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Statt des "Kampfes der Kulturen"
das Tetraeder der Gemeinsamkeit erkennen

 

"Es muss also jede Meinung aufgehoben oder unpersönlich ge-
macht werden. Der Person gebührt keine Meinung, sondern wie der
Eigenwille auf den Staat, das Eigentum auf die Gesellschaft übertra-
gen wurde, so muss die Meinung auch auf ein Allgemeines, »den
Menschen«, übertragen und dadurch allgemein menschliche Mei-
nung werden.
Bleibt die Meinung bestehen, so habe Ich meinen Gott (Gott ist
ja nur als »mein Gott«, ist eine Meinung oder mein »Glaube«); also
meinen Glauben, meine Religion, meine Gedanken, meine Ideale.
Darum muss ein allgemein menschlicher Glaube entstehen, der »Fa-
natismus der Freiheit« .... Dies wäre nämlich ein Glaube, welcher mit
dem »Wesen des Menschen« übereinstimmte, und weil nur »der
Mensch« vernünftig ist ...

Dem Menschen ist erst »wahrhaft wohl«, wenn er auch »geistig
frei« ist! Denn der Mensch ist Geist, darum müssen alle Mächte,
die ihm, dem Geiste, fremd sind, alle übermenschlichen, himmlischen,
unmenschlichen Mächte müssen gestürzt werden, und der Name
»Mensch« muss über alle Namen sein.
So kehrt in diesem Ende der Neuzeit (Zeit der Neuen) als
Hauptsache wieder, was im Anfang derselben Hauptsache gewesen
war: die »geistige Freiheit«."

(Max Stirner, Der Einzige und sein Eigentum - Ausführlich kommentierte
Studienausgabe, Freiburg/München 2016, Seite 137-138)

 
   
     
 

 

Liebe Theologen, Philosophen, Soziologen, sonstige Wissenschaftler und Weltverbesserer, macht mir das Leben durch die Kompliziertheit und Komplexität Eurer Modelle doch nicht so schwer.

Ob es einen Gott gibt, oder auch nicht, ist mit den klassischen Methoden sowohl weder beweis- als auch nicht widerlegbar. Einen hervorragenden schnellen Überblick über die vielfältigen Gottesbeweise gibt der folgende Wikipedia-Beitrag: Gottesbeweis. Kurzum, die Forderung nach einem "Beweis" für die Existenz "eines" Gottes, oder auch mehrerer den "Ursprung" aus dem "Nichts" gestaltender Götter wird in gewisser Weise selbst ad absurdum geführt.

Dabei habe ich spätestens durch Niklas Luhmann gelernt, dass vor allem die Reduktion von Kontingenz, also die Besinnung vom Reich des Möglichen auf das Reich des Wesentlichen die größte menschliche Orientierungskraft besitzt. Insofern ist es gut, dass mir die Industrie viele Entscheidungen abnimmt, um mir das Leben zu erleichtern. Von McDonalds weiß ich, was auf einen Burger gehört, und von Mercedes, wie ich ein Auto zu fahren habe, nämlich ohne die Einstellung von Vergaser oder Katalysator persönlich in höchst komplizierten Prozessen selbst vorzunehmen. Markenqualität schaffte in der Vergangenheit insofern Vertrauen. Doch inzwischen ist die Kontingenzreduktion ins Gerede gekommen, denn McDonalds kann mir die Frage nicht beantworten, ob der Burger auch wirklich gut ist für meinen Organismus, zumindest nicht exakt zu dem Zeitpunkt und in dem Zustand, zu dem ich ihn verspeise. Und in der Qualität des Deutschen Autos steckt inzwischen eine Made, die das „made in Germany“ von einem Qualitätsversprechen in ein neues Verbrechen an der Menschheit verwandelt hat. Vom Deutschen Wesen kann eben nicht die ganze Welt genesen.


Mit der Weltvergessenheit der Päpste wurden auch die Religionen entwertet und mit der brutalen Besessenheit islamistischer Gotteskrieger wird die Frage nach dem Kampf der Kulturen neu gestellt. Dabei erschreckt mich die Dümmlichkeit (mir fällt übrigens beim Schreiben dieses Wortes auf, dass mein Word-Korrekturprogramm das Wort „Dümmlichkeit“ nicht kennt. Amüsant, nicht!) der schieren Reaktionen im Kampf der Kulturen, wobei das bloße unmittelbare Reagieren auf Situationen, ohne den Kopf, das Gewissen, oder das Herz dabei einzuschalten, bereits eh schon besonders unintelligent ist (auch „unintelligent“ ist meinem Officepaket 2013 übrigens noch nicht bekannt – wie unintelligent!).

