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Tatort USA: Das "Rote Haus" - oder
wie die Vereinigten Staaten von uns Berlinern lernen können ;-)

Trump war leider nicht der "Schlimmste",
sondern wahrscheinlich eher nur der
"Dümmste" unter all seinen Vorgängern
-
(Ein kurzer Verweis und Überblick)

Moderne Demokratien zeichnen sich nicht primär durch die Glaubwürdigkeit von einzelnen zentralen Personen sondern nur durch die "Teilung der Gewalten" und die Bewertung des jeweiligen Gesamtsystems aus, worüber jeder stets eine eigene „subjektive“ Meinung besitzt.


Trump war weder der erste Lügner noch wahrscheinlich der letzte Lügner im Weißen Haus. Indem man ihn jetzt in der Gesamtschau seiner Amtsperiode zum "schlimmsten" Präsidenten aller Zeiten macht, entlastet man andere Kriminelle im "Weißen Haus" unnötigerweise von deren historischer Verantwortung.

Durch die ganze Geschichte fast aller westlichen Demokratien zieht sich darüber hinaus ein "Roter" Faden der Falschangaben und Lügen der Exekutive bis hin zu heimlichen Morden und Verbrechen ihrer jeweiligen Geheimdienste. Die USA stehen insofern nur paradigmatisch für viele Fehler und Defekte im System der westlichen parlamentarischen bzw. der präsidialen Demokratien.

Möge Biden bei seinem Neuanfang deshalb jetzt demonstrativ ein kluges Zeichen setzen, und uns Berliner dabei als ein positives Beispiel heranziehen (Unser Rathaus erstrahlt längst in roter Farbe um auf die blutrote deutsche Vergangenheit hinuweisen):

Das "weiße Haus" sollte, um der historischen Wahrheit Rechnung zu tragen, schnellstmöglich als historische Anerkenntnis und Schuldbekenntnis für die US-amerikanischen Verbrechen an ihrer genuinen Urbevölkerung, begangen auch an Sklaven und vor allem durch die CIA an den Menschen und Völkern in der Welt entweder in einer Kunstaktion in rotes Licht gehüllt oder sogar auf Dauer "rot" angestrichen werden, um diese historische Wahrheit vor der Weltöffentlichkeit mutig zu bekennen.

Die USA brauchen kein holocaustartiges Monument, wie das Holocaust-Mahnmal in Berlin mit seinen Gedenksäulen, denn den Nazis vergleichbare grauenvolle organisierte Massenmorde hat es dort nicht gegeben. Aber die Grausamkeiten "niedriger Ordnung" sollten am US-Regierungssitz ebenfalls deutlich einen sichtbaren Ort der Erinnerung haben. Eine soche Geste würde ich natürlich auch nicht einordnen in das sich weltweit immer weiter verbreitende generelle "Amerikaner-Bashing", in das ich nicht einstimmen könnte, aber solche oder ähnliche Zeichen sind stets ein mutiger Aufbruch in Form einer neuen Selbstdefiniton eines Staates im Angesicht von Fehlern und Verbrechen der Vergangenheit.

Das aber, was ich - im Gegensatz zu den autoritären Staaten ohne Gewaltenteilung - wie viele meiner Mitbürger im westlichen Demokratien-Modell dennoch nach wie vor so schätze, ist die Möglichkeit sich über solche Lügen oder gar Verbrechen am Ende doch wieder auf die eine oder andere Weise durch kritische Medien zu informieren, die uns ein öffentliches Angebot unterbreiten, unsere Meinungen über den „Charakter“, die Äußerungen, aber vor allem Handlungen unserer gewählten Herrschenden zu ändern bzw. zu korrigieren.

Das ist einerseits wenig in Hinsicht auf unseren unmittelbaren und konkreten persönlichen Einfluss als Bürger auf die Politik, aber andererseits viel in Hinsicht auf die Denkbarkeit eines öffentlichen freien Diskurses in diesen nach wie vor von scheinbar ebenso oligarchischen politischen und ökonomischen "Eliten" oder Mächten getriebenen "demokratischen" Gesellschaften.

