(zurück zur Übersicht) Mein Bloghaus (zurück zur Übersicht)

 
 
 

Wer die Welt
und damit die Menschheit
"an sich" jetzt und sofort vor dem
Weltuntergang „retten“ will,
hat den Glauben an die Menschheit
längst einseitig aufgegeben

 

"TO THE EARTH YOU ARE JUST A WASTE & BURDEN" ???

 

Nie wohl in der Geschichte der Menschheit hat es mehr Weltretter gegeben.

Wäre die aktuelle Generation die "letzte" Generation, dann wäre es umso amüsanter, dass sie sich überhaupt noch mit der Rettung der Welt befasst, anstatt die ihr noch verbliebene Zeitspanne zu genießen. Da sie es aber eben nicht ist, und nach ihr noch viele Generationen folgen werden, ist die Komik ihrer Sebstbenennung dennoch der richtige Weg, um uns weiterhin zu Lösungen anzuspornen ein humanes Leben auf diesem Planeten so lange wie möglich zu fördern.

Der "Retter" ist immer in der Situation der Rettung ein einsamer Mensch. Er muss in einer für ihn mehr als schwierigen Situation gravierende Entscheidungen verantwortlich alleine treffen. Ein kluger "Retter" indes ist derjenige, der dabei, soweit ihm akut möglich, auch darauf setzt, dass ihm ebenso kluge Menschen mit ihren Möglichkeiten schnellstmöglich beiseite stehen.

Dass das menschliche Einzelwesen stirbt, ist so eine neue Erkenntnis nicht. Nicht umsonst haben fast alle Kulturen vor dem Hintergrund dieser Erkenntnis einen eigenen Totenkult entwickelt. Dass die Tage der Menschheit „an sich“ gezählt sind, gehörte ebenso bisher schon zu den banalen Erkenntnissen der letzten Jahrhunderte, spätestens ab dann, als viele Menschen begriffen, dass die Erde nur ein Teil eines Kosmos im Rahmen vieler Kosmen ist. Die Paralleluniversen faszinieren seitdem die „Scientologen“ der Moderne.

Was aber ist dann am Rande der Existenz der Erde am Menschen so rettenswert? Warum rufen „Megadenker“, wie Hawking, und ökonomische Mega-Hasardeure, wie Musk, dazu auf statt der Erde so schnell wie möglich andere Planeten zu besiedeln, um die Menschheit vor der Selbstausrottung zu retten?

„Starphysiker Stephen Hawking (74) warnt seine Mitmenschen vor ihrem selbst heraufbeschworenen Untergang. Ein Atomkrieg, die Erderwärmung, durch Gentechnik erzeugte Viren und Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie gehörten zu den existenziellen Gefahren, sagt Hawking in einer BBC-Vortragsreihe ... Das Risiko einer Katastrophe auf der Erde in einem bestimmten Jahr sei zwar gering, aber für die nächsten 1000 oder 10 000 Jahre „beinahe Gewissheit“, sagt Hawking demnach. Seine Botschaft: 'Bis dahin sollten wir uns ins All ausgebreitet haben und zu anderen Sternen, so dass ein Desaster auf der Erde nicht das Ende der Menschheit bedeuten würde.' Da man in den kommenden 100 Jahren aber noch nicht so weit sein werde, müssten die Erdbewohner in dieser Zeit „sehr vorsichtig“ sein.“ (https://www.tagesspiegel.de/wissen/stephen-hawking-warnt-vor-selbstausrottung-der-menschheit-5785888.html)

Einerseits haben die Weltretter kein Vertrauen zur Menschheit, indem sie meinen, wir Menschen seien unfähig selbst Strategien zur Verlängerung und Ausweitung unseres Lebensraumes auf der Erde zu entwickeln; als banale „Lösung“ dazu fällt ihnen infolgedessen nur ein, andere Planeten mit Menschen zu deren Rettung zu besiedeln; andererseits halten sie die für sie insofern „Unfähgisten“ im All, weil sie diese vorrangige Aufgabe nicht begreifen, dennoch für „rettenswert“. Warum sollte man „die“ Welt oder „die“ Menschheit denn retten, wenn sie doch nur aus solch planetarischen Losern besteht?

