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Der Trump-Schock und die Eliten

 

Die Welt, eine Zeitung/Zeitschrift, die ich auch online ansonsten nicht sonderlich schätze, vor allem dann, wenn Sie zur Beschleunigung von Welt die Lesedauer ihrer Artikel im Internet vorab angibt, titelte schon am 10. November "Die deutschen Eliten brauchten diesen Trump-Schock", jetzt ist er eingetreten. Der Titel der Welt ist eigentlich ein weiser Titel; die Frage lautet nur, ob man den notwendigen Schock nicht auch ohne Trump hätte haben können. Ich fürchte indes, der Autor Ulf Poschardt hat recht, man kann den notwendigen Trump-Schock nicht ohne den Trump haben. In seiner Art, die Welt zu schocken, scheint Trump aktuell wohl relativ einmalig, fast schon genial zu sein. Vor allem dann, wenn man noch unterstellt, dass zu einem solchen Schock das "Fremdschämen" angesichts erheblicher Peinlichkeiten unmittelbar dazu gehört. Letzteres haben selbst Putin oder Erdogan nicht so perfekt hinbekommen, da darf man schon eher nach Polen gucken, wo die Kaczynskis, die ursprünglich als Jacek und Placek Kinderstars im polnischen Kino waren, den Mond stehlen wollten.

"Im Dorf Zapiecek leben die zwei blonden, sommersprossigen Zwillinge Jacek und Placek. Die beiden faulen und grausamen Brüder spielen den Bewohnern des Ortes ständig Streiche. Um sich endgültig von der Last der Arbeit zu befreien, beschließen sie den goldenen Mond zu stehlen. Es gelingt ihnen den Mond in einem Netz zu fangen, aber sie werden von Räubern gefangen. Als der Mond bei Neumond aus dem Netz verschwindet, wandern die Zwillinge in die goldene Stadt auf der Suche nach dem Mond. Dort erkennen sie den nur scheinbaren Wert eines Schatzes. Daraufhin kehren die Brüder zu ihren Eltern nach Zapiecek zurück und helfen diesen auf dem Feld" (Wikipedia: Die zwei Monddiebe)

Auch Trump will wohl den Mond stehlen, wenn er den lieben Gott bei der Schaffung von Arbeitsplätzen noch überbieten will. Nun wissen gläubige und religiöse Menschen, dass der "Liebe Gott" in Wirklichkeit alles andere als lieb ist, sondern für uns auch in seiner "Grausamkeit" wohl eher unerklärlich bleibt. Diese Eigenschaft der Unerklärbarkeit wird aktuell in den Gazetten und sonstigen Medien auch Donald Trump zugeschrieben. Gäbe es da als ein "Erfordernis für das Gott sein" nicht ebenso die Dimension der erhofften Güte, die man dem wirklichen oder imaginierten Gott zwingend unterstellt, so würden viele Menschen dem Donald Trump im Erfolgsfalle in seinem Tower auf dem Altar der Eitelkeiten sogar ein gottähnliches Opfer bringen. Warum sollte also ein Trump - zumindest beim Versuch Arbeitsplätze schaffen zu wollen - nicht in einen Wettstreit mit dem Gott oder noch allgemeiner mit "den" Göttern treten dürfen, selbst dann wenn es ihm an der nötigen Güte und Gnade zu ermangeln scheint, denen sich der Gläubige im Gebet doch gerne bedienen möchte?

Neben den Trump-Anbetern gibt es inzwischen auch Trump-Beschwörer, vor allem in den konservativen Parteien, die der Meinung und Überzeugung sind, dass Herr Trump bald schon auf den Boden der wirtschaftlichen und sozialen Tatsachen zurück kehren werde.

"Es ist nachvollziehbar und vielleicht sogar sympathisch", so Poschardt im oben zitierten Artikel weiter "angesichts des Wahlsieges eines wahrlich bizarren Selbstdarstellers zu hadern. Auch die etwas verfrühte Trauer um den sterbenden Westen ist pathetisch, aber verständlich. Doch nach Momenten der Trauer und der Traumatisierung sollte die Einsicht wachsen, dass sich die Dinge auch hierzulande ändern müssen, wenn wir eine vergleichbare Radikalisierung in Deutschland verhindern wollen."

