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Die "Autopoiesis des Guten"
Wider die "Herdenstupidität" oder
Über Menschenrechte und Völkerrechte

Was du ererbt von deinen Vätern hast,
Erwirb es, um es zu besitzen.
Was man nicht nützt, ist eine schwere Last,
Nur was der Augenblick erschafft, das kann er nützen.

Johann Wolfgang von Goethe

(Quelle: Goethe, Faust. Der Tragödie erster Teil, 1808. Nacht, Faust mit sich allein
nach: https://www.aphorismen.de/zitat/262)


(Quelle:https://commons.wikimedia.org/wiki/File:3D-SIM-4_Anaphase_3_color.jpg)

(Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Autopoiesis)

"Bautzen, Freital, Dresden (dpo) - Wissenschaftler sehen zahlreiche Anzeichen dafür, dass Sachsen schon bald Herdenstupidität erreicht haben könnte. Zuvor hatten in mehreren sächsischen Städten erneut Querdenker gemeinsam mit Rechtsextremen teils gewaltsam demonstriert. Dabei wurden mindestens zwölf Polizisten verletzt. 'Schon seit Beginn der Pandemie ist Sachsen bundesweiter Vorreiter, was die Ablehnung von Masken und anderen Schutzmaßnahmen angeht. Dazu kommt die niedrigste Impfquote Deutschlands', erklärt Virologe Torben Pochalski von der Universität Leipzig. 'Das traurige Ergebnis: Mit 312 Toten pro 100.000 Einwohnern ist Sachsen das mit Abstand am meisten von Corona betroffene Bundesland. Wer jetzt demonstriert, geht praktisch gegen das auf die Straße, was er seinen Mitmenschen aktiv eingebrockt hat.' Wäre Sachsen ein eigener Staat, dann wäre es das Land mit den neuntmeisten Toten weltweit. Als Herdenstupidität bezeichnet man in der Epidemiologie den Zustand, wenn ein genügend großer Anteil der Population so verblödet ist, dass sämtliche Pandemiemaßnahmen eigentlich auch gleich beendet werden können, weil sie mangels Beteiligung praktisch zwecklos werden. Zwar sterben dann erst recht Menschen an Corona, aber das ist nicht mehr wichtig, weil es eh kaum wer noch kapiert. 'Selbstverständlich bedeutet das nicht, dass alle Sachsen bescheuert sind', beteuert Pochalski. 'Im Gegenteil: Ich bin ja selbst auch einer. Es bedeutet allerdings, dass ab einer bestimmten Menge Idioten die Vernünftigen keine Chance mehr haben.' Demonstranten aus Freital, Freiberg, Dresden, Plauen, Bautzen, Chemnitz und anderen Städten zeigten sich erfreut über die Aussicht, bald Herdenstupidität zu erreichen. 'Ich hab zwar keine Ahnung, was dieses komplizierte Wort bedeutet, aber: Sachsen ist die Nr. 1!!!! JA!!', freut sich etwa ein Mitglied der Telegram-Gruppe 'Freie Sachsen'. Auch andere Bundesländer wie Thüringen, Bayern oder Baden-Württemberg befinden sich auf einem guten Weg in Richtung Herdenstupidität."
(Quelle: https://www.der-postillon.com/2021/12/herdenstupiditaet.html)

Immer mehr Menschen begeben sich aktuell auf die Suche nach ihren jeweiligen "Identitäten", und bekennen sich dabei zu ihren sogenannten "Wurzeln", verkennen dabei aber, dass Wurzeln nichts fixes, gegenständliches sondern ein sich ständig verzweigendes und sich entwickelndes nur jeweils kurzfristiges gegenwärtiges Etwas sind.

Einer der peinlich entgleisenden Sätze in der jüngeren deutschen Geschichte ist der euphorische, ja eher sogar euphemistisch hysterische Ruf der "Dummdeutschen":
"Wir" sind das Volk!

Dabei ist immer gleich mitgedacht, dass diejenigen, die nicht im Gleichschritt mitlaufen wollen, oder einfach nur bei den historisch durchaus berechtigten Widerstandsprotesten gegen die Obrigkeiten der ehemaligen DDR schlicht nicht anwesend waren, eben nicht auch zu diesem gleichen Volk gehören. Noch schlimmer wird dies jedoch ganz aktuell und von Jahr zu Jahr, weil auch immer mehr andere "Völker" diesen Schlachtruf für sich beanspruchen und das den jeweils "Anderen" und "Fremden" negierende Gift über fast alle Kontinente und Länder zu wandern scheint.

Wir Romantiker geraten dabei durch unsere selbstgewählte Uneindeutigkeit auch noch unter Aggressionsverdacht. Wer sich eine andere und "bessere" Welt wünscht, der scheint dabei fast schon automatisch diejenigen ausschließen zu wollen, die nicht die gleichen "guten" Bestrebungen der sogenannten "Gutmenschen" in sich tragen. Dabei sollte die Romantik doch kein entwurzelter Versuch der Änderung und gewissen Verbesserung von Welt mit Eigen- und Gemeinsinn sein, sondern er sollte sich gerade durch eine besondere Bedachtsamkeit auszeichnen: das Sein Sollen nicht mit dem Sein Müssen zu verwechseln.

(Quelle:https://viride21.com/archivos/363)

Die aktuelle "kriegsentscheidende" Frage in Europa scheint beispielsweise zu lauten: "Wem gehört eigentlich die Ukraine, und wem gehört der Donbas bzw. die Krim?" Ist es zudem historisch erlaubt ein ganzes Volk oder eine ganze Nation einfach durch einen "Staatslenker" zu verschenken?

"Nach 1945 blieb die Ukraine Teil der Sowjetunion. 1954 schenkte ihr Parteichef Nikita Chruschtschow, der selbst aus der Ukraine stammte, die Krim anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Russisch-Ukrainischen Einheit. Viele Russen, einschließlich Putin, bedauern dieses Geschenk bis heute. Im Zuge der Auflösung der Sowjetunion erlangte die Ukraine 1991 schließlich ihre Unabhängigkeit. Sie blieb aber wirtschaftlich und finanziell stark von Russland abhängig und suchte weiter ihre Identität zwischen einer Westorientierung in Richtung EU und Nato und der historischen Bindungen an das östliche Nachbarland. ...
Ein besonderer Zankapfel blieb die Krim. Nach der Unabhängigkeit konnte die Regierung in Kiew ihre Herrschaft über die Halbinsel nur mühsam durchsetzen und dort ein eigenes Unabhängigkeitsreferendum unterdrücken. Als Zugeständnis an die russischsprachige Bevölkerungsmehrheit erhielt die Krim weitgehende Autonomie. Nur die Hafenstadt Sewastopol, wo Russland seit Ende des 18. Jahrhunderts eine Marinebasis unterhält und wo die russische Schwarzmeerflotte stationiert ist, wird direkt von Kiew aus verwaltet."
(Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2014-03/russland-ukraine-geschichte)

Friedenspolitik wird als in gewisser Weise "ewiges" Existenzrecht der jeweiligen Völker in ihren "garantierten" Grenzen im Sinne des "Völker"rechtes definiert, ohne dass sich die Vertreter solcher Positionen oft dabei bewusst sind, dass es sich dabei ja nur um einen in einem mehr oder weniger stabilen internationalen Konsens ausgehandelten "status quo" handeln kann, dem ein historisch stark wandelbarer Prozess voraus gegangen ist. Völker und Nationen sind entstanden, zerfallen und haben sich jeweils wieder neu gebildet. Gerade aber nach zwei für die Welt allzu dramatischen Kriegen, gingen viele davon aus, dass der Prozess der Nationenbildung nun mehr oder weniger abgeschlossen sei, und die Grenzüberschreitungen insofern das einzige völkerrechtsrelevante Verbrechen seien. Völker wie auch Nationen bleiben aber historisch wandelbare Produkte und im Rahmen solcher Veränderungen werden die individuellen Menschenrechte oft mit Füßen getreten.

