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  Putins Fake -
Der 9. Mai 2022 und das
historische Ende der Tage der Befreiung



"Wahrheit ist, was der Lüge nicht ähnlich ist!"
 
 


Der so wunderbare "Tag der Befreiung" vom Nationalsozialismus warf bereits damals einen stalinistischen Schatten auf die für die Befriedung und Demokratisierung der Welt so bedeutsamen Ereignisse; denn das Hissen dieser Fahne an diesem Ort zu dieser Zeit war schon 1945 ein inszenierter "Fake".

Putin 22.2.2022 u.a. zur Begründung seiner "Spezialoperation", die kein Krieg sein soll: "Betrug, Begriffsschwindel, Manipulation der öffentlichen Meinung und Lügen kommen immer teuer zu stehen. Das Virus der nationalistischen Ambitionen verschwand nicht, und die Zeitbombe, die später die Immunität des Staats gegen die Seuche des Nationalismus zerstören sollte, sie tickte und tickte. ... In internationalen Abkommen ist explizit das Prinzip der gleichen und unteilbaren Sicherheit verankert. Dazu gehört bekanntlich die Verpflichtung, die eigene Sicherheit nicht auf Kosten der Sicherheit anderer zu erhöhen. ... Mit anderen Worten: Die Methoden zur Gewährleistung der eigenen Sicherheit dürfen keine Bedrohung für andere Staaten darstellen. ... Wobei Russland immer dafür eingetreten ist und auch heute dafür eintritt, dass noch die schwierigsten Probleme mit politischen und diplomatischen Mitteln gelöst werden, am Verhandlungstisch. ..."

"Ich bin nicht deshalb schon in eine Identitätskrise geraten, weil ich mich, als Kriegsdienstverweigerer, darüber freue, einen Bundeswehrgeneral unter unseren Gästen begrüßen zu können. Meine Identität hat einen Knacks dadurch bekommen, daß ich, angesichts einer derart brutalisierten Welt, trotz meiner tiefen inneren Unruhe, die gleiche stoische Ruhe nach außen zum Ausdruck bringe, die ich meiner Elterngeneration als mangelnde Auseinandersetzung und Feigheit bei der Bekämpfung des Nationalsozialismus zum Vorwurf gemacht habe. Wie sehr hat mich in meiner Jugend - gerade 40 geworden, darf man das ja wohl so sagen - das Leben von Ernest Hemingway beeindruckt, der voller Energie und mit Vehemenz nach Spanien ging, um einen Beitrag zur Beendigung des dortigen Bürgerkrieges zu leisten, und um der, wie er meinte, gerechten Sache zum Sieg zu verhelfen. Im Gegensatz zu einigen meiner Freunde, die immer noch Schwierigkeiten haben, im ehemaligen Jugoslawien den Agressor zu identifizieren, fühle ich mich moralisch schuldig, weil ich dem von den Serben provozierten Krieg und den damit verbundenen Leiden nicht durch persönliches Eingreifen unmittelbar und direkt Einhalt zu gebieten versuche. Ich kann mich dabei nicht auf meine grundsätzliche Haltung als Kriegsdienstverweiger zurückziehen, ich muß offen gestehen, daß ich - unabhängig davon, daß ich die Wirksamkeit eines militärischen Eingreifens von außen nicht beurteilen kann, den Mut nicht mitbrächte, mich selbst in das Auge des Taifuns zu bewegen.

Und bitte verübeln Sie mir nun nicht die Tatsache, daß ich Ihnen an dieser Stelle, der Deutlichkeit halber, meine 'Schuld' nur als eine rhetorische vorgetragen habe. In Wirklichkeit weiß ich sehr wohl die historischen Lagen zu unterscheiden. Es darf nicht wieder gelingen, einen nationalen Bürgerkrieg zu mißbrauchen, um die ganze Welt durch die Internationalisierung eines nationalen Konfliktes in einen barbarischen Rausch zu treiben.

Die moderne Identitätskrise Mitteleuropas wird oft in einer Renaissance nationaler Bewegungen oder Kulturen und ihrer Übersteigerung in Form von Doktrinen gesehen. Der Krieg in Europa, so heißt es, sei erst dadurch wieder 'möglich geworden'. Aber liegt die zynische Wahrheit nicht vielmehr darin, daß der Krieg in diesem Jahrzehnt Europa leider 'nur' näher kommt? Ein Verhängnis unserer Sprache ist die Inflationierung des Kriegsbegriffs, viele verwenden den Krieg als ein Wort für Konflikt: die einen führen 'Werbefeldzüge', andere schlagen Schlachten im Beruf oder fühlen sich als kampfstarke Bataillone in einem Ehe-
oder Familienkrieg.

Wie können selbst bedachtsame Philosophen, so z.B. Emmanuel Levinás, im Bewußtsein mehrerer Weltkriege die sophistische These wagen, daß 'sich dem philosophischen Denken das Sein als Krieg zeigt', oder daß die Gewalt des Krieges 'nicht so sehr im Verletzen und Vernichten besteht'? Die inflationäre Übertragung des Wortes Krieg auf jede Art von sozialem Konflikt ist selbst ein kriegsbegünstigendes Moment.

Die psychologische Vorbereitung auf den Krieg ist das, was auch Lévinas als die
eigentliche Gewalt des Krieges beschreibt, die Zerstörung der Identität von Personen:
'... die Gewalt (des Krieges, der Verf.) besteht nicht so sehr im Verletzen und Vernichten; sie besteht vielmehr darin, die Kontinuität der Personen zu unterbrechen, ihnen Rollen zuzuweisen, in denen sie sich nicht wiederfinden, sie zu Verrätern nicht nur an ihren Pflichten, sondern an ihrer eigenen Substanz zu machen, sie Taten verrichten zu lassen, die jede Möglichkeit einer Tat zerstören. Wie der moderne Krieg, so verwendet schon jeder Krieg Waffen, die sich gegen den kehren, der sie in Händen hält.' (Emmanuel Lévinas, Totalität und Unendlichkeit. Versuch über Exteriorität, Freiburg 1987, S. 19)

Die moderne Hauptbedrohung von Identität liegt also nach wie vor im umfassenden Krieg, dieser ist aber erst durch die behauptete Vernichtung von Identität durch den Feind möglich geworden. Die Vermeidung des Krieges muß also nicht nur auf die Vermeidung des Wirksamwerdens eines Waffengangs, sondern bereits auf die Vermeidung der Zerstörung persönlicher und sozialer Identität und Integrität gerichtet sein, die dazu führen, daß Menschen Waffen, die sich gegen sie selbst kehren können, vorbehaltlos in die eigenen Hände nehmen."

(Auszug aus meiner Eröffnungsrede anlässlich des von mir veranstalteten Kongresses "Identität, Integration und Verantwortung" - vor fast 30 Jahren - 1993 in Görlitz/Sachsen,
der vollständige Text zu diesem Zitat ist auf meiner Homepage unter Texte zu finden)