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Der Fluch des "ja, aber"
und seine Licht- und Schattenseiten

 

"We must be able to love the world as it is, in all its brokenness and imperfection. To achieve that requires hope, hope that change is possible, hope for the future.Hope is necessary. Without hope, without the ability to imagine a life beyond its present circumstances, a person may be prone to give up. But someone who has the ability to embrace that hope may have a capacity to survive atrocities and inhumanity." (Love the world anyway. Talking to Hannah Arendt's new biographer about propaganda, evil, forgiveness, hope, and loving the world enough to believe that it can changehttps://the.ink/p/arendt)


Das "ja, aber" ist eines der komplexesten Wörter, weil es die Ursache für nötige wie unnötige Komplexität sein kann.

Von „Coaches“, die in der Regel die Arroganz der „besseren Wege“ und „besseren Ziele“ für sich beanspruchen, werden Menschen, die ihren eigenen Initiativen skeptisch gegenüberstehen, sehr schnell als ein bestimmter nur noch zu kurierender Persönlichkeitstypus charakterisiert. Dabei sei, ebenfalls in Form eines „ja, aber“, bereits zu Beginn darauf verwiesen, dass es durchaus Sinn machen kann, sich einem offenen, kritischen und hoffentlich auch selbstkritischen professionellen Coaching zu stellen. Dieses sollte „aber“ primär selbst gewählt und nicht von einer Autoriät oder Institutions- oder Unternehmensleitung nur verordnet werden. Nehmen wir also eine solche Charakterisierung zum Ausgangspunkt:

„Neulich im Büro. Frau Hegel erklärt Herrn Meier ausführlich, was er zu tun hat und was sie von ihm erwartet. Doch statt sich ans Werk zu machen, startet Herr Meier eine Gegenrede und beginnt mit 'Ja, aber…'. Also macht Frau Hegel einen neuen Vorschlag, der wiederum mit 'ja, aber' gekontert wird. So geht das einige Zeit. Bis Frau Hegel es aufgibt und im Stillen den Entschluss fasst, beim nächsten Mal die Aufgabe gleich selbst zu erledigen. 'Ja, aber'-Menschen gehören zu den eher anstrengenden Zeitgenossen. Im Coaching sind sie die Sorte Klient, die einen unerfahrenen Coach in die Lösungsfalle laufen lassen: Der Coach fühlt sich in die Retter-Rolle gedrängt und produziert Lösung auf Lösung (was er ja sowieso nicht tun sollte), die darüber hinaus auch noch jedesmal bedenkenträgerisch vom Klienten abgewehrt wird. Aber was steckt eigentlich hinter dem 'Ja, aber'– Syndrom? Solche Menschen spielen mit ihrer Umwelt 'emotionales Gummiband' oder wie das Sprichwort sagt: 'Wasch mich, aber mach mich nicht nass.' Zuerst signalisieren sie Aufeinanderzugehen und Verständnis ('ja'), um im gleichen Atemzug den anderen und dessen Engagement für einen selbst wieder abzustoßen ('aber'). Konstruktiv ist das nicht. Aus diesem Grund sind 'Ja, aber'- Menschen für ihre Umwelt – gerade auch am Arbeitsplatz – quasi Energievampire, die vor allem an sozial engagierten Menschen andocken. Denn diese sozial engagierten Kollegen sind in der Regel offensiv, konstruktiv, packen die Dinge an und denken, der 'Ja, aber'– Mensch müsste doch auch positiv auf ihre Lösungsvorschläge reagieren. Weit gefehlt. Denn dem 'Ja, aber'-Menschen geht es nicht um eine Lösung, sondern um die Bestätigung seiner Bedenken und dass er seine Komfortzone nicht verlassen muss. In diesem Sinne finden solche Menschen in der Regel immer Gründe für das Beharren in ihrer Position, aber keine Wege, sich daraus weiter zu entwickeln. Wie geht man nun mit solchen Menschen um? Als erstes müssen Sie raus aus dem Gummiband-Spiel. Widerstehen Sie dem Drang, für den 'Ja, aber'– Menschen Lösungen zu produzieren. Wie gesagt, geht es ihm gar nicht um eine Lösung, sondern um eine innere Rechtfertigung, dass ja doch alles so schwierig ist und er sich deshalb auch nicht bewegen muss. Grenzen Sie sich deutlich ab und investieren Sie weder emotional noch rational in eine gemeinsame Lösung. Der 'Ja, aber'– Mensch muss lernen, dass sein Vor und Zurück im Gummibandspiel nicht mehr zieht. Das ist für ihn der erste Lernschritt. Als zweites müssen Sie sich von der gefühlten Verantwortung lösen. Auch wenn Sie sonst im Unternehmen engagiert und konstruktiv agieren: Der 'Ja, aber'– Mensch ist nicht auf Ihrer Ebene unterwegs. Er denkt nicht in konstruktiven Lösungen, sondern in Kategorien der Selbstbestätigung. Wenn Sie weiterhin Verantwortung für ihn übernehmen, verstärken Sie den Energievampir-Effekt. Das muss nicht sein. Sie sind schließlich nicht seine Mama. Und schließlich brauchen 'Ja, aber'– Menschen klares Feedback ohne große Diskussion. Man darf das 'Ja, aber' nicht mehr gelten lassen. Das ist ein Reifungsprozess bei beiden Gesprächspartnern. Doch Vorsicht: Selbstverständlich gibt es auch Situationen, in denen 'normale' Kollegen ein 'ja, aber' produzieren. Dieses müssen Sie dann ernstnehmen und sich damit auseinandersetzen. Doch den Unterschied zwischen den beiden Menschentypen merken Sie mit Sicherheit. Machen Sie beim nächsten Meeting einfach mal den Test… Sei der Erste, der diesen Beitrag teilt!“ (https://markusvaeth.com/blog/so-gehen-sie-mit-ja-aber-menschen-um)