Die USA sind eben neben ihrer demokratischen Grundstruktur gleichzeitig sowohl eine demokratische Gesellschaft als auch und inzwischen "vor allem" eine imperiale Macht.

Ich stehe interessanterweise aktuell in regem Austausch mit einem wunderbaren Freund und Menschen, der als Pianist ein begnadeter und sensibler Künstler ist, und mir dennoch anderseits sehr "grob" erscheint, wenn er als Ukrainer mit russischen kulturellen Wurzeln in "nationaler" Loyalität politisch zu Putin und somit auch zum Primat der russischen Oligarchen und Geheimdienste in seiner Gesellschaft steht. Bei mir ist der „Anti-Putinismus“ wahrscheinlich im Gegensatz dazu - auch im Vergleich der Systeme - ebenso primitiv, weil ich nicht unmittelbar im politischen Diskurs der dort lebenden und agierenden Menschen verwurzelt bin, und schon gar nicht den Hass und die Wunden der dortigen Kriegshandlungen in mir trage.

Eher „objektivere“ Weltbeobachter, wie beispielsweise ein Kommentator der häufig möglichst besonders unabhängig informierenden NZZ, zeigt da klüger die Widersprüche auf, die wir als engagierte aktuelle Beobachter und Mitglieder im Nawalny-Fanclub beim Spiel desselben mit Putins Feuer gar nicht mehr differenziert zur Kenntnis nehmen. Nawalny wird eben im Westen und in Russland sehr unterschiedlich wahrgenommen. Das sollte man kritisch zur Kenntnis nehmen, auch wenn ich mich selbst natürlich darüber freue, dass das junge und moderne Russland nun doch auch - zumindest vereinzelt - gegen den neuen "Zaren" dort aufsteht.

Held, Aufrührer oder Krimineller – warum Alexei Nawalny im Westen und in Russland so unterschiedlich wahrgenommen wird (Markus Ackeret, NZZ, 10.1.2021)

Im Austausch mit unseren östlichen Nachbarn steigern wir deshalb unsere eigene Glaubwürdigkeit, wenn wir erst einmal - bevor wir deren rasche Demokratisierung mit all den damit verbunden Problemen fordern, vor allem gründlich vor der eigenen Haustür unserer westlichen Demokratien kehren.

Die folgenden Dokumentationen, die aktuelle im ZDF ausgestrahlt werden, helfen uns insofern doch auch das Bild von den im Gegensatz zu Russland so „demokratischen“ USA zu relativieren; denn die moderne Geschichte dieses Staatenbundes ist neben der Befreiung vom Faschismus, und die durchaus auch historisch wahrnehmbare Unterstützung von internationalen "Demokratiebewegungen" gezeichnet von Brüchen des Völkerrechtes bis hin zu Kriegsverbrechen, deren Akteure nach wie vor leider nicht den internationalen Gerichten in Den Haag zur Kontrolle durch die Dritte Gewalt und die Aburteilung von nachweisbaren Verbrechen zur Verfügung stehen.

Es bleibt eben nur die deutlich "schwächere" und dadurch in gewisser weise "stärkere" vierte Gewalt, die uns aufzeigt, dass sich von der kriminellen nachrichtendienstlich organisierten Destabilisierung von demokratisch gewählten Politikern durch die USA, vom Putsch der USA gegen den demokratisch gewählten Mossadegh im Iran über den antikommunistischen Koreakrieg mit all seinen kriegsverbrecherischen Begleiterscheinungen, dem Putsch gegen Allende in Chile, bis hin zur gezielten völkerrechtswidrigen Ermordung von Terroristen (ohne rechtsstaatliche Prozeduren) ein roter Faden ziehen läßt (mit den als Kollateralschäden sogar bewusst in Kauf genommenen Tötungen von Zivilisten). Solche Auftragsmorde wurden sorar auch selbst und persönlich angeordnet durch den ansonsten weltweiten Sympathieträger und die scheinbare Lichtgestalt Barack Obama. Davor und dazwischen stehen ähnliche Verbrechen an der amerikanischen Urbevölkerung, den Sklaven und später an Vietnamesen, Kambodschanern, Afghanen, Pakistanern, Syrern, Kurden, Palästinensern oder Irakern (in der Aufzählung weder in einer Reihe von Prioritäten, noch vollständig), für die auch öffentlich in der Moderne der USA so hoch geschätzte Personen wie John F. Kennedy oder sein Bruder "Bobby" stehen. Ein amerikanischer Präsident, so die öffentliche Meinung, zumindest sehr weit verbreitet im gesamten Westen der euro-amerikanischen Welt, "muss" sich als Vertreter der amerikanischen Weltinteressen die Hände zwangsläufig "schmutzig" machen. Dies wird von der Weltöffentlichkeit - auch von ausgewiesenen Demokraten - fälschlicherweise fast schon wie ein „Natur“gesetz hingenommen.