Für den Westen gibt es dabei immer im Sinne seiner Ideologie der "Wertegemeinschaft" von Demokraten Paradebeispiele für den Bruch des "Völkerrechtes" (an die eigenen Verbrechen im Umgang mit Kolonien, an Menschenhandel und Sklaverei denkt man dabei bis heute noch allzu ungern): Uiguren in China werden wie früher auch den Armeniern zu recht eigene kulturelle und vielleicht auch politische Existenzrechte zugesprochen, und dann auch wieder je nach politischer Opportunität abgesprochen. Das Natomitglied Türkei unterdrückt ganz selbstverständlich die Kurden, und für viele ist durchaus ungeklärt, ob das Volk der Kurden nicht auch einen eigenen Staat verdient. Kulturell definierte Völker passen oft nicht in ihre ihnen nur politisch zugewiesenen Grenzen. Die Palästinenser haben nun schon über Jahrzehnte die Suppe auszulöffeln, die ihnen der Westen nach der versuchten Vernichtung der Juden durch die Nazis und deren darauf folgende Abschiebung von Wiederansiedelungs-Problemen nach Nahost eingebracht hat. Der ganze nahe Osten wurde am Reißbrett der westlichen Politiker und Militärs mit willkürlichen Grenzziehungen und unabhängig von kulturellen Verschiedenheiten fast schon geometrisch mathematisch neu geordnet. Auch die Ukraine ist kein einfach historisch gewachsenes Staatsgebilde. Sprachlich gehört die Krim wohl mehrheitlich zu Russland, politisch seit Jahrzehnten inzwischen zur Ukraine, und die Ukraine selbst ist ja noch ein sehr junges Staatengebilde.

"Das Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine ist seit Jahrhunderten kompliziert. Beide Staaten eint ihre gemeinsame Geschichte, lange Zeit waren beide Völker eins. Wer die aktuellen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Ländern verstehen will, muss ihre Geschichte mit berücksichtigen. Denn das Bewusstsein für das Werden und die Historie der eigenen Nation prägt häufig das Handeln der Regierungen und ihre jeweilige Unterstützung in der Bevölkerung. Der Ursprung des heutigen Russlands, der Ukraine sowie Weißrusslands liegt im Kiewer Rus. In dem Gebiet siedelte im frühen Mittelalter ein gleichnamiges Wikingervolk, das im 9. Jahrhundert den ersten ostslawischen Staat gründete. Im Osten wurde daraus später das russische Zarenreich. Der Westteil geriet im 16. Jahrhundert unter polnische Herrschaft. Infolge der polnischen Teilungen fielen große Teile der Ukraine an Russland, nur der äußerste Westen, Galizien, ging an das Habsburgerreich Österreich-Ungarn. Nach mehreren russisch-türkischen Kriegen eroberte das Zarenreich im 18. Jahrhundert weite Teile der heutigen Südukraine einschließlich der Krim von den unter osmanischer Hoheit herrschenden Krimtataren. Das Gebiet wurde unter dem Fürsten Grigori Potjomkin mit Siedlern aus Zentralrussland besiedelt. Die Krim wurde 1783 von Katharina der Großen 'für alle Zeiten' annektiert. Kleinrussland oder eigener Staat Im Zarenreich wurde die Ukraine als Kleinrussland bezeichnet, mit Bezug auf das historische Kernland um Kiew. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich jedoch vor allem in der Westukraine, unter polnischen und österreichischem Einfluss, eine ukrainische Identität. Ihre Anhänger strebten einen eigenen, westorientierten Nationalstaat an. Nach der russischen Oktoberrevolution 1917 und dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns am Ende des Ersten Weltkriegs entstand für wenige Jahre eine ukrainische Republik. Aber schon 1920 wurde sie von der Roten Armee besetzt. 1921 fiel durch den Frieden von Riga die Westukraine an Polen, Rumänien und die Tschechoslowakei. Der übrige Teil wurde als ukrainische Sowjetrepublik Teil der UdSSR. Im Zweiten Weltkrieg besetzte die Wehrmacht die Ukraine und richtete schreckliche Kriegsverbrechen an. Schätzungsweise 6,5 Millionen Menschen starben, darunter bis zu eine Million Juden. Partisanen kämpften gegen die deutschen Besatzer. Im Westen des Landes jedoch kämpfte eine Unabhängigkeitsbewegung auch gegen die vorrückende sowjetische Armee und die polnische Bevölkerung. Nach 1945 blieb die Ukraine Teil der Sowjetunion. 1954 schenkte ihr Parteichef Nikita Chruschtschow, der selbst aus der Ukraine stammte, die Krim anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Russisch-Ukrainischen Einheit. Viele Russen, einschließlich Putin, bedauern dieses Geschenk bis heute. Im Zuge der Auflösung der Sowjetunion erlangte die Ukraine 1991 schließlich ihre Unabhängigkeit. Sie blieb aber wirtschaftlich und finanziell stark von Russland abhängig und suchte weiter ihre Identität zwischen einer Westorientierung in Richtung EU und Nato und der historischen Bindungen an das östliche Nachbarland."
(Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2014-03/russland-ukraine-geschichte)

Was die Ukraine folglich ist, und welche Staatsgrenzen sie umfasst, war also historisch immer umstritten. Das Verbrechen liegt doch folglich nicht in der Diskussion über die Grenzen von Staaten sondern vielmehr in der faktischen Überschreitung von historisch gewachsenen Grenzen in der Absicht Menschen in ein fiktives, in diesem Fall russisches Gebilde, "rück"-einzuverleiben und deshalb Menschen und ihre Häuser und Sozialeinrichtungen dabei zumindest zum Teil oder sogar vollständig zu zerstören.

Springt man nun zur Erklärung der Phänomene der Staatenbildung und Staatenteilung mit einem brechtschen Verfremdungseffekt einmal an einen ganz anderen Konfliktort, den Tempelberg in Jerusalem, den ich gerade mit meiner Frau zusammen während einer Reise nach Tel Aviv besucht habe, dann wird das ganze Völker-, Religions-, Staaten- und Nationendurcheinander noch abstruser. Dort buddeln die Archäologen der jeweiligen Fraktionen von "Identitäten", mal verboten, mal erlaubt, immer tiefer nach den Ursprüngen der jeweiligen "Staatlichkeit" mit dem Ziel so etwas wie einen "Urbesitz" zu definieren. Dabei kann es diesen im Rahmen der zahlreichen sesshaft bezogenen Landnahmen, Völkerwanderungen, Beutezügen, Fluchtbewegungen, kolonialen Usurpationen und später moderneren oft ebenso willkürlichen "Friedensverträgen" nach oft unnötigen Kriegen weder als klare "reine" Völker (in quasi naturgegebenen "ewigen" Grenzen) noch als "ewige" Nationen geben, weil diese eben alle nur "historische Konstrukte", in gewisser Weise politische Errungenschaften und "Erzählungen" sind. Das ästhetisch schönste Land dabei ist das, das die meisten divers plausiblen Erzählungen in sich zu vereinen vermag, also multikulturell ist.

(Quelle:https://viride21.com/archivos/363)

Gutmenschen sind schnell dabei alle Indianer als friedliebende Opfer zu betrachten. Dabei wurde der Tomahawk doch nicht nur als Waffe gegen Tiere erfunden, auch Indianer waren historisch sowohl Opfer als auch Täter. Immer wieder bekämpften sich Menschen in den Stammeskulturen untereinander. Südamerikanische "Indio"-Kulturen kannten auch vor den Spaniern dramatische Verbrechen und herrschsüchtige Eliten. Afrika ist in vielen Ländern noch heute im Griff der aus Stämmen erwachsenen "Häuptlinge", Schamanen und Könige und dabei sind viele Afrikaner als Einzelpersonen oft längst viel moderner, kulturell vielfältiger und interessanter als wir alle mit der Serengeti im Kopf zu meinen glauben. Selbst brutalste Menschenopfer waren in manchen Ur-Zivilisationen wie Maya oder Azteken üblich, aber nichts kann die spätere Ausrottung vieler Urkulturen zu Gunsten der sogenannten modernen Welt deshalb rechtfertigen. Ein Wandel hin zu einer den einzelnen Menschen schützenden und ihn jeweils würdig ernstnehmenden moderneren Welt hätte historisch vielleicht auch durchaus weniger gewaltsam und radikal denn kooperativ und im Austausch miteinander erfolgen können, aber Geschichte ist eben kein netter niedlicher friedlicher Kindergeburtstag (wie übrigens Kinder auch nicht nur unschuldig oder der "liebe" Gott, mithin das Schicksal, nur "gut" ist). Das Leben und seine Entwicklungen sind auch keine einfache moralische Instanz.

