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Der lange Arm der "Naturmenschlichkeit"
oder
Warum ich Soldaten gegenüber so skeptisch bin
und die Krieger von Gottes Gnaden so gar nicht verstehe;
denn "ich bin ein ‚Leibhaftiger'!"

Deserteurdenkmal
(Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki /
File:Bernau_bei_Berlin_Deserteurdenkmal.JPG)


"Soldat.Herkunft: Von dem italienischen 'soldato', Partizip des Verbs soldare (deutsch: jemanden als Angestellten haben), abgeleitet von 'soldo', einer alten Währung. Dies geht letzlich zurück auf das spätlateinische solidus. Dieses Wort drang zunächst über das Italienische und später auch über das Französische in nahezu alle europäischen Sprachen ein." (https://de.wiktionary.org/wiki/soldat)
"Das Wort ‚Soldat' kam zum ersten Mal im 16. Jahrhundert in Gebrauch, entlehnt aus italienisch ‚soldato' mit der Bedeutung ‚Krieger, Gefolgsmann', wiederum aus Mittellatein soldarius mit der gleichen Bedeutung. Ursprung der Wörter ‚Soldat' und ‚Sold' ist der Name der römischen Goldmünze Solidus - eine Substantivierung des lateinischen Adjektivs ‚solidus' mit der Bedeutung ‚fest, massiv, solide'" (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Soldat)

Ich gebe mich lieber, anders als befohlene und bezahlte Soldaten und verwahrloste Krieger, mit Nichts zufrieden statt mit den Idealen eines streitbaren Gottes, einer mir nichts sagenden "heiligen" Nation, einer kapitalistischen Wertegemeinschaft oder einer ebenso wenig wünschenswerten kommunistischen Gattungsgesellschaft zu leben - jeweils ohne die Freiheit eines menschlichen Eigensinns. Im Auge des Beobachters habe ich, außer vielleicht Liebe, Gnade sinnvollen Verzicht und angemessene Vergebung, wenig an ewigen Werten zu bieten. Da ich keine dauerhaften konkreten Ideale für mich benennen kann, habe ich mein Dasein als ein Sosein folglich scheinbar auf "Nichts" gebaut, und damit bin ich für Soldaten, die "bezahlt" und besoldet für den Krieg vorbereitet werden, und die Krieger, die ihn im "geordneten" Chaos des Gefechtsfeldes führen (und folglich alle für ein "Etwas" zu kämpfen scheinen) ein Nichtsnutz.

Schon jetzt fordere ich deshalb, sollte Deutschland wieder aggressiv mit seinen Soldaten in ein anderes Land einfallen oder auch nur unangemessen und politisch "ungerecht" militärisch agieren, zur "Flucht vor der Fahne" auf, die mir als solche eh' nichts bedeutet, und mache mich insofern in einem solchen Falle auch sofort strafbar.

"Fahnenflucht ist in Deutschland nach § 16 Wehrstrafgesetz (WStG) strafbar. Schutzgut des Straftatbestandes ist die Schlagkraft der Truppe. Danach wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft, wer eigenmächtig seine Truppe oder Dienststelle verlässt oder ihr fernbleibt, um sich der Verpflichtung zum Wehrdienst dauernd oder für die Zeit eines bewaffneten Einsatzes zu entziehen, oder die Beendigung des Wehrdienstverhältnisses zu erreichen. Bereits der Versuch der Fahnenflucht ist strafbar. Übt der fahnenflüchtige Soldat tätige Reue, indem er sich binnen eines Monats stellt, und ist er bereit, Wehrdienst zu leisten, so wird die Höchststrafe auf drei Jahre Freiheitsentzug herabgesetzt. 'Die Fahnenflucht ist ein Sonderdelikt; sie kann nur von Soldaten begangen werden. Für die Beteiligungsformen der Anstiftung und Beihilfe muss das strafbegründende Merkmal, Soldat zu sein, aber nicht vorliegen. Stiftet eine Zivilperson eine Militärperson zu einer Fahnenflucht an oder leistet sie ihr Beihilfe, ist die Strafe, die für die Anstiftung auferlegt wird, gemäß § 28 Abs. 1 StGB obligatorisch nach § 49 Abs. 1 StGB zu mildern." (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/ Fahnenflucht#Bundesrepublik_Deutschland)

