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Spargeln mit Bücklingen

 



Ich mag gerne Spargel,
denn für jeden einzelnen Spargel
hat sich ein Mensch für mich gebückt.

Spargel mit Bücklingen
das ist mein Leibgericht.

Wenn sich ein Georgier, ein Rumäne,
ein Ukrainer, ein Pole oder ein Bulgare
vor meiner Spargelstange verbeugt,
dann fühle auch ich mich besonders geehrt;
denn dann weiß ich genau,
dass ich etwas ganz Besonderes bin.

Beim Spargelstechen,
da messen sich die Nationen.
Die Rumänen scheinen dabei
vorerst die Nase vorn zu haben,
ganz nah an der Furche im Feld.
Früher waren auch viele Polen dabei,
doch sie sind beim Rennen um den längsten
und dicksten inzwischen längst ausgeschieden.
Als Teil der europäischen Wertegemeinschaft
der Spargelbestochenen sind die Polen
von den bedürftigen Spargelstechern
zu uns saturierten Spargelfressern
aufgestiegen.


(Quelle: https://www.fes.de/themenportal-flucht-migration
integration/artikelseite-flucht-migration-integration/ukrainische
saisonarbeitskraefte-in-der-landwirtschaft)

Da Polen eine längere Ostseeküste als Deutschland hat,
verwundert es nicht, dass die Polen bei den Bücklingen
historisch immer ganz vorne lagen.

Vor dem verfassungsrechtlich fragwürdigen
internationalen Spargel-"Gericht" in Den Haag sind
eben nicht alle Menschen mit Arbeit und Lohn "gleich".
Die Gunst des Schicksals zum Vorteil der vor allem
westeuropäisch gourmierenden Spießbürger hat
letzteren die Rolle der Nutznießer und anderen die
Rolle der bückenden Nutzenbringer zugeteilt.

Erst einmal fällt der Spargel selbst schon beim Pflanzen - wie später auch die verarmten Menschen, die sie stechen sollen, in ein tiefes Loch. Der Spargel hat militärisch stramm in dichten Reihen auf dem Feld zu stehen. Dieser "Ordnung" entspricht dann auch der Kulturfolger "Spargelstecher", mit einem passenden und gebührenden Abstand, und wirkt deshalb auf dem Felde der "Weißen" ebenso "sortiert" und aufgereiht wie der Spargel.

Es ist wenig geräumig schon in der "unterirdischen" Welt der Spargel, und doch lässt man ihnen wenigstens einen gewissen Abstand voneinander sowie den nötigen Platz und Spielraum in ihren Reihen zum heimlichen Wachsen und Gedeihen. Anders indes und noch bedrängter als der Spargel leben deren "Stecher" in ihren dunklen deutschen Behausungen, oft unter kaum zumutbaren hygienischen Bedingungen, eng eingepfercht als "Unter"menschen in ihren "Unter"künften - insofern durchaus vergleichbar dem bedrängten und quälenden Schicksal der geräucherten Bücklinge, dicht eingekeilt und platzsparend hinein gezwängt in ihre allzu enge Dose.





Oh guter Spargel, auch ich verbeuge mich vor Dir,
Du bist mein Frühlingsgott, und Du verleihst mir
meine menschliche Würde, meine Lust und Vitalität.
Du bist ein wunderbarer Ausdruck meiner gesunden
und allzu natürlichen Sonderstellung in der Welt!

In guter Butter gebettet schwebt über Dir,
guter Spargel, eine sanfte Wolke von Lukullus.
Mit einem fetten Schlag "Sauce Hollandaise"
gehörst auch Du, so wie ich, zu den vom Schicksal
zu Rittern geschlagenen und sozial Bestochenen:
Reif für die Bücklinge der Dir zujubelnden "unteren" Stände.
Der Spargel steht zu uns Wohlhabenden und Reichen -
Standgericht des Schicksals und Wende zum Guten!

"„Es kann nur der kochen, dem die Kunst gelingt, Spargel ohne Zutat in wonnigster Vollendung aufzutischen! Das Zitat stammt vom Feldherrn und Feinschmecker Lucullus (117 bis 57 vor Christus). Offenbar haben also schon die Römer Spargeln als spezielles Gemüse verlustiert."
(Quelle: https://herberthuber.ch/2021/04/24/nach-den-grunschnabeln-preise-ich-nun-die-weisshauptigen/)

Nein, als Gourmet verzehre ich Dich natürlich nicht zusammen mit einem billigen geräucherten Bückling oder Hering - nur ergänzend und Magen füllend zum veganen Gewächs - ansonsten wäre dies wohl auch eher eine wenig tradierte und völlig unpassende Gourmand-Kombination.