Mit der Idealisierung der Opfer in einem Klischee (der gute Indianer, der gute Schwarze, der gute Jude, der gute Aborigine, der gute Inuit) ist diesen deshalb am wenigsten geholfen, und man tut den in den jeweiligen Urgesellschaften ebenfalls unterdrückten und ermordeten Menschen dabei sogar unrecht. Aber nach wie vor ungelöst und offen bleiben dabei Fragen nach dem Besitz und dem Eigentum an Grund und Boden in der Welt, und wollen wir wirklich zurück in die Steinzeit der überkommenen "Besitztümer", die bis heute der Weltadel noch verkörpert? Auch der Bauer war schon immer neben dem Oligarchen und Großgrundbesitzer ein Konservativer, ein sich an Eigentum und Besitz klammernder eher urzeitlich denkender Mensch; die Moderne indes muss über ein solch tradiertes Menschen- und Eigentumsbild hinauskommen. Das Eigentum erwuchs ursprünglich - in seiner archaischen Akkumulation - aus dem durchaus damals noch vernünftigen Gedanken heraus, dass die Erde mit ihren Claims nur denjenigen erst einmal gehört, die sie primär bewirtschaften und pflegen, und dass sie deshalb auch prinzipiell privilegiert verteidigenswert und vererbbar sein müsse. Jetzt sollten wir aber alle längst einen Schritt weiter sein.

"Es ist zwischen 40.000 und 60.000 Jahre her, dass die ersten Menschen den Erdteil besiedelten, aus dem später Australien, Neu-Guinea und Tasmanien hervorgingen. Historiker und Archäologen nehmen an, dass sich die Vorfahren der Aboriginals zu einer Zeit, als der Meeresspiegel noch deutlich niedriger stand als heute, Insel für Insel aus dem späteren Indonesischen Archipel in Richtung Australien vorarbeiteten. Über die Motivation können die Forscher heute nur spekulieren: Geschah die Überfahrt aus Versehen, landeten die ersten Siedler etwa mit einem abgetriebenen Boot auf dem unbekannten Kontinent? Oder war es Absicht? Hatten sie das nur 150 Kilometer entfernte Festland von der Insel Timor aus gesehen, den Rauch der gigantischen Buschfeuer, die Bahnen der Zugvögel? Fest steht: Die ersten Siedler trafen damals auf eine äußerst unwirtliche Welt. Fast die Hälfte des Kontinents bestand aus Wüste und Steppe, es herrschten die weltweit höchsten Durchschnittstemperaturen. Die neuen Siedler mussten sich mit hochgiftigen Schlangen herumschlagen, es gab drei Meter große Kängurus und riesige Echsen, aber – im Gegensatz zu anderen Kontinenten – keine großen Tiere, die sich zähmen und domestizieren ließen. ... Doch allen Widrigkeiten zum Trotz war 25.000 Jahre nach der Ankunft der ersten Menschen der ganze Kontinent besiedelt – wenn auch spärlich: Selbst zu Zeiten ihrer größten Bevölkerungsdichte gab es laut Forscherschätzungen maximal 900.000 Aboriginals. Isoliert vom Rest der Welt, verharrten die Ureinwohner Australiens jahrtausendelang in der Steinzeit. Sie entwickelten keine Schrift, betrieben keinen Ackerbau, Pfeil und Bogen waren ihnen genauso fremd wie Werkzeuge aus Metall. Es gibt mehrere hundert Stämme, aber keine hierarchischen Gesellschaften. Sie leben als Nomaden, in Clans von 25 bis 50 Menschen, die ihre jahrtausendealten Stammesgebiete durchstreifen – als Jäger und Sammler, an den Küsten als Fischer. Privateigentum existiert nicht, Vorräte werden nicht angelegt. Nicht den Menschen gehört das Land, es ist genau andersherum. Davon sind die Aboriginals, die eine höchst spirituelle Verbindung zur Natur haben, überzeugt."
(Quelle: https://www.planet-wissen.de/kultur/voelker/aborigines/index.html)

Ein Großteil der modernen Menschen in den Industriekulturen erstickt inzwischen allerdings an ihren Eigentümern, während weiterhin ein erheblicher Teil der Menschen noch immer massiv an Hunger, Durst, Versklavung, und Krankheiten in kärglichsten Verhältnissen leidet. Völlig ungenutzt verrotten mittel- und langfristig ganze Autokolonnen auf unseren Parkplätzen. Unsere Wohnungen sind oft überfüllt von unnützen Konsumgütern, und auch mir selbst fällt es schwer viele der vielleicht mühsam erworbenen Dinge einfach abzugeben und Dritten dadurch positiv nutzbar zu machen. Während die einen Abstand von Besitz und Eigentum in Richtung auf kollektive Nutznießung zur Einsparung von Ressourcen nehmen sollten, wäre in manch anderen Ländern "mehr Eigentum und Besitz von vielen und eben nicht nur von wenigen (z.B. Großgrundbesitzern)" ein richtiger Schritt in Richtung auf die "Verbürgerlichung" und die oft daran gebundene Herausbildung eines gewissen "normalen" Mittelstandes als Voraussetzung für die Verbreitung von Bildung und letztlich auch von konstruktiver Wissenschaft und Demokratie gegen die Herrschaft von wirtschaftlichen Oligarchen, korrupten politischen Häuptlingen und priesterhaften Schamanen.

Der aktuelle Krieg in der Ukraine scheint die Welt aufs Neue zu spalten. Nein, mich verbindet menschlich und kulturell rein gar nichts mit einem "Amerikaner", der ganze Regionen in Vietnam für Generationen im Krieg vergiftet hat, einem "Franzosen", der mit Napoleon alle europäischen Staaten unter französisches Joch bringen wollte, einem "Spanier", der Südamerika als sein Weltreich definierte, einem "Niederländer", der kommerzielle und rassistische Interessen bis weit nach Südostasien verfolgte, einem "Briten", der wohl das größte koloniale und imperiale Unterdrückungsreich in der gesamten Weltgeschichte schaffte, einem Deutschen, der völkermordend die Politik der verbrannten Erde nach Osteuropa getragen hat und einem Stalin, der ganz Osteuropa für sich und seine Clique kommunisieren wollte. Und doch habe ich aus all diesen Kulturen vieles von dem aufgetankt und gelernt, was mir in meinem eigenen Alltag, auf fast allen Ebenen heute wertvoll und unumgänglich ist. Was hat die Welt auch ganz autoritären Reichen in Ägypten, Rom, China, Japan etc. alles zu verdanken! Und selbst die so demokratischen "Griechen" kannten letztere nur für die Oberschicht. Was wäre "unsere" Mathematik ohne die Osmanen und Meditation und modernes Yoga ohne asiatische Despoten? Diese Erkenntnis ist sicher fast schon trivial.

Ein Volk, eine Nation oder ein Staat können und dürfen indes nicht der Besitz von einem Irgendjemandem (ob Kapital, Partei, Religion oder Diktator) sein, und deshalb ist der wohl durch die Hilflosigkeit "derer da unten" wachsende Wunsch sich als "ein Volk" und meist doch eher als eine "Herde" oder gar Horde von "denen da oben" abzugrenzen, also einerseits durchaus verständlich - weil gegen Unterdrückung von oben nach unten gerichtet - aber dann andererseits auch wieder völlig unverständlich, weil damit zugleich versucht wird "nichtvölkische" fremde Mitglieder im eigenen Volk, in der eigenen Nation oder in dem jeweils eigenen Staat zu verunglimpfen und zu unterdrücken, oder deren "anderstämmigen" Angehörige darüber hinaus gar auch noch zu ghettoisieren.

Goethes Romatik (siehe oben) und die Ideen seiner Zeit sind folglich aktueller denn je. Nicht Eigentum und Besitz durch Völker, Nationen oder Staaten an sich sind aktuell gefragt, sondern die jeweils positiven "Nutznießungen" von multikulturellen offenen und demokratischen Gesprächs-Gemeinschaften in einer Region. International langfristig gemeinschaftsbildend darüber hinaus wird auf der Basis von allgemeinverbindlichen Verträgen die Perspektive einer immer mehr zusammen wachsenden Welt entworfen und entwickelt. Corona ist ein gutes Beispiel für eine solche Kooperation. Ohne eine gewisse internationale Zusammenarbeit wäre vielleicht ein Drittel der Menschheit durch die akute Virenbedrohung ausgerottet worden. Nur unvernünftig Dumme begreifen diesen langfristigen Trend nicht, aber die Ursache für diese Täuschungen ist eben auch die Ignoranz der Privilegierten gegenüber ihren Opfern durch die immer noch dramatisch vorhandene Ungleichheit von schulvermittelter Erkenntnis und Wissen, basierend auf Eliteschulen und Kaderschmieden der interessengeleiteten engen "Nutznießer" für den globalen Kapitalismus wohlwissend, dass man am Ende von all dem individuell egoistisch erworbenen Reichtum nichts mitnehmen kann.