Nun ist Intelligenz in akuten Notsituationen nicht besonders gefragt. Da ist es besser, wenn man auf ein funktionierendes archaisches System des Affen in sich zurückgreifen kann; indes man muss auch dem Affen in sich den geeigneten Zucker gegeben haben, damit dieser in angemessener Weise funktioniert.

Dieser Aufsatz dient dazu, ein Modell zu entwickeln, das einen möglichst einfachen Rahmen zur Orientierung der menschlichen Existenz aufzeigt, das uns mit einem geeigneten Bild in - und durch -das Universum begleiten könnte, ohne dabei zu wissen, in welcher Parallelwelt wir am Ende oder besser nach dem Tod wohl dabei landen werden. Auch lässt sich mit solch einem Bild die erkenntnistheoretische Frage nicht beantworten, ob wir uns bereits längst in einer solchen Parallelwelt bewegen, ohne dies in angemessener Weise entsprechend zur Kenntnis genommen zu haben.


Menschliches Handeln findet natürlich in einem Kontinuum statt, es gibt keine eindeutigen allgemeinen Positionen für richtiges oder falsches Handeln, es sei denn man gehört einer extrem sektenhaften politischen, religiösen oder sonstigen esoterischen Gruppe an.

Dieses Kontinuum in einer Art Wolke anschaulich zu machen, hat für mich in etwa das bedeutet, als ob sich ein Pilot bei widrigen Wetterverhältnissen auf seine Instrumente und den Autopiloten ganz verlassen will und muss, auch wenn ich in Analogie dazu nichts Genaues sehen kann, so möchte ich mich doch in gewisser Weise in einem gesicherten Rahmen aufhalten, bewegen und agieren, der mich immer wieder auf ein existenziell verantwortbares Handeln ein"nord"et. Am Ende wird dann natürlich doch wieder die absolute Desorientierung stehen, weil spätestens nach Einstein das Einnorden und somit die Himmelsrichtungen aus der Erdperspektive im Universum nur begrenzt Sinn machen, aber immerhin den Ausgangspunkt etwaiger Überlegungen erhellen.

Im Kulturkampf wird gerne die christlich-abendländische Tradition als Vorzugsreligion unter den monotheistischen Ausrichtungen vorgestellt, wobei der orientalische Abzweig des Islam in etwa so primitiv gesehen wird wie das Fahrverhalten eines Neuköllner SUV-Fahrers.

 
     
   
     
 

Vielleicht hilft uns dieses Bild doch als ein Leitbild auf dem weiteren Weg, indem ich es sowohl von seinem katholischen wie evangelischen Ballast befreie, und nur seine Substanz in einen anderen allgemeinen humanistischen Rahmen zu stellen versuche. Es ist insofern von meiner Herkunft geprägt. "Einmal Katholik, immer Katholik!", trotz meines Austritts aus der Katholischen Kirche vor mehr als 40 Jahren. Genau so, wie man zu mir als ehemaligem Hippie gerne sagt, einmal Hippie, immer Hippie, obwohl ich inzwischen doch längst ein alter und deutlich an Lebenslust ärmerer bitterer Renegat und Zyniker geworden bin.

Auf die Albernheit, dass Gott im christlichen Glauben zwangsläufig ein Mann sein soll, will ich vorerst gar nicht erst eingehen, dies überlasse ich anderen häufig weniger gründlicheren Untersuchungen, wobei sich in der wahnhaften Überbetonung des Männlichen nur wenig Glaubensrichtungen und Kulturen unterscheiden. Atheisten und Agnostizisten/Agnostiker verweilen eher bei der mangelnden Benennbarkeit, Beschreibbarkeit und Beweisbarkeit des Ewigen, und da halten die religiös geprägten Kulturen doch deutlich zusammen. Warum soll der Muslim oder der Jude des Christen Feind sein, wo sie sich doch so gemeinsam um das Ewige und nicht Erklärbare bemühen? Und auch auf Seiten des Geistes haben die arabischen Kulturen historisch einen solchen Vorsprung erarbeitet, dass es den Kirchen des Christentums schon sehr schwer gefallen ist, die dort gewonnen Erkenntnisse in Astronomie und Mathematik als Teufelswerk und Häresie zu brandmarken. Allein die Liebe zählt, könnte man in Anspielung auf ein privatwirtschaftliches Unterhaltungsprodukt der "Moderne" aus christlicher Perspektive kontern, doch hat wirklich erst Jesus Christus den Gedanken an die Selbstlosigkeit zugunsten Dritter als erster aufgebracht?