Menschen wie ich, die sich dem Humanismus nicht deshalb verpflichtet fühlen, weil wir historisch in unserer Vermehrung so erfolgreich waren, sondern weil es uns um die vorrangige "Qualität" und Einzigartigkeit der menschlichen Kultur auf der Basis ihrer vorrangigen Natur geht, und als solche auch nur hier auf diesem Planeten möglich ist, die müssen an den zahlreichen Rettungstheorien zweifeln. Wir Humanisten also, que können genügend Beispiele im All und in der uns umgebenden Natur nennen, die ganz andere und viel erfolgreichere „Quanten“ der Entwicklung als nur die "Menge an Menschen" historisch abgeliefert haben. Ja selbst wenn man nur unseren Körper als ein Universum begreift, dann finden sich bereits darin genügend Zellen und Strukturen, die eine viel größere „Zahl“ des Überlebens darstellen als die insofern lächerlichen 8 Milliarden Menschen, zu denen wir es aktuell mit viel Mühen und ebenso vielen Ungerechtigkeiten gebracht haben.

Nichts ist so komplex, so kompliziert und vor allem so wunderbar wie jeder einzelne Mensch. Und um diese einzelnen Menschen sollten wir uns als ein "Geschenk" jeweils sozial und gemeinsam kümmern.

"Wir Menschen sind… ein Geschenk. Ja, ein Geschenk. Denn unser Körper ist unsere Verpackung und unsere Augen haben ein Eigenleben und darin erstrahlt ein Licht, das im Takt unserer Gefühle flackert. Wir sind das Produkt neurochemischer Konstellationen, die in unserem Verstand, in unserem Körper und letztendlich auch in unserer Existenz Wege und Möglichkeiten entstehen lassen. ... Wir können unsere Taten und deren Einfluss auf unsere Umgebung nicht voneinander trennen und aus diesem Grund geben wir Energie ab, werden zu geladenen Teilchen, die dazu bereit sind, Erfahrungen zu machen. Erfahrungen, die in ihrer ganzen Pracht ein Glaubensbekenntnis abgeben, die die Natur vorherbestimmt, wenn wir geboren werden, wenn wir heranwachsen, bis eines Tages das Schicksal beschließt, unserem Leben ein Ende zu setzen. Daran kann wohl keiner zweifeln. Jedes Leben ist für sich und andere ein Geschenk. Und schöne Menschen sind aus individuell zusammengesetzten Teilen gemacht, aus zerbrochenen Teilen, die sich nach einem Sturm, wenn die Ruhe einkehrt, wieder vereinen und diesen Menschen ergeben. ... Und in Wahrheit muss jeder Mensch früher oder später schwierige Zeiten durchmachen. Je mehr das sind, desto mehr lernen und reifen wir. Man sagt darüber hinaus sogar, dass der Schmerz verschwindet, wenn wir die Lektion gelernt haben, auch wenn auf unserem Körper und in unserer Seele Narben zurückbleiben. Genau deswegen sind die schönsten Menschen all diejenigen, die in ihrer Geschichte schwierige Wege beschreiten mussten. Sie haben ihre Angst und ihren Schmerz nicht unbedingt besiegt, sondern sie haben verstanden, dass man nichts heilen kann, wenn man davor flieht." (https://gedankenwelt. de/wir-menschen-sind-ein-geschenk/)

Stattdessen beschwören viele nur eine grässliche Zukunft der Menschheit als ein unvermeidliches Faktum, und verpulvern deshalb solche Unsummen für die Rettungsraketen der Menschheit mit dem larmoyanten Argument, dass die Investitionen in den Tourismus im All ja nur eine in jeder Hinsicht sinnvolle Investition in neues der Menschheit nützliches Wissen seien. Der "Ausweg" Fremdbesiedelung anderer Planeten - auf eine Reise zu den sonstigen Galaxien können wir ja schon eh' theoretisch nicht vordringen - ist ebenso albern wie die Meinung, dass Atombunker ein "lebenswertes" menschliches Leben "danach" noch ermöglichen könnten. Bunker sind wieder en vogue. "Lasst uns Bunker statt Schulen bauen!", dieser Schlachtruf ist jetzt hysterisch wieder zu hören, dabei wären weltweite Schulen vor allem der von Hunger und Durst bedrohten Menschen mit einer kulinarischen Vollversorgung für die Kinder der einzig richtige Weg zur Rettung der Menschheit und der Welt.