Mit welch krimineller Energie dabei vorgegangen wird, ist aber letztendlich doch sehr erschreckend, und jeder bilde sich insofern eine eigene Meinung inwieweit unsere westlichen Demokratien, vielleicht eben doch nicht so "unschuldig" demokratisch sind, wie wir immer meinen. Die hervorragende und erhellende Fernsehserie über den "Tatort Weißes Haus" soll Trump als einen nachweisbar weitaus weniger gefährlicheren Präsidenten als andere seiner Vorgänger nicht entlasten, sondern nur seine historische Rolle - als wenn auch wohl wahrscheinlich "schlechtester" Präsident aller Zeiten - im Kontext anderer Präsidentenmörder angemessen relativieren.

Wenn man den großen schauspielernden Zyniker Ronald Reagan, als Vollstrecker des Sieges des Abendlandes über die Barbarei, durch den finalen Rettungsschuss auf die sich bereits im wirtschaftlichen Konkurs befindlichen kommunistischen Systeme am Brandenburger Tor, in Bild und Ton in den nachfolgend verlinkten Fernseh-Dokumentationen wiedererlebt, in denen er, statt als unser aller bewunderter heldenhafter Sieger über den Kommunismus dazustehen, rückblickend nur noch als hämisch grinsender Lügner vor der Weltöffentlichkeit posiert und insofern entlarvt wird, dann stockt dem Beobachter schon der Atem, zumindest dann, wenn er wie ich, diese Bilder nicht mehr historisch so exakt in Erinnerung hat. Seine in dem Film reproduzierte Aussage sagt alles aus über die "Ehrlichkeit" der Amerikaner im Gegensatz zu den "russischen Lügnern", indem er nämlich - danach direkt gefragt, ob er über die verbrecherischen Untergrunddeals seiner Entourage wisse, wie folgt antwortet: Er mache dazu "keine Aussage". Aber wenn er die Frage dann doch beantworten müsse, wozu er sich allerdings durch die Journalisten nicht zwingen lasse, so Reagan, dann würde er, und zeigt dabei dem öffentlichen TV-Publikum mit grinsendem Gesicht seine zwischen schrägen Lippen die für Schauspieler so typischen künstlich präparierten Zähne, mit einem klaren "Nein" antworten. Dies hieß damals ganz explizit, er fühle sich stark genug, die Welt insofern zu belügen und die verbrecherischen Deals in seinem Auftrag zu verleugnen. Trump hat später einfach die gleiche Methode nur übernommen.

Dem öffentlichen Lügner und Sexualneurotiker Clinton zeugen wir - ebenso sexuell neurotischen Männer - noch heute oft einen gewissen heimlichen inneren Respekt und fast schon Bewunderung für seine Taten ab, und wundern uns dabei nur über die Primitivität seiner Ausreden. War er insofern nicht vielleicht doch - unter Umständen sogar eher noch als Trump - der dümmste Präsident aller Zeiten?

Dubios bleibt auch die Rolle der Kennedybrüder (die Anstifter des Vietnamkrieges) beim Tod der von ihnen ge- und dann wohl zweifach mißbrauchten Marilyn Monroe.