Recht hat er, der Poschardt, auch dann wenn er das Ende der Scheinheiligkeit einklagt, aber wohl implizit auch das Ende der Scheinheiligkeit fordert, die er wie so viele Konservative auch, natürlich in den "stalinistischen politischen Korrektheiten der Elite-Unis" verortet. Denkbar ungünstig entpuppt es sich da für den Leser, wenn man sich auch noch - neben dem kargen Dasein als Intellektueller - als mit dem Wunsch befangen outet, auch in schwierigen Zeiten, ein Vernunft begabtes Wesen zu bleiben. Und Poschardt weiter: "Zu glauben, dass es in der Politik mit vernünftigen Dingen zugehe, ist die Hoffnung vor allem derjenigen, welche für sich erkannt haben, dass sie sie gepachtet haben. Die deutsche Politik wie die Publizistik stehen vor den Scherben ihrer Weltanschauung, ihnen ist der Bezug zur Realität verloren gegangen. Der Schlag ist härter als noch beim Brexit. Er erscheint vielen noch verrückter."

Ja wohl, Herr Poschardt, "verrückt sein" ist angesagt, und die Erwartung, dass es in der Politik mit "vernünftigen Dingen zugehe" ist sicher verdächtig, vor allem dann, wenn man selbst den Mond stehlen möchte.

Nun in der Tat, meine persönliche Vermutung ist die, dass es Herrn Trump nicht um die Demontage der Vernunft durch den dafür notwendigen Schock geht, sondern vielmehr um einen ungeheuerlichen Diebstahl. Dass er mit der Beschäftigung von unterbezahlten "Fremd"arbeitern diese selbst und ihre Familien bestiehlt ist hinlänglich bekannt. Trump aber plant mit "America first" einen weitaus größeren Coup. Er ist clever genug als Pleitier begriffen zu haben, dass den USA nur die ganze restliche Welt finanziell aus der Pleite helfen kann. Die protektionistischen wirtschaftlichen Konzepte des Donald Trump werden indes auch in den von der Globalisierung nutznießenden Unternehmen längst massiv hinterfragt. Die Manager und Spekulanten scheinen dem Superspekulanten sehr schnell auf die Schliche gekommen zu sein, dass dieser hinter der Fassade des Robin Hoods für den amerikanischen Mittelstand, wahrscheinlich wie der ganz normale Oligarch statt des durch ihn benannten US-amerikanischen Allgemeinwohls wohl eher sein privates Süppchen kocht. Damit wäre dem Oligarchen Trump auf Dauer das Schicksal eines ganz trivialen politkriminellen Diktators beschieden, der sich mit den nötigen Nummernkonten in der Schweiz sukzessive darauf vorbereitet mit einem genügend schweren finanziellen Polster in ein wie auch immer geartetes Exil und damit aus dem öffentlichen Blickfeld zu verschwinden.

Nein, Trump, wird voerst nicht flüchten, dazu geht es ihm als ein nach wie vor Milliardär viel zu gut, und wohin auch; denn er denkt ja eben nicht vorrangig an sich selbst sondern mit allem Pathos nur an sein Land. Er weiß, dass Amerika in den letzten Jahrzehnten in der internationalen "Bar jeder Vernunft" die gemeinsame Zeche immer nur hat anschreiben lassen, und dass die internationale Gemeinschaft nun zu einem weltweiten Kassensturz aufgefordert werden soll, um für einen entsprechenden Ausgleich zu sorgen.