Das Opfer ist in allen archaischen Kulturen ein Akt der Liebe und noch nicht mal zwangsläufig nur auf ein menschliches Wesen gerichtet. Das Opfer als Ausdruck des Verzichtes und der Selbstlosigkeit findet sich durch die Geschichte der Religiosität, allerdings auch nicht immer zum Vorteil der Menschheit, vor allem dann wenn man an die Menschenopfer der Frühzeit denkt. Dennoch liegt fast allen Opfern ein edler Gedanke zugrunde, der der Demut vor der Bedeutsamkeit des Universums und der Geschichte und der Gedanke der Aufforderung, das jeweils Erreichte, Geerntete oder Erworbene - wenn auch vorerst nur mit den Göttern zu teilen. Auch das Teilen als Herausforderung und Impetus des gemeinschaftsstiftenden Handelns lässt sich quer über die Religionen und Kulturen finden. So sind die Muslime weit deutlicher und konkreter zum Teilen aufgefordert als die abstrakte Forderung des Christentums den Nächsten zu "lieben" ohne konkrete Handlungsanleitung dazu. Diese Unklarheit in der Notwendigkeit des Teilens und Abgebens hat Katholiken historisch in der Besinnung auf ihren Besitz stets die Türe für Bigotterie und christliche wie kirchliche Habsucht geöffnet. Natürlich ist Liebe mehr als nur Hab und Gut zu teilen, und man sollte die Gleichnisse des Neuen Testamentes insofern nicht unterschätzen, aber allzuoft wird die Liebe nur im Geltungsbereich der "näheren" oder "erstrebten" Personen angesehen und nicht die viel umfassendere jüdische Herausforderung zur ethischen Orientierung herangezogen, den Anderen als Chance und Gelegenheit statt als Bedrohung zu betrachten.

Die Trinität oder Dreifaltigkeitslehre des ersten dogmatischen Christentums, die Theologie der Wesenheit Gottes in drei Personen oder Hypostasen, lässt eigentlich am Verstand der die Lehre vertretenen Personen zweifeln. Wer Muslime auf der Basis der tragischen Karikatur des Islamischen Staates für ver- oder entrückt hält, der sollte sich mit dem ersten Konzil von Nizäa beschäftigen, in der die christlichen Schulen einerseits zu recht heftig gestritten haben, und sich andererseits am Ende die nach wie vor unverständlichste Interpretation durchgesetzt hat, in der die drei so wesentlichen Orientierungswelten, des Unerklärbaren, des Erklärbaren und der die beiden Welten verknüpfenden Welt der Liebe, des Handelns und der Tat in einer Einheit zusammengefasst werden und noch heute an Trinitatis eine Woche nach Pfingsten in den christlichen Kirchen entsprechend gefeiert werden. Schon vor dem Christentum kannten auch andere Religionen die Bedeutung der Trias, weil sie dem Menschen archaisch so einleuchtend zu sein scheint. Das Dreieck spielt auch in der abstrakten Mathematik bis weit hinein in die heutige Bautechnik oder die Virtualisierung von Lebenswelten in den modernen Medien eine entscheidende Rolle. Integrale sind ohne Dreiecke nicht denkbar. Integralrechnung ist aber die Voraussetzung für jede komplexe und komplizierte Weise der Technikverwendung.

Soweit ich insofern das Dreieck in meiner Modellbildung als Metapher verwende, soll es nicht wie im Kontext der Esoterik als Allheilmittel zum Aufbau von Denkblockaden missverstanden werden, sondern vielmehr als Werkzeug zur Sichtung und Interpretation von historischen Prozessen angesehen und als ein Element der systematischen Betrachtung der Teilung von Welten verwendet werden.

Ziel meiner Bemühungen in diesem Blog soll es sein, bei aller theologischen und sonstigen Unterschiedlichkeit der Religionen ein gedankliches Basismodell herauszukristallisieren, von dem ich meine, dass sich Menschen aus allen Religionen und Kulturen eigentlich prinzipiell darauf verständigen können müssten, ohne dabei ihren eigenen ethisch-moralischen Impetus und ihre sonstigen Besonderheiten und Mythen zu verlieren.

Dieses Modell muss, weil es zudem so viel "Theologisches" außer Acht lässt, notwendig in gewisser Weise „primitiv“ sein. Es soll insofern eher ein kommunikatives Modell sein, aus dem hoffentlich erkenntlich wird, dass sich wir Menschen uns auch in unseren einfachen Grund-Orientierungen durchaus ähneln können, und nicht weil wir genuin „Affen“ sind. Dies bedeutet, dass wir uns vielleicht sogar unabhängig von unserer kulturellen, theologischen und politischen Herkunft auf ein dabei herausgefiltertes Kontinuum der menschlichen Existenz verständigen sollten, das dazu dienen kann unsere Gemeinsamkeiten zu entdecken, zu fördern und uns insofern gegenseitig zu befrieden.