"Vater" Bush war unter Reagan der mitwissende Vizepräsident, der dann später seine egoistischen Ölinteressen zusammen mit der CIA und später seinem Sohn als Gehilfe in weiteren kriminellen Geheimaktionen durchsetzen durfte.

Schauen wir also weniger auf die psychischen Dispositionen, Skandale und oft perversen persönlichen Ambitionen der jeweils agierenden Präsidenten; die handgreiflichen Eingriffe von Donald Trump in das andere Geschlecht sind dabei nur geschmacklos. Blicken wir vielmehr auf ihre politischen und sonstigen sozialen Taten, mit denen sie sicher einzelne Menschen, manchmal sogar ihre Gesellschaft zum Teil gefördert, aber oft eben auch mit kriminellen Methoden direkt geschädigt oder Menschen und deren Schicksale sogar "vernichtet" haben.

"Du sollst nicht töten!". Der pharisäerhaft religiöse Trump hatte insofern nur wenig "Gelegenheit" andere Nationen anzugreifen und Menschen, deren Wohnungen oder deren jeweilige Kulturen durch Kriege oder kriegerische Handlungen auszulöschen. Aber ist ihm dies nun aber als "sein" subjektiver Erfolg zuzurechnen? Immerhin hat er seine sadistischen Gelüste doch noch kurz vor seinem Abgang durch die hastige Vollstreckung von Todesstrafen ausleben dürfen. Welch eine "Demokratie", in der eine einzelne Person das Recht dazu hat! Und auch die "Rehabilitierung" und Verschonung von republikanischen Mittätern durch Trump auf der Basis von präsidialen Gnadenakten hat in den USA eine lange Tradition. So hat er am Ende doch noch persönlich mit den meisten Begnadigungen von Mittätern wahrscheinlich einen anderen Rekord aufgestellt.

Im Mittelpunkt der historischen Beurteilung von Politikern sollten folglich eher Leistungen auf dem Gebiet der Gesetzgebung, der Förderung des wirtschaftlichen, des sozialen und inzwischen auch ökologischen Wohlstandes stehen.

Demut vor dem mehr als begrenzten Wissen über die Welt und eigene möglichst öffentlich geäußerte Zweifel an der Richtigkeit des subjektiven Tuns gehören nun einmal nicht zum Selbstbild von "Präsidenten".

Immerhin aber leuchtete als gewisse Ausnahme bei Präsidenten wie Jimmy Carter doch immer wieder auch kurzfristig (neben dem eigenen Mitspielen in der Rolle) so etwas wie Reue oder gar Mitgefühl auf, weshalb er ja dann auch ganz schnell wieder abgewählt wurde.

Franklin D. Roosevelt bleibt den Amerikanern vor allem deshalb in "großer" Erinnerung, weil er viel zum amerikanischen Frieden und Wohlstand beitrug, und niemand interessiert sich deshalb heute dafür, ob seine First Lady perfekte Beine besaß, eine "bella figura" nur mit ihrem Körper machte, ein modellartiges Gesicht auf den Dienstreisen zur Schau stellte, oder gar einen prostitutiven Charakter besaß. Die ganz außerordentliche und bewundernswerte Eleanor Roosevelt überzeugte stattdessen als "First Lady of the World", wie sie ihr Mann nannte, indem sie für die Stärkung von Menschenrechten in den Vereinten Nationen und darüber hinaus eintrat und dort auch auftrat. Das Wesentliche in der Amtszeit von Präsidenten und deren Begleiterinnen sind folglich nicht deren persönliche Skandale, sondern deren Leistungen für die Gesellschaft. Als "social achievements" sind sie insofern ganz anderer Natur und deutlich wesentlicher als ihre private "personality".