Dabei wissen auch die wirklichen Heuchler in den Chefetagen großer Unternehmen (die jetzt ihren Kritikern zu recht die Scheinheiligkeit und Heuchelei unterstellen, indem sie bisher so getan haben, als ob sie noch nichts von der strukturellen Ausbeutung der Menschen bei gleichzeitigem Anstieg des Wohlstands der Wenigen gewusst hätten) dass die Tage gezählt sind, in denen wir alle die durch die implizite profunde Entwertung des Dollars aufgedunsene Währungs-Blase zu unserem eigenen Schutz noch erhalten können. Platzt diese Blase so könnte dies in der Tat Krieg und die Vernichtung von uns allen bedeuten. Trump möchte insofern den Mond stehlen, bevor dieser gar nicht mehr am Himmel erscheint, und erst recht nicht mehr an dem von ihm so geliebten Wohlstands- und Luxushimmel.

Trumps Logik ist die überkommene Logik der Vollbeschäftigung, obwohl wir alle wissen, dass uns die Produktion der Zukunft zu einem erheblichen Maße von der Last zur Arbeit befreien wird. Auf diese reaktionäre masochistische Sehnsucht nach der Bürde der Arbeit fällt vor allem die Mittelschicht herein, deren Glück schon immer in der Finanzierung des eigenen Hauses als Heimstatt und der nachfolgenden Entspannung im trauten Familienglück lag. Das Leben indes ist in den modern times immer prekärer geworden. Wenn es wirklich Heuchler gibt, dann sind es nicht primär die impliziten wie expliziten Gutmenschen, sondern diejenigen, die noch immer nicht begriffen haben, dass der Mensch vor dem Hintergrund des Verlustes an Ressourcen zur Selbsternährung durch einen Arbeitsplatz inzwischen an sich ein Menschenrecht auf eine soziale Grundsicherung besitzt, zu der wir alle gemeinsam durch unsere Anstrengungen beitragen müssen.


Es wird nicht mehr genug Arbeit in privatwirtschaftlichen Verhältnissen der klassischen Bauart geben, um uns allen die Illusion zu vermitteln, wir seien durch diese industrieproduktive Arbeit insoweit geadelt, weiterhin nützliche Mitglieder dieser Gesellschaft zu bleiben. Die sozialen Bestätigungen, die wir in Zukunft als Arbeitsbefreite bekommen werden, sind nicht mehr primär das Geld, das uns bisher im monatlichen Rhythmus kraft der Verausgabung unseres Schweißes jeweils erst nach einer "Abrechnung des Geleisteten" gezahlt und zur Verfügung gestellt wird. Belohnt werden wir dann um so mehr durch das gedeihliche Zusammenleben mit den durch uns und mit uns lebenslang lernenden Partnern, Kindern und den jeweils freundschaftlich, nachbarschaftlich oder verwandtschaftlich verbundenen sonstigen Personen. Das Gemeinwesen wird sich insofern neu beleben, und "Stammeskulturen" und selbst gewählte Geschmacksgemeinschaften an Bedeutung gewinnen. Neben diesen "taste communities" unserer Freundeskreise wird uns ein weltumspannendes multikulturelles Netz von interessierten Impulsgeber(inn)en begleiten, denen wir selbst ebenso Anreger, Liebende und Trostgeber sein werden. Weder Betätigungsfelder noch kulturelle Entwicklungsräume werden uns Menschen insofern ausgehen, selbst wenn die Zahl der Arbeits- und Zwangsverhältnisse zurückgehen sollte. Freie Zeit wird dann nicht mehr nur Freizeit sein, und wir werden bis dahin lernen, konstruktiver mit der qualitativ gewonnen Zeit auf eigene Weise produktiv umzugehen. Die Freuden und Leiden der Freiberufler werden die Welt überschwemmen. Schon dehalb wird es notwendig sein, den sozialen Rahmen und die dazu passenden Verträge, Regelungen, Verordnungen und Gesetze zu finden, mit deren Hilfe oder in deren Rahmen aus dem Weniger auch tatsächlich ein Mehr werden wird.