Wo befinden wir uns also als Herde, und warum glauben wir nicht was uns die Pispers als Komiker oder Kabarettisten über unsere soziale Lage erklären, während das Lachen dabei im Halse ersticken sollte? Kapitalismus: Der Glauben an die freie Marktwirtschaft | Volker Pispers … bis neulich (abrufbar bei youtube) oder Volker Pispers: "Wir müssen den Zug anhalten" (ebenfalls dort abrufbar). Wir in den Industrienationen, und insbesondere wir in Deutschland, leben dramatisch, und das wissen wir längst alle, über unsere Verhältnisse, und zögern noch immer die harten Verzicht-Konsequenzen daraus zu ziehen. Wie wir indes den Globus ausbeuten, das lässt sich inzwischen sogar einigermaßen genau berechnen:

"Der globale Erdüberlastungstag (Earth Overshoot Day) 2023 fällt auf den 2. August. An diesem Tag hat die Menschheit alle Ressourcen verbraucht, die ihr eigentlich für das gesamte Jahr zur Verfügung stehen würden – denn für die natürliche Erneuerung dessen, was die Menschheit seit Jahresbeginn bis heute verbraucht hat, benötigen die Ökosysteme ein ganzes Jahr. Dass der Tag im letzten Jahr noch auf den 28. Juli fiel und sich somit minimal nach hinten verschoben hat, ist leider weniger ein Grund zum Feiern und vielmehr auf eine Optimierung der Berechnung mit veränderten Datensätzen zurückzuführen. Um ihren Ressourcenbedarf nachhaltig zu decken, bräuchte die Weltbevölkerung rechnerisch rund 1,7 Planeten. Würden alle Länder so haushalten wie Deutschland, wären gar 3 Erden nötig. Bei einer Lebensweise wie in China bräuchte die Weltbevölkerung 2,4 Erden; würden alle Menschen so wirtschaften wie in den USA bräuchten sie 5,1 Erden. Um das IPCC-Ziel der Vereinten Nationen zu erreichen, die Kohlenstoffemissionen bis 2030 weltweit um 43 % gegenüber 2010 zu senken, müsste der Earth Overshoot Day in den nächsten sieben Jahren jährlich um 19 Tage (nach hinten) verschoben werden." (Quelle: https://www.germanwatch.org/de/overshoot)

Fehlende Möglichkeiten von strukturierter Erkenntnis und Bildung ist ja eben gerade die Ursache und nicht zu leugnende Tatsache, dass zwangsweise oft die Interessen "derer da unten" nicht verständlichen oder höchst ungerechten wirtschaftlichen und oligarchisch organisierten politischen Interessen einiger Weniger untergeordnet werden. Die Romantik liegt also darin, dass man diesen Tatbestand einerseits feststellt, diesen partiell dann auch zu verändern sucht, und diesen aber zugleich bei aller Radikalität neuer Ziele auch insoweit zeitweilig als "begrenzt" zu ertragen lernen muss, damit man auf dem Weg zu einer "besseren Welt" anderen Menschen nicht oberlehrerhaft ungeduldig bzw. autoritär oder gar mit Gewalt und Militär dabei auf die Füße tritt. Dass man diesen "sanfteren" Weg umso "idealistischer" für nicht prinzipiell ausgeschlossen hält, statt der so weit verbreiteten allzu skeptischen Grundannahme, dass der Mensch ja "an sich" egoistisch und schlecht sei, und deshalb seine jeweils eigenen "Wahrheiten" auch brutal durchsetzen dürfe, darin liegt die weiterführende Hoffnung der Romantik.

Gerne wird beschworen, dass Bildung "an sich" der Königsweg für eine solche Zukunft sein, aber "die da unten" merken sehr wohl, dass die "Eliten" derer "da oben" dabei fast immer nur ihre eigene "Elitebildung" von ihnen servilen Spezialisten und ihren Zöglingen als Erbe im Auge haben und betreiben. Privilegien als "Lohn für Leistung" in Wirtschaft, Politik, Kultur, Wissenschaft, Medizin, Musik oder Sport (bei aller durchaus vorhandenen gewissen Durchlässigkeit von unten nach oben) werden in der Konsequenz zumeist eben doch weiterhin vor allem nur von den VIP-Clans dieser Welt in Anspruch genommen werden. Wer als Antwort darauf nur noch in den die VIPs beneidenden und bewundernden Herden und Horden zu leben und zu denken vermag, und das gilt für alle genannten Lebensbereiche ähnlich, der hat sich selbst als lebendiges und sich ständig entwickelndes Lebewesen längst aufgegeben. Das Gift reicht vom für uns Normalmenschen eben nur fast schon ausgeschlossenen relativ unerfüllbaren Traum selbst einmal Elon Musk, Jeff Bezos oder Bill Gates zu werden bis hin zu den Heroen der Medien in Schauspiel und Musik. Selbst die scheinbar so einfach aber diszipliniert aufgestiegenen Helden des Sportes verhalten sich in ihrem eher unsportlichen "Privatleben" letztlich auch nur wie die distinguierten Gatekeeper weg von den sogenannten "einfachen und normalen" Existenzen an den Stammtischen in den Eckkneipen dieser Welt, denen am Ende nur noch das hysterische Fanschicksal zur eigenen und dann meist eher lautstark gröhlenden Selbstbestätigung bzw. den daran geknüpften Selbstbetrug übrig bleibt.

Menschen messen sich in Märkten, und leider messen die Märkte auch uns Menschen. Dieses leidige Spiel im industriellen Kapitalismus war eine historische Öffnung und ein Ansporn zu Innovation und Kreativität. Die "freie" Marktwirtschaft hat für die Mehrheit aller Teilhaber in der westlichen Welt das Leben historisch günstiger und somit "fülliger" gemacht. Längst aber ist der moderne Kapitalismus in seinen Büokratien er- und verstrickt. Der vormals staatliche Imperialismus ist mehr oder weniger wirtschaftlichen Imperien gewichen und kann sich in Einzelfällen als Quasidiktatur noch darin verstecken. Der moderne Kapitalismus ist zudem bürokratisch und oligarchisch geworden. Er inkludiert einerseits durch die Globalisierung zwar immer mehr Menschen, Länder bzw. Kulturen, und perpetuiert dennoch gleichzeitig andererseits doch eine weltweit kaum abnehmende nach wie vor dramatische Ungleichheit.

Die "Einzelnen" in den "Völkern dieser Welt" sind doch längst unfrei, wenn auch nicht offensichtlich, so doch zumeist faktisch, gemeinschaftlich - und nicht wie von ihren Bürgern vermutet, nur als Einzelwesen getrennt - von solchen Ungerechtigkeiten mehrheitlich berührt. Das schweißt dann durchaus verständlich auch vorerst nur in primitivem Populismus statt in mitverantwortlicher "Gemeinheit", nach Illich, zusammen. Wir "Normalos" sollten deshalb besser lernen dies einerseits offen und direkt betroffen zur Kenntnis zu nehmen, aber dennoch in dieser Pseudovereinzelung darüber hinaus den Respekt untereinander und füreinander im Kampf der Konkurrenzen nicht zu verlieren, nur weil "die da oben" uns diese Egozentrik so anmaßend vorleben.

"Leistung" wird an das nationale Bewußtsein geknüpft. So gehöre ich zu einem Volk, Land oder Staat, das/der im Gegensatz zu den Niederlanden neben Italien als Nummer 2 in der Welt bereits statistisch nachweisbar 4 Fußballweltmeisterschaften gewonnen hat, obwohl dies den Holländern kraft ihrer für ein kleines Land so überzeugenden Fußballgeschichte durchaus auch zu gönnen gewesen wäre. Was für eine Absurdität, dass Menschen eine eigene nationale Identität oft erst aus den Siegen ihrer Sportlerinnen und Sportler ableiten. Wofür also genau soll ich kämpfen, wenn meine Nation militärisch bedroht wird? Für Fußballdeutschland oder doch besser für Hockey- oder Handballdeutschland? Die Ukrainer kämpfen doch auch nicht wegen der Klitschkos um ihre Unabhängigkeit sondern zusammen mit ihnen. Wohl eher macht es deshalb vielleicht Sinn für die Beibehaltung des Deutschen Wohlstandsmodells zu kämpfen, aber ist das im Weltmaßstab wirklich noch gerecht?