„Klugheit“ und „Bescheidenheit“ geht dem neuen Präsidenten Biden nun ebenfalls voran, mit seinen im Vergleich zu Trump anlässlich seiner Vereidigung so demütig benannten, von jetzt ab vor ihm stehenden, schier unmenschlich großen sozialen Herausforderungen, und seinem dabei gleichzeitig bekundeten impliziten Selbstzweifel, ob er denen als Person - trotz seiner Ambitionen - durch neue kreative Lösungen (als schwacher Mensch) überhaupt entgegenzutreten vermöge, und die aufgeworfenen Probleme entsprechend erfolgreich bewältigen könne. Hierzu beschwor er bezeichnenderweise "die höheren Mächte" mit einem Gebet. Letztendlich will er ja, wie er das ebenso vernünftig formulierte, nur daran gemessen werden. Seine ehrliche religiöse Überzeugung ist ihm dabei sicher nicht nur ein Beiwerk.

Explizit "verurteilte" Verbrecher, wie Nixon, oder das nachweisbar Lügen zur Begründung von kriegerischen Interventionen in den Irak verwendende Vater/Sohn-Tandem der Bushs, runden das Bild der bunt schillernden "demokratischen" amerikanischen Führungspersönlichkeiten ab. Dass dabei die parteipolitische Grundorientierung im internationalen Vergleich nicht zwingend eine Rolle spielt, zeigte der willige Mittäter und britischer Premierminister Tony Blair; und übrigens auch Sozialdemokraten wie Gerhard Schröder stehen bei uns in Deutschland durch die enge dubiose Bindung an die Wirtschaft oder gar Putin (und die damit verbundene Vorteilsnahme in Form von entsprechend lukrativen Posten) unter direktem Korruptionsverdacht. Selbst ehemals grüne Rebellen wie Joschka Fischer bereichern sich heute hemmungslos subjektiv mit diversen Beraterverträgen zu ihren üppigen Pensionen.

Unsere Politiker sind im Vergleich zu manchen amerikanischen Präsident zumindest "offen"sichtlich natürlich weit weniger kriminell und "glaubwürdiger", oder wie ein norddeutscher Deutscher CDU-Politker" und ehemaliger Ministerpräsident einmal sagte: "Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort!". Politisch haben solche "Ehrenworte" und "Schwüre" inzwischen auch bei uns kaum noch Gewicht, nachdem zudem auch noch sein SPD-Nachfolger in der gleichen Rolle und in ähnlicher Weise gelogen hatte.

Politiker, auch wenn der Verdacht manchmal naheliegt, sind in unseren Demokratien aber eben keine klar definierte Kaste, sondern immer noch individuelle Menschen, die durch ihre Leistungen überzeugen, oder sich im Gegensatz dazu in Skandalen und Lügengeschichten verirren können. Diejenigen, die Politiker "an sich" beschimpfen, wollen damit eigentlich selbstsüchtig nur das eigene Machtstreben in Richtung auf die persönlich ähnlichen Ambitionen verbergen, oder sind als soziale Loser oft schlicht nur neidsch auf erfolgreichere Menschen. Die Diffamierung der Parlamente als "Quasselbuden" haben die Reaktionäre gegen die Republik immer schon gerne benutzt. Als Ausgangspunkt ihrer illegalen Machtübernahme haben die Nationalsozialisten die Verleumdung und Veunglimpfung der komplizierteren und durchaus viel Zeit erfordernden demokratischen Entscheidungen sehr konsequent betrieben.

Egoistische oder gar egomanische schwarze Schafe in dieser Richtung gab es mit der Entstehung der Parlamente ganz zwangsläufig, weil Politiker in gewisser Weise Menschen "wie ich und Du" sind. So findet man sie sichher auch heutzutage quer durch alle Parteien und in allen Ländern und Kulturen; dennoch scheint es Sinn zu machen, z.B. durch Transparency International entsprechende Hitlisten zum Vergleich aufzustellen.

Ich selbst, und das sagt eigentllich schon alles, möchte aktuell kein Politiker sein, vor allem dann, wenn man diese altruistisch oft sehr engagierten und nicht primär "gekauften" Menschen als "schwarze Schafe" für alle Defizite in unserer Gesellschaft heranzieht. Als Rebell gefällt es mir aber nach wie vor diese angemessen und hoffentlich auch vernünftig zu "stören" und zu "fordern", denn zur Lösung unserer weltweiten Probleme ist ein "weiter so" ohne gerade auch "radikale" Veränderungen verfehlt und ein entsprechendes Umdenken in Richtung auf soziale und politische Gleichheit als fundamentale Kapitalismuskritik nach wie vor zwingend erforderlich.