Für alle Kriege und seine Verbrechen bedarf es jedoch nicht nur der Soldaten und Krieger, sondern vor allem braucht man für einen Krieg die Kriegsschaffenden in Form von "Herrschern", Feldherren und ihren Generälen, die letztlich ja doch die Hauptschuld an Kriegen haben, und dennoch nicht nach Kriegsende die Verantwortung für Verlust und Niederlage tragen wollen. Der "Sieg" im Krieg war historisch immer nur zeitweilig von Erfolg gekrönt, auch wenn sich die Verantwortlichen in solchen Fällen erst einmal kurzfristig in ihren selbstgefälligen Emotionen badeten. Die Schmach einer Niederlage indes, die wütet bei den Besiegten weiter im Untergrund und nährt den Boden für neue Konflikte. Für mich gibt es im Krieg nur allzu selten Gewinner. Der Krieg ist selbst die beste Bestätigung für eine Niederlage des gemeinsamen friedvollen Gespräches, das ihm eigentlich hätte voraus gegangen sein sollen. Der Krieg ist eben nicht nur ein Verbrechen, er ist vor allem sozial schädlich für alle Beteiligten, ob Sieger oder Verlierer. Die Opfer und die Zerstörungen sind zumeist auf beiden Seiten nur schwer wieder gut zu machen. Auch wenn ein Wiederaufbau oft neuen Wohlstand mit sich bringt, so ist das Leid der Kriege doch für alle verzichtbar. Hier aber soll vor allem nicht auf die Kriegsfolgen sondern auf die Schädlichkeit von Ideen und Idealen verwiesen werden, die den Zerstörungen durch die Kriege meist voraus gehen.

Kriege werden natürlich primär zur Sicherung oder machtvollen imperialen Erweiterung von ökonomischen und politischen Sphären geführt; die hier einmal unberücksichtigt bleiben sollen, obwohl sie für die Entstehung von Kriegen vieles erklären; aber erschreckend ist es dann doch, wie es den Herrschenden in den jeweiligen Ländern, die Kriege führen, immer wieder gelingt die meist später am Krieg leidende Bevölkerung vor ihren ideologischen und religiösen Karren zu spannen, vor allem dann, wenn solche Länder auch noch besonders undemokratisch regiert werden. Warum geben sich Menschen dazu her, die meist "fremden" Interessen einiger weniger mit solcher Vehemenz als Kriegsbeteiligte und sehr oft als deren Opfer mit in den Krieg zu nehmen, so dass sie manchmal sogar mit lautem Hurrah-Geschrei auf ihre Feinde zuwüten, und dabei oft den eigenen Anstand und die eigene Würde selbst - vielfach gezwungen aber oft eben auch freiwillig - ohne Widerstand preisgeben?

"Was, bin Ich dazu in der Welt, um Ideen zu realisieren? Um etwa zur Verwirklichung der Idee 'Staat' durch mein Bürgertum das Meinige zu tun, oder durch die Ehe, als Ehegatte und Vater, die Idee der Familie zu einem Dasein zu bringen? Was ficht Mich ein solcher Beruf an! Ich lebe so wenig nach einem Berufe, als die Blume nach einem Berufen wächst und duftet. Das Ideal 'der Mensch' ist realisiert, wenn die christliche Anschauung umschlägt in den Satz: 'Ich, dieser Einzige, bin der Mensch'. Die Begriffsfrage: 'was ist der Mensch?' - hat sich dann in die persönliche umgesetzt: 'wer ist der Mensch?' Bei 'was' suchte man den Begriff, um ihn zu realisieren; bei 'wer' ist's überhaupt keine Frage mehr, sondern die Antwort im Fragenden gleich persönlich vorhanden: die Frage beantwortet sich von selbst. Man sagt von Gott: 'Namen nennen Dich nicht'. Das gilt von Mir: kein Begriff drückt Mich aus, nichts, was man als mein Wesen angibt, erschöpft Mich; es sind nur Namen. Gleichfalls sagt man von Gott, er sei vollkommen und habe keinen Beruf, nach Vollkommenheit zu streben. Auch das gilt allein von Mir. Eigner bin Ich meiner Gewalt, und Ich bin es dann, wenn Ich Mich als Einzigen weiß. Im Einzigen kehrt selbst der Eigner in sein schöpferisches Nichts zurück, aus welchem er geboren wird. Jedes höhere Wesen über Mir, sei es Gott, sei es der Mensch, schwächt das Gefühl meiner Einzigkeit und erbleicht erst vor der Sonne dieses Bewußtseins. Stell' Ich auf Mich, den Einzigen, meine Sache, dann steht sie auf dem Vergänglichen, dem sterblichen Schöpfer seiner, der sich selbst verzehrt, und Ich darf sagen: Ich hab' mein' Sach' auf Nichts gestellt." (Max Stirner, Der Einzige und sein Eigentum, 1. Digitalauflage Berlin 2002, Dreigliederungsverlag, S.197)

Menschen, die für ihre Ideale auf Waffen verzichten können, sind mir aktuell - aber eigentlich auch schon immer - besonders sympathisch. Noch interessanter sind allerdings Menschen für mich, die an ihren eigenen Idealen zu zweifeln vermögen, offen für den Wandel von Idealen eintreten bzw. danach handeln, und sich von daher eher als im "Jenseits" im "Diesseits" aufhalten, ihr Leben also durchaus wandelbar mit Phantasie und Eigensinn auch eben ohne einen diffusen Waffengang zu gestalten vermögen. Die Voraussetzung für den Aufbau gefährlicher kriegerischer Feindbilder sind zweifelhafte oder rigide Ideale, die der "Realität" gegenübergestellt werden, mit dem Ergebnis die "Realität" und ihr eigenes Dasein durch diese Ideale zu entwerten.