Arbeit soll sich lohnen; jedoch sind unsere monetären Belohnungssysteme für leistende Arbeit nicht längst aus den Fugen geraten? Gierige "neue" digitale Väter und Mütter lassen es inwischen sogar zu, dass sich schon ihre unmündigen Kinder als Promoter für Waren, Dienstleistungen oder sonstige Produkte im Internet gerieren, und als Influenzer schon im Kindes- und Jugendalter völlig überzogene unangemessene Tantiemen kassieren. Unsere VIP-Eliten, an erster Stelle im Ein- oder besser Verkommenssystem, können "den Hals nicht voll genug" bekommen, und dann wundern wir uns, wenn ein "Neidpöbel" die Welt nicht mehr zu verstehen scheint und mit Drohstimmen für die Rechtsradikalen das politische System der sogenannten Demokraten durcheinander bringt.

"Angst essen Seele auf", heißt es so schön in dem "volks"schauspielenden Drama von Fassbinder. Und aktuell übersetzt bedeutet dies: "Inflation frisst die Löhne auf". Eigentlich gibt es im Leben überhaupt gar keinen Grund für die aktuell so weit verbreitete Angst, und schon gar nicht in einer Republik, in die alle geschundenen Menschen nach wie vor gerne fliehen, denn diffuse Angst an sich ist ja nur noch psychotisch und neurotisch. Fürchten sollten wir uns vielmehr vor den vielen politischen, wirtschaftlichen und technischen Fehlentscheidungen in Hinsicht auf die soziale Gerechtigkeit, dem daraus als Hauptproblem resultierenden fehlenden Steuer- und Vermögensausgleich zur Verringerung von Disparitäten, die zum Himmel schreien, wäre letzterer nicht bereits von den ebenso gierigen Kirchen besetzt. Einfache Lösungen für einfache Menschen lautet die falsche Devise, wo doch die Welt komplexer und komplizierter geworden ist, und kluge neue kreative gemeinschaftliche statt individuelle Strategien zur Meisterung der zahlreichen Kollateralschäden des Kapitalismus erfordert.

"Berlin. Gute Nachrichten für Topmanager mit Digitalexpertise: Trotz der allgemein mauen Wirtschaftslage in Deutschland sind die Gehälter in der obersten Führungsriege gestiegen. Statt rund 300.000 Euro wie noch im Jahr 2021 verdienen Unternehmenslenker aktuell im Schnitt 319.000 Euro - etwa sechs Prozent mehr. Das zeigt eine Befragung der Personalberatung I-Potentials, die dem Handelsblatt vorab vorliegt. 'Die Gehälter im C-Level sind in den letzten Jahren relativ konstant gestiegen, insbesondere in der Gruppe der Führungskräfte, die Transformations- und Digitalexpertise mitbringen', sagt Martina van Hettinga, Managing Partner bei I-Potentials. Sie besetzt Toppositionen für Kunden wie Adidas oder Daimler. Angesichts der aktuellen Herausforderungen - Ukrainekrieg, Inflation, gestresste Lieferketten - steige die Nachfrage nach Talenten, die ein Unternehmen sicher durch Krisen führen können, sagt van Hettinga. Gleichzeitig falle es Unternehmen immer schwerer, ihre Toppositionen gut zu besetzen. Das schlägt sich auf die sowieso schon üppigen Managergehälter nieder." (Quelle: https://www.handelsblatt.com/karriere/bis-zu-390-000-euro-gehalt-das-verdienen-top-manager-in-deutschland/29190098.html)

Wir reden hierbei noch nicht einmal von den Top-Leuten, die als Manager und Unternehmer zusammen mit ihren Clans und Familien Milliardenbeträge an der Geamtgesellschaft für sich privat zur Seite raffen; vielmehr zeigen die genannten Zahlen doch vorerst nur die sogenannte "Normalität" im Management. Wer aber Manager nur an Eliteschulen ausbildet, und dabei immer wieder nur die eigene Elite berücksichtigt, dessen oder deren larmoyante Erklärung, dass es an sogenannten "Talenten" fehle, ist allzu unglaubwürdig. Dabei haben wir doch durchaus auf allen Ebenen unserer Wirtschaft so phantastische Meisterinnen und Meister, IngenieurInnen, Facharbeiterinnen und Facharbeiter, denen längst mehr Unterstützung in Fort- und Weiterbildungslehrgängen gebürt, und die vielfach kompetenter und vorausschauender sind als ihre übergeordneten, ihnen nur "Vorgesetzten". Man will doch in den meisten Chefetagen die Verantwortung gar nicht von oben nach unten ausweiten, und die Entscheidungsgewalt über Investitionen weiterhin möglichst in der eigenen Familie oder den engeren Elitecliquen halten.

Der Diebstahl geistigen Eigentums zudem durch die erstrebte "Elitemigration" aus anderen Ländern und Kulturen in unsere industriellen Herrenmenschenwelten hinein - auf der Basis von Anwerbeprämien und übernationalen zusätzlichen Lohnanreizen -verschärft die Situation noch einmal zusätzlich. Stets wird gedroht, dass unsere ManagerInnen bei niedrigeren Gehältern abwandern. Gebt stattdessen doch einfach nur neuen jungen Menschen - auch ohne soziales Herkunftsvorurteil - eine gerechtere Chance sich für verantwortungsvolle Aufgaben ausbilden und qualifizieren zu lassen; denn so sieht die Welt wirklich aus: An den Eliteschulen werden die jungen Studenten nicht nach Leistung sondern nach dem Einkommen der Eltern zugelassen.

(Quelle: https://www.nytimes.com/interactive/2023/07/24/upshot/ivy-league-elite-college-admissions.html)

Selbst die VIP-Madonnas oder die Rolling Stones dieser Welt auf dem nicht primär wirtschaftlichen oder den nicht wissenschaftlichen kulturellen Gebieten sind dabei in gewissem Sinne zumindest Mit-Täter, weil sie uns statt Nähe im normalen Leben zueinander die Distanz zwischen dem konsumierenden Publikum und ihren Fans einerseits und den very important schaffenden Künstlern andererseits ebenso systemisch vorleben.

Musiker inszenieren sich gerne als rebellisch und sozial, und eigentlich stimmt das auch für die meisten freien und oft weniger bekannten Künstler auf diesem Gebiet. Freie Künstler sind oft "auf eigene Kosten" kulturell engagiert und leiden an ihren Minieinkommen. Zudem gibt es auch dort einen Unterschied zwischen weiblich und männlich. Für darstellende Künstler liegen dafür im Jahre 2021 sogar genaue Zahlen vor. "Darstellende Künstler geben mit 19621 Euro ein deutlich höheres durchschnittliches Jahreseinkommen an als ihre Kolleginnen mit 13168 Euro." (Quelle: https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.was-freie-kreative-verdienen-warten-auf-das-basishonorar-fuer-kuenstler.6a455a05-a5d3-4458-85b2-aa1eba026254.html). Längst fordern deshalb viele Kenner der Branche ein Basishonorar, wie auch das Mindesteinkommen die Vorraussetzung für eine gewisse soziale Absicherung auf den allgemeinen Arbeitsmärkten war.

Wie zwiespältig die Situation geworden ist zeigt die Tatsache, dass für viele Menschen der Besuch eines Festivals inzwischen zu einem Luxusgut geworden ist. (Quelle: Wird der Festival-Besuch zum Luxusgut?)

Wandmalerei in Tel Aviv

Auf dem Weltmarkt der Eitelkeiten der VIP sieht die Lage indes ganz anders aus. Musik ist längst auch in Deutschland ein Milliardengeschäft geworden. Die Zahlen hierzu mit über 2 Milliarden liefert der BVMI (Bundesverband Musikindustrie) ganz offen. Vom Weltmarkt von über 25 Milliarden inzwischen allerdings verdienen die nur 28 bekanntesten Musikerinnen und Musiker bzw. Bands (nach den Zahlen von Statista von mir zusammengerechnet) von Juni 2018 bis Juni 2019 mit 1988,5 Millionen Euro also bereits fast genau 2 Milliarden Euro, und somit so viel wie der gesamte Umsatz der Deutschen Musikindustrie insgesamt. Das Potpourri dieser 28 Einkommens-MillionärInnen enthält die folgenden Namen: (Taylor Swift, als Spitzenverdienerin mit allein 185 Millionen, über Kanye West 150 Millionen, Ed Sheeran 110 Millionen, bis zu den Eagles mit 100 Millionen. Unterhalb der 100 Millionen-Schwelle bis zur unteren Schwelle von "nur noch 41 Millionen - mit den Rolling Stones sogar am unteren Ende der 28 Hauptverdiener (!) - finden sich dann weitere Namen wie Elten John, Jay-Z, Beyoncé Knowles, Drake, Sean Combs, Metallica, Rihanna, Travis Scott, Katy Perry, Justin Timberlake, BTS, Pink, Billy Joel, Bruno Mars, Jimmy Buffett, Eminem, Fleetwood Mac, Ariana Grande, Paul McCartney, The Chainsmokers, Guns N'Roses, Jennifer Lopez und Luke Bryan. Und wenn dann einige dieser Musik-VIP für welche Charity-Veranstaltung auch immer sich ihren eigenen Ruf schön zeichnen wollen, dann sollten wir in Erinnerung behalten, dass sie alle einen "Scheißdreck" auf soziale Gleichheit und ein "besseres Leben" für all ihre "Fans" legen, als diese oft meinen. Besser als der inzwischen leider sehr kranke und geläuterte Musiker Rainald Grebe kann man es wohl nicht ausdrücken.