Es muss dieses Modell umso mehr genügend Spielraum geben, um auch Atheisten und Agnostiker, aber eben auch Pantheisten wie mich, und sonstige Gläubige wie Ungläubige auf die hoffentlich lebenserquickliche Reise ins Nichts mitnehmen zu können, das doch nur ein weiteres Suchen nach irgendeinem Etwas sein kann.

Die moderne Kommunikationsindustrie liefert uns neue Fenster (Windows) zur Welt, und immer wenn sich ein solch neues Window öffnet, dann ist das nicht tatsächlich zwingend mit neuen Aussichten und Einsichten verbunden. Am Ende bleibt nur noch ein abgrundtiefer Relativismus übrig, weil wir uns in den vielen Fenstern zur Wirklichkeit selbst verloren haben, und oft zwangsläufig nicht mehr zwischen realem und virtuellem Leben unterscheiden können. Dabei ist durch Gott (oder wem auch sonst immer dafür Dank sei) die archaische menschliche Natur nicht hintergehbar.

Wir sind längst bei der promethischen Scham vor der Attraktivität und Leistungskraft unserer modernen Kommunikationstechniken und -technologien angelangt, die Günther Anders in der „Antiquiertheit des Menschen“ thematisiert, und fühlen uns „Google“, das viel mehr weiß und wissen kann, als wir jemals in einem Menschenleben auftanken können, oftmals in jeder Hinsicht unterlegen. Und das Smartphone, als das stets „Zurhandene“, ist uns, wie Heidegger in „Die Technik und die Kehre“ beschreibt, so nah auf den Leib gerückt, dass uns die romantische Aufgabe menschlicher "Existenz", die wir uns von der Technik möglichst unabhängig als "Problem" aneignen und gestalten sollten und müssen, in weite Ferne rückt.

Wir sind einerseits zu einem Annex unserer Instrumente geworden, und doch haben wir andererseits so eine wunderbare Nähe unter uns Menschen geschaffen, dass wir den Facebooks, WhatsApps und Twitters dieser Welt doch die Erkenntnis abnötigen können, dass wir gemeinsam in einem Boot sitzen, das einerseits allzu schnell in eine Arche Noah vor dem Untergang mutieren könnte, und uns andererseits doch so viele phantastische neue Optionen öffnet, die uns gegenseitig und vor allem gemeinsam zu neuen Formen des nachhaltigen vielfältigen und erlebenswerten Lebens zu tragen vermag.


Über die Ungerechtigkeiten in der Welt, die unnötigen gegenseitigen militärischen Bedrohungen und die Vernichtung menschlichen Lebens sowie der Zerstörung der von uns hergestellten Infrastrukturen, Güter, Techniken, Behausungen und nützlichen Maschinen an zahlreichen Orten in der Welt, und über die Gefährdungen und Bedrohungen der menschlichen Existenz durch die weiter ausufernde Ausbeutung des Menschen durch den Menschen habe ich mich an anderer Stelle in meinem Blog genügend ausgelassen. Dies alles sei nicht vergessen und wäre natürlich der Ausgangspunkt für nötige Veränderungen im politischen, wirtschaftlichen und militärischen Sektor, aber in diesem Aufsatz geht es vielmehr um den „Krieg“ in unseren Köpfen, Seelen oder Herzen, der sich so albern als ein „Krieg der Kulturen“ und ein „Krieg der Religionen“ darstellt, obwohl wir doch davon ausgehen können, dass die Mehrheit der Menschen in der Welt weit friedlicher und gemeinsamkeitsorientierter ist, als wir allgemein annehmen, und nur einige wenige „Bösewichte“ und Nutznießer in der Welt das Klima so zu vergiften vermögen, dass wir anfangen aufgrund unterschiedlicher Weltsichten uns gegenseitig in deren Interesse zu verhassen.


Auch wenn scheinbar im allgemeinen Relativismus, des „Alles und Jedes zu jeder Zeit“ die heiligen, göttlichen ewigen und immer dauernden Orientierungen des Menschen abhanden zu kommen scheinen, so sind wir doch in ein völlig neues und abenteuerliches Gespräch miteinander eingetreten, in dem das Instantane uns so eng miteinander verbindet, dass wir uns gegenseitig dabei sowohl durch Informationen fördern als uns auch mit Daten gegenseitig ersticken können. Dabei bleibt doch nach Hans Jonas das „Prinzip Verantwortung“ stets erhalten, selbst dann, wenn ein Schmetterlingsschlag in Eberswalde über eine vermittelte Wirkungskette - wie wir naturwissenschaftlich inzwischen erkannt haben - eine Atomexplosion in Nordkorea auslösen kann.

