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  TELEROMANTIK

Teleromantiker
kämpfen für preiswerte und allgemein zugängliche Kommunikationsmittel, die nicht als Wertschöpfungsmaschinen für große Kapitalien missbraucht werden dürfen.

Noch vor Jahren wurden Forderungen von mir nach Einführung der sogenannten Flatrates als weltfremd zurückgewiesen, inzwischen gehören diese zum normalen Angebotsrepertoire in der Telekommunikation und werden als Mischkalkulation natürlich pervertiert. In den 90er Jahren wollte niemand ein solches Konzept verfolgen und die Deutsche Telekom verwies dabei immer auf das "mangelnde Interesse" an solchen Tarifen.

Die Verbilligung und Vergünstigung der Telekommunikation ist aber von grundsätzlicher gesellschaftlicher Bedeutung, weil telekommunikative Beziehungen zwischen Menschen nicht mit Geld bestraft werden dürfen und günstige Infrastrukturen einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung von Gesellschaften leisten. Der allgemeine gesellschaftliche Trend geht heute noch immer genau in die gegenteilige Richtung: Kommunikation und Unterhaltung werden eindimensional als zu bepreisende Wirtschaftsgüter und gewinnbringender Motor der gesellschaftlichen und sozialen Entwicklung begriffen. Die Wertschöpfung wird fälschlicherweise nur in die Steigerung des Wiedervermarktungswertes nur leicht modifizierter und mehr oder weniger etablierter Kommunikationssysteme wie des Telefons oder des Fernsehens als „neue Medien“ verlegt.

Teleromantiker wollen und sollen hier gegensteuern. Der wirtschaftliche Impuls sollte und könnte genauso gut von der von allen Grundnutzern erwünschten Steigerung der zusätzlichen netznahen Mehrwert- und Ergänzungsdienstleistungen ausgehen. Intelligente Beobachter, wie die Teleromantiker, erwarten aber eben gerade nicht von den „Infrastruktur-“ und „Service-Branchen“ der Medien und der Telekommunikation die Erneuerung unserer Volkswirtschaften, sondern sie sehen den entscheidenden Impuls in den logistischen Leistungen für die tradierten Wertschöpfungsfelder, die nur im Licht und im Kontext der neuen Medien effektiver produzieren, kreativer entwickeln und somit für innovative Produkte außerhalb der Medien- und Kommunikationsdienstleistungen sorgen können.

Die notwendige ökologische und kulturelle Revolution unserer wirtschaftlichen und privaten Lebenswelt findet in erster Linie eben nicht innerhalb der neuen Medienunternehmen statt sondern nur auf der Basis von deren Hilfs- und Unterstützungsleistungen für die älteren und medial grunderneuerten „Gewerke“, so wie die Mathematik eine Hilfswissenschaft für die Ingenieurwissenschaften ist. Politiker meinen aber durch die parasitäre Besteuerung z.B. des UMTS-Einführungsprozesses in Form von Lizenzen Zukunftsindustrien in die finanzielle Gesamtverantwortung für staatliche Aufgaben einbinden zu können, so wie in den USA in den 60er Jahren der Vietnamkrieg über das Telefon und das Fernsehen querfinanziert wurde.

Die Ökonomie krankt an der Fehlleistung der alten Infrastrukturpolitiker, die beispielsweise stark wachsende Umsätze in der Mobilkommunikation und die damit verknüpften Profite nicht als gigantischen Umverteilungsbetrug zu enttarnen und in andere Branchen und Felder umzulenken vermögen Sie reduzieren vielmehr in dümmlichster Manier alle Erwartungen und Hoffnungen auf mehr Rationalität und eine intelligente Entwicklung unserer Volkswirtschaften auf Initiativen zur Förderung des Wachstums dieser medien- und kommunikationszentrierten Randsektoren.

Das wirtschaftliche Potential einer ökonomisch freien Grundversorgung für alle hingegen würde auf die anderen ökonomischen, sozialen, politischen und kulturellen Bereiche außerhalb der Telekommunikation entsprechend positiv ausstrahlen und einen wesentlichen Beitrag für die zukünftige allgemeine wirtschaftliche Prosperität darstellen. Kommunikative Grundleistungen, wie das Telefonieren und der reine Grundversorgungszugang zu Fernsehen und Internet ohne Mehrwertangebote sollten deshalb vom Staat oder von privaten Unternehmen nutzungsunabhängig und im Zugang für alle gleich - entweder zu einer festen Gebühr oder auf der Basis einer geringen Kommunikationssteuer – auf Dauer gewährleistet werden.


"Bildung für alle" hat die modernen Gesellschaften möglich gemacht. Jetzt bedeutet soziale Gerechtigkeit auch Kommunikationsgerechtigkeit und einen von der gesamten Gesellschaft finanzierten Grundzugang zu elektronischer Kommunikation und Information. Intensive Kommunikation und medienvermittelte Unterhaltung sollten für Einzelpersonen nicht deshalb schon ausgeschlossen sein, weil man sich diese nicht leisten kann, und umgekehrt sollten sie nicht nur deshalb gesucht werden, weil die finanziellen Verhältnisse eine üppige aber häufig auch unnötige oder gar psychisch schädliche Nutzung erlauben.

Die Schwachen müssen vor deren Missbrauch in einer einseitig gewinnorientierten Medien- und Kommunikationsindustrie geschützt werden. Ambivalent zu beurteilen ist natürlich die Tatsache, dass die Verteuerung mancher Medienangebote bei suchtartiger Hypernutzung den "Drogenkonsum" über den Preis negativ herunterzuregulieren vermag. Ein hoher Preis, wie neuerdings durch Pay-TV und Kabelfernsehen für den suchtmachenden Stoff Fernsehen und die Abzocke der sozial Schwachen durch sittenwidrige Geschäftsbedingungen in der Telekommunikation, hat die Süchtigen in anderen Lebensbereichen aber auch nicht auf Dauer vor krankhaftem Hyperkonsum geschützt und die Abhängigen darüber hinaus oft noch zusätzlich kriminalisiert. Genau diese Momente finden sich inzwischen in der Überschuldung durch teure Mobil- und Sexualkommunikation in der modernen Kommunikationsgesellschaft gerade auch bei Kindern und Jugendlichen wieder.

Obwohl mehr Kommunikation nicht zwingend die gleichen negativen ökonomischen und ökologischen Belastungen mit sich bringt wie mehr Straßenverkehr, kann nicht geleugnet werden, dass es in einer modernen Kommunikationsgesellschaft immer auch das individuelle Phänomen "falscher" und schädlicher "Überkommunikation" gibt, das nur durch gezielte "Dekommunikation" und rationales Kommunikationsmanagement auf der Basis von besserer Identifikation (des "Anklopfenden" und des Kommunikationsanlasses), mehr Direktheit (durch die klare unvermittelte Ansprache des gewünschten Adressaten) und weniger Unmittelbarkeit (durch realtime entlastende Kommunikationspuffer) bewältigt werden kann.

All dies hat sich inzwischen als Option auch in der Technik der neuen Netze durchgesetzt, aber für viele der sinnvollerweise notwendigen Techniken muß häufig als Mehrwertdienstleistung groteskerweise zusätzliches Geld ausgegeben werden. Hier ist der Staat herausgefordert, um stärker regulierend statt deregulierend einzugreifen.

Teleromantiker denken insofern dem herrschenden Trend entgegen und können auch mit der politischen „Isolation“ leben und überleben, in die sie die großen Koalitionen der Dummheit abzudrängen versuchen.
 
 
     
   

http://www.ulrichthomaslange.de/Texte/TeleromantikimMultimediamix.PDF