Solch eine Welt wird natürlich weder ein "Glückseeligkeits-Zuchthaus" im Sinne der Karikatur der kommunistischen Utopie durch Dostojewskij sein noch ein "Paradies" im religiösen Sinne, weil der Teufel auch in Zukunft nicht nur im Detail sondern zugleich auch in uns allen weiter stecken bleibt. Heuchlerisch wäre folglich nur die Meinung, dass auf Dauer das Gute das Schlechte einfach besiegen und damit auf Dauer für alle eliminieren würde. Nur wer dynamisch mit dem Wechselspiel von "gut" und "böse" zu leben vermag, kann sich selbst durch die jeweils notwendige Umkehr vom Verdacht des heuchlerischen Scheins befreien. Gerade die zur Veränderung zu bequemen oder schlicht unfähigen Reaktionäre sind es aber, die nicht zur Kenntnis nehmen wollen, dass ein erheblicher Teil der Menschheit längst auf den beschwerlicheren Jakobsweg weniger sicherer Verhältnisse gekommen ist, und deshalb leidet Herr Trump so darunter, dass zu seiner Inauguration auch weniger Menschen erschienen sind als zum darauf folgenden weiblichen Antifestival der Opposition; und auch der in der Zukunft zu erwartende Abgesang der Populisten und Trumpisten wird auf Dauer ein hysterisches Heulen und Zähneknirschen nach sich ziehen.

Wir haben durch technischen Fortschritt die Möglichkeit von der Arbeit als Zwangseinrichtung befreit unseren eigenen konstruktiven Weg zur Steigerung des allgemeinen Wohlstands zu finden, wenn uns das Naturverhältnis zu unserer Erde nicht entgleitet und wir genügend - sicher primär auch technisch wissenschaftliche - Kreativität entwickeln, um unsere Gattung wohlständig nachhaltig zu erhalten. Hierzu braucht es die von den Populisten als abgehoben beschimpften Intellektuellen und Eliten um so mehr, vor allem dann, wenn sie sich als solche eben nicht selbst verstehen, sondern mit einem egalitären Weltbild den Beitrag jedes mitwirkenden Du als ebenso gleichwertig schätzen, fördern und unterstützen.

Nein, Trump ist kein plumper Diktator, schon deshalb nicht, weil er die Fähigkeit hat, Niederlagen in Siege umzudefinieren - an sich eine gute und vorbildhafte Eigenschaft. Und wenn ich es richtig sehe, hat ihm die Deutsche Bank dabei sogar zuvörderst geholfen das zu erhalten, worum es ihm eigentlich geht: die Marke Trump. Die allerdings braucht das vollmondsüchtige Publikum. Dass der Welt durch den Diebstahl des Mondes geholfen sei, glaubt ihm diese Glaubensgemeinschaft sofort. Die häufig geglaubte "Tatsache", dass nur solch verrückte Visionen und die damit verknüpften Illusionen die Welt zu retten vermögen, hat schon ganz anderen Führern in den Sattel geholfen. Der konkreten und realisierbaren Utopie indes bedarf es, um uns einen Kompass für die notwendigen Veränderungen vorzugeben.

Trump lässt sich mit Buber eher als ein Napoleon begreifen, dem sein Waterloo schon vorgezeichnet ist, der es aber anders als andere Narzissten seiner Art nicht als eine Niederlage sondern als einen Verrat begreifen wird, der begangen wird, um ihn daran zu hindern für uns den Mond zu stehlen. Trump anerkennt in Wirklichkeit niemanden außer sich, selbst Gott ist ihm da für den Vergleich nicht zu schade. Er hat, wie ein Napoleon, die Fähigkeit die Wirklichkeit zu verleugnen, die nur die ganz Großen unter uns haben.

"In der Tat, der Herr des Zeitalters kannte offenbar die Dimension des Du nicht. Man hat es richtig bezeichnet: alles Wesen war ihm valore. Er, der die ihn nach seinem Sturz verleugnenden Anhänger in milder Bedeutung mit Petrus verglich, hatte niemand, den er hätte verleugnen können; denn er hatte niemand, den er als Wesen anerkannte." (Buber)