Wenn ich also nachfolgend im „Schmutzigen Krieg“ dieser Welt auf das „Platonische“ und somit auf einen reinen abstrakten Körper wie das Tetraeder verweisen möchte, so nur weil ich davon überzeugt bin, dass das abstrakt Gemeinsame in uns, auch wenn es sich im Alltag jeweils konkret ganz anders auszugestalten vermag, uns alle in einem anschaulichen betracht- und interpretierbaren Bild auf das zugrunde liegende Kontinuum der Existenz zurück zu führen vermag, aus dem sich dann unter Umständen ein unser die Welt gemeinsam friedlich gestaltendes Handeln ableiten und fördern lässt.


Indem wir gegenseitig erkennen, dass wir trotz aller religiösen und kulturellen Unterschiede in einem ähnlichen gemeinsamen Kontinuum der Existenz „stecken“ und uns darin bewegen, während sich selbst die Welt und das Universum und somit auch Gott um uns drehen, gehen wir vielleicht noch ein wenig enger und liebender aufeinander zu und legen unsere Prioritäten am Ende vielleicht doch noch auf die gemeinsame Rettung von Welt, als sie kollektiv in einem Rausch des ungeordneten und unsortierten Konsums miteinander zu verlieren oder gar zu vernichten.

 
     
 


Archaisch haben wir Menschen uns in den Frühkulturen auf die Reise gemacht, scheinbar wissend, dass da neben den Steinen, Pflanzen, Tieren und Menschen wohl auch noch andere Kräfte walten, die wir als Götter durch Opfer zu beschwören trachteten, um erst einmal nur unsere schiere Existenz zu sichern. Göttlicher Beistand schien sich durch das Überleben in schwierigen Zeiten selbst zu beweisen. Lernen, Bilden, Forschen und Gestalten haben die Menschheit durch unterschiedliche Kulturen weit getragen bis hin zu einer Renaissance, die den Menschen selbst und nicht mehr die Götter in den Mittelpunkt stellte. So "gottverloren" war diese Renaissance aber eigentlich nicht, denn sie besann sich spätestens nach Kant darauf, dass nur das Unbenennbare nicht pseudobenannt werden sollte, ohne die Sphäre des Mystischen und nicht mit menschlichen Mitteln Erkennbaren deshalb zu negieren. Zum neuen Gott wurde die soziale, ökonomische und politische Gemeinschaft, denn Wahrheit ist, was uns verbindet. Gemeinsam handeln bedeutet aber in der Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen, und da wir Menschen alle fehlerhaft sind, gleichzeitig zu lernen zu verzeihen, was wohl die zentrale Voraussetzung zur Liebe des Anderen ist.

 

 
   
 

 


Da uns das Ewige und insofern Dauerhafte eh nicht direkt zugänglich ist, wir andererseits aber zu wissen meinen, dass wir irgendwo her gekommen sind, aber dieses davor nicht definieren können, haben wir die Zwiesprache mit dem Unbekannten auf das Gespräch mit primär den Göttern und dann eben auch dem einen Gott auf das Gebet beschränkt. Immer mehr mittelfristiges Wissen häufte sich quer durch die Zivilisationen und Kulturen an, und unser Wissen wurde dazu auch noch immer komplexer und zugleich komplizierter. Wir konnten unsere "mittelfristigen" Methoden auf die Ewigkeit anwenden, und lernten dabei die Gesetze des Universums detailliert kennen, ohne aber in Hinsicht auf die Erklärung unserer jeweiligen "Ewigkeiten" auch nur einen Schritt weiter gekommen zu sein. Am Ende zählt doch nur die gegenwärtige Tat, die uns durch verantwortungsvolles und für die Menschheit an sich nachhaltiges Handeln mit einem allzu präsenten liebenden Fingerzeig in die Zukunft weist.

 

 
   
 

 