Da werden angesichts der Hungersnöte von Menschen auf der Erde, und insbesondere von daran unschuldigen Kindern, Milliarden ins All geschossen, in der vagen Hoffnung dass irgendwann einmal auf irgendeinem Planeten in einer Art Glasglocke ein x-tel der faktischen Menschenwesen auf der Erde ein eher „menschseinunwürdiges“ Leben fristen wird. Dies ähnelt den Bunkerfantasien der rechten identitären Lebensraumideologen. Die Retter, als „Prepper“, kriechen gerade in den industrialisierten und wohlhabenden Ländern angesichts von Corona, der Klimakrise und dem „Ukrainekrieg“ aus allen Löchern. Fast möchte man meinen, dass die „neuen“ und scheinbar so modernen Menschen an einer neuen „Wehleidigkeit“ erkrankt sind, die sie drängt als Pharmazeutika Konserven in Kellern zu stapeln. Dabei hat die Welt doch in Form zumindest zweier Weltkriege schon Schlimmeres überstanden, ohne die Bedeutung der aktuellen Krisen und die Notwendigkeit sie durch neue Lösungen zu bekämpfen dabei herunter zu spielen. Und aktuell darf die moderne Welt auch während und nach Corona - zumindest in den privilegierteren eher "sorgenfreieren" Ländern - tagtäglich weiterhin persönliche Freude, Liebe, Leidenschaft und Neugier auf das was noch Positives vor uns liegt erleben. Sorgen wir also statt neuer Siedlungen im All dafür, dass sich solch ein "Glück" weiterhin auf dem Planeten verbreitet, und möglichst allen Menschen zugute kommt.

Schon glaubwürdiger als das Auswandern auf andere Planeten, wenn auch ebenso absurd, ist die Frage und die Suche nach einer neuen Weltrettungsregierung: „Brauchen wir eine Rettungsregierung? Corona und Klima sind Krisen unserer Zeit, die sich nicht gleichen. Sie drängen aber auf Antworten, die zu grundlegenden Änderungen unserer Lebensweise führen könnten. Versuch einer Auslegeordnung." (Kurt Seifert, 11. Juni 2020 Neue Wege 6.20, https:// neuewege.ch/brauchen-wir-eine-rettungs-regierung?search=Wilhelm)

Mit dem von mir so geschätzten Rudolf Bahro, der viele kluge Fragen, mit wenn auch noch wenig überzeugenden Antworten stellte, wirft der rezensierende Autor Seifert die berechtigte Frage auf: Wenn sich schon die zahlreichen Regierungen dieser Welt bis hin zu ihrer Zusammenschau in den Vereinten Nationen als scheinbar vorerst unfähig gezeigt haben vorbereitend und vorausschauend neue Lösungen für die gravierenden aktuellen Weltprobleme zu entwickeln, ob es dann nicht doch Sinn macht eine neue „Weltrettungsregierung“ zu fordern und zu entwickeln? Und auf wunderbar lyrische Weise stellt er seinem Artikel vorab auch noch die herrliche Zeile aus dem so vielfach missbrauchten Lied der „INTERNATIONALE“ voran, nachdem es doch unsere gemeinsame Aufgabe sei, die Erde zu retten, und uns den Desastern insofern nicht "gottgewollt" schicksalhaft zu ergeben.

