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SEK Kleber -
Das traurige Ende der
Toleranz des "passt schon" oder
eine bayerische Spezialoperation

Jetzt hat auch Bayern endlich seine eigene Spezialoperation.

Man muß mit der "Last Generation" nicht einverstanden sein, um sie dennoch vor staatlicher Willkür schützen zu wollen (siehe mein Beitrag 97: Wer die Welt und damit die Menschheit "an sich" "retten" will, hat den Glauben an die Menschheit längst einseitig aufgegeben.)

In Deutschland war eigentlich schon immer alles verdächtig, was nicht "niet- und nagelfest" ist. Da kommt sprachlich immer noch die polizeilich und militärisch ordnende preussische Pickelhaube durch, die die Deutsche Nation eher als eine konservative Festung als eine liberal-demokratische Lockerung der alten Monarchie betrachtete. Dabei haben die Bayern wie auch die Österreicher doch so eine wunderbar lockere tolerante Wortschöpfung für die dort ansässigen Grantler: "Passt schon!". Bei den zahlreichen beruflichen und touristischen Reisen ins deutschsprachige Südeuropa habe ich mich sofort in diese Wortkombination verliebt.

Das "Passt schon!" ist eine sehr tolerante Wortkombination. Man muss nicht mit allem einverstanden sein. Es reicht eben schon aus, wenn eine Ansicht, eine Meinung oder gar ein Verhalten schlicht nur aktuell unmittelbar und nicht auf Dauer oder gar für immer angemessen ist oder "passt", selbst dann auch wenn man nicht alles, was damit noch verbunden ist oder verbunden sein könnte, tatsächlich teilt.

"Passt schon" heißt eigentlich, dass man der "Passung" nicht so richtig trauen sollte. Sie ist als Kampfansage gegen den hyperdeutschen Perfektionismus, also nicht 100-prozentig; sie reicht aber für den Zweck für den sie gedacht ist eben "nur" einfach aus. So ganz vertraut man durch das Eingangswort "passt" der Sache in gewisser Weise doch nicht. Die Passung reicht pragmatisch, eben zweckgebunden, aus, und bleibt insofern nicht ewig und auf Dauer im Preußendeutsch niet- und nagelfest. Der Wandel von Welt ist in dieser Formulierung als nur "vorläufig" mitgedacht.

Die aktuelle bayerische Spezialoperation passt aber eben ganz und gar nicht! Sie verschraubt uns allzu fest wieder am Hergebrachten. Am besten man verschweisst gleich auch noch alle Türen und Tore, durch die die gefürchteten "Kleber" bisher frei durch die Welt wandeln können.

In Zukunft darf in Deutschland also wohl nicht mehr "geklebt" sondern nur noch "geschraubt" werden. Die Bild-Zeitung zusammen mit der BZ ruft heute wieder indirekt den Deutschen Volkswillen durch schmutzige und brandmarkende Worte und die damit verbundenen Stigmatisierungen als "Kleber" ohne moralischen Impetus zum Aufstand gegen Andersdenkende und Andershandelnde auf, nachdem dies bereits in den 60er Jahren am Ende zur sukzessiven Ermordung von Rudi Dutschke, dem sogenannten SDS-Terroristen, führte. Mit hoch geschraubten Worten reagiert auch die Politik auf den Wunsch einer antizipierten rechten und extrem konservativen Fraktion innerhalb der (S)pezialoperation(P)olizistenpartei(D)eutschland auf den Verfall des Abendlandes durch die neue Klebekultur. Dabei ist das Kleben doch eigentlich eine ganz praktische Sache, es geht schnell und hält ein gewisses Gewicht aus. Meistens zumindest!

Leider stehen die Bayern mit ihrer Antikleberwut inzwischen wohl nicht mehr allein.

"Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat die bundesweite Razzia gegen die Klimagruppe Letzte Generation verteidigt. 'Die heutigen Maßnahmen zeigen, dass der Rechtsstaat sich nicht auf der Nase herumtanzen lässt', sagte Faeser am Mittwoch der Funke-Mediengruppe. 'Polizei und Justiz nehmen Straftaten nicht hin, sondern handeln – so wie es ihre Pflicht ist', fügte sie hinzu." (Quelle: https://www.faz.net/ aktuell/politik/inland/letzte-generation-faeser-verteidigt-bundesweite-razzia-18915305.html) Frau Faeser bekennt sich nach meiner Meinung zu deutlich zu einer antidemokratischen und viele junge Menschen verängstigenden und irritierenden überzogenen Drohkulisse. Völlig ungefährlich hingegen ist indes nach meiner Meinung wiederum eine Meinungsäußerung des Kanzlers: "Diese Woche äußerte sich auch Kanzler Olaf Scholz äußerst kritisch und nannte die Anklebe-Aktionen der Gruppe 'völlig bekloppt'". So etwas muß gesagt werden dürfen, auch von einem Kanzler, aber eine Innenministerin Faeser sollte neben der berechtigten Aussage, dass sie Straftaten ablehnt, und diese auch konsequent verfolgen läßt (leider eben nicht immer und vor allem oft nicht auf teils mafiösen wirtschaftskriminellen Gebieten) auch Respekt vor der demokratischen Qualität und Sorge der Menschen haben, die gewisse Sympathien für die Anliegen und nicht die Art des Handelns der "last generation" hegen.