Alle Religionen bedienen zwar immer noch das Ewige mit Geboten und Postulaten, die einen mehr, die anderen weniger. Alle haben auch ihre spezifischen historischen Texte und Erzählungen, auf die sie sich beziehen. Besonders stabil haben sich bei dem darauf aufbauenden mittelfristigen Wissen aber darüber hinaus die Naturgesetze erwiesen, bis diese auch selbst wieder einige Jahrhunderte später nach der Renaissance durch eine quantenphysikalische Moderne weiterer und inzwischen fast ständiger Revisionen unterzogen wurden. Die sich weit früher über die Stämme hinaus bildenden ersten Imperien und dann vor allem sprachlich und geographisch abgespaltenen Nationen definierten sich zumindest in ihren Anfängen auch noch sehr stark über die gemeinsamen Mythen, Erzählungen und die damit verbundenen Glaubensgrundsätze. Die von den religiösen Gesetzen abgeleiteten sozialen Gesetze entwickelten sich parallel dazu evolutionär ebenfalls stets weiter. Mit Fug und Recht kann man davon ausgehen, dass es in allen - auch sehr frühen Kulturen - bereits eine Parallelität von Gesetzen bezüglich des Umgangs mit dem "Ewigen" und "Göttlichen" und daneben eben auch soziale Gesetze des Umgangs miteinander gibt. Politische Kulturen haben dann sehr viel später nur einem allgemeinen Trend in Richtung auf eine Säkularisierung der sozialen Gesetze beigetragen, um den einfachen Alltagsumgang miteinander von den schwierigeren und komplizierteren Regeln im Umgang mit dem Ewigen und nach wie vor nicht Erkennbaren zu lösen. Wer nicht weiß, wer das Göttliche oder sein Gott ist, sollte auf Dauer auch nicht mehr wissen oder glauben "müssen". Das war einfacher für die normalen Problemlösungen im Umgang miteinander und folglich war die Verbindlichkeit von Religionen innerhalb der Kulturen nicht mehr notwendig. Die Kulturen durchmischten sich und damit mussten Regeln für den Umgang miteinander gefunden werden, die die für wichtiger gehaltenen Sphären der Wirtschaft und den Handel durch unterschiedliche Glaubensgrundsätze nicht störten oder beengten. Gemessen wird der moderne Bürger deshalb inzwischen nicht mehr vor allem durch die Zugehörigkeit zu einer Sippe, einem Stamm, einer Region oder gar einer Nation sondern er tritt in der bürgerlichen Moderne hervor als individuell verantwortliches Wesen in Hinsicht auf seine Leistungen für die Gesellschaft. Auch früher gab es die Verantwortung für die jeweils kleinere Gemeinschaft, aber Gesellschaft ist inzwischen zu einer jeweils relativ festen Ordnung mit juristisch klar definierten Gesetzen geworden. Deshalb wird der moderne Bürger, egal in welcher religiösen Kultur auch immer, nicht primär nur an seinen Worten und seinen damit verknüpften Glaubensbekenntnissen gemessen, hinter denen er sich allzu schnell verbergen kann, sondern zur Beurteilung der Einhaltung sozialer Gesetze werden vor allem seine Taten herangezogen, für die er nur als "Person" und nicht mehr primär als Sippe, Stamm oder als Nation verantwortlich zeichnet. Geläuterte "Stammeshäuptlinge" und selbst eingefleischte Nationalisten erkennen inzwischen immer mehr dass weder Sippenhaft, noch Stammesfehden bis hin zu selbstzerstörerischen nationalen Kriegen geeignete Elemente sind, um ein vernünftiges und für alle erfolgreiches Miteinander der Kulturen zu ermöglichen. So ist man in die Sphäre des gegenseitigen internationalen "Win Win" miteinander eingetreten.

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Freiheit der Modernen Gesellschaften mit ihren Toleranzedikten, religiösen Freibriefen und inzwischen auch relativ säkularen Verfassungen und Grundgesetzen räumen dem Bürger zumeist das Recht ein, sich weiterhin aufmerksam und offen gegenüber dem Unbeschreibbaren und Unbekannten zu verhalten, und dabei durchaus auch eigene religiöse Grundsätze und Gebote für den Umgang mit dem jeweiligen "Göttlichen" beizubehalten, diese auch weiterhin zu entwickeln und innerhalb der eigenen Familien und Lebenswelten zu fördern. Die Arbeitsethik fast aller Gesellschaften fordert dem Einzelnen Leistungen für die jeweilige Gesellschaft durch Arbeit und Weiterbildung ab, daneben werden aber explizit auch Gesetze formuliert, die den Lebensgenuss im Rahmen definierter Freiheiten ermöglichen. Anders als die Ordensfrauen oder Mönche des Mittelalters lebt der moderne Bürger, selbst wenn er sich als religiös bezeichnet, ein "leichteres" Leben, das dennoch dem "Göttlichen" verpflichtet sein kann. Es gibt kein Über- und Unterordnungsverhältnis zwischen den professionellen Vertretern der jeweiligen Kirchen mehr. Das Individuum ist insofern frei, sich nach den jeweiligen Geboten der Kirchen und Religionen in freier Ausübung seines Willens zu richten, und jeder hat folglich auch das gegenteilige Recht sich von diesen abzuspalten oder gar ganz auf sie zu verzichten.