Die erste psychologisch völlig unsinnige Annahme solcher zweckgerichteter Analysen ist die, dass es im Sinne einer längst überlebten Charakterologie Menschen mit „auf Dauer fest gelegten bestimmbaren“ Charakteren gäbe, die den Menschen mehr oder weniger „immer“ zu den gleichen oder ähnlichen Verhaltensweisen zwinge. Diese Sicht auf den Menschen an sich wäre natürlich nur noch albern und dumm, und so leicht will ich es mir deshalb in der Kritik an solch einem eher dogmatischen Coachingansatz auch nicht machen. „Aber“ tatsächlich gibt es bestimmte Menschen mit bestimmten Erfahrungen, die zu einem solchen „ja, aber“ neigen. Mir wurde ein solches vorerst nur „aber“ vor dem "ja, aber" quasi mit in die Wiege gelegt, und insofern wäre ich eigentlich das „geborene“ Beispiel zur Bestätigung des oben genannten Coaches mit seiner für mich noch recht unbestimmbaren Meinung. Inzwischen bin ich bekennender "Ja, aber"-Mensch, weil ich zu oft ein "Ja" gehört habe, dem kein notwendiges "aber" folgte. Wenn aber die "Pferde mit mir durchgehen", ich habe nun einmal einen erheblichen Anteil meiner Jugend im Umgang mit Pferden verbracht, dann flüchte auch ich mich manchmal zu leicht in ein "Ja, aber", wenn doch nur ein einfaches "Ja" angesagt wäre.

Eigentlich müsste ich deshalb mit Vornamen nicht „Ulrich Thomas“ sondern „Ulrich aber Thomas“ heißen. Meine Großmutter hat für den Beinamen Thomas der „Ungläubige“ gesorgt, nach einem Evangelium, das sie zum Zeitpunkt meiner Geburt gehört hat, und meine Mutter insoweit scheinbar erfolgreich mit diesem Gedanken infiziert. Ulrich bedeutet "an Erbgut reich" und der Thomas relativiert das in Form der notwendigen Balance dazu. Nun ist das wahrscheinlich so wie bei der Astrologie. Eigentlich wirkt eine solche Namensgebung nicht, aber wenn man von dieser Vorgeschichte nur oft genug gehört hat, dann wird man vielleicht fast sogar "automatisch zum prinzipiell Ungläubigen; so wie ich auch wohl nicht wegen der Sternenkonstellation zum Zeitpunkt meiner Geburt zu einem „Widder“ geworden bin, sondern weil mir durch häufiges Erzählen - je länger ich lebe - der „Standpunkt“ eines Widders irgendwie einzuleuchten scheint. Und der Aszendent scheint mir dabei vernachlässigbar zu sein, auch wenn die Astrologen darauf „fast alles“ und vor allem die „Besonderheiten“ eines Widders im Vergleich mit anderen Widdern zurückführen. Ein Widder mit einem ausgeprägten „ja, aber“ Widerspruchsgeist ist wohl doppelt gefährlich und für Dritte wahrscheinlich auch eher unangenehm. ;-)) Doch zurück zur Philosophie des „ja, aber“.