Genau dies ist es, was Trump so abhebt vom humanen Gegenüber. Ihn hat die privatwirtschaftliche Erfolgslogik korrumpiert, gepaart mit der brutalen weltverachtenden Arbeitsethik der evangelikalen Fundamentalisten, die die zentrale Klientel ausmacht, die ihn als Retter und Heilsbringer erkoren hat. Darunter sind mitnichten nur die Abgekoppelten und Entrechteten in der US-amerikanischen Gesellschaft. Trump ist von der Denkwelt seines Vaters so zerfressen, dass er weder seine Umwelt noch sich selbst als ein Du anerkennt. Für ihn wird alles und jeder in ein "Es" verwandelt. Er ist sich selbst das Du geworden, dem keiner noch ein Du werden kann, den Buber das "dämonische Du" nennt. Er ist zu einem Dritten neben "Person" und "Eigenwesen" geworden. Person kann er nicht sein, weil er das Risiko des Du nicht kennt, und ein nur auf das Es fixiertes reines Eigenwesen, ohne wirkliche Sozialbezüge, ist er nicht, weil er bereits am Atem der Allmacht geschnuppert hat. So ist Herr Trump für uns alle zu einem Schicksal geworden, an dem wir uns auf unsere jeweils eigene Art als eine "Gegebenheit" entsprechend abzuarbeiten haben:

"Diesen Dritten zu Person und Eigenwesen, zu dem freien und dem willkürlichen Menschen, nicht zwischen ihnen, diesen Dritten gibt es, schicksalhaft ragend in Schicksalszeiten: dem alles zuglüht und der selbst in einem kalten Feuer steht; zu dem tausendfache, von dem keine Beziehung führt; der an keiner Wirklichkeit teilnimmt und an dem unermesslich teilgenommen wird als einer Wirklichkeit. Wohl sieht er die Wesen um sich als zu verschiedener Leistung befähigte Motoren, die es für die Sache zu berechnen und zu verwenden gilt. So aber auch sich selber … . Auch er selbst wird von sich als Es behandelt. So ist denn sein Ichsagen kein lebhaft nachdrückliches, kein volles; aber erst recht nicht ein (wie beim modernen Eigenmenschen) dergleichen vortäuschendes. Er spricht gar nicht von sich, er spricht nur 'von sich aus'. Das Ich, das er redet und schreibt (twittert, der Verf.), ist das notwendige Satzsubjekt seiner Feststellungen und Anordnungen, nicht mehr und nicht weniger; es hat keine Subjektivität, aber es hat auch kein sich mit dem Sosein befassendes Selbstbewusstsein und erst recht keinen Wahn der Selbsterscheinung. 'Ich bin die Uhr, die besteht und sich nicht kennt.'" (Buber, Ich und Du, 1923)

Der Milliardär Trump ist menschlich betrachtet eigentlich ein "armes Schwein", unfähig als eine Person durch das Du seiner selbst gewahr zu werden. Die populistische Menschheit, die ihm aktuell "zuglüht" kann ihn nicht aus "dem kalten Feuer" befreien, deshalb wirkt er so peinlich fremd, dass man sich für ihn fremdschämen muss. Genau so fremd ist uns deutschen Nachgeboren, dass unsere Eltern und Grosseltern eine so grotesk lächerliche Person wie Adolf Hitler einmal faszinierend gefunden haben. Diese Eigenschaft macht einen Trump aber eben nicht zu einem Hitler bzw. zu einem Faschisten. Die Wirtschaftsverbrechen, für die er stehen mag, die reichen höchstens zum Status eines Kleinkriminellen auf erhöhtem Lebensniveau. Nun liegt es an Trump sich als ein Präsident zu entfalten, und uns eines Besseren zu belehren. Die erste Chance hat er mit seiner dümmlich polarisierenden Vereidigungsrede und die nachfolgenden Aufhebungsbeschlüsse- und -handlungen bereits vertan, aber wir werden ihn auf Dauer nicht an seinen aktuell eher albernen Worten messen, als vielmehr an seinen späteren faktischen Taten, die insofern durchaus noch ein offenes Feld sind. Ich bin da persönlich wenig erwartungsvoll, aber es wäre töricht und inhuman, ihm das Recht auf Wandel und denkbaren Erfolg in der Bereicherung von Welt - nur aufgrund seines aktuellen Anscheins - von vorneherein prinzipiell absprechen zu wollen.