 

 
     
 

 

 

 

 

 

Da die Mythen der Religionen oft Geschichten sind, die die Ethik und Moral der Mitglieder der unterschiedlichen Religionen und Kulturen auch fördern und zu entwickeln vermögen, thematisieren sie, wenn sie sich von den "Gewaltkirchen" zu lösen vermögen, auch immer die Demut vor dem Ewigen und weiterhin unbekannt Unendlichen. In der Exegese der sich manchmal auch ausschließenden "Urtexte" der jeweiligen Religionen lassen sich durch kluges Nachdenken jeweils die positiven Postulate herausfiltern, die den Respekt untereinander dann eher fördern und die Bedeutung des jeweiligen alltäglichen Ego im Umgang mit den wesentlicheren hehren Gedanken relativieren. Offenheit für die "Sterne der Erkenntnis" bleibt die Grundvoraussetzung. Das Religiöse sollte deshalb dem Wissenserwerb und der Wissenserweiterung nicht feindlich gegenüberstehen. Im Gegenteil dazu kann das Religiöse sogar davon profitieren, dass sich dessen historische Notwendigkeit durchaus auch aus dem "Wissen über Religionen und Kulturen" an sich ableiten lässt, auch wenn sich die Menschen darüber wohl ewig streiten werden. Letztendlich ist dieser Streit aber wohl eher ein Ringen um weitere gute zukünftige Mythen und Geschichten, die den friedlichen Umgang der Menschen untereinander fördern. Aus der Liebe zum Nächsten zwischen den Religionen erwächst dann vielleicht sogar auch eine gegenseitige Güte, die den Gemeinsinn innerhalb widersprüchlicher Gesellschaften fördert und die Menschen untereinander an einen gemeinsamen humanen Kanon bindet.

 

 
   
 

 

Die Trennung des Menschen von einer einseitigen Vorstellung, dass sein ganzes Schicksal nur eine einzige "Geworfenheit" sei, von der er sich durch die feste historisch nicht wandelbare Zugehörigkeit zu einer Religion, einer Nation oder einer "Heimat" nicht mehr lösen könne, war die wichtigste Voraussetzung für einen aktuellen Gewaltverzicht der Religionen untereinander oder gar einen zukünftigen Weltfrieden. Natur und Technik sind zu einem neuen "Schicksal" des Menschen geworden, das er sich selber beigebracht hat. Der Mensch hat aber die Aufgabe sein Dasein als ein Sosein selbst in die Hand zu nehmen, und sich von allen Formen der vermeintlichen Geworfenheit existenziell - soweit möglich und vernünftig - zu befreien und die Welt auf die er einzuwirken vermag, verantwortungsvoll subjektiv (als politisch Gleicher unter politisch Gleichen) selbst zu gestalten. Die Tatsache zu leugnen, dass wir Menschen nicht in jeder Hinsicht frei sind, wäre anthropologischer Unsinn, daraus allerdings den Schluss zu ziehen, dass wir uns einem wie auch immer antizipierten Schicksal zu ergeben hätten, ist ein häufig vorkommender quasi ebenso religiöser Fehlschluss. Deshalb gilt es durch Bildung und Erziehung die Selbstheilungskräfte des Menschen zu fördern, so dass er in die Lage versetzt wird eigenständig die notwendigen freien Entscheidungen zu treffen, um die Zukunft seiner jeweiligen Gesellschaft verantwortungsvoll aber ergebnisoffen als wiederum "Bruder unter Brüdern" mit zu gestalten. Auch dieser Grundsatz ist für das Nebeneinander von "Religiosität" und "Aufklärung" kein Widerspruch. Nur die Verkirchlichung des mythischen und übersinnlichen menschlichen Suchens und Strebens blockiert das individuell kreative Denken und Handeln, das dann sehr wohl auch in einen Glauben bezüglich des nicht Erkennbaren und nicht Benennbaren einmünden kann und wahrscheinlich sogar auch einmünden muss.

 

 
   
 

 

Berücksichtigt man dieses Recht, auch über das Heilige wissend und objektbezogen zu "spekulieren", dann löst sich das für allgemein und nur durch die jeweiligen Kirchen für objektiv gehaltene dogmatische Religiöse personenbezogen in eine individuelle und subjektive Aufgabe auf. Ordnet sich diese dann auch noch in einen mit anderen Menschen gemeinsam erkannten Kontext ein, ermöglicht dies dem jeweils "Gläubigen" sogar eine Existenz innerhalb seiner jeweiligen subjektiven Kollektivität und somit Glaubensgemeinschaft, und lässt diese als Mitwelt in seinem jeweiligen sozialen Lebensmittelpunkt erscheinen und oft gar erstrahlen. Ein Fehler wäre es eben genau diese subjektiv frei gewählte Kollektivität mit den Dogmen von Kirchen zu verwechseln oder gar gleichzusetzen, da sie ja jeweils freie Bürger voraussetzt, die ihren Glauben so gewählt und im Diskurs miteinander erworben haben.