Niklas Luhmann, der König der Theorie der Komplexitätsreduktion, hat aufgezeigt, dass es zu jedem „ja“ nicht nur ein einzelnes sondern vielmehr ein ganzes Set an „aber“ geben kann, also ein "aber", das auf ein "aber" folgt und dieses "aber-witzige" Gebilde wiederum kann in stets weiterer kontingenter Weise auf andere "aber" bezogen werden. Klug Komplexität auf einfachere Entscheidungen zu reduzieren, auch ohne alle Verweismöglichkeiten durch die entsprechenden "aber" zu berücksichtigen, gehört zur Erfolgsgeschichte des menschlichen Verstandes, da man sich ansonsten „verzetteln“ und zu entsprechenden Fehlentscheidungen durch „Hyperreflexion“ führen würde. Dies war für Luhmann schon deshalb persönlich so einsichtig, weil sein exorbitanter Zettelkasten (mit durch Lektüre kaum enden wollenden Zitaten), einer dringenden gedanklichen Ordnung und Komprimierung bedurfte. Das „ja, aber“ kann also ein Indiz dafür sein, dass manche Menschen - durch welche Erfahrungen oder in welchen Lebenssituationen auch immer - dazu verführt werden, Entscheidungen zu vermeiden, indem sie für ihre Entscheidung immer neue, und häufig nur irrelevante Facetten als weitere zu klärende Fragen hinzufügen, um sich am Ende doch nur um die Verantwortung für insbesondere schwierige und weitreichende Entscheidungen herumzudrücken. Vielleicht hat mir persönlich insofern der ungeduldige Widder die Entscheidungen vor dem „angemuteten“ „Ja-Aber-Naturell“ schneller abgerungen, als dies dem letzteren lieb gewesen wäre (Vergl. dazu den Blog über das „Fertige“ und das „Unfertige“). Zu schnelle und unreife Entscheidungen, die auf die mangelnde Berücksichtigung von entscheidungsrelevanten Fakten beruhen, können also durch ein kluges „ja, aber“ sinnvoll gebremst werden, um dem Verstand noch einmal genügend Zeit zu ermöglichen oder zu vermitteln, um danach vielleicht doch noch „zur Vernunft“ zu kommen.

Gerade im schnelllebigen Wirtschaftsleben wird das „ja, aber“ häufig als ein unnötiger Hinderungsgrund begriffen, da sich vor allem die „Entscheider“ ungern in der Vernunft ihrer „Auswahlen“ hinterfragen lassen. Jedes Wort, jeder Satz, den der Mensch spricht, ist eine solche Entscheidung. Gute Schriftsprache ist kurz, klar und knapp, die folglich auf zu viele Einschiebsel und "aber" verzichtet. Meine Sprache und meine damit verbundenen Gedanken sind hingegen voll davon. Manche würden mich deshalb auch "am Aber erkrankt" bezeichnen.

Sprache funktioniert dadurch, dass möglichst das Wesentliche gesagt und nicht alles durch weitere Relativierungen verwässert wird. Dann ist gegenseitiges Verständnis ohne implizite Mißverständnisse besser möglich, denn jedes Aber kann den Hörer oder Leser einer Aussage vom Wesentlichen weg auf eine falsche Spur führen. Liest man „aber“ die Werke von klugen und inspirierenden Prosaikern, zu denen ich mich leider nicht zählen kann, so stellt man fest, dass deren „Umwertung“ von Wesentlichem zu Unwesentlichem oft deren eigentlichen Reiz ausmacht, und zu völlig neuen ungeahnten Wahrnehmungen und Erkenntnissen oder Einsichten führt. Ein guter Dichter ist die Verkörperung in der Welt des so scheinbar Eindeutigen, das in Wirklichkeit eben auch immer ein Uneindeutiges sein muss. Gefühle, wie Liebe, neigen beispielsweise zum eher eindeutig Uneindeutigen und sind deshalb so oft gehaltvoll und motivierend, wenngleich sie auch nicht immer klug oder vernünftig sein müssen.