"Der Gegensatz des Realen und Idealen ist ein unversöhnlicher, und es kann das eine niemals das andere werden: würde das Ideale zum Realen, so wäre es eben nicht mehr das Ideale, und würde das Reale zum Idealen, so wäre allein das Ideale, das Reale aber gar nicht. Der Gegensatz beider ist nicht anders zu überwinden, als wenn man beide vernichtet. Nur in diesem 'man', dem Dritten, findet der Gegensatz sein Ende; sonst aber decken Idee und Realität sich nimmermehr. Die Idee kann nicht so realisiert werden, daß sie Idee bliebe, sondern nur, wenn sie als Idee stirbt, und ebenso verhält es sich mit
dem Realen." (Max Stirner, Der Einzige und sein Eigentum, 1. Digitalauflage Berlin 2002, Dreigliederungsverlag)


Wandmalerei in Tel Aviv


Ich bin der Leibhaftige! Ich habe einen Leib, und mit diesem lebe ich meine Träume, meine Besonderheiten, meine Bedürfnisse und meine Interessen aus. Zudem habe ich diesen Leib in gewisser Weise nicht frei gewählt, sondern bin mit ihm verhaftet, und eine Haft ist ja bekannterweise nicht immer wünschenswert und schon gar nicht frei. Ich habe aber über die Jahre gelernt mich in dieser Haft akzeptabel einzufinden, zumal die Haft der Leiblichkeit, durch den Vogel, den ich in meinem Kopf in mir herumtrage, ja gemindert wird; denn dieser vermag dorthin zu fliegen, wohin ich ihn mit meinem Eigensinn fliegen lasse, was man ja gemeinhin auch Schaffenskraft und Phantasie zu nennen gelernt hat.

Dieser Leib ist mir also inklusive des Vogels, der in ihm lebt, schützenswert, und schon deshalb halte ich jeden Menschen für "entartet", der fremde Leiber physisch attackiert, um den eigenen Leib gegen fremdes Leben mit kriegerisch chaotischen Methoden zu favorisieren. Im Krieg stirbt oft der eigene Leib des Angreifers und dessen Vogel im Kopf zuerst.

 

Wandmalerei in Tel Aviv

 

In der christlichen Welt wäre der Satz, "Ich bin der Leibhaftige", mehr als vermessen. Wenn ich damit sagen wollte, dass ich der leibhaftige Gott wäre, so wäre dieser Satz wohl die größte begehbare Sünde, Blasphemie, also die höchste Form der Gotteslästerung, durch die eigene Selbstüberhöhung, ein Vergehen auch gegen die "Menschlichkeit", indem ich mich scheinbar auf eine unglaublich selbstgefällige Weise über das Existenzrecht der jeweils "Anderen" stelle. Ist also dieser Gedanke mit der von mir so favorisierten Lebensphilosphie des Martin Buber, in der der Andere für mich nicht Bedrohung sondern Chance ist, überhaupt vereinbar? Ich glaube, Ja!

Der Leibhaftige, das ist für den Christen der Teufel, der, der sich keines Ideals besinnt, der nur für sich, also die Lust und die Befriedigung seiner "niederen" körperlichen Bedürfnisse da ist.

Der platonisch denkende, empfindende und nach seinen "Idealen" strebende Mensch lebt in der Realität nur um seine Ideale und damit sich selbst über sein Dasein und sein Sosein zu einem Für-immer-sein zu verwirklichen. So glaubt er der Sterblichkeit entgehen zu können und in seinem jeweiligen Paradies auf "immer und glücklich" weiter leben zu können. Dies ist die Maxime seines Lebens. Dieses Streben nach "Unendlichkeit" ist allen Religionen gemein.

Für den Religiösen ist der Körper insofern eher eine Last, eine Durchgangsstation zu den schier unerreichbaren "höheren Sphären", zu denen der Religiöse aber doch einen Weg gefunden zu haben scheint.

Wenn Religiösität bedeutet, nur eine Hoffnung zu haben, die von einem Glauben statt von einem Wissen getragen wird, dann bin auch ich religiös.

Ich glaube an die aktuelle Nichtigkeit der tradierten Religionen, und nehme mir dabei das Recht heraus, diese nach ihrem nur "vorläufigen" und historisch durchaus notwendigen Gehalt zu befragen, auf dem sich eine neue, nämlich meine eigene Glaubenswelt aufbauen lässt.