 

 

 
   
 

 

Die Verwechslung des Auftretens von freien Ritualen und Riten im Zusammenhang mit einem frei gewählten Glauben (in Demut und Respekt füreinander) mit der Zwanghaftigkeit des regelmäßigen Vollzuges derselben in kirchlichen Organisationen, macht Atheisten zu Recht Angst und Sorge, was die sozialen Einschränkungen auch ihrer religiösen Mitmenschen betrifft, obwohl der Atheismus selbst seine eigenen argumentativen und sprachlichen Rituale des Denkens und der Abgrenzung pflegt. Letztere, wie die Meinung, dass weder Meditation noch Beten nützten um einen übersinnlichen Zugang zum Unbeschreibbaren zu bekommen, seien ihm aber ebenso in Freiheit gegönnt, wie den freien Theisten ihre jeweiligen Riten und Rituale als ein Streben nach dem Göttlichen und für sie Heiligen. Grenzwertig sind allerdings die Bindung der Beschäftigten in sozialen Einrichtungen oder gar Universitäten mit kirchlichem Einfluss an die dort jeweils geforderte kirchliche Religiosität. Ähnliches gilt auch umgekehrt für den Einfluss autoritärer Staaten auf die Auswahl des "religiösen" Personals der staatlich vereinnahmten Kirchen, wie dies aktuell vom türkischen Staat durch die Auswahl saatskonformer Immame praktiziert wird. Vor sich selbst und den Andersdenkenden lässt der freie Glaube der gleichzeitigen Entwicklung von Wissen und Technik längst genügend Spielraum, ohne das Nach- und Vorausfragen in irgendeiner Weise zu begrenzen, zumal sich durch die religiöse Versenkung die unmittelbaren gemeinsamen Lebenswelten oft sogar gegenseitig in Gemeinsinn und Liebe auch zugunsten des Atheisten aneinander zu binden vermag. Die Inquisiton und offizielle kirchliche Zensur ist zumindest in westlichen Demokratien längst ein Relikt, dennoch werden kirchliche Mitarbeiter immer wieder in ihren öffentlichen Äußerungen direkt kontrolliert oder gar zensiert.

 

 
   
     
 

 

Über all diesen Erwägungen steht indes das "memento mori", das Wissen um die Zeitlichkeit und Vergänglichkeit, die der Tod uns als Grenze für das Nachfragen und Nachdenken als Vorausdenkende lässt. Die Begrenztheit der menschlichen Lebenszeit ist die eigentlich gemeinsame humane Klammer zwischen den vielfältigen Religionen und Nicht-Religionen. Mögen ihre Vertreter auch noch so intensiv über "ein Leben nach dem Tod" spekulieren und dahingehend erheblich unterschiedlicher Meinung sein, so trifft sie doch alle gemeinsam wie ein Schatten, der über ihnen schwebt, das Schwert einer endenden Lebenszeit in Form einer weiteren Dimension für die jeweilige Entwicklung ihrer Glaubensgrundsätze. Vor diesem Hintergrund bedingt der stets nahende Tod ein eigenes Kalkül, und kann nicht wirklich vom an sich "normalen" Trieb der Selbsterhaltung abgekoppelt werden. Insoweit stirbt jeder Mensch letztendlich in jeder Hinsicht auch "verunsichert" und "für sich allein". Auch die Würde des Sterbenden steht in keinem zwingenden Zusammenhang zu seiner eigenen religiösen Orientierung, und nötigt allen Weltsichten untereinander am Ende den gegenseitigen Respekt vor dem menschlichen Drama von Geburt und Tod ab.

 

 
   
 

 

Zeitlichkeit und Vergänglichkeit stellen die implizite Frage nach dem "Nichts", das sowohl Ursprung, Gegenstand oder auch sogar - je nach Glaube und Weltsicht - das "Ergebnis" des religiösen Fragens zu sein vermag. Wir Menschen haben insofern das Glück, dass sich das Nichts durch uns nicht tatsächlich denken lässt; denn indem wir es denken ist es bereits nicht mehr nichts sondern bereits "Etwas". Es bleibt die unaussprechliche fast schon "heilige" Metapher.

 
     
   
 

 

Das Tetraeder der vorgestellten Koordinaten von Religiosität und Nichtreligiosität schafft genügend "Spiel"raum für Gedanken über den Sinn und Unsinn des Menschseins und der Tatsache unserer nach wie vor unerklärlichen Geworfenheit am jeweiligen Ort. Jeder wähle selbst den Punkt in diesem Koordinatensystem, der ihm behagt, aber das geometrisch scheinbar so einsichtige Modell ist selbst in sich schon nicht mehr konsistent, wenn man die unwirkliche Konstruktion als platonischer Körper betrachtet, die sich in entsprechenden Raum-Zeit-Modellen als ein "idealer" geometrischer Körper in "nur" drei Dimensionen durch weitere astrophysikalisch zu berücksichtigende Dimensionen schon wieder auflöst.