"Es rettet uns kein höh’res Wesen,
kein Gott, kein Kaiser noch Tribun.
Uns aus dem Elend zu erlösen
können wir nur selber tun!
(Die Internationale, deutscher Text von Emil Luckhardt, 1910)"

Bahro spricht, nach Seifert, in seiner „Alternative“, einem Buch übrigens, das bei mir auf dem Altar der wichtigsten Bücher steht, wenigstens schon einmal von einem „Gleichgewicht“ von Menschengattung und Umwelt. Das hört sich zumindest vorläufig gar nicht nach Auswandern an:

„Der Sprung ins Reich der Freiheit ist nur denkbar auf dem Untergrund eines Gleichgewichts zwischen Menschengattung und Umwelt, dessen Dynamik sich entschieden aufs Qualitative und Subjektive verlegt. Wenn es nicht gelingt, die Gesellschaft so zu organisieren, dass sie diese Richtung rechtzeitig einschlagen kann, wird sie wenig später unter den Schlägen katastrophaler zivilisatorischer Zusammenbrüche, im Zeichen barbarischer Kämpfe und Diktaturen, dahin gezwungen werden.“ (Kurt Seifert, 11. Juni 2020 Neue Wege 6.20, https://neuewege.ch/brauchen-wir-eine-rettungs-regierung?search=Wilhelm)

Der Akt des „Rettens“ setzt das Außer-Kraft Setzen der „Normalität“ voraus. Gegenüber dem „normalen“ und alltäglichen Recht wird eine Art eigenes individuelles „Notrecht“ in Anspruch genommen, um erst einmal das „Schlimmste“ zu verhindern. Ein erheblicher Teil eines solchen Notrechtes ist inzwischen längst in Gesetzen, Verordnungen und Gerichtsurteilen auch tatsächlich kodifiziert. In Notsituationen ist der Mensch also bereits aktuell nicht vollständig frei, das zu tun, was er zur „Rettung“ und „Behebung der Sondersituation“ akut allein und eigenverantwortlich tun möchte, sondern auch er darf juristisch nur im Rahmen dieser definierten Rechte verantwortlich handeln und tätig werden. Eine Weltrettungsregierung, als rein kommunikatives Zusammendenken von „Lösungen“ für Notsituationen und Krisen, ist eigentlich zudem mit den Vereinten Nationen bereits vorhanden. Was jedoch viele daran stört sind die "Unverbindlichkeit" der Resolutionen, die „Vetorechte“ der Großen und Mächtigen, bzw. die in der Tat äußerst langwierigen und komplizierten Aushandlungsprozeduren. Aber das macht ja nun einmal die Demokratie als Volksherrschaft aus, dass sich ein Volk, und somit auch das Weltvolk erst einmal als ein solches begreifen muss. Anders als die politische Rechte, die dann ganz schnell nach einem handlungsmächtigen „Führer“ ruft, ist so ein „lupenreiner Demokrat" (leider ist dieses Wort inzwischen auch diffamiert), wie Bahro, davon überzeugt, dass nur die Beteiligung der Bürger dabei in einer neuen Form reorganisiert zu werden habe, und was noch viel entscheidender ist, dass nicht nur die Politik sondern gerade auch das Seelenleben der Bürger dabei erneuert werden muss.

Klug stellt Bahro, nach Seifert, die Frage der Macht vor: „Es gehe nicht darum, eine «wohlmeinende Tyrannis» zu errichten. Macht solle 'nur zur Begrenzung und Verhinderung des überhandnehmenden Unheils eingesetzt werden'. Es könne notwendig werden, «selektive und gezielte ökodiktatorische Einzelmassnahmen» zu ergreifen, doch das Entscheidende dafür sei die «Vorbereitung der Seelen». Profaner formuliert: Die Bereitschaft der Menschen muss vorhanden sein, solche Massnahmen mitzutragen oder zumindest zu tolerieren.“ (Kurt Seifert, 11. Juni 2020 Neue Wege 6.20, https://neuewege.ch/brauchen-wir-eine-rettungs-regierung?search=Wilhelm)

Ist aber in Analogie zur medizinischen Denk- und Handlungsweise die dramatische „Rettung“ der Welt aus ihrer Akutvergiftung im DRK- bz. Nasa-Transporter in das Hospital Universum hinein der bessere Weg als eine durch Wissen erzielte Vermeidung von Vergiftungen im Vorhinein? Ist selbst die nachfolgende zielgerichtete Therapie mit den daran geknüpften eher langwierigen Prozessen oder gar eine kluge vorausschauende Gesundheitspolitik der Genesung nicht förderlicher? All die Retter dieser Welt wollen uns weiß machen, dass es für eine solche „nachhaltige“ und insofern weniger spektakuläre Handlungsweise statt des nur akuten und gravierenden meist allzu schnellen und eher fantasielosen Rettungsaktes bereits zu spät sei, und dass nur die „Rettung“ und nicht die „Genesung“ radikal sein könne.