Jede Religion erfindet zur Mitteilung ihrer Ideale eigene Erzählungen, jeweils dadurch scheinbar vollendbare und somit vollendete Geschichten, die sie in ihren jeweiligen "Bibeln" als absolut göttlichen Ratschlag begreift, der ihr natürlich auch nur auf einem nicht leibhaftigen sondern durch Wunder vermittelten Weg als "Offenbarung" der einzigen ewigen Wahrheit in Form der Auszeichnung durch den eigenen Glauben "verliehen" worden sein kann. Die Wirklichkeit wird durch diese "Bibeln" zu einer Nicht-Wirklichkeit, oder besser zu einer "Noch-Nicht-Wirklichkeit" für die der "Gläubige" seinen Leib so lange zu kasteien hat, bis er im Nirwana der Unendlichkeit, seinem jeweiligen Paradies, landet. Diese Paradiese sind nicht das Nichts, sondern das Alles, also ewig, nicht mehr teilbar und allumfassend, und erst dadurch wird der durch die Ideen, die er "noch nicht" erfüllt hat, quasi amputierte Mensch merkwürdigerweise oft erst nach seinem Tod wieder zu einem vollständigen Wesen im Zustand höchster Wahrheit und Glückseligkeit. Ich persönlich habe es da ein wenig eiliger und möchte mir schon ein wenig der paradiesischen "Ewigkeit" im Dasein gönnen.

Gotteskrieger, als edelste unter den von der Unendlichkeit noch Deprivierten, sind auf dem Weg in ihre jeweiligen Paradiese die radikalsten. Nur die von den aggressiven Kriegern bedrohten "Verteidiger", die im Gegensatz zu den "Idealkämpfern" "nur" Wert auf die Unversehrtheit ihres eigenen Leibes legen, scheinen vor diesem Hintergrund ein umso "höheres" Recht auf den "nur antwortenden" Waffengang zu haben, um sich den Anmutungen oder besser Zumutungen der Gotteskrieger zu erwehren. Aber ist der Verteidiger im Gegensatz zu seinem Angreifer tatsächlich ein "besserer" Mensch?

Ich beantworte dies auf meine Weise, indem ich davon ausgehe, dass es weder genuin "gute" noch "schlechte" Menschen gibt, auch wenn aktuell Putin als scheinbares Gegenbeispiel wie früher Hitler das absolut Böse zu verkörpern scheint. Für viele ist Putin und somit nicht ich, wie eingangs erwähnt, zum "Leibhaftigen" geworden. Aber ist Putin nicht geradezu die ideale Verkörperung des Religiösen? Putins Welt, so er seine "Ideale" nicht nur vorgibt, um stattdessen ganz plump seinen eigenen Egoismen freien Lauf zu lassen, vergöttert doch seine Nation, sein "ewiges" Russland in den Grenzen von ..., wie immer er dies auch definieren mag.

Wer wie ich zudem davon ausgeht, dass "alle" Menschen mal gute und mal weniger "gute" Lebensphasen haben, und in ihnen nach jeweiliger Selbstbegründung mal böse und mal weniger "böse" handeln, der kann und wird das jeweilig Böse dadurch zwar nicht entschuldigen können und wollen, aber er wird versuchen dem Guten im Schlechten doch immer wieder eine Chance zu geben; denn, so mein eigener Glaube, in der Fehlerhaftigkeit und Fehlbarkeit menschlicher Handlungen liegt unser innerstes Wesen und die Tatsache der historisch so erfolgreichen evolutionären Vermenschlichung der Natur im Anthropozän, unter deren Folgen (in Form des drohenden Untergangs durch die Rückantwort der Natur) wir auf die eine oder andere Weise aktuell doch so leiden.

Wie aber unterscheidet man denn dann die Legitimation des Angriffs von der der Verteidigung? Für die Gotteskrieger ist diese Unterscheidung einfach; denn der Angriff besteht ja vor allem in der Abweichung der potentiellen Opfer von ihren jeweiligen kriegsvorbereitenden Idealen, rein faktisch vor allem in der Abweichung von ihren "heiligen" Schriften und Erzählungen. Oftmals aber sind diese Abweichungen nicht explizit niedergelegt. Dann treten die "Priester" auf den Plan um diese Schriften im Sinne der Rechtfertigung der Kämpfe der Gotteskrieger zu interpretieren.

Putin ist so ein Priester, der sich durch die Schriften und Erzählungen des alten Russlands und der Sowjetunion zu seinen kriegerischen Handlungen ermuntert fühlt. Ich gehe zwar noch eher davon aus, dass Putin kein mutiger Kämpfer für ein höheres Ziel ist, sondern vielmehr ein vollständig verlogener überängstlicher und schleimiger Nutznießer der Macht, die er sich in diesem Prozess durch bauernschlaue Selbstliebe und Vorteilnahme und die politische Naivität und Dummheit seiner Wähler selbst verliehen hat. Aber doch umgibt ihn für viele Russlandgläubige so überzeugend genau diese Aura der höheren Wahrheit, die auch andere Diktatoren in der Geschichte für sich zeitweilig zu nutzen wussten.

Merkwürdigerweise spricht man übrigens bei brutalen "religiösen" Dogmatikern, im Gegensatz zu den politischen, selbst dann wenn sie durch inquisitionelle Maßnahmen ihre jeweiligen "Gläubigen" terrorisieren, nicht von einer Diktatur. Dies liegt wohl daran, dass wir fälschlicherweise die Doktrinen der Religionen und des Politischen immer noch viel zu stark trennen; obwohl die Politik immer schon von den Religionen durchseucht gewesen ist.

