftlichen Vermögens in privater Hand. Auch insofern unterscheidet sich Europa nicht wirklich und grundsätzlich von den USA. Eigentum verpflichtet auch in Europa immer noch viel zu wenig, obwohl diese Verpflichtung ja so explizit im Deutschen Grundgesetz erwähnt wird und eben doch nur juristische Makulatur bleibt.

Wer wirklich glaubt, die demokratische Entwicklung habe die blutblauen Eliten
historisch durch die Renaissance bereits besiegt, der verkennt, dass auch Europa
de facto immer noch zu einem erheblichen Anteil im Besitz des Adels ist. Die
Großgrundbesitzer sind die heutigen Eigentümer von riesigen Aktienpaketen. Und
wo bleibt da die Einsicht, dass die privat angehäuften Eigentümer eigentlich
für Investitionen in den Wohlstand der Menschheit an sich eingesetzt werden sollten?

Amerikanische Milliardäre zeigen solch eine gewisse Einsicht, auch wenn da
statt Charity eine konsequente Steuerpolitik sicher das wirksamere Mittel wäre:
"Milliardär-Zuwachs bei „The Giving Pledge“ (Das Spenden-Versprechen) der
Herren Gates und Buffett: Gut zwei Jahre nach Gründung ihrer Spenden-Initiative
haben sich inzwischen fast Hundert US-amerikanische Milliardäre bereit erklärt,
mindestens die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden.
Am Dienstag lag die Zahl der spendenwilligen Superreichen bei 92, nachdem sich
noch elf weitere Milliardäre entschlossen hatten, dem Aufruf des 82 Jahre alten
Investors Warren Buffett und des Microsoft-Gründers Bill Gates (56) zu folgen.
Gates und Buffett haben ihre Initiative im Juni 2010 gegründet. Auf der offiziellen
Website heißt es, sie sei „ein Versuch, die reichsten Personen und Familien in Amerika einzuladen, um den Großteil ihres Reichtums der Philanthropie zu geben.“ Bill Gates ist laut Forbes-Liste mit einem Vermögen von 61 Milliarden US-Dollar nach dem Mexikaner Carlos Slim (69 Milliarden US-Dollar) der zweitreichste Mann der Welt - gefolgt von Buffett, der mit 44 Milliarden Dollar den dritten Platz belegt. Bereits in den ersten acht Wochen der Kampagne sagten rund 40 Superreiche ihre Bereitschaft zu, nach Möglichkeit mindestens die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden."
(https://www.welt.de/politik/ausland/article109328504/

Fast-100-Milliardaere-spenden-ihr-halbes-Vermoegen.html)

Statt dies für einen richtigen Schritt in eine wegweisende Zukunft zu halten, verbeißen sich Verschwörungstheoretiker in den eher noch a-"sozialen" Netzwerken
in einen Bill Gates, statt auch europäische Unternehmer zu mehr Einsicht in diese
Richtung aufzufordern. Da verschenkt stattdessen die Springer-Erbin in Deutschland
ihre Milliarden wieder nur an eine Einzelperson. Und warum? Weil sie eben kein Verständnis für die gesellschaftlichen Notwendigkeiten besitzt (Wie soll sie auch dazu kommen, wenn sie nur die eigenen Produkte liest?), und sich folglich wieder nur als Herrin eines Imperiums erweist, indem sie juristisch unangetastet die eine private Macht durch eine andere private Macht ersetzen darf, und damit nach eigenem Gusto den Großteil der Gesellschaft möglichst in weiterer Ohnmacht zurücklassen möchte.

Doch auf Dauer lassen sich solche Privilegien vor der Demokratie nicht schützen. Die
alberne Paraphrase "Wir sind das Volk", die jetzt vielen Dummdeutschen als Aufruf zu
einem neuen Nationalismus dient, ist doch auch janusköpfig an die berechtigte
Unzufriedenheit mit der eigenen relativen Ohnmacht gegenüber den Besitzenden
geknüpft. So werden private Refugien auf Kosten der Allgemeinheit immer stärker
infrage gestellt, vor allem dort, wo es zu neuen Infrastrukturlösungen drängt.