Dabei ist das wirklich Radikale in der Regel das Grundsätzlichere und deshalb eben langfristig Schwierigere, auch wenn zur Aufrüttelung in Hinsicht auf die wirklich großen Probleme die akute Rebellion der "last generation" durchaus hilfreich ist. Die Aufforderung zur Welt"rettung" kann also sehr wohl auch die Schattenseite der diffusen lähmenden "Angst" nach sich tragen, die psychologisch niemals produktiv handlungsleitend war. Vielmehr sollte man lernen und wissen, wovor man sich fürchtet, gepaart mit dem Glauben, dass das wovor man sich fürchtet, auch bekämpft und besiegt werden kann. Mit sozialer Fantasie, neu erworbenem Wissen durch Bildung und ökonomischer wie technischer Tatkraft auf die richtigen genuin humanen Ziele hin, ist die Menschheit zu retten.

Ja, längst sind wir auf dem Wege uns die Erde nur "Untertan" zu machen, aber das liegt doch vor allem daran, dass sich einzelne Menschen andere Menschen zum Untertan gemacht haben. Man stelle sich doch eine Welt ohne Waffen statt Raketen vor; wieviele Reserven hat die Welt ohne die militärischen Verluste, und wieviel Wohlstandsreserven liegen insofern noch vor uns. Ja, uns wird irgendwann in ferner Zukunft, die Luft oder die Sonne ausgehen, das ist nun wohl einmal das Schicksal von Planeten und Galaxien, die in schwarze Löcher stürzen, aber warum wollen wir schon jetzt Jahrhunderte des noch vor uns liegenden Menschenlebens in diesen Schlund freiwillig mit reißen? Sollen doch Bezos, Musk oder Branson bitteschön alleine reisen. Ihre Erben sind dann mit uns aufgefordert eben nicht im All sondern hier auf Erden und nicht in einem wie auch immer gearteten religiösen oder technischen "Himmel" für das menschliche Zusammenleben durch die Vermeidung von unnötigen Abfällen zur Erstickung von Menschen, Tieren und Pflanzen zu sorgen.

Sind wir noch zu retten? Ja, aber nicht indem wir uns für so krank erachten, dass wir nicht mehr auf „normale“ Weise mit unseren starken natürlichen und sozialen Immunisierungssystemen gesunden können, sondern indem wir all unser Können und all unser Wissen darauf konzentrieren, Rettungssituationen so gut es geht möglichst erst einmal prinzipiell zu vermeiden. Und genau dies, und nicht die Vorbereitung des Auswanderns auf einen anderen Planeten fordern ja gerade die jungen Rebellen in Wirklichkeit im Gegensatz zu den „die“ Zukunft vorausschauenden grosskopferten MegaMedienMenschen als menschliche Charaktermasken in Wissenschaft, Politik und Ökonomie.

Begeisterung für die vielen Lösungsansätze für die zahlreichen Probleme, die aktuell aufgeworfen werden, wäre die richtigere Antwort als das „Rettet-die-Erde-Gejammere“.

Jammern ist meistens eher erbärmlich, und Erbarmen heißt insofern auf fremde Hilfe warten. Ich bin im Gegensatz dazu überzeugt davon, dass die Menschen auf dieser Erde noch viele Jahrzehnte und wahrscheinlich Jahrhunderte leben werden, und genau so sollten wir uns auch verhalten, indem wir uns gegenseitig lernend, wissend, liebend und handelnd aufeinander zubewegen, und diese Grundeinstellung auch für den Umgang mit Natur und Umwelt bewahren. Diese für den Menschen "nützlich" zu machen, ist doch nicht das Verbrechen, sondern die Dummheit, das balanciert "notwendige Wechselspiel" des Überlebens zwischen uns Menschen und Natur bzw. Umwelt mehr oder weniger vollständig im Primat der Macht, der Ökonomie und des Militärs untergehen zu lassen. Nur diese Ignoranz gegenüber der naturrechtlich sinnvollen und notwendigen Gleichberechtigung unter den Menschen, was keinesfalls eine Gleich"setzung" von Mensch und Natur bedeuten soll und kann, hat uns vom Wege des Humanen weggeführt. Für Menschen wie mich ist der Mensch die Krone der Schöpfung mit den damit verbundenen erworbenen Sonderrechten die Natur zu seinen Zwecken zu nutzen, aber genau das tun wir ja nicht, indem wir die Natur, von der wir doch so abhängig sind, sukzessive zerstören.