Rainald Gerbe Oben Lyrics: "Ich bin oben"

(abrufbar bei YouTube unter: Rainald Grebe ist oben | Spätschicht)

Im Sport sieht es natürlich nicht anders aus. Die Zahlen dort für die nur 10 Top-Leute in 2022: Christiano Ronaldo, Fußballspieler (125 Millionen Euro), Lionel Messi, Fußballspieler (120 Millionen), Kylian Mbappé, Fußballspieler (110 Millionen), Lebron James, Basketballspieler (108 Millionen), Canelo Alvarez, Boxer (100 Millionen), Dustin Johnson, Golfspieler (95 Millionen), Phil Mickelson, Golfspieler (96 Millionen), Stephen Curry, Basketballspieler (90 Millionen), Roger Federer, Tennisspieler (85 Millionen), Kevin Durant, Basketballspieler (80 Millionen). (Quelle: https://www.sportsillustrated.de/fussball/mehr-sport/die-10-topverdiener-im-sport-ronaldo-klar-vorne-nba-stars-verdienen-weniger).

Wie dumm sind wir eigentlich, dass wir solche Einkommen für "leistungsgerecht" und gerechtfertigt halten, dann auch noch über die auf allen Ebenen unterstellte Korruption in unserem politischen Gemeinwesen schimpfen, und die mit vergleichbaren Minieinkommen bedachten PolitikerInnen dabei prinzipiell, wenn auch manchmal durchaus vereinzelt berechtigt, unter "Generalverdacht" stellen, anstatt uns selbst für unsere Gemeinwesen zu engagieren. Leisten also Frauen an der Kasse bei Aldi, PolizistInnen, Feuerwehrleute, StraßenreinigerInnen oder Alten- und KrankenpflegerInnen wirklich weniger als unsere VIPs, ob in Wirtschaft, Musik, Sport, Kultur, Medizin, Wissenschaft oder Politik? Wir sind es doch individuell und quasi persönlich, die wir uns in unseren aufgegeilten VIP-Extasen als deren Fans selbst entwerten.

Es geht doch nicht um weniger Spass und weniger Begeisterung in Kultur oder Sport bei der Kritik an der Vermarktung menschlicher Beziehungen bis auf das letzte Hemd, und natürlich dürfen und sollten wir gar in Extase unseren "Idolen" zujubeln. Wenn aber "alle" Künstler ein geregelteres Einkommen haben, und auch alle jungen Sportler sich in Zukunft daran gewöhnen, dass doch auch erstmal nur ein gutes oder gewonnenes Spiel Anreiz genug sein könnten, um dann durchaus auch ein überdurchschnittliches leistungsgerechtes aber eben nicht exorbitantes Einkommen zu erwirtschaften; dann hätten alle ein Zeichen für Gerechtigkeit und Gemeinsinn in unserer Gesellschaft gesetzt und müssten nicht mehr bigott Wasser predigen und Wein saufen. Ein cooler exzessiver Tanz und entlastende Begeisterungsschreie in der Fankurve sind doch nicht daran gebunden, dass uns eine charakter- und anstandslose Musik- oder Sportindustrie noch neben den Immobilienhaien zusätzlich ausbeutet.

Die Welt organisiert sich vor allem nur noch in "Geschmacksgemeinschaften" (nach Neumann-Bechstein) und wir alle "spielen Theater" (Goffman) in den bekannten sozialen Blasen. Früher war zudem alles anders und meistens viel besser, obwohl es meistens in Wirklichkeit deutlich "schlechter" war. Alle geifern deshalb auf die viel zu viel verdienenden PolitikerInnen als moderne gesellschaftliche Sündenböcke, die jetzt die neue "Knappheit" verwalten sollen und deshalb nach anderen Regeln zu agieren haben. Leider wird stattdessen immer noch deutlich zu selten und zu wenig auf die zahlreichen Fehlleistungen der allzu unfähigen meist völlig überbezahlten VIPs und ihrer Manager verwiesen. Es mag sein, dass die Politik aktuell oftmals auch am "Volk" vorbei agiert, aber Welt ist und bleibt ein kaum durchschau- und nur schwer steuerbares Netz. Wie kommen Menschen eigentlich auf die verkürzte Idee, dass die Politik die Welt mehr oder weniger alleine regiert? Dabei diminuieren uns doch alle VIPs gemeinsam und teilen sich den Profit an dem von allen Menschen gemeinsam erbrachten Bruttosozialprodukt in einer weiterhin sozial ungerechten Welt!

Leider gibt es keine nur gegen die VIPs und deren überbordende Einkommen gerichtete soziale Partei der Umverteilung durch eine rigide Steuer- und Erbfolgepolitik in Richtung auf mehr soziale Gerechtigkeit in der Welt. Eine solch wirklich glaubwürdig agierende politische Partei würde sicher viel demokratisch unterstützenden Zulauf erhalten und die Protestwähler nicht mehr ins rechtsradikale Milieu abdrängen. Es sind vor allem die zerstrittenen und autoritären linksradikalen Milieus in der Vergangenheit gewesen, die dem sozialen Impetus im politischen Kampf das Wasser abgegraben haben. Kein Wunder also, dass viele Menschen die herrschenden Parteien nur noch als ähnliche Sauce von privilegiengeilen Aufsteigern resümieren und deshalb entweder gar nicht wählen oder sich in den widerwärtigen rechtsradikalen Protest einreihen.

Erschreckend ist wie selbst unsere ansonsten doch so notwendigen öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF ihr Mandat in den Vorabendprogrammen mißbrauchen um die Welt VIP-gerecht und VIP-freundlich durch ein sogenanntes People Magazin umzugestalten: (Prominenten-Magazin, Leute Heute, ZDF, produziert in Deutschlands fortschrittlichster Republik: Bayern ;-)) oder ein Lifestyle Magazin (Brisant, MDR). Beide Magazine spiegeln die bundesdeutsche Wirklichkeit mit ihren Widersprüchen auch nicht annähernd wirklich wieder. Regie führt das alte Hitchcock Unterhaltungsdogma: "Wen interessiert schon die Wirklichkeit?" (zitiert nach Quelle: https://filmleser .com/die-dogmen-des-alfred-hitchcock/) Die Welt der Unterhaltungs-Promis ist eben nicht der Alltag. Der MDR als südostdeutscher Wohnort der durch das Nazi-Klischee identifizierten thüringischen und sächsischen Dummdeutschen wuchs der ARD als ein bedenkliches Mitbringsel der Wiedervereinigung zu. Der Sender ist mit manchen seiner Produktionen ein hervorragendes Beispiel dafür, dass die DDR-Bildung eben nicht wie oft behauptet kulturell herausragend sondern maximal eher den schlechten deutschen Spießer-Geschmack fördernd war. Die DDR war der deutlich autoritärere deutschere Staat in der Nachkriegszeit, und ganz Deutschland hat nun auch die Folgen der Vereinigung mit einer Mentalität zu tragen, in der die Hacken noch immer zusammenschlagen. Die DDR war höchst antidemokratisch und hat es in ihrer Existenz geschafft jedes freie Wort in die privaten Saunen zu verdrängen. Interessant ist nun, dass Deutschlands Südosten als Markenzeichen seinen Rechtsradikalismus zur Schau trägt, und damit die vielen dort wohnenden durchaus auch kritischen und positiv liberalen Menschen desavouiert.