Ein großes Wort ist es, dass der Mensch lernen sollte, dass er sich selbst und den Anderen braucht, anstatt ihn zu gebrauchen. Mein Hauptvorwurf gegen den Populismus, wenn es denn einen solchen tatsächlich gibt, wäre der, dass er Menschen - wie andere Politiker auch - für Wahlsiege "benutzt", im Sinne von "gebraucht", anstatt sie tatsächlich zu brauchen, und somit wirklich ernst zu nehmen. Gegen den Missbrauch des Menschen ist allerdings keine politische Ideologie gefeit, dies hat Hannah Arendt nachdrücklich in ihrer Totalitarismuskritik aufzuzeigen versucht.

Gutmenschen geben sich gerne in ihrer "Güte" "öffentlich". Das wirklich Gute nach Hannah Arendt bleibt indes diskret. Macht sich das Gute öffentlich, so verliert es genau eben diesen Charakter. Das öffentlich zur Schau gestellte Gute ist die Negation des Guten an sich. "Tue Gutes und sprich darüber", als modernes Motto der Corporate Social Responsibilty, ist der hohle Marketinggag der Charaktermasken (Karl Marx), die verschleiern wollen, wofür sie in Wirklichkeit stehen: die historisch gewachsene nach wie vor anhaltende Ausbeutung der vielen durch die wenigen. Was aber machen in solch einem Leben? Adorno hat dies insofern auf die Spitze getrieben, so als ob es "kein richtiges Leben im falschen" geben könne. Ein grausamer Anspruch, der eigentlich auffordern möchte erst die Welt zu verändern, damit sich der Mensch dann umso besser selbst entfalten kann. Diese Leitlinie entmutigt aber vollständig "richtig" zu handeln, solange sich die Welt noch im "falschen" bewegt. Was also machen wir, die wir erleben, dass die Welt sich nicht so grundsätzlich ändern will, wie wir dies jeweils erhoffen, und wie können wir noch handeln, wenn sich die Welt zudem schon gar nicht "so schnell wie erhofft" verändern lässt? Wir alle, ob gut oder böse, links oder rechts, progressiv oder reaktionär, haben für die Veränderung von Welt nur eine einzige Lebensspanne zur Verfügung, und die ist oft noch - fast schon dramatisch - unterschiedlich lang.

Adorno kann insofern nicht recht haben. Es muss schon möglich sein - auch in der so genannt falschen Welt - richtig zu handeln. Genau dies versuchte uns Martin Buber zu erklären, indem er darauf plädierte, in der Gegenwärtigkeit, meist induziert durch ein uns fremdes "Nu" zu begreifen, dass uns nur "eine" gemeinsame Welt bleibt, und zwar die, in der wir jeweils leben.