Die Liebe gehört, wenn überhaupt, nur als „Motivationsfaktor“ zum eingangs erwähnten Wirtschaftsleben, und verkompliziert dieses eher; deshalb hat sich der Grundsatz etabliert, dass man das Geschäftliche eher vom Privaten und Persönlichen trennen solle. Dass dies hingegen niemals geht, zeigt die daran gekoppelte „Wirklichkeit“. Echte Unternehmer „lieben“ was sie tun, und häufig sind deren Entscheidungen dann auch durch "zu viel Gefühl am falschen Platz" oft alles andere als erfolgreich. Erfolgreiche Entscheidungen hingegen werden vielfach oft erst nur im Nachhinein mit „Vernunft“ geadelt, obwohl sie zumindest am Anfang unter Umständen alles andere als vernünftig waren. Es ist also längst Erkenntnisstand der Menschheit, dass die Unvernunft oft manchmal durchaus vernünftig sein kann. Dies sei natürlich keine Legitimation dazu "immer" und in jeder Hinsicht unvernünftig zu agieren.

Ein guter Freund von mir war erst, wie auch übrigens mein Doktorvater, ein vom Design und von der Aura des Produktes überzeugter Apple-ianer und dann, inzwischen Jahre später, schwenkte er, als er durch eine Erbschaft noch wohlhabender wurde, auch konsequent zu Elon Musk über, und leistete sich von nun an auch den einen oder anderen zukunftsorientierten Tesla. Konsequenterweise schwärmt er in Form einer Quasireligion von Steven Jobs und Elon Musk, wobei mir letzterer schon menschlich total unsympathisch ist. Trump ist ihm wohl anders als Bezos von Amazon nicht spinnefeind, obwohl sich alle drei in ihrer Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit scheinbar so ähnlich sind. Dem entspricht die Theorie des Psychologen Alfred Adler, dass wir Menschen dazu neigen, das am allermeisten zu lieben und eben genau so auch zu hassen, was uns so ähnlich ist; also das, was wir in Wirklichkeit am meisten bewundern. Musk und Bezos sind nun die Erfolgreichen und Trump der Loser, und dabei geht verloren, dass ein Tesla oder ein Unternehmen wie Amazon in Wirklicheit nicht individuelle sondern gesellschaftliche Produkte sind, und auch gesellschaftlich kontrolliert und gesteuert gehören.

Dem klaren "Ja" für den Start der E-Mobilität, selbst wenn der Tesla ein Auto vor allem für die Begüterten, Überheblichen und Oligarchen ist, setze ich stattdessen oder in diesem Fall besser ergänzend ein "Ja, aber" mit einem "E-Volkswagen für alle" entgegen. "Aber" würde es diesen "E-Volkswagen" in dieser Welt ohne einen Tesla tatsächlich geben, wo sich zumindest schon unsere deutsche Automobilindustrie in international vorderster Stellung der nachhaltigeren Zukunft durch Betrug gezielt verweigert hat, und dazu auch noch notwendige Investitionen für einen sich ändernden Weltmarkt eher verschlafen hat? Wahrscheinlich nicht, und das bleibt nach wie vor das Hauptproblem unser kapitalistischen Warenwelt. Der Staat und damit die Demokratie verzichteten bisher immer mehr auf die notwendigen aktiven, aber eben auch kreativen Eingriffe in einer nach wie vor von der Austeritätspolitik bestimmten Wirtschaftswelt. Amüsanterweise hat Corona vielleicht jetzt doch auch die Einsicht gefördert, dass wir durchaus auch mit einem starken aber umso mehr demokratisch kontrollierten Staat für die Zukunft rechnen sollten.