Gotteskrieger negieren sich selbst und ihren Leib für ein höheres Ziel. Dabei sind die Gotteskrieger die wirklich "Leibhaftigen" also Teufel im Sinne der Religionen. Sie verkörpern den inneren Widerspruch der Religionen. Sie setzen ihre "Moralen" zeitweise außer Kraft: z.B. den Grundsatz "Du sollst nicht töten", um dem "höheren" Leben ihrer Ideale das "Über"leben möglich zu machen.

Wie aber sieht es nun mit "unseren" Moralen der verteidigenden "Anti-Bösen" aus? Erstens begehen wir den kardinalen Grundfehler, uns selbst für absolut "gut" und andere für absolut "schlecht" zu halten. Gerade daraus erwachsen ja die religiösen Rechtfertigungs-Ideologien des "Guten". Und zweitens trauen wir uns selbst nicht wirklich, indem wir das Gute, das wir zu vertreten meinen, für zu schwach halten, um dem Bösen zu widerstehen. Letztendlich liegen die Ursachen für die Chancen des zeitweiligen Sieges des Bösen genau in diesem mangelnden Urvertrauen zu uns selbst; deshalb lohnt ein Exkurs in die Philosophie des Ich als Eigensinn.

"Der Mensch ist das Ich der Geschichte, der Weltgeschichte; er, dieser Ideale, ist es, der sich wirklich entwickelt, d. h. realisiert. Er ist der wirklich Reale, Leibhaftige, denn die Geschichte ist sein Leib, woran die Einzelnen nur die Glieder sind. Christus ist das Ich der Weltgeschichte, sogar das der vorchristlichen; in der modernen Anschauung ist es der Mensch, das Christusbild hat sich zum Menschenbilde entwickelt: es ist der Mensch als solcher, der Mensch schlechthin der 'Mittelpunkt' der Geschichte. In 'dem Menschen' kehrt der imaginäre Anfang wieder; denn 'der Mensch' ist so imaginär als Christus es ist.
'Der Mensch' als Ich der Weltgeschichte schließt den Zyklus christlicher Anschauungen."
(Max Stirner, Der Einzige und sein Eigentum, 1. Digitalauflage Berlin 2002, Dreigliederungsverlag)

Die Idee des Menschen als Verkörperung der liebenden Menschlichkeit stammt aus dem Urchristentum. Längst aber hat der Humanismus der Renaissance diese Sehnsucht der Religion in ein "faktisches" Unternehmen einer interessengeleiteten humanegoistischen Neuzeit transformiert.

Der Anthropozentrismus im Angesicht einer "zivilisierten" und damit vollständig versklavten Natur aber ist und bleibt ein unvollendeter und unverständiger Egoismus, der die Verwurzelung des Einzelnen im Anderen negiert, und sich damit nur selbst und somit alleine vergöttlicht, anstatt sich vermenschlicht in das Gefüge des werdenden Alls "leibhaftig" hinein zu wirken. Nicht verwechselt werden darf deshalb der "Egoismus" der Gattung Mensch als solcher mit den individuellen Egoismen der aktuellen Welt, in der sich ein jeweiliges Individuum meint - ohne Bezug zum Überleben der Menschheit an sich - ein eigenes Recht auf der Basis der eigenen Begierden zu konstruieren und somit gegen die in die Natur integrierte Gesellschaft herausnehmen zu dürfen.

"Daß der Einzelne für sich eine Weltgeschichte ist und an der übrigen Weltgeschichte sein Eigentum besitzt, das geht übers Christliche hinaus. Dem Christen ist die Weltgeschichte das Höhere, weil sie die Geschichte Christi oder 'des Menschen' ist; dem Egoisten hat nur seine Geschichte Wert, weil er nur sich entwickeln will, nicht die Menschheits-Idee, nicht
den Plan Gottes, nicht die Absichten der Vorsehung, nicht die Freiheit u. dgl. Er sieht sich nicht für ein Werkzeug der Idee oder ein Gefäß Gottes an, er erkennt keinen Beruf an, er wähnt nicht, zur Fortentwicklung der Menschheit dazusein und sein Scherflein dazu beitragen zu müssen, sondern er lebt sich aus, unbesorgt darum, wie gut oder schlecht die Menschheit dabei fahre." (Max Stirner, Der Einzige und sein Eigentum,1. Digitalauflage Berlin 2002, Dreigliederungsverlag, S.196/197)


Die asketische Seite mancher Religionen als menschliche Zurücknahme der versklavenden Naturbeherrschung ist die Vorstufe für den Verzicht auf die Idealisierung der ohne Natur nur pseudo-menschlichen Ziele, und der Beginn einer Synthese der Naturmenschlichkeit zur Sicherung unseres Überlebens und zur kreativen Öffnung auf eine ergebnisoffene Entwicklung unseres Universums, in der nicht absolut gesetzte menschliche Ideale sondern stets offene Formen der Kooperation mit dem Sein vorherrschen.

Voraussetzung dafür ist die stete Entwicklung der Konsense und von Gesprächen im Rahmen des kommunikativen Handelns, wie dies Habermas, Jaspers oder Hannah Arendt den Apologeten des nur diktierenden und befehlenden Gotteskriegertums gegenübergesetzt haben.