Dass das Kleben durchaus auch volatil sein kann und nicht immer hält was es verspricht, dafür sorgen aktuell nun also nicht die Zeit, die Einsicht oder die Natur, sondern die staatlichen und privaten Entkleber mit den jeweiligen "Lösungs"-Mitteln.

Auch ich persönlich halte den Weg in Richtung auf eine klimaneutralere Zukunft durch das Verkleben der Menschheit auf der Straße für einen völlig falschen Weg. Gute Lösungen können und sollten niemals gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung brachial erzwungen werden, und was wäre der demokratische Staat ohne das staatliche Gewaltmonopol, vor allem dann, wenn sich jeder und zu jeder Zeit dieses Recht auf die Blockade des Alltagslebens nach eigenem Gusto aneignen könnte. Dann wären wir ja wieder eben nicht in einer Demokratie gelandet sondern in die alte Feudalzeit zurückversetzt, wo Feudalherren willkürlich individuell und privat Recht setzen durch Großgrundbesitz Wege blockieren, und Menschen in ihrem jeweiligen Alltag aus "freien" Stücken belasten, schikanieren und maßregeln konnten. Aber sind die fremdtitulierten so genannten Klimakleber wirklich solche oder nicht vielmehr doch durch aktuelle Naturkatastrophen aufgeschreckte meist junge Leute, die eben nicht festkleben sondern vielmehr aufrütteln wollen, dort wo aktuell Technologie, Wirtschaft und Politik allzu verfestigt immer noch aussitzend am Alten kleben. Diese meist jungen Menschen, die mit den richtigen Zielen vor Augen leider allzu oft einen falschen kontraproduktiven Weg gehen und den braven Bürger auf dem Weg zur Arbeit behindern oder gar Kranke auf dem Weg ins Hospital blockieren, die können doch nur autoritäre Menschen in ihren filzigen und verklebten bayerischen Behörden als moderne "Terroristen" missverstehen. Es "klebt" in Bayern eben schon immer eher in den CSU-pappigen Kanzleien als auf der Straße.

Waren nicht Markennamen wie "Uhu" oder "Pattex" Garanten des schnellen Klebeglücks für alle? Warum ist das Kleben jetzt bereits eine strafvorbereitende Aktion einer "kriminellen Vereinigung"? Bis heute habe ich nicht genau verstanden wie dies die Aktivisten zustande bekommen. Tut das nicht immens weh, und reißt dabei nicht die festgeklebte Haut ab? Grässlich! Kommt bitte wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Ja, es ist unangenehm und sicher auch oft unangemessen wenn man wutschnaubend im Stau steht, und dann von den zweifelhaften Aktionen solcher Klimaaktivisten direkt betroffen ist, aber das sind doch keine Bin Ladens, kein NSU und auch keine RAF! Die jungen Leute nehmen doch sogar demütig bewusst ihre darauf folgende Bestrafung billigend in Kauf "für uns alle", wie sie fälschlich meinen, aber doch nicht in der Absicht andere Menschen kriminell zu verletzen oder gar zu ermorden.

In einem Land, wo grölende Nazis ganze Landstriche im Osten bedrohlich für alle friedliebenden Menschen zur ausländerfreien Zone erklären können, und sich erlauben auch immer wieder öffentlich mit Nazigruß und Nazisymbolen das Dritte Reich als eine Heilsbotschaft zu verklären, da sind doch diese "Kleber" eher das geringste Übel, und sollten wir nicht alle ein wenig mehr Respekt vor dem demokratischen Willen wenn auch weniger vor der demokratischen Ausübung solcher Blockaden haben? Ich jedenfalls ziehe meinen Hut, auch wenn ich ihn meistens nicht trage, vor dem Mut und der Leidenschaft, mit der sich die Kleber vor den Gefahren der Klimakatastrophe warnend vor "uns alle" im Straßenverkehr stellen - auch wenn sie sich dennoch faktisch illegal und einseitig falsch und kontraproduktiv verhalten, indem sie die Mehrheit ihrer Mitmenschen eher verschrecken als sie auf den Weg in eine modernere nachhaltigere Welt mitzunehmen. Aber nun werde selbst ich sogar durch die bayerische Spezialoperation auch noch gezwungen sein, zum Schutz dieser Rebellen selber zum Kleber zu werden und klebe vorerst meine Empörung über dieses völlig unangemessene Vorgehen, das von Bayern in die ganze Republik übergeschwappt ist, an meinen Blog.