Zum "Spargeln" sollte man eigentlich wandern, möglichst "vom einen Ort zum andern". Auf jeden Fall in der wohlhabenden Schweiz! Auswärts "spargeln", so schreibt Herbert Huber, Gastro-Reisejournalist und Kolumnist, sei früher höchste Speisekultur gewesen, und auch er war schon als Kind auf die Bücklinge scharf:

"Noch in den letzten Fünfzigerjahren gehörte es zum guten Ton, Spargeln auswärts zu essen. Ich durfte damals mit meinen Eltern mitgehen, ins „Silbersäli“ des damaligen Bahnhofbuffets Luzern,1. Klasse, notabene. Mir machten die Gastgeber, die Gebrüder Pfenniger, mit den weissen Handschuhen und den ergebenen Bücklingen bedeutend mehr Eindruck als das Spargelessen. Das war nämlich ordentlich kompliziert für einen 10-Jährigen. Denn Spargeln mit dem Messer zu schneiden, war ein Verstoss gegen Anstand und Sitte. Jede einzelne Stange wurde mit der linken Hand auf die Gabelspitze gehievt und so sorgfältig mit der rechten Hand zum Mund geführt. Das tragen eines Esslatzes war dringendst empfohlen. So konzentrierte ich mich halt mehr auf das Weissbrot, das schicke Ambiente und die hausgemachte Mayonnaise. Und amüsierte mich ob der kuriosen Tischmanieren."
(Quelle:
https://herberthuber.ch/2021/04/24/nach-den-grunschnabeln-preise-ich-nun-die-weisshauptigen/)

Ich mache mir das Leben inzwischen einfacher zuhause -
edel gehoben, und dennoch um so laxer, mit einem feisten,
fetten und passenden rosa Raubfisch von Ruhm und Adel,
selbst dann wenn dieser Lachs inzwischen in Aqua-"kulturen"
künstlich vom Raubtier zu einem Vegetarier gemacht wird.

Ja sogar das "raffiniertere" Lachsgericht - hier kurz angemerkt und ergänzt - sei wie der Hering an sich früher durchaus auch nur eine Speise der Armen gewesen, ein Fisch der Dienstmädchen und Lakaien.

Dreimal pro Woche Lachs (s.u.) - war wohl früher das zumutbare Maximum dessen, was den "Bücklingen" aufgetischt werden durfte, wofür es in den Gesindeordnungen in Preußen
sogar klare Reglungen gegeben haben soll.

Für den feinen Spargel indes, der nur sehr mühsam geerntet wird,
kennt man solch feinschmeckend deklassierende Begrenzungen
und kulinarische Diminuierungen bisher nicht.

Der Spargel ist und bleibt eben für die einen ein mühsames
und für die Anderen, Besseren, ein königliches Gericht.

Ich liebe ihn den feinen Spargel als meinen Freund,
noch mehr aber meine eigene feudale Herkunft
in meiner wunderbaren Wohlstandsgesellschaft
und die daran geknüpften Privilegien.

Heil dem Spargel, oder besser:
Spargel Heil!

 

 

"CHRISTIAN WOLTER

Nicht mehr als dreimal in der Woche Lachs.
Erschienen in: Nationalpark -Jahrbuch Unteres Odertal (4),
Seiten 118-126

Früher war alles besser

Hausmädchen beschwerten sich, dass sie dreimal pro Woche Lachs essen mussten. Knechte und Mägde weigerten sich, einen Dienst anzunehmen, wenn es in der Woche zu oft Lachs gab. Dienstpersonal handelte Verträge aus, nicht mehr als zweimal in der Woche Lachs essen zu müssen. Reichen Bürgern war es verboten, ihren Hausangestellten öfter als dreimal pro Woche Lachs vorzusetzen.
So oder ähnlich beginnen viele Geschichten vom Fischreichtum früherer Tage in den Gebieten von Rhein, Weser, Elbe und Oder. Sie werden beinahe von jedem Ort erzählt, auch von solchen, wo nie ein Lachs hinkam (SCHIEMENZ 1919). Die Angaben über die erlaubte Häufigkeit schwanken dabei zwischen ein- und sechsmal in der Woche (SCHWARZ 1995/1996). Diese auch heute noch zu hörenden Legenden (z.B. Schweriner Volkszeitung vom 24. August 1996, Welt am Sonntag vom 7. November 2004, Schweizer Ständerat 2005 [Amtliches Bulletin der Bundes-versammlung - Beilagen - Ständerat 2005: S. 141]) gehören zu den Erzählungsmythen: früher gab es von allem mehr und - insbesondere - mehr von den uns heute wertvollen Dingen (HERRMANN 2003). Neben dem Lachs wurden auch andere Speisen benannt. So schrieb beispielsweise FONTANE über den Tierreichtum des Oderbruchs, dass dieser so gewaltig war, dass sich das Gesinde verbeten habe, mehr als drei Tage in der Woche Krebse oder Hasenbraten vorgesetzt zu bekommen (HERRMANN & K AUP 1997). All diesen vorgeblichen Verträgen, Verordnungen und Gesetzen ist gemein, dass sie auf Hörensagen beruhen, sich auf einen relativ unbestimmten Zeitraum in der Vergangenheit beziehen und bislang nirgendwo schriftliche Belege entdeckt wurden (FRI? 1893, SCHWARZ 1995/1996, 1998, HERRMANN 2003). Eine besondere Eigentümlichkeit dieser "Verträge" besteht darin, dass sich das Gesinde ausdrücklich immer nur die übermäßige Behelligung mit Herrenspeise verbittet, nicht jedoch fünfmal in der Woche Kohlsuppe o. ä. (HERRMANN 2003)."

(Quelle: https://www.nationalpark-unteres-odertal.de/
publikation/ nicht-mehr-als-dreimal-der-woche-lachs/)