 

Wandmalerei in Tel Aviv



Siege durch oder mit Waffen simulieren "nur" das Ergebnis von Konsensen, weil sie tatsächlich neue Fakten schaffen, mit denen wir Menschen dann dennoch umzugehen haben; aber sie tragen bereits das Gift des steten Zweifels der Unterlegenen in sich, das immer wieder zu neuen Tragiken des Seins führen kann. Es gibt zudem eben leider keine Vorschrift dafür, wieviel Tragik die Menschheit langfristig und an sich auf sich nehmen will und wird, so bleibt nur der launische und lakonische Satz, der dem Shakespeare, so es ihn gab, zugschrieben wird, dass das Gute niemals ohne das Böse denkbar wäre. Auch Stirner polemisiert in diese Richtung.

"Geh' Mir vom Leibe mit Deiner 'Menschenliebe'! Schleiche Dich hinein, Du Menschenfreund, in die 'Höhlen des Lasters', verweile einmal in dem Gewühl der großen Stadt: wirst Du nicht überall Sünde und Sünde und wieder Sünde finden? Wirst Du nicht jammern über die verderbte Menschheit, nicht klagen über den ungeheuern Egoismus? Wirst Du einen Reichen sehen, ohne ihn unbarmherzig und 'egoistisch' zu finden? Du nennst Dich vielleicht schon Atheist, aber dem christlichen Gefühle bleibst Du treu, daß ein Kamel eher durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher kein 'Unmensch' sei. Wie viele siehst Du überhaupt, die Du nicht unter die 'egoistische Masse' würfest? Was hat also deine Menschenliebe gefunden? Lauter unliebenswürdige Menschen! Und woher stammen sie alle? Aus Dir, aus deiner Menschenliebe! Du hast den Sünder im Kopfe mitgebracht, darum fandest Du ihn, darum schobst Du ihn überall unter. Nenne die Menschen nicht Sünder, so sind sie's nicht: Du allein bist der Schöpfer der Sünder: Du, der Du die Menschen zu lieben wähnst, Du gerade wirfst sie in den Kot der Sünde, Du gerade scheidest sie in Lasterhafte und Tugendhafte, in Menschen und Unmenschen, Du gerade besudelst sie mit dem Geifer deiner Besessenheit; denn Du liebst nicht die Menschen, sondern den Menschen. Ich aber sage Dir, Du hast niemals einen Sünder gesehen, Du hast ihn nur - geträumt." (Max Stirner, Der Einzige und sein Eigentum, 1. Digitalauflage Berlin 2002, Dreigliederungsverlag, S.194)

Max Stirner hat mit der Einzige und sein Eigentum im 19. Jahrhundert als Antithese zu Karl Marx dennoch ein revolutionäres Werk produziert. Ja, man mag ihm zu Recht vorwerfen, dass er die reichen Besitzenden dabei zu gut wegkommen lässt, und quasi "alle" menschlichen Ideale, vor allem die auf soziale "Gerechtigkeit" drängenden, als nichtig verwirft, aber er fordert hingegen radikal dazu auf, sich nicht hinter berechtigte Anschuldigungen des historischen Diebstahls durch den Adel und das gierige Bürgertum zurückzuziehen und quasi dort zu verstecken, sondern der Mensch möge doch besser begreifen, dass das "Opfer" auch die Aufgabe und Herausforderung hat, sich nicht zum Opfer machen zu lassen und sich stattdessen als handelndes Individuum in all seinen Lebenslagen mit allen Chancen dennoch ernst zu nehmen habe.

Erst wer sich selbst als ein solches Dasein im Sosein zu hinterfragen vermag, ist letztlich reif für den steten Kampf um eine friedlichere Welt, in der der "Leibhaftige" dem "Leibhaftigen" gegenüberzutreten vermag. Gerechtigkeit ist wie der Frieden insofern immer nur ein Durchgangsstadium zum jeweiligen Sterben, in der die Idee der Liebe stets neu geboren wird und durch die Nachgeborenen eine zwangsläufige Fortsetzung erfahren wird. Liebe Deinen Nächsten, doch bekämpfe ihn denn auch, wenn er Dir und Deiner Würde ungerechtfertigt allzu nahe kommt, aber bewahre dabei dennoch immer die Rücksicht und Einsicht, dass jeder der Dir als Dein Feind gegenübertritt, aus dem gleichen menschlichen Mustopf stammt, und der Schoß, aus dem das kroch, nicht nur nach Brecht stets weiterhin fruchtbar bleibt, als stete Mahnung an das Dasein und Sosein sich nicht zu weit von der eigenen "Leibhaftigkeit" zu entfernen.