Noch richtet sich dieser Ruf häufig gegen die Politiker an sich, die man nur noch als eine parasitäre Kaste begreift, was natürlich hinsichtlich deren Unterschiedlichkeit und Uneinigkeit nur als ein ignorantes und wirklichkeitsfernes Statement betrachtet werden kann. Aber der Wunsch, das Konzept des Handelns stärker in die eigene Hand nehmen zu dürfen, ist ein genuin demokratisches Anliegen, und so liegt selbst der Rebellion gegen vernünftige staatliche Regulierungen im Rahmen von Anti-Corona-Maßnahmen ein moralisch anständiger Wunsch nach mehr Eingriffsspielräumen und an den Alltag der Bürger geknüpfte Entscheidungsinstanzen zugrunde. Dieses hehre Anliegen sollte man grundsätzlich auch einem Teil der Wähler selbst eines Donald Trump zugestehen, auch wenn dieser dies in "populistischer" Manier natürlich missbraucht. Die Art der Krisen, mit der wir es aktuell weltweit zu tun haben, stärkt bei all ihrer Dramatik den impliziten Wunsch nach vernünftigen Regelungen quer über alle politischen Lager, auch wenn sich dies vorerst noch explizit so unvernünftig und hasserfüllt in gegenseitiger Feindschaft äußert. Dass alle mit ihrer jeweiligen Meinung an der Welt für sich teilhaben wollen, ist eigentlich ein guter Vorgang und weist weit über die Zeit der Regionalismen hinaus, in der jeder nur innerhalb des Gebietes seines eigenen Gartenzaunes sein persönliches Interesse formulierte. Die Welt hat durch die Weltkrisen begriffen, dass sie eben nur ein Globus im Weltall ist. Davon haben frühere Generationen nur wenig gewusst, weil ihnen die täglichen Medien dazu fehlten.

Jetzt gilt es neu zu sortieren, neue Methoden der Teilhabe zu entwickeln und durch
den Einsatz von Wissenschaft und Ingenieurkunst politisch die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dazu bedarf es einer modernen Offenheit für Veränderung und genau diese haben die USA trotz aller Fehlentscheidungen als der "melting pot" der Nationen durchaus verkörpert. Imperialismus erwächst nur dort, wo das Eigene für das zwangsläufig Richtige und das Fremde für das zwangsläufig Falsche gehalten wird und man dann auch noch die einseitigen Mittel zur Durchsetzung solcher Egoismen in der Hand hält.

Der amerikanische Imperialismus ist wirtschaftlich jetzt aber glücklicherweise auf dem
absteigenden Ast, und genau darin liegt seine Chance. Jetzt können nur gute Produkte und Systeme überzeugen. Entmachtet sich der imperialistisch proprietäre Weltmarkt insofern durch eine Offenheit gegenüber neu auftretenden wirtschaftlichen und politischen Akteuren oder gar Mächten, dann wäre eigentlich genug Reichtum für alle da, und der Wettkampf der Systeme kann beginnen.

Es ist kein Zufall dass die jüdische Philosophie, die dieser Wahrheit historisch immer
zwangsweise und nicht freiwillig Rechnung tragen musste, bei den intelligenten Eliten
in den USA so eine Bedeutung bekommen hat. Nicht eine Weltverschwörung sondern
eine tiefe Einsicht in die Gemeinsamkeit trotz der Unterschiedlichkeit liegt dem zugrunde.

Die Erfahrung einer Diaspora, die moderne Minderheiten, wie die religiösen Minderheiten der Vergangenheit erfahren haben, führt bei einer positiven Wendung zur Erkenntnis, dass mehrere Wahrheiten durchaus gleichberechtigt nebeneinander bestehen können, wenn sie sich grundsätzlich gegenseitig in ihrer Existenzberechtigung anerkennen. Der Regionalismus bis hin zum Nationalismus ist in gewisser Weise notwendig, um die eigenen Ansprüche an Sprache, Lebensweise und Kultur zu qualifizieren, dies haben wir "Internationalisten" viel zu häufig ignoriert. Umgekehrt gilt es aber dann auf vernünftige Weise diese so unterschiedlichen Ansprüche untereinander zu regeln und deshalb gewinnen internationale und interkontinentale Einrichtungen auf Dauer an Bedeutung, aber die notwendige Akzeptanz erhalten sie nur dann, wenn sie auch tatsächlich wieder gut national wie regional rückgekoppelt sind. Dies ist der EU gerade in den letzten beiden Jahrzehnten sicher nur schlecht als recht gelungen, auch wenn sie zur Friedenssicherung und Wohlstandssicherung an sich solch ein Erfolgsmodell ist.

Hier sollte man ansetzen, wenn man der hasserfüllten Feindschaft und Dummheit wieder ein gemeinsames Fundament der Vernunft entgegenstellen möchte. Hegels Einsichten, dass hier ein in eine positive Zukunft weisender Weltgeist waltet, kann dabei eine gewisse Orientierung geben. Wer aber auf einen gewissen Automatismus in diese Richtung wartet, der liegt falsch, weil dieser Weg sehr wohl aktiv gestaltet werden muss und eben genau die politischen Kämpfe impliziert, bei denen es, wie in der Politik üblich, sowohl Sieger als auch Besiegte geben wird. Friede wird es jedoch immer nur da geben, wo die Sieger die Größe und die Einsicht haben, dass sie die Grundwerte der Besiegten nicht verletzen dürfen, und diesen sehr wohl ein Weiterleben nach eigenen Gesetzen zugestehen, soweit sie die Gemeinschaft aller nicht ebenso grundsätzlich gefährden.