Peinliche völlig geschmacklos drapierte Moderatorinnen bei Brisant und Leute Heute, prädestiniert zum Fremdschämen und wohl eingekleidet von den West-KIKs und anderen höchst schrillbunten Fast-fashion-Ketten wollen jeden Abend aufs Neue ein künstlich wiedervereinigtes Land heimlich zur Rückkehr in die adlige VIP-Monarchie erziehen, und auch die insofern zwar deutlich besseren Morgenprogramme von ARD und ZDF zeigen bereits einen gewissen Trend in diese gleiche Richtung. Garniert mit den säuselnden Deutschen Frohmach-Schlagerstars erklären uns die stets künstlich gut gelaunten Medien-VIPs jeden Tag aufs Neue, dass berechtigte Kritik Nörgelei sei, und Veränderung fordernde Politik nur aus der Feder von Menschen auf VIP-feindlichen Abwegen, den lebensunfrohen Unterhaltungsgestörten, kommen kann. Und Grund zu massiver Angst gibt es dann auch nur noch in erster Linie vor der wachsenden Kriminalität, denn diese durfte es im Sozialismus, obwohl vorhanden, ja gar nicht erst geben, und im Westen wird sie bis heute verharmlost, und Wirtschafts- und Steuerverbrechen der VIPs allzu lasch und nachsichtig verfolgt. Neuartig angstmachend als Realcrime wird diese "verkehrte Welt" dann auch bis zum Erbrechen am Vorabend in den "linearen" Medien ausgebreitet. Zweifelhaft ist indes ob die sogenannten "sozialen" Medien einen besseren Weg wählen; über das Thema der wachsenden um so mehr Angst verbreitenden Fake-News im Netz wurde ja bereits an anderer Stelle längst viel diskutiert.

Ja, gerade auf diesem Feld der wuchernden Geschmacklosigkeiten spüre ich für mich privat am deutlichsten meine eigene, in solchen Situationen aufblitzende Intoleranz. Ja, ich muss das alles in den verschiedenen VIP-Welten selbst eben weder schön noch bereichernd finden, und deshalb habe ich eigentlich dennoch auch nicht das Recht, auch wenn es mir schwer fällt, Menschen, die ein ganz anderes kulturelles Wertesystem pflegen nur einfach als "dummdeutsch" zu diffamieren. Kulturell einseitig dumm und nur einnehmend deutsch sind vielmehr höchstens die merkantilen Ideologen hinter den Kulissen, die die Sehnsucht "normaler" Menschen nach Harmonie und einfachen Wahrheiten für ihr eigenes Geschäft mißbrauchen, und um auch politisch ihre bösartigen Hasstiraden gegen abweichendes Verhalten in die Welt zu streuen.

Gerne einmal möchte ich beispielsweise meiner durch mich als "dummdreist" identifizierten Medien-Intimfeindin Barbara Schöneberger, den Florian Silbereisens oder den Stefan Mross-Schwätzern einfach mal nur höchst unfein "das peinlich geschwätzige Maul stopfen", aus dem nach meiner eigenen Meinung allzu selten Intelligentes zu erwarten ist, aber der Fehler liegt dann nicht bei denen, die durch ein breites deutsches Publikum getragen werden, sondern bei mir mit meiner eigenen daran meßbaren akuten Unfähigkeit zur Akzeptanz des Vorhandenseins auch einer "seichten" Promi-Kultur. Es klingt wie ein krankhafter masochistischer Hohn meinerseits, dass ich einer mich abstoßenden und oft sogar mich anekelnden Kultur dennoch das Wort rede; denn ich bin mir der eigenen Borderliner-Stellung in dieser Hinsicht durchaus bewußt. Würden Menschen wie ich mit meinen eigenen musikalischen, literarischen oder ästhetischen Vorstellungen die Welt alleine beglücken dürfen, die meisten Menschen wären in der Folge wohl eher höchst unglücklich. Umgekehrt erwarte ich aber auch den nötigen Respekt für die hoffentlich kreativen Randerscheinungen in der Welt, für das Zulassen von künstlerischen Extremen und unangepassten Meinungen darüber, was im Leben stattdessen erstrebenswert sei. Beleidigen möchte ich insofern eigentlich niemanden, aber ich kann oft nicht verstehen, dass sich viele der Rezipienten von ihren "Kulturträgern" nicht selbst beleidigt fühlen, weil sie ihnen oft so wenig Geschmack, Verstand und auch keine gewisse Risikobereitschaft zum Neuen unterstellen.

Der insofern nur noch beleidigte Mensch ist dann der krankhaft primitive "Allesbegreifer" und "Alleslöser", der denunzierte und gleichzeitig denunzierende Populist, der in sich selbst im Vergleich zu "all denen da oben" seinen eigenen Selbstwert nicht mehr erkennen kann. Menschen, die wie ich das allzu extreme "Deutsche" nicht mögen, werden dann allzu schnell als "Nestbeschmutzer" möglichst ausgesondert und als allzu hysterisch auch noch verhöhnt: Wer solche Gedanken äußert, der klebt sich auch für das Klima auf die Straße. Fertig!

Es sind jedoch vielmehr die Mitglieder der jeweiligen Fan-Kulturen selbst, die tagtäglich seelisch und mental depriviert in ihren Herden und Horden am meisten durch andere Menschen bzw. wirtschaftliche, politische, juristische, mediale und technische Systeme als ernst zu nehmende Menschen und vor allem als Persönlichkeiten wenig ernst genommen, unterdrückt und ausgebeutet werden. Sie haben sich deshalb oft selbst längst frustriert selbstzerstörerisch von der Würde des Einzelwesens verabschiedet. Einsicht mit Weitsicht zu erwerben ist aber eine schwere und langfristige Disziplin, der sich solche "Populisten", die sich in Wirklichkeit längst von "Ihrem" Volk entfernt haben, dann eher gerne entziehen.

Schuldig also sind für sie, wie von den "Corona- und Klimaleugnern" aktuell gerne behauptet, alleine der "Zufall", eine Verschwörung gegen das Einfache und Billige, oder bezogen auf das Klima die wandernde Sonne "und ihre Stürme" und damit eher das "Schicksal" an sich oder der "liebe Gott", die alle gemeinsam scheinbar so vehement und desaströs in das moderne Leben von uns Menschen mit Sturmfluten und Hitzewellen eingreifen. Die ihre Verantwortung leugnenden Eliten sind es indes, die die uns notwendig umgebende Natur mit ihren überbordenden individuellen Ansprüchen und vor allem nur noch monetären Orientierungen tatsächlich zerstören; denn auch das Klima ist natürlich längst manmade. Ja, und eigentlich sind wir doch selbst Natur und Kultur zugleich, was die Fachleute wohl als eine Autopoiese bezeichnen.

Wer muss denn die kulturellen und technisch-wirtschaftlichen Umwelt-, Seelen- und Naturzerstörungen eines allzu rohstoffintensiven überbordenden Wachstums im Interesse einiger Weniger faktisch am Allerhäufigsten ertragen? Die sozial Benachteiligten und kulturell Deprivierten! Und welche Geschichten erzählen uns dann unsere VIP-Medien in diesem Zusammhang? Die Antwort: "Auch Dein Aufstieg ist möglich und deshalb meckere bitte nicht auf 'die da oben', denn schon morgen könntest du einer von ihnen sein." "Deine VIPs, die lieben und bespassen Dich doch!", was willst Du eigentlich mehr?

Ich will dabei auch nicht in den sozialen Abgesang und in den Vorwurf einer universellen "Lügenpresse" einstimmen, dazu habe ich selbst viel zu viel aus den häufig dennoch sehr kritischen Medien gelernt, aber sehr häufig wird doch aus den eher "seichten" primitiven Erklärungsmedien eine Sauce des Versagens vor allem auch über diejenigen Politikerinnen und Politiker gegossen, die uns - durch uns Bürger in der Demokratie jeweils durchaus gut legitimiert - auch sogenannte "Opfer" abverlangen, damit der Karren Industriekultur vielleicht doch noch langfristig irgendwann wieder aus dem Dreck gezogen werden kann.

Es sind statt der Promis auf allen Ebenen die nach mehr Wohlstand Hungernden und Benachteiligten - in Wirklichkeit grenzenlos, kultur-, religions- und nationenunabhängig - die ihre jeweiligen egoistischen Eliten auf ihren eigenen Schultern zu stemmen haben. In dieser Hinsicht bindet mich meine eigene Wertewelt sehr wohl auch weiterhin romantisch an die Hoffnung auf vernünftige intelligente und unabhängig moderne Russinnen und Russen, an ebensolche Chinesen, Afrikaner, Türken, Ungarn, Polen oder andere Menschen in anderen Ländern, in denen die Demokratie aus sehr unterschiedlichen Gründen aktuell mal mehr und mal weniger mit Füßen getreten wird. Die Bedürfnisse der klugen und vernünftigen Menschen rund um die Welt sind in Wirklichkeit gar nicht so unterschiedlich sondern eher ähnlich: Wir wollen einen gewissen Wohlstand in Ruhe und Frieden mit individueller Freiheit genießen. Die Gemeinsamkeit liegt immer noch in dem unerfüllten ursprünglich romantischen französischen Schlachtruf: Liberté - Fraternité - Egalité.