Gebt den Kriegern also ihren Leib zurück! Dies ist nach meiner persönlichen Überzeugung die schärfste Waffe, indem sie dann selbst das Gewehr, das erst auf die Opfer gerichtet war, schon wenig später vielleicht selbstkritisch im Umkehrschluss auf ihre eigene falsche Einstellung zum Krieg und auf ihr Tätertum richten. Statt also den "Feind" in der fremden Leiblichkeit zu sehen, muss der Krieger in Demut vor dem eigenen Leiden bis hin zu den oft zwangsläufigen physischen und seelischen Verletzungen durch den Krieg lernen, auf die innere Stimme des "Rette Dich selbst, damit Du andere retten kannst!" zu hören. Erst deutlich später wird er dann wohl auch mit den Kugeln des reflektierenden Gespräches mit anderen sein kriegerisches Ego zu zerstören vermögen. Meist aber zieht sich der verlorene wie auch der schuldig gewordene Krieger in seine Einsamkeit zurück. Die Scham, andere aus niederen Überlebensinstinkten heraus verletzt oder gar getötet zu haben, wandelt sich von der Fremdscham über die niederen Instikte, die den Angreifern unterstellt werden, zur Selbstscham über die eigenen Taten. So wird dies immer wieder von den überlebenden Soldaten öffentlich beschrieben, so sie tatsächlich dazu fähig sind.

Über den Krieg und den eigenen Beitrag hierzu wird angesichts des Schauders, der einen dabei überkommt, nur wenig geredet. Der Krieger bleibt mit sich, ob mit oder ohne eigene Kriegsverbrechen oder einer auch nur indirekten Beteiligung daran, meist allein. Im schlimmsten Fall ekelt er sich dann sogar auch noch vor sich selbst, vor der eigenen Leiblichkeit, die ihn im Krieg zum Selbstschutz oft wenig heroisch befallen hat, und dem daran geknüpften allzu simplen Wunsch im Krieg nur einfach auch ohne die ehemaligen Ideale "überleben" zu wollen. Der Mutigste auf diesem Weg ist der auf den Selbstbetrug Verzichtende. Menschlichkeit überhaupt ist der stete Versuch bei aller Zielgerichtetheit auch konstruktiv und in Liebe vor allem auch zu sich selbst einen gewissen Verzicht zu leisten, um das Recht des Daseins eigener wie fremder Leiblichkeit als ein Sosein vor dem Chaos der Umwertung aller Werte zu schützen.

Der Krieg ist ein Ereignis, in dem die Umwertung aller Werte nur deshalb behauptet und scheinbar durchgehalten wird, weil der Feige als Krieger nicht mehr in der Lage ist, oder besser sein will, die Leibhaftigkeit des Anderen sowie auch seiner selbst anzuerkennen, und die darin antizipierte Trennung von den gemeinsamen Wurzeln des Menschseins sich allzu simpel hinter dem "Mut" der Verzweiflung zu verstecken vermag. Letztendlich ist der Täter der tatsächlich Depressive und Verzweifelnde, und der sich "nur" wehrende Mensch der wirklich konstruktiv Mutige, weil es ihn immer mehr auf das "Aufhören" drängt, das stets die dialektische Voraussetzung für ein Weiter und ein Anders ist. Nicht der Krieg ist der Vater aller Dinge, sondern die auf ihn folgende Periode der friedlichen Zivilgesellschaft, in der die Schwerter wieder zu Pflugscharen werden.

Die wirklich Überlebenden in den Konzentrationslagern waren die Opfer, die die schier unmenschliche Kraft hatten - trotz Folter und Misshandlungen, nicht allein mit der Vorstellung zu phantasieren oder gar zu kokettieren, ihre Peiniger überleben und letztlich für immer besiegen zu können, sondern die sich selbst in den schwierigsten Momenten des Daseins den Glauben an die Notwendigkeit späterer Vergebung bewahrt haben. Diese Art des Überlebens ist die tatsächliche Heldentat und nicht der "verherzte" und oftmals verhetzte Schuss des physisch Waffenstärkeren auf seine so verletzbaren Opfer. Nur wenige Menschen sind ausstrahlende Märtyrer, und die allerwenigsten unter uns Helden, aber ein wenig romantischer Glaube in dieser Hinsicht hilft dennoch in der Not und spendet auch einen gewissen Trost.

Die Hitler und Putins dieser Welt, von denen es ja wohl mehr gibt als wir oft meinen, tragen ihren vorläufigen pseudoheilenden kriegerischen "Sieg" vor allem nur dann davon, wenn wir "Opfer" Ihnen deren Selbstverachtung der eigenen Herkunft als Menschenwesen - durch deren eigene Hypostasierung ihrer jeweiligen Göttlichkeit - auch noch allzu ängstlich abnehmen, und ihnen in gewisser Weise sogar glauben, dass Sie in ihrer Gier und Macht irgendwie doch "erhaben" bzw. "glücklich" seien, und uns insofern stattdessen dadurch auch noch einmal selbst erniedrigen. Deren "Siege" und kurzzeitigen etwaigen militärischen Erfolge können auf Dauer nicht von Vorteil für sie sein, und auf längere Sicht enden sie dann auch meist tödlich. Die Vernünftigen unter den Opfern schreiben danach schon bald deren soziale Verachtung in die "ewigen" Geschichtsbücher der Menschheit.