Der die Naturschätze und die "Dritte Welt" missbrauchende Wohlstand ist inzwischen zu recht in Verruf geraten, aber dennoch sollte uns der Wohlstand der USA, z.B. mit der daraus sehr früh erwachsenden politischen Gleichberechtigung der Frauen, oder die liberale Kultur des "Jeder nach seinen Fähigkeiten und Jeder nach seinen Möglichkeiten", Ideen also, die dem amerikanischen Traum ursprünglich zugrunde lagen, als Orientierungshilfe auch für die "Dritte Welt" weiterhin dienen.

Soziale Chancengleichheit wurde eben auch in Europa immer nur dort eingeführt,
wo es Keimzellen bürgerlichen Wohlstands gab, die sukzessive dann auch den
verarmten Schichten als "Zubrot" für das "Funktionieren" in den Fabriken zugutekam.
Ford war weder ein Wohltäter noch ein Demokrat, aber die positiven Veränderungen
im Alltagsleben der Entrechteten in den USA gingen immer einher mit wachsendem
Wohlstand, der natürlich nur durch soziale Kämpfe besser verteilt werden konnte.
Gerade auch die Umsicht, Einsicht und das Umdenken der Eliten sind jetzt gefragt.
Die Einkommens- und Machteliten haben jetzt die Chance zu Bildungs-, Ethik und
Moraleliten zu werden, die den Zug der Zeit und die Notwendigkeit aus den Krisen
des Globus heraus begreifen, und auf zahlreiche ihrer Privilegien zugunsten des
Überlebens der Menschheit verzichten. Frieden ist meist dort nachhaltig entstanden,
wo die Sieger sich den Respekt vor den Besiegten erhalten haben.

Unter den "einfachen" Leuten hält sich die Wahrheit, dass alle letztendlich "aufs gleiche Klo" scheißen, und dass man am Ende weder in die Urne noch in den Sarg etwas mitnehmen kann.

Trump hat sich wie ein Pharao verhalten. Er wollte stets der Größte in der Geschichte werden. Wir Deutschen haben mit einem GröFaz (dem größten Führer aller Zeiten) schon unsere eigenen Erfahrungen gemacht. Trump ist und war weder ein Diktator noch ein Massenmörder. Er ist und war nur ein einfacher narzisstischer Egozentriker und ist daran zwangsläufig gescheitert, was er jetzt demnächst in aller Ruhe mit seinem Psychiater regeln kann. Auch wenn die Pharaos immer wieder erfolglos versucht haben von ihrem Reichtum etwas in ihre Grabmale mitzunehmen: Die Hieroglyphen, die die Geschichte überdauern, werden vielmehr die vielen lebendigen Kinder und nachfolgenden Generationen sein, die die Menschheit so qualifizieren und auszeichnen.

Was bleibt ist ein konsequenter Humanismus, wenn man davon überzeugt ist, dass wir Menschen mehr Gewicht haben sollten als eine Ameise, was für manche Religionen und durchaus begründbar, nicht selbstverständlich ist. Wir haben dennoch die Chance ein Teil der Menschheitsgeschichte zu bleiben, bevor wir die Menschheit unnötigerweise ganz ausrotten.

"Make America great again" könnte deshalb bedeuten, dass Amerika auch wieder eine stärkere gemeinsame Rolle in den Vereinten Nationen spielt, und dass die Wohlhabenden in der Welt das Teilen lernen oder ansonsten politisch dazu gezwungen werden. Das wären dann entscheidend gute und grundsätzliche Vorschläge zum Überleben der Art, und die Welt könnte sie annehmen. Dadurch wären wir - frei nach Bert Brecht - wieder alle geehrt.

Make the World great again!
Das ist die wirkliche Globalisierung, die wir brauchen:
One World, one Globe, one future ... in sustainable diversity!

 

Werter Donald Trump,
Sie hatten so viele Chancen für gute Vorschläge,
Leider haben Sie sie nicht genutzt, doch genau das
hätte einen wirklich erfolgreichen Unternehmer ausgezeichnet:
Er unternimmt etwas, um ein "positives" Ziel zu erreichen.

Noch ist es Zeit umzudenken:
Verschenken Sie Ihre Immobilien und Konkursunternehmen
damit Dritte daraus etwas wirklich Nützliches entwickeln können!

Und ... lassen Sie sich impfen ... gegen Impfgegner und sonstige Vollidioten!

 

"Ich benötige keinen Grabstein,

aber

Wenn ihr einen für mich benötigt
Wünschte ich, es stünde darauf:
Er hat Vorschläge gemacht.
Wir haben sie angenommen.
Durch eine solche Inschrift wären

Wir alle geehrt."

(Bert Brecht)