Inzwischen möchten viele junge Leute, wenn auch eine eher kleinere Minderheit, möglichst schnell entweder ein erfolgreicher Start-Up-Unternehmer sein, oder zumindest Influencer und "Jasager" zu allem, was sich schnell genug umwerben und verkaufen lässt. Dazu gehört, dass man ein kräftiges und deutliches "Ja" sagt, möglichst zu allem und jedem, was wirtschaftlichen Erfolg verspricht, aber möglichst kein weiteres "aber" dazu ausspricht, um die Investoren und Auftraggeber nicht zu verschrecken. Selbst zu den "aberwitzigen" Weltraumträumen der Superreichen und Supererfolgreichen sollen wir möglichst nur noch ein "ja" ohne "aber" sagen, weil sich die Reichen durch den Raubbau an der Erde ideologisch schon längst von "unserer" Welt verabschiedet haben. Wer hier noch ein "ja, aber" einwendet, ob das viele Geld, das für die Menschen zur Umsiedlung in das Weltall verwendet wird, nicht vielleicht doch besser, zumindest zum Teil, in die Vermeidung von Armut, Hunger, Kriegen und Krankheiten in der Dritten Welt - und somit statt "im Himmel" "auf Erden" - investiert werden soll, der gilt nur noch als ein ewig miesepetriger "Ja, aber"-Nörgler. Politiker in Brandenburg machen sich zu unkritischen Handlangern der Entwicklung, indem sie für die gravierenden Eingriffe in Ökologie und Natur durch den psychologisch von sich besessenen Musk neben einem wahrscheinlich prinzipiell berechtigten "Ja" kein "aber" mehr finden wollen, um die Entwicklung dort ökologisch und sozialverträglicher zu gestalten. Und selbst die Grünen lassen sich mit ihrer einseitigen Festlegung für die Zukunft auf erheblich verteuerte "E-Mobilität" (nur noch für Privilegierte in den Innenstädten) durch die Förderung der völlig überdimensionierten "E-Panzer" von Elon Musk verführen, anstatt modernere eher kleine Autos und sonstige neue mobile Lösungen (nach menschlichem Maß, und für die Mehrheit von uns finanzierbar), zu fordern.

Aber zurück zur Welt der Computer. Iim Gegensatz zu den zitierten Apple-Liebhabern wollte und konnte ich mich (und viele andere Nerds neben mir) auch persönlich in der „billigeren“ IBM-Welt und dann auch in der nachfolgenden im Vergleich zum I-Phone offeneren und transparenteren Androidwelt viel "flexibler und anwendungsoffener" in die Systeme einarbeiten und zurecht finden, als mich auf die proprietären und geschlosseneren (closed shop) Welten von Apple zu verlassen. Die Hardware und Software waren dabei zumindest "unter Eingeweihten" deutlich einfacher auf die eigenen persönlichen Bedürfnisse einzustellen. "Aber" bis in die in dieser Hinsicht wohl noch überlegenere Linuxwelt bin ich dann auch nicht mehr vorgedrungen, obwohl dieses Betriebssystem aktuell nach wie vor bis heute noch die offenste und transparenteste "Königsklasse" unter Entwicklern zu sein scheint. Diese Öffnung durch IBM und Microsoft durch deren PC-Betriebssysteme mit vergleichsweise individuell gestaltbareren Möglichkeiten setzte aber - viel mehr als die "blackbox"-Apple-Welt - inzwischen oft unnötiges und detaillierteres Wissen über die sehr konkrete und spezifische Technik voraus, als dies einem normalen Konsumenten sinnvollerweise zumutbar ist. Mein Doktorvater sagte dann immer, dass, wenn die neuen Autos der Zukunft von Microsoft gebaut würden, dann vor dem Bremsen der Anwender zur "Sicherheit" immer auch noch einmal gefragt würde, ob er dies denn nun tatsächlich auch so wolle, bevor dann die Bremsen wahrscheinlich zu spät aktiviert worden wären. Microsoft wollte dem User damals immer noch viele Optionen offen halten, oft unnötig, während Apple dem User ein klares "Ja" mit zahlreichen sinnvollen Einschränkungen - ohne ein verwirrendes "aber" gegenübersetzte, und damit unter weniger PC-erfahrenen Menschen eine ungeahnte Erfolgswelle einleitete.

Aktuell habe ich mir ein faltbares E-bike fertig gekauft, und ein befreundeter Ingenieur hat sich stattdessen aus einem Fahrrad ein deutlich schnelleres und effektiveres elektronisches Fahrrad selbst gebaut. Er hat meiner Bejahung des fertigen Produktes ein „ja, aber“ mit einer von ihm darüber hinaus gewünschten „Verbesserung“ mit neuen "Features" gegenübergestellt. Und solch ein kreatives „ja, aber“ ist gegenüber dem im sozialen Verkehr oft nur blockierenden „ja, aber“ sicher wünschenswert und konstruktiv.