Nur ein Mensch, der selbstbewusst und liebend positiv glaubwürdig auf andere ausstrahlt, kann Zweite und Dritte zu Mitbeteiligung und Mithandlung zum Besseren überzeugen. Einen oder wenige Akut-"Retter", die alles in irgendeine oft allein antizipierte Richtung ändern, vor allem dann, wenn sie auch noch am Ende vorrangig auf andere Sterne auswandern wollen, die brauchen wir dabei nicht.

Ein Mensch, der mir vor allem nur sagt, dass ich bald sterben muss, und dass dies das kurzfristige Schicksal der gesamten Menschheit sei, der ist mir eher genuin unsympathisch und will mich scheinbar nur entmutigen. Ich aber fasse die „instinct rebellion“ eher als eine Satire und Karikatur der aktuellen Welt und deren mächtiger Hauptentscheider auf, weil ich den jungen Menschen, die sich dabei so aufrüttelnd engagieren, erst einmal unterstelle, dass sie, wie ich und andere "Mit-Humanisten" schon meinen, dass das in der Kulturgeschichte so erfolgreiche Menschenwesen an sich auf der Basis der Änderung des Verhaltens überleben wird, und eben nicht in "absehbarer" Zeit bald aussterben muss und wird.

Wenn es mit dem Aussterben der Menschheit aber tatsächlich - aufgrund der Uneinigkeit der Welt über die grundsätzlich notwendigen Änderungen - kurzfristig voran schreiten würde, dann sollten wir uns doch lieber noch schnell einen guten und befriedigenden Liebesakt gönnen bzw. uns mit einem guten Wein oder einem„Schnaps drauf!“ verabschieden und soweit ertränken, dass es am Ende zumindest nicht mehr in seiner Härte ganz so spürbar ist oder weh tut.

Die oftmals sogar ernste und innere Prepper-Erkenntnis, dass man schnell, akut oder gar dramatisch durch die diversen Krisen innerhalb eines eng absehbaren Zeitraumes sterben werde, und man sich folglich, wenn auch nur für einen befristeten Übergang, retten muss, ist sogar gegenüber dem Sterben respektlos; denn wer wirklich in Kürze sterben muss, der hat ein ganz anderes und vielfach sehr ernstes Problem, und wird vor allem, wenn er weise ist, darauf bedacht sein, dass er im Rahmen seiner menschlichen Würde sterben kann. Sie/er wird nicht unnötigerweise polternd schon vorher und grundsätzlich freiwillig im Raketendonner von Waffen und falschen Argumenten auf das Mensch-Sein verzichten wollen. In solch einen Schlund wollen uns nur die so "allwissenden" aber in Wirklichkeit an ihrer Egozentrik erkrankten Völkermörder, wie Napoleon, Hitler, Stalin, Mao, Pol Pot oder vielleicht nun sogar auch Putin, ziehen. Die antiken und mittelalterlichen Macht-Verbrecher lasse ich der Einfachheit einmal dabei aus.

Gegen solche "Retter" muss man mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegensteuern. Dass man sich dabei gegen deren Angriffe zudem auch noch verteidigen darf, bis hin zu kurzfristiger militärischer Gewalt, versteht sich doch von selbst; aber es heiligen eben nach wie vor nicht alle Mittel den Zweck. Und Kriege sind nun einmal die paradoxe Nicht-Lösung durch die Umwertung aller Werte schlechthin. Man kann sich deshalb in der antizipierten "Verteidigung" auch verlieren, wenn man den gesellschaftlichen Reichtum nun nur noch in sogenannte kriegerische "Rettungsmaßnahmen" umwidmet statt sie weiterhin vorausschauend in Bildung und Initiativen zur Förderung sozialer Gerechtigkeit zu investieren.

