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Der Nazi in meinen Eltern
ist auch der Nazi in mir -
eine Filmempfehlung

 

Wer wirklich wissen will, warum der moderne Faschismus eher im modernisierten Gewand der Gier der Bitcoin-Welt, der angepassten Ja-Sager und in der Form eines falsch verstandenen dünkelhaften und harmoniesüchtigen "Gut"menschentums der "Mitmacher" daher kommen könnte; wer sich zudem erklären will, was neben der Brutalität und Grausamkeit der Nationalisten die seelischen Erkrankungen ausmacht, die als Voraussetzungen für das aktuell wieder aufkeimende Deutsche Besserwissertum für Alles und Jedes sind - übrigens weit gefährlicher als die politischen Lächerlichkeiten der menschenverachtenden AfD, der sollte sich unbedingt das nachfolgende Kunstwerk ansehen, das arte aufgrund der Medienstaatsverträge leider nur noch weitere 7 Tage zeigen darf:

"Hitlers Hollywood" von Rüdiger Suchsland

gegen Gebühr als Stream jetzt hier sehbar

Wie mir mein Geschichtsprofessor auf dem Weg nach Amerika, als Land der Freiheit, Ende der herbstlichen 70er Jahre mit auf den Weg gab, habe ich folgenden entscheidenden Satz von ihm sehr ernst genommen. Er sagte damals anläßlich meiner Begutachtung für das Stipendium der Deutschen Begabtenförderungswerke durch ihn: "Wissen Sie, junger Mann (damals noch ;-)), der Verf.), das eigentliche Verbrechen der Nationalsozialisten begann mit dem Verrat an der Jugend und der Rebellion in der völkischen Bewegung." Ich habe erst mit Hannah Arendt gelernt einen solchen Satz zu verstehen, der dazu auffordert den Beginn des Faschismus in seiner Banalität und Alltäglichkeit dort zu suchen, wo man ihn aufgrund seines expliziten Auftretens als solchen gar nicht vermuten würde.

Das oben empfohlene dokumentarfilmische Kunstwerk ist in seiner Genauigkeit und Subtilität, die Ursachen von Gefühls- und Denkformen des "Am-Deutschen-Wesen-wird-die-Welt-genesen" zu analysieren, nicht zu übertreffen. Dabei gelingt es ihm auch in unnachahmlicher Weise durch kluge Auswahl und Zusammenschnitte von filmischen Produktionen (vor und unmittelbar während des Dritten Reiches) die Sehnsüchte und Ängste von uns allen als Adressaten totalitärer Botschaften ernst zu nehmen. Dieses Werk zeigt die tiefen seelischen Korruptionen, die mit einer falsch verstandenen Ordnung verbunden sind, peinlichen deutschen "Sauberkeitsorgien", einer abartig überzogenen Sehnsucht nach "Heimat" und einer produktive Konflikte ausschließenden kollektiven Harmoniesucht. Diese nekrophilen todessüchtigen Hyperidealisierungen von Wirklichkeit können eben nur in den Perversionen eines vor allem männlichen Rigorismus enden, der die "Fehler der Anderen" möglichst ohne gemeinsame Gespräche und Rückfragen nur noch mit brachialster Gewalt in Form von "Endlösungen" zu Gunsten von erhofften Paradiesen "auszutilgen" versucht.

Der "kulturelle" Nazi in uns bedeutet im historischen Blick zurück natürlich nicht, dass wir alle Nazis sind, das wiederum wäre die Banalisierung des verbrecherisch Bösen, aber er verweist darauf, wie schnell der falsche Umgang mit eigenen Einstellungen und Emotionen zu übersteigerten Reaktionen, intolerantem Verhalten und den damit verbundenen seelischen Verwirrungen führen kann, die dann als Konsequenz im kollektiven Rausch der überhöhten Faszinationen Elend, Tod und Vernichtung in den entsprechenden "Lagern" nach sich ziehen können.

Sehenswert allemal, und lehrreich auch!