Fortsetzung folgt, wenn ich mich selbst wieder ein wenig beruhigt habe.

Die bayerische Staatsanwaltschaft will uns und der gesamten Menschheit in dem aktuellen juristischen Saatsstreich à la Eulenspiegel gegen jede Vernunft und demokratischen Verstand vorgaukeln, dass sie jetzt ganz effektiv und akut eine hochkriminelle Organisation dingfest gemacht habe, wo doch die Mafias - von den arabisch-libanesischen Clans, über die japanische Yakuza, italienische Camorra, Ndrangheta, Cosa Nostra, oder die aktuell stark anwachsende nigerianische Mafia überall in Deutschland von den Behörden nach wie vor viel zu wenig angefasst geldwaschend in ihren klandestinen Scheinfirmen und Immobilien hausen.

Liebe Bayern, kümmert Euch besser auch um die neuen albanischen, bulgarischen, rumänischen, polnischen oder russischen Mafias in Deutschland. Und lasst stattdessen vor allem die friedliebenden Menschen aus diesen Nationen in Ruhe, die entweder aus ihren jeweiligen Ländern und auch aus noch ferneren Regionen flüchten mussten, oder nur zu uns gekommen sind, um mit uns zusammen den gemeinsamen Wohlstand zu steigern.

Bayern ist deutschlandweit führend im "racial profiling". Die "Kleber" sind doch keine fremde Nation, auf die die bayerischen Innen-Behörden schon immer gerne mit kollektivem Verdacht reagierten. Es sind junge Menschen aus allen Teilen der deutschen multikulturellen Bevölkerung; ja sicher auch international vernetzt (so what?) und durch Spenden finanziell unterstützt. Was ist dagegen einzuwenden, wenn Menschen der Meinung sind, dass mehr Geld für Aktionen zur Förderung des Klimaschutzes gespendet werden soll?

Verunsichert durch Eure Spezialoperationen, liebe Bayern, nicht aufs Neue kritische junge Bürger, auch wenn diese oft allzu verwirrt irritiert handeln, und manchmal auch fehlgeleitet wurden! Kümmert Euch besser und viel intensiver um die weltweiten tatsächlich hochkriminellen Mafias!

So wie Ihr jetzt den Widerstandsgeist der um das Klima besorgten jungen Leute durch unangemessene Hausdurchsuchungen negativ sanktionieren und drakonisch bestrafen wollt, so treibt ihr sie doch langfristig genau in die völlig falsche Richtung. Jetzt wachsen unter den so ungerecht Verfolgten neue Ängste, Wut und Hass. Und auch relativ neutrale bisher eher skeptische Beobachter der Blockaden werden doch jetzt erst recht durch die völlige Verständnislosigkeit für Eure Polizei-Aktionen und das überzogene Verhalten der Behörden im Umgang mit den "Klebern" weitere unnötige Zweifel an der Sinnhaftigkeit friedlichen demokratischen Bemühens entwickeln.

Die Gefahr dieser Spezialoperation ist, dass schon wieder kurz- bis mittelfristig neue extreme "Untergründe" entstehen könnten, die dann dafür sorgen dass junge Menschen unnötigerweise wieder von radikalen Skeptikern zu gewaltbereiten Fundamentalisten als Vorstufe des Terrorismus welcher Couleur auch immer werden.

Durch die Dummheit in der Verteufelung von Rebellion und Widerstand der deutlich gewaltfreien Mehrheit der früher nach mehr Demokratie lechzenden jungen Leute, die "damals" beginnend mit Aktivitäten bereits in den 50er Jahren als skeptische Generation und dann mit Blockaden von Springer in den 60er Jahren als außerparlamentarische Opposition ganz Deutschland mittelfristig zusammen mit sozialen und liberalen Demokraten erneuert haben, sind doch parallel dazu leider auch eben geisteskranke Anarcho-Konzepte genährt, gefördert und eigentlich auch erst möglich geworden (Beispiel RAF). Treibt doch die klimabewußteren jungen Leute mit solchen allzu modernen Spezialoperationen nicht wieder in einen gewaltsamen gefährlichen um so radikaleren "Pseudowiderstand" im Untergrund. Seid doch froh, wenn sie sich (vielleicht "noch") öffentlich artikulieren!

Betrachten wir die "last generation" in ihren Aktionen folglich doch lieber "locker" und eher ein wenig so wie einen bayerischen Grantler. Irgendwo haben sie Recht, auch wenn sie sich vielleicht falsch äußern oder unangemessen handeln. Seien wir ihnen gegenüber insofern klüger und toleranter, selbst dann wenn sie es selbst nicht sein sollten.

Ein Herbst in Deutschland war doch genug!