„Bellermann: E ... entschuldigen Sie, meine Herren. D ... darf ich mir die Anfrage erlauben, w ... was das für ein Werk ist, dieser W ... Weltuntergang?
Fiebig: Jott ... no ... wat sollt jroß sind? ...
Gehrke: (klopft mit seinem Bleistift auf den Tisch) Aber, meine Herren! Wir entfernen uns wieder von unserer Aufgabe. … Die Theorie des Herrn von Styczinski kennen Sie. Die Psychologie des Individuums resultiert aus einer Aufeinanderfolge von Sensationen und Vibrationen. Als naturgemäße Konsequenz daraus ergibt sich das Übergewicht des Gangliensystems über das Gehirn.
Fiebig: (Prise) Ja, det looft allns in eenander.
Gehrke: Ich selbst, wie Sie wissen, stehe ja allerdings auf anderem Boden. Indessen unsere Anschauungen, so verschieden sie auch sind, repräsentieren nur die Ausstrahlungen der entgegengesetzten Pole desselben Elements, das mit logischer Notwendigkeit in diesem gegebenen Moment Realität werden mußte. Das Vereinigende, wie in unserm ganzen Kreise, ist das Anarchische. Herr von Styczinski hat das Wort.
Styczinski: (leiernd) Wir sind alle kranke Sumpfblumen am Jahrhundertsende. (Fiebig nickt beifällig, Gehrke spielt mit dem Bleistift, Herr Hahn sieht verlegen vor sich hin, Werner juckt sich am Bein und bläst dann wieder große Wolken, Bellermann fährt sich um die Tonsur, Sprödowski, an die Wand gelehnt, die Augen gegen die Decke mit dem Ausdruck: Wat können die mir noch sagen! Der mit dem Eindruck des ersten Anfangs seiner Rede Zufriedene monoton-schwermütig fortfahrend) In unsrer Seele singt das Lied von der siegenden Bakterie. Unserm Blut fehlen die Leukozyten. Auf der Leierkastenwalze unsres Bewußtseins tönt allein die schauerliche Symphonie des Fleisches. Sie objektiviert sich in Chopin. Er allein, der neue Urmensch, schickt unser Gehirn auf die grüne Wiese, er allein denkt in übereuropäischen Dimensionen, er allein baut uns wieder das zertrümmerte Jerusalem unserer Seele. (kleine Pause) Dies alles, bitte ich Sie, wollen Sie mich niederlegen lassen, verdichtet zu einem Deprofundis. (wieder kleine Pause)
Fiebig: Na . . . icke . . . ick muß sagn, ick bin dafor. Mir könnte sowat janz jut jefalln. Kunst un Wissenschaft in eens. Det zertrümmerte Jerusalem, wissn Se, is wat for mein Weltunterjank. So wat ehnlichet hab'k ooch machn wolln.
Gehrke: Aber, Herr Fiebig, Sie werden Ihr anscheinend mehr humoristisch gedachtes Epos doch wohl unmöglich in Parallele mit diesen kosmogenischen Rhapsodieen des Herrn von Styczinski bringen wollen?
Fiebig: (verletzt) Ja, no, worum dn nich? Sein Hiehnerooge hat jeder. Mein Hiehnerooge ist mein Weltunterjank. Ick will ooch mal wat für de Unsterblichkeit dun!“
aus: Arno Holz, Sozialaristokraten (Quelle: https://www.projekt-gutenberg.org/holz/sozialar/sozial22.html)

Am produktivsten, mutigsten und visionärsten ist der Mensch, indem er sich die Freiheit nimmt in Liebe zu sich und anderen das anzuerkennen, was notwendig ist, denn das was notwendig ist lässt sich immer nur individuell frei entscheiden, auch wenn es "nur" objektiv zu sein scheint. Die Letztbeurteilung dessen darüber, ob es denn tatsächlich notwendig war, was wir kritisch für notwendig erachteten, liegt aber im späteren Schicksal der Welt nach uns, das uns in einer Gegenwart nie zugänglich sein kann.