(Quelle: Von Mint - http://en.numista.com/catalogue/pieces8003.html, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35447896)

Stattdessen die "völkische" Antwort: ein Volk, ein Reich, ein Führer. Von wegen! Die Zukunft ist nicht eine verklärte autoritäre Vergangenheit sondern: Viele Völker, viele Wohlhabende, viele Verantwortliche - mit welcher "Herkunft" auch immer! Dort wo ich wohne und lebe, das ist wirkliche "Heimat"! Je größer die universalen und universellen Probleme werden, umso näher rückt mir die oder der Fremde. Die nationalen Blockwarte und Denunzianten, die uns trennen wollen, und uns gegenseitig als fremd und für prinzipiell unversöhnlich erklären, die erkennt man schon an ihren unfreundlichen und intriganten Gesichtern, ihrer Macho-Gebärdensprache oder ihren überheblichen VIP-Allüren.

Wer sich von der positiven "Gemeinheit" nach Ivan Illich abgrenzt, der gehört zum Kreis von tatsächlich individualisierten Tätern, die es erst einmal deutlich zu markieren und damit zu kriminalisieren und dann durchaus auch wieder zu zivilisieren gilt. Dies ist der Impetus der Romantik, die ich meine, und deshalb möchte ich eben auch nicht, dass die Unzufriedenen ohne Prüfung ihrer davon durchaus auch oft abweichenden widerständigen Motive einfach nur ausgegrenzt werden, sogar dann wenn sie vorerst auch "individuelle" falsche Irrwege gehen, wie die Wahl von Parteien mit rechtsradikalen und rassistischen Nutznießern in ihren Reihen. Dazu gehört insbesondere auch die Erkenntnis eines schnellen vernünftigen Rückbaus von übertriebenem Wohlstand und der daran geknüpfte gewisse "Verzicht" auch auf meine eigenen relativen sozialen Privilegien, die ich im Laufe meines wohlständigen Lebens - oft ohne eigenes Zutun - als in die G7-Welt hinein geboren erworben habe.

Deutschland den Deutschen, Polen den Polen, Italien den Italienern, Spanien den Spaniern, Russen den Russen, Ukraine den Ukrainern, usw., dümmer geht es wohl wirklich nicht. Die nationale Ukraine soll stattdessen als europäischer Mitgliedsstaat und meinetwegen, aber nicht unbedingt und um jeden Preis der Aufrüstung von mir gewollt, auch als ein Mitglied der Nato, weiterhin allen friedliebenden Menschen gehören, die dort leben und sich aktuell so heldenhaft wehren müssen, ganz unabhängig davon ob es sich dabei um ehemalige Russen, Weißrussen, Polen, Balten oder auch wenige Deutsche handelt, die sich dort ein neues Zuhause geschaffen haben. Deren "Herkunft" ist mir dabei vollständig gleich, soweit sie für sich dort einen friedlichen Ort um zu arbeiten und zu leben gefunden haben. Ich halte nicht speziell zu den Bio-Ukrainern an sich, so es sie den geben sollte in diesem Konflikt, sondern zu allen Menschen, die dort leben, und somit von Putins Verbrechen, bzw. von den Schandtaten der zusammen mit ihm verantwortlich handelnden Mittäter, Militärs und Oligarchen, direkt betroffen sind, egal woher sie kamen und wohin sie noch weiter "reisen" möchten.

Und Israel, als weiteres so gravierendes Beispiel und Gefechtsfeld in der neueren Geschichte, wird auch in Zukunft Juden, Israelis, Arabern und Muslimen ebenso wie Christen oder Atheisten gemeinsam gehören. "Allahu akbar!", aber das gilt auch für alle anderen Götter, Mythen und Erzählungen, die den jeweiligen Menschen in ihrer Kultur und in ihrem engerem Umeld wichtig sind (konsequenterweise für Israel wie für Palästina, ob im Gaza-Streifen oder der Westbank). Aggressive Zwangssiedler und Zwangs-Umsiedler, ob militärisch oder nur rassistisch motiviert, dürfen an keinem Ort der Welt erfolgreich werden. Und militärische Kriege und Konfliktherde hatten wir in der so täuschenden "friedlichen" Nachkriegszeit in Europa weltweit für die Mehrheit der Westbürger verborgen, genug.

Die gewaltsame Bedrohung, oder auch nur Beleidigung eines "fremden" Einzelmenschen gehört in allen Völkern, Nationen oder Staaten geächtet und unter die entsprechenden Strafen gestellt. Schon der Wunsch hierzu und der Anspruch darauf gilt vielen als allzu romantisch; dabei ist er doch so naheliegend und rundum vernünftig, und bedeutet letztendlich auf eine ganz einfache Formel gebracht "nur": Respekt füreinander und "Hochachtung" für diejenige oder denjenigen, die/der sie ehrlich und ohne Gewalt im Angesicht der "Einzelnen" erworben hat, bzw. "das"jenige (Vertrag, Gesetz oder eine Institution), das diese besondere und verbindliche Achtung ebenso verdient!.

(Quelle; https://www.values-academy.de/respekt/)

Wer also einen Beitrag, in welchem Teil der Welt auch immer, zur Förderung seiner jeweiligen regionalen Gemeinschaft durch Arbeit und sonstige kreativen Formen der Gestaltung leistet und für ein lebenswerteres Miteinander sorgt, der gehört einfach dorthin und als gemeinsame Heimat und Identität "dazu": zum Beispiel auch der vielleicht in seinem Beruf hart arbeitende türkische Konservative, der aktuell mit einem autoritären Familienbild im Kopf in der Moderne nicht mithalten will bzw. kann, oder oft auch nur einfach antilibertär oder "homophob" ist, und deshalb vielleicht in Deutschland die AfD und in der Türkei einen Erdogan wählt; genau so übrigens wie der russische Muschik (Bauer), der vielleicht in sozialer Not meinte den - nur für mich - "anti-russischen" Präsidenten Putin zur Verbesserung seiner Lage wählen zu müssen, weil er diesen für so maskulin stark gegen die nach seiner Meinung vielleicht zu laschen moskowiter Pharisäer und Bürokraten hält, oder die ältliche deutsche kirchengläubige frömmelnde Anti-Feministin, die als konservative Wählerin den Untergang des Abendlandes durch die Abtreibung oder die Polygamie befürchtet.

Sehen wir deshalb wieder vor allem nur den einzelnen Menschen mit seinen eigenen Interessen, Schwächen und Problemlagen, und stattdessen nicht primär seine Herkunft, seine alberne geschlechtliche, völkische oder nationale Identität, und lassen wir diesen für uns jeweils Unverständlichen in gewisser Weise zumindest für eine gewisse Zeit (bis sie sich vielleicht ganz von selbst durch die Wirklichkeit überholt haben) auch ihre eigenen Erzählungen - selbst dann, wenn sie uns vielleicht persönlich aktuell nicht gefallen. Schaffen wir vielmehr für eine andere spätere Zukunft "neue" eigene "überzeugendere Erzählungen von Welt", und vertrauen wir auf unsere persönliche Kraft hierzu diese auch auf Dauer selbst zu leben!

Der Baum der Entwicklung (Stablo razvitka, kroatisch)

(Quelle:https://upload.wikimedia.org/wikiversity/en/3/34/Drvo_razvitka.jpg)

Kultur ist weit mehr als die abgestorbenen Wurzeln, aus der sie sich vielleicht noch "historisch" speist. Die Natur lehrt uns, dass sich für das Leben die Wurzeln eben doch immer mehr tagtäglich neu "über alle Grenzen hinaus" verzweigen, sich mal vermehren und dann auch wieder absterben um für andere Platz zu machen. Das nennt man in meiner Welt und Romantik die "Autopoiesis des Guten"; in ihr lebt letztlich nur der, der an das Gute glaubt, selbst dann wenn immer nur ein ganz kleines, allzu partikulares Stück Glück davon in unsere eigene Lebensspanne passt.