Auch das „ja, aber“ meines Freundes mit den Apple- und Tesla-Produkten gegenüber den meinen ist eigentlich ein solch sinnvolles „ja, aber“, denn während ich das ansonsten inzwischen völlig unnötige überkommene Wissen über die Techniken „in ihren Eingeweiden an sich“ in mein Gehirn auftankte, hat er sich selbst, oder besser die von ihm verwendeten Produkte mit dem Generationenwechsel ohne zusätzliche „Energie“aufnahme in dieser Richtung automatisch verbessern lassen, auch wenn seine technischen Möglichkeiten der Softwaregestaltung vielleicht für eine Übergangszeit eingeschränkt waren. So hatte er unter Umständen dann auch durch kluges Ja-Sagen zum richtigen Produkt zur richtigen Zeit viel mehr Zeit gewonnen, die Technik für sich so in seinen eigenen Alltag einzubauen, dass er sie am Ende auch deutlich bequemer als ich nutzen konnte. Ein Autofahrer, der mit dem Auto nur bequem fahren und nur von A nach B will, muss eben nicht unbedingt ein KfZ-Mechaniker oder ein -elektroniker sein. Zahlreiche unserer Waren und Konsumprodukte bringen ein "Aber" mit sich, das schon im nächsten Produktzyklus vielleicht schon kein "Aber" mehr ist. Ähnlich ist es auch um die Nachhaltigkeit von Produkten der Zukunft bestellt. Kreative Ingenieurskunst ist gerade dabei, die ökologischen "Aber" noch teilweise schädlicher Waren durch die Lösung in Form einer Bejahung von neu aufgeworfenen Nachhaltigkeitsfragen zu beantworten.

Die Bejahung der Wirklichkeit durch ein klares "Ja" oder "Nein" macht oftmals "freier" als deren Verneinung oder Relativierung durch ein "Ja, aber". Dies gilt für fast alle Lebensbereiche. Ein "Ja" zur Corona-Impfung scheint mir beispielsweise vernünftiger als ein "Ja, aber", das nur dann, wenn es die endgültige positive Entscheidung vermeidet ob der durchaus denkbaren aber eher unwahrscheinlichen Kollateralschäden, eher zu einem destruktiven Ergebnis führt. Unternehmerpersönlichkeiten - bei allen Fehlentscheidungen, die sie oft provozieren, haben sich einen gesunden Optimismus bewahrt, der vielen von uns in einer Menge unnötiger Zweifel verloren gegangen ist. Menschen mit einer klaren und ehrlichen "Haltung" überzeugen selbst dann, wenn sie deutlich zweifeln und diese Unsicherheit in Hinsicht auf eine Entscheidung dann aber auch ebenso klar kommunizieren. Viele Menschen haben stattdessen verlernt - leider auch durch die historisch eher autoritären Bildungssysteme bedingt - an der richtigen Stelle in der richtigen Situation ein vernünftiges "Ja!" oder "Nein!" - oder wenn sie noch zweifeln - ein ebenso klares "Ja, aber" zu formulieren. Dieses kann man ebenso lernen, wie die Fähigkeit, von einem unangemessenen "ja, aber" zurückzutreten und das Richtige dann doch durch ein beherzteres "Ja" oder "Nein" - trotz der eigenen "nur gewissen und letzlich für eine richtige Entscheidung irrelevanten" Bedenken auch tatsächlich zuzulassen. Dies ist besonders dann wichtig, wenn die Entscheidungen zur Vermeidung gravierender Nachteile zur Eile drängen, und die Folgen eines Verzichtes auf die notwendige Klarheit im Verhalten zu einer Alternative dramatisch negativ sein können.