Hat man einmal begriffen wie armselig und jämmerlich Diktatoren in der Verleugnung der eigenen Möglichkeit eines "Menschen" und der daran geknüpften Leibhaftigkeit sind, dann wird man umso schneller auch die Hohlheit ihrer Ideale und die Gefahr von "leibfremden" Idealen an sich durchschauen. Vor allem darauf müssen und sollten wir setzen, indem wir zum Beispiel auch den Glauben an die Vernunftbereitschaft der russischen Bürger und Menschen weiterhin nicht verlieren. Stark ist nicht der, der nur schießt und tötet, sondern die- bzw. derjenige, die/der sich die Hoffnung auf ein schlechtes Ende bewahrt, das trotz all des "Vergangenen" danach auf eine gute Zukunft verweist.

Menschen, die sich während eines Krieges wehren, sind eben keine Krieger, maximal bezahlte Soldaten, gerade auch deshalb, weil sie oft gegen ihren eigenen Willen in den Krieg hinein gezogen werden. Ihre menschliche Qualität lässt sich vor allem erst daran messen, dass sie sich auch nach den erlebten Massakern, die der Krieg scheinbar so ganz zwangsläufig eröffnet, immer wieder aufs Neue darauf setzen, dass alle Menschen Potentiale des Guten und des "leibhaftig" nützlich Gemeinsamen in sich tragen. Bewundernswert ist die Mehrheit der Ukrainer vor allem deshalb, weil sie im Angesicht des russischen Terrors nicht selbst zu Terroristen geworden sind.

Es waren in der Vergangenheit immer die Edlen, z.B. auch unter den Alliierten gegen Hitler, aus "allen" Ländern der "vier" Mächte-Allianz gegen Hitler, die der Demokratie in Deutschland schon deutlich vor dem Ende des Krieges eine gewisse Chance gegeben haben, indem sie bereits schon sehr früh vernünftige Vorkehrungen für eine rechtsstaatliche Neuordnung getroffen haben. Die "Rächer" des Unrechts im Nachhinein indes, mutieren immer wieder selbst zu schamlosen Vergewaltigern der menschlichen Würde der pauschalisierten Täter, indem sie aus den gerechten "Siegern" am Ende durch die Intensität und die Dauer der Kampfhandlungen "entartete" Täter und somit Verlierer zu machen vermochten.

Seien wir schon jetzt gnädig zu russischen Soldaten und selbst zu manchen Tätern in einem solchen Krieg, damit sie nicht nach dem Krieg schon wieder zu neuen Kriegern werden; denn davon haben - vom unmittelbaren Nachkrieg bis heute - allzu lange noch allzu viele heimliche und versteckte Krieger auch in bundesdeutschen Haushalten unbelehrbar mit rechtsradikalen Gedanken überlebt. Der internationale Gerichtshof in Den Haag ist der Ort, an dem die Kriegsverbrechen behandelt und bestraft gehören. Es wäre schade, wenn ein Putin in der Einsicht seiner Verbrechen den Weg des Freitodes eines Adolf Hitler wählen würde. Der Tod von Hitler war ja kein Eingeständnis seiner Schuld sondern eine feige Flucht vor der eigenen Verantwortung. Und fraglich ist darüber hinaus, ob vielleicht auch ein durchaus zu rechtfertigendes Attentat, wenn dadurch das Leiden und der Krieg in der Ukraine schnell beendet würden, der Welt tatsächlich eine Lehre darüber erteilen könnte, dass die kriegerische Überschreitung von nationalen Grenzen immer ein zu ahndendes gravierendes Unrecht bleibt, oder ob ein lebender Putin im Gefängnis nicht doch vielmehr auch für die zukünftige russische Gesellschaft ein besserer Putin ist als ein sprachlos vermodernder Putin im Grab.

Sympathisch sind mir vielmehr die, die den Krieg prinzipiell ablehnen, ihn verweigern, sich wehren bzw. Widerstand leisten, und auch die, die nur einfach vor ihm weglaufen. Deserteur ist keine Schande sondern ein "Ehrentitel"! Längst haben auch die russischen Soldaten, die vor Putin und seinem Krieg in der Ukraine mutig weggelaufen sind, ein Denkmal verdient! Ich hoffe dass selbst die zukünftigen ukrainischen Behörden insofern ein Einsehen haben, und dass auch die deutschen Behörden auf Dauer für den nötigen Schutz und das Asyl für solcherart verfolgte Menschen entsprechend sorgen.

"Weil er nicht töten wollte" - Denkmäler des Widerstandes

Denkmal für Deserteure in Hamburg

(Quelle Von Bild: © Ajepbah / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47617006)

Bleibt nur noch darauf hinzuweisen, dass man mit Anstand in der Frage eines "ehrenhaften" militärischen Einsatzes auch durchaus ganz anderer Meinung sein kann als ich, und davon zeugt sicher der nachfolgende Beitrag in der ARD:

Für den Ernstfall: Ein Pazifist denkt um

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