"Die Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit", wer auch immer diesen klugen Gedanken geprägt haben mag, dessen Provenienz ja sehr umstritten zu sein scheint, gibt uns mit diesem Denkspiel einen Auftrag zur steten gründlichen aber eben auch freien Selbstvergewisserung unseres Handelns mit auf den Weg.

Der revolutionäre Gehalt dieses Satzes impliziert eben nicht die nur passive und somit verfrühte Hinnahme des Szenarios eines etwaigen stets denkbaren Weltuntergangs, sondern die individuelle mutige und die Welt und damit vor allem den Menschen und seine Sozialität "liebende" Entscheidung dazu und darüber, alles individuell Mögliche dazu beizutragen dass dieser "Weltuntergang" letztendlich so weit und solange möglichst "verschoben" und nur in gewisser Weise vermieden wird, eben so eingeschränkt und limitiert wie dies nach menschlichem Ermessen mit dessen begrenzter Vernunft absehbar ist, auch wenn die Möglichkeit "unseres" Weltuntergangs als Gattung an sich prinzipiell langfristig nicht vermieden werden kann, denn darauf deuten alle Gesetze der Entwicklung des Alls hin, die uns bisher naturwissenschaftlich bekannt sind.

Erschreckend ist für mich dabei nur, wie defaitistisch viele Menschen bereits "jetzt" und "heute in der Gegenwart" bereit sind, den Kampf für ein - natürlich nur aus der Perspektive von uns Menschen - noch lebenswerteres Anthropozän als verloren zu betrachten, wo doch noch so viel Schönes und Edles für uns alle und unsere Nachkommen auch nach unserem individuellen Tod als Gattung möglich ist. Welche Art und welcher Kosmos dem unseren folgen mag liegt doch eh nicht in unserer Hand! Schon deshalb ist und bleibt das pseudowissende Faseln darüber desorientierend und führt in der Konsequenz zu einer völlig unnötigen Aufgabe aller "notwendigen" Positionen des Humanismus und des an ihn gebundenen Impetus seiner Ideale, oder noch besser "eines" lebendigen Humanismusses; denn der Humanismus an sich läßt sich wiederum "eigentlich" nur sozial und insofern im Plural denken. Mut zur Wahrheit und Mut zur Vernunft bleibt für mich persönlich deshalb konsequenterweise angesagt auch wenn es "die" Wahrheit und "die" Vernunft qua Definition im Singular eigentlich gar nicht geben kann.

Als Sinn des Lebens bleiben uns deshalb nur die neuen Fragen, die wir in Liebe und Freiheit selbst individuell in einem handelnden Akt der "Auswahl" stellen. Unser persönliches Vermächtnis und Quintessenz des Lebens sind folglich in aller Demut auch "nur" die neuen Antworten darauf, die wir aber "in ihrer Notwendigkeit" und Konsequenz eben "heute" und "eigentlich" (siehe dazu an anderer Stelle den Beitrag zu meiner persönlichen Liebe des "eigentlich") noch nicht kennen und auch vorab als solche in ihrem Umfang und in ihrer Bedeutung niemals als dann und bis dahin - jetzt notwendig - kennen können. Diese Erkenntnis und quasi finale Beurteilung bleibt den nachfolgenden Generationen als für sie ebenso neu aufgegeben überlassen, die man allerdings genau so wie uns selbst schon im Hier und Jetzt "abstrakt" vorab als eine später teilhabende Gattung am Prozess des menschlichen Werdens - wenn auch nicht individuell wie den gegenwärtigen Einzelmenschen - zu "lieben" vermag. Diese "objektive" Gattungsliebe ist uns wie die Einzelliebe als Auftrag mit einem quasi "göttlichen" Mandat aufgegeben. So wird der Mensch zu seinem eigenen Schöpfer, indem er sich von seinem schicksalhaften Überich emanzipiert und nach Heidegger in seinem Sein als ein "So-Sein" setzt.