Was eben wirklich in der Beurteilung von Politik zählen sollte, ist das subjektive und individuell zu verantwortende Handeln der Akteure. Die durch sie erstrebten und erzielten Ergebnisse zur Förderung des allgemeinen und besonderen Wohlergehens von uns Weltbürgern in der Gesamtheit bleiben der eigentliche Maßstab.

Da liegen wir selbstgefälligen Deutschen, wie wir ja nach wie vor meinen, weltweit ganz vorne. Indem wir dies aber glauben, sind wir wahrscheinlich die Dümmsten von allen. Noch dümmer sind jedoch wir selbst, als "nur" Beobachter der Politik, wenn wir meinen, der richtige Weg liege sofort auf der Hand und er sei vor allem einfach. Auch insoweit habe ich großen Respekt vor dem Mut vieler Politiker und sehe ihnen oft ihre Fehler nach; denn - trotz manches Pfusches am Bau - freue ich mich über hilfreiche Handwerker, oder - trotz vereinzelt gravierender Fehler, soweit sie im Gesundheitswesen denn vorkommen - bin ich dankbar für jede Arzthelferin, jede Krankenschwester, jeden Alten- und Krankenpfleger sowie jeden Arzt, die im Falle einer Erkrankung sehr verantwortungsvoll zu meiner Genesung beitragen. Die Listen der "systemrelevanten" Helfer zu meinem Wohlergehen, werden aktuell ja tagtäglich ergänzt!

Jens Spahn, den ich ansonsten politisch eher nicht sonderlich schätze, hat zu Beginn der Coronakrise einen der klügsten Sätze gesprochen, nämlich dass wir uns im Zuge der nächsten Monate "wahrscheinlich viel werden verzeihen müssen." Genau darum geht es: politisch heftig zu streiten und uns danach dennoch gegenseitig "verzeihen" zu können.

Mit Hannah Arendt haben die Kritiker der staatlich autoritären Coronamaßnahmen argumentiert, dass niemand das Recht habe, zu gehorchen, um sich dann selbst in diesen schwierigen Zeiten durch eine entsprechende Fehlinterpretation der Essenz der "Vita activa" "alle" Freiheiten gegen das antizipierte Wohl der jeweiligen Gemeinschaft herausnehmen zu dürfen (zum Beispiel durch die Wahrnemung eines individuellen "Rechtes", Andere und Dritte zu gefährden, indem man gegen das Abstandsgebot verstößt, oder bewußt und willentlich auf den sozialen Konsens der Notwendigkeit des Tragens von Masken verzichtet). Recht aber ist, was sich die Gesellschaft als solches setzt. Recht ist insofern keine feste oder bestimmte "Meinung" sondern ein klar definiertes konkretes Gesetz, ein Gebot oder ein Verbot, das letztendlich durch Konsens oder politische Mehrheitsentscheidung entstanden ist. Übrigens hat auch niemand das Recht auf den Gehorsam eines anderen Menschen, sondern, da ein "Befehl" subjektiv und individuell durch den Befehlsempfänger auf seine Richtigkeit und Notwendigkeit überprüft zu werden hat, scheidet ein Anspruch auf Gehorsam, ethisch, sittlich und moralisch auch auf Seiten des Befehlgebers aus.

Es sind die falschen Imperative, die die Welt heutzutage bedrohen. Dies kann auch im Kontext von Pandemien gar nicht deutlich genug betont werden.