Im Laufe meines Lebens war ich in unterschiedlichen Rollen, mal Arbeitgeber, mal Freiberufler und davor auch nur ein scheinbar - rechteloser - „Auszubildender“ oder heute ein ebenso fester - weisungsgebundener - Angestellter. In all diesen Rollen wurde ich neben bewundernswerten Managern und Unternehmerpersönlichkeiten immer auch wieder mit erheblicher Arroganz und Ignoranz bei den „Hauptentscheidern“ konfrontiert. Firmen, die von ihren Gründern oder Inhabern mit haltlosen Versprechen, oft sogar Lügen gegenüber ihren Anlegern, Investoren, Kreditgebern oder Auftraggebern unnötigerweise über einen wenig sinnvollen „Verlängerungszeitraum“ über Wasser gehalten wurden, waren am sensibelsten und dabei deutlich ablehnender für „ja, aber“-Argumentationen im Kreise von Mitarbeitern oder gegenüber dem eigenen nur nachvollziehenden Management. Dies sind die Schattenseiten, des mangelnden Ernstnehmens von "Ja, aber"-Positionen. Die kategorische Ablehnung eines frühzeitigen und klugen „ja, aber“ wird dann zu einer Immunisierungsstrategie, die nur noch „ein Ja zum Falschen“ zulassen soll, so wie die behauptete Falschaussage, dass es „keinerlei“ richtiges Leben im falschen Leben geben könne. Genau ein solches „Ja, aber“ ist dann der vernünftigere Umgang mit Widersprüchen, zur Vermeidung des drohenden Untergangs, wenn das „aber“ nach dem „ja“ nur endlich (statt des unangemessenen "nur Jas" durch die selbstgefälligen Fehlentscheider) die notwendige Berücksichtigung finden würde.

Seien Sie also gnädig zu mir, wenn Sie auf der Suche nach den "ja, aber"-Qualitäten des Autors dieses Blogs in seinem Lebenslauf die vielen „ja, aber“ und auch die durchaus vielen Fehler und Niederlagen, die es in seinem Leben gegeben hat, verheimlicht bekommen. Sie sind der Karriere von uns „Normalmenschen“ nicht förderlich, und noch möchte sich dieser Autor auch unter letzteren angemessen anerkannt und honoriert aufhalten dürfen, ohne nicht tagtäglich durch die „feindlichen Übernahmen“ der insoweit Mächtigeren existenziell aufgefressen zu werden. Nur eines hat er auch sicherlich gelernt: Ein kluges und diplomatisch vorausschauend eingesetztes „ja, aber“ kann manchmal sogar zum Einlenken, Umdenken und zur Änderung des Verhaltens von Menschen führen, die man anfänglich vielleicht nur zu Unrecht für ignorant und selbstgefällig gehalten hat. Gönnen Sie nicht nur dem Autor sondern auch sich selbst den notwendigen widersprüchlichen "Knacks" im Leben, der uns in Wirklichkeit als mal siegende und mal scheiternde "Menschen" ausmacht, so wie dies der viel zu früh verstorbene kluge und sprachgewaltige Roger Willemsen so treffend in seinem Buch "Der Knacks" formuliert hat (Ach so, schon wieder ein "ja aber"; denn man sollte ja eigentlich - schon aus urheberrechtlichen Gründen ;-)) - keine eigene Rede mit einem fremden Zitat nur noch schmücken und somit enden lassen.)

"Alle wurzeln im Märchen: Ich war einmal. Eine Reihe von Wegmarken später, und alles steht fest und muss nicht mehr erzählt werden: »und wenn sie nicht gestorben sind … « Wie jemand wurde, das erklärt er anhand von Ernstfällen – als sei ein Individuum erklärbar aus der Summe seiner Narben. Doch dann ist da noch eine andere Biographie: »Irgendetwas« hat sich gewandelt, sagt man, »irgendwann« war es da, »irgendwie« von innen heraus, gelöst vom isolierten Anlass, nicht logisch und auch nicht im Gegenteil psychologisch. Man blickt zurück und weiß nicht recht, was es war und wann es geschah und woraus genau es bestand und wohin es führte, aber man sagt: Nie mehr fühlte ich wie damals … , es sollte nicht mehr sein wie früher … , ich war nicht mehr derselbe … Ja, der Mann erkennt sich im Jungen kaum, die Frau nicht mehr im Mädchen, und bei genauerer Betrachtung lösen sich selbst die festen Daten eines Lebens in lauter stille Übergänge und sich langsam anbahnende Prozesse auf: die Scheidung, die Arbeitslosigkeit, die Krankheit, die Pflegebedürftigkeit der Eltern. Gelebt wird nicht im Ereignis, sondern im Prozess. Wenn aber die Ernstfälle Narben sind, so sind die Veränderungen von innen der Falte vergleichbar. Alles dunkelt nach oder bleicht aus, alles bricht und vergeht, alles ändert Farbe und Aroma, und nur im Spott nennt man die Welt eine »heile Welt«, wohl wissend: Auch sie hat ihren Knacks. Der Knacks: Im Sog der Verluste ist er der Sog." (Roger Willemsen, Der Knacks, Fischer Verlag GmbH, 2009)






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