Der Begriff "Imperativ":
" Als Adjektiv bedeutet der bildungssprachliche Begriff imperativ so viel wie 'befehlend', 'zwingend', 'bindend' oder (gehobener) 'gebietend'. So wird das Adjektiv beispielsweise in Bezug auf die imperative Programmierung in der Informatik, imperativen Harndrang in der Medizin oder imperative Mandate in der Politik verwendet. Das Adjektiv ist nicht zu verwechseln mit der substantivierten Form 'Imperativ', welche in der Grammatik die Befehls- und Aufforderungsform darstellt, oder in der Philosophie und Soziologie ein 'Gebot' oder 'Prinzip' bezeichnet.
Der Begriff stammt aus dem Spätlateinischen und ist über imperativus, zu lateinisch imperare (befehlen) herzuleiten." (https://neueswort.de/imperativ/)

Unsere Gebieter sollten wir subjektiv - als Teil eines von uns gewählten Kollektives - selber sein. Die Einsicht in die zwingenden Gebote darf nicht von mächtigen Menschen fraglos vorausgesetzt weden, sondern wir sollten uns vielmehr von der jeweiligen Erkenntnis der Notwendigkeit und dem Verständnis der Begründetheit von einzelnen konkreten Entscheidungen oder allgemeiner Prinzipen leiten lassen, aufgrund historisch bestimmter sozialer und politischer Verhältnisse. Einsicht ist kein imperativer Harndrang, oder ein festgelegter Algorithmus sondern das "frei"willige subjektive Vorschlagen von bestimmten Regeln, technischen, wirtschaftlichen bzw. sozialen Lösungen, oder die ebenso subjektiv erarbeitete soziale und politische Zustimmung dazu und die ebenso freie vertrauensvolle Annahme von Vorschlägen durch Andere oder Dritte.

Das Wort "Befehl" ist innerhalb von Demokratien eigentlich verzichtbar geworden und sollte besser durch das Wort "Aufforderung" ersetzt werden. Die Grenzziehungen in der Wortwahl sind aber deshalb so schwer, weil es im Alltag der Menschen sehr wohl Aufforderungen gibt, die sinnvollerweise zu Gunsten der davon Betroffenen unmittelbar und sofort befolgt werden sollten. Das Wort notwendige "Maßnahmen" hat sich in unseren Jargon eingeschlichen, obwohl auch diese einer klugen und nachvollziehbaren Begründung bedürfen. Dazu ist statt eines "Kadavergehorsams" vor allem ein kluges Set an vernünftigen, bereits kulturell vorab eingeübten, Reaktionen notwendig. Diese nur selten als notwendig vorkommenden angemessenen Spontanreaktionen auf scheinbar zwingende Aufforderungen sind von uns durch die jeweilige Bildung sozial zu erwerben und zu erlernen. Ein direktes "Stop it" an einer Verkehrskreuzung macht einfach Sinn. Dazu gehört natürlich vor allem ein entsprechendes Vertrauen gerade auch zu denjenigen, die solche "Aufforderungen" aussprechen. Vertrauen wiederum muss durch Glaubwürdigkeit erst erworben werden.

Das unmittelbare zwanghafte und ungeprüfte Befolgen von Befehlen gehört zu den autoritär finsteren Zeiten, die den modernen Demokratien mit weniger klugen und häufig unvernünftigen Gehorsamsanweisungen und primitiven Entscheidungs"hilfen" in hierarchisch gegliederten Familienverbänden, Stämmen oder Feudalgesellschaften voraus gegangen sind. Die Renaissance des Denkens und Handelns fand gerade beim Übergang von nicht begründbaren Befehlen zur Einsicht in den Sinn "bestimmter" Aufforderungen statt, in Form allgemein akzeptierter sozialer Normen, Regeln und Gesetze - manchmal subjektiv vorgeschlagen und gesetzt nur durch Einzelne - sinnvoller aber politisch gemeinsam im öffentlichen Diskurs errungen durch Mehrheitsbildungen dazu in den politischen Prozessen der gesamten Gesellschaft.

So müssten beide philosophischen Gedanken der "Freiheit" (auch selten gar zum Verstoß gegen Gebote) und des "Verzeihens" (falls soziale Regeln durch mangelnde Einsicht individuell nicht nachvollziehbar sein sollten oder zeitweilig sogar 'falsche' Regeln aufgestellt wurden) als Synthese aus den in ihnen enthaltenen dialektischen Widersprüchen durch folgenden Satz zu einer übergeordneten Wahrheit miteinander kombiniert werden: "Niemand hat das Recht nur zu gehorchen, aber jeder hat zugleich auch das Recht und die Pflicht menschlich normale Fehler gegenseitig zu verzeihen." Ohne mißglückte Sozialisierung keine Resozialisierung und ohne Resozialisierung keine neue Sozialisierung.

Mit Kant könnte man noch hinzufügen: Jeder hat die Pflicht "alleine" und somit "subjektiv" zu denken. Und kommt das subjektive Denken zu einem "falschen" Ergebnis in Form einer für die Mehrheit unangemessenen Meinung, dann ist dies "an sich", soweit dieses Denken nicht zwingend zu öffentlichen Handlungen führt, nicht sofort ein Verbrechen. Gedankenverbrechen sind in einem Rechtsstaat nicht strafbar! Es gibt zudem - in seltenen Ausnahmefällen - auch noch das Recht auf individuellen Widerstand, falls nämlich (selbst in ursprünglichen Demokratien) durch deren Bedrohung gravierend und offensichtlich gegen die Grundrechte von Menschen verstoßen wird. Aber auch dafür benötigt man eine jeweilige internationale relativ stabile und sich kulturell doch auch immer wieder ändernde Charta von Grundgesetzen oder Verfassungen, die die "allgemeinen" Menschenrechte oder das Völkerrecht "an sich" definieren, um Verstöße daran messen zu können. Erst der Versuch dieses vorerst nur "Eigene" mit Gewalt oder gar kriminellen Methoden an der Mehrheit vorbei oft auch "geheim" zu verfolgen und damit auf der Basis des nur eigenen Willens "antisozial" durchzusetzen, ist das eigentlich elementare soziale Fehlverhalten, weil es auf Dauer die Basis und das Recht auf die eigene Subjektivität untergräbt.

Diesen so wesentlich zentralen vernünftigen Gedanken sollte unser Bildungssystem folglich in erster Linie vermitteln. Nur Eigendenken ermöglicht Eigenhandeln, weil dieses, wenn es der Gesellschaft dienlich ist, das aller "Vernünftigste" ist. Was aber wirklich vernünftig ist, wissen wir niemals im Vorhinein sondern immer nur dann, wenn wir gegenseitig mit unseren Entscheidungen und Handlungen im Nachhinein gemeinsam durch diese "zufrieden" oder vielleicht auch nur "glücklicher" geworden sind. Dieses Ziel würde ich dann das "Primat des Lebensglücks" nennen, auf das sich alle klugen und zugleich vernünftigen Philosophen einer "kontinuierlichen" Aufklärung, die es stets zu erneuern gilt, schon weit früher besonnen haben. Dazu braucht es weder "Endlösungen" noch ein diesseitiges wie jenseitiges religiöses Paradies.

Folgen wir also nicht - selbst in den schlimmsten Krisenzeiten - ohne Nachdenken und Kritik wie die Lemminge den Anordnungen der Politiker "zu unserem Wohl", denn auch die Lemminge sind ja nicht todessüchtig, sondern finden nur oft nicht den richtigen Weg in "ihr" Paradies, und gehen nur deshalb dabei fehlgeleitet unter. Nehmen wir uns dazu auch immer das subjektive Recht heraus, uns gegenseitig klug zu verzeihen, weil dieses Verzeihen uns in humanistischer Liebe aneinander zu binden vermag, und uns damit erst als Gemeinschaft und dann darüber hinaus auch als Gesellschaft in Vernunft konstituiert. Wie unvernünftig auch demokratisch gewählte Politiker sein können, und Gesellschaften untergraben, indem sie durch öffentlich vorgetragene Lügen oder geheime kriminelle Aktionen vom Weg des codifizierten kollektiven Rechtes abweichen, sollen deshalb die folgenden Beispiele aus den USA zur Warnung noch einmal verdeutlichen:


Tatort Weißes Haus: Der Watergate Skandal

Tatort Weißes Haus: Die Iran-Contra-Affäre

Tatort Weißes Haus: Die Lewinsky-Affäre

Tatort Weißes Haus: Der Fall James Comey

 

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