Hier aber krankt die gesamte Linke an ihren eigenen Vorurteilen. Schon der Satz von Bert Brecht aus der Dreigroschenoper, erst kommt das Fressen und dann kommt die Moral, ist ein ungewollt zynisches und vernichtendes Urteil über die Armen und die Armut. Als ein Mensch aus bürgerlichen Verhältnissen, waren die "Armen" für mich persönlich die größte menschliche Lehranstalt. Ja, es gibt sie, die anderen wertverlorenen "bösen" Armen, natürlich auch. Dies sind vor allem diejenigen Menschen, die als Ausdruck ihrer eigenen "Obdachlosigkeit" durch die Verzweifelung an erlebten Erniedrigungen alle Hoffnung auf eine Besserung verloren haben, oft aber auch nur keine Kraft besitzen oder das Wissen zur konstruktiven Gegenwehr nie erlernt haben. Ja natürlich gibt es auch faule und allzu bequeme Menschen, die zur Belastung für die Gemeinschaft werden können, aber auch denen muss zugestanden werden, dass in ihrer Sozialisation häufig dadurch etwas falsch gelaufen ist, dass sie noch sehr jung entweder zu wenig gelobt oder geliebt wurden. Natürlich lassen sich in der Armut auch schlicht "nur" kriminelle Menschen finden, die an sich des Menschen Feind geworden zu sein scheinen. Kriminalität ist indes nie eine eindimensionale Sackgasse sondern impliziert nach Dostojewskij immer auch Facetten des mutigen und notwendigen "Rechts"brechers: "Brake some rules", soweit dies für die Zukunft der Menschheit und Deiner Gemeinschaft an sich förderlich ist! Der eine nennt solche Menschen, die Mehrdimensionalität des Menschen missachtend, dann nur noch Abschaum, der andere Penner und ein Dritter Pöbel, obwohl auch diese "Verbrecher" trotz ihrer verabscheuungswürdigen Verhaltensweisen oder Taten zuweilen und in den ungeahnten Dimensionen ihres Lebens liebende Väter, Gatten oder Freunde sein können. Zu dieser Erkenntnis und Wahrnehmung gehört natürlich dann konsequenterweise auch die Überzeugung, dass eine Resozialisierung der "Gestrauchelten" auf Dauer prinzipiell möglich ist. Erkannt wird diese Notwendigkeit in den wirtschaftskriminellen Eliten erst dann, wenn sie selbst durch die öffentliche Aufmerksamkeit in ihrem asozialen Verhalten entlarvt und als Verbrecher an den allgemein akzeptierten Gemeinschaftsregeln von sozialer Ver- und Missachtung plötzlich selber betroffen sind, und in der Folge selbst auf die Gnade der Gesellschaft setzen müssen.

Für alle Gescheiterten halten die Religionen die Gnade und der Rechtsstaat die Resozialisierung bereit. Menschen am Rande der Gesellschaft wirklich ernst zu nehmen, und sie nicht einfach nur entmündigend zu bemuttern, zeigt von großer menschlicher Stärke, die wir oft alle selbst nicht besitzen. Noch größer ist die Leistung, wenn wir andere Menschen sogar aus unserer jeweiligen Weltsicht verurteilen, und ihnen dennoch dabei helfen ihre Würde und ihre Eigenständigkeit zu bewahren. Hierfür hat Papst Benedikt die "Barmherzigkeit" wieder in den Mittelpunkt der religiösen Debatte gestellt, selbst dann wenn wir Kirchen an sich eigentlich nicht mehr brauchen, und die "Kirchen" in ihrem jeweiligen Dogmatismus qua Definition keinen Schutz Andersdenkender, Andersgläubiger und anders Empfindender strukturell betreiben wollen.

Aber die Normalität der Verhältnisse ist die so definierte Armut eben nicht, die der Barmherzigkeit bedarf. Oft werden sogar starke, kritische und selbst bewusste Menschen genauso wie die eher Hilflosen zu zu bebarmherzigenden Wesen gemacht, damit die bürgerliche Welt an ihnen ihr Gutmenschentum ausleben darf. Und umgekehrt rümpft die bürgerliche Welt in Deutschland dann beispielsweise ihre Nase über Pegida und AfD, weil diese es im verhassten Haifischbecken der Gesellschaft geschafft haben auch im asozialen und rechten Sumpf, zu fischen, während man vorher doch so sicher auf deren Stimmenthaltung oder die wohlwollende Ablieferung solcher Stimmen als missbrauchte Interessen im rechts-konservativen Lager rechnen konnte. So werden die Wähler der AfD dann auf ganz andere Art und Weise von den "natürlich verbündeten" bürgerlichen Kreisen sozial abgewertet und teilweise sogar diskriminiert, obwohl schon die empirischen Befunde dem widersprechen. Es sind sehr oft gerade auch die Arrivierten, die spießbürgerlich lebenden Menschen im Mittelstand, die gar nicht wirklich von wirtschaftlicher Not und sozialer Isolierung betroffen sind, die die Populisten wählen; in den USA haben dies sogar explizit ein Großteil der privilegierten weißen Klasse des Landes getan. Sie alle eint eher der perfide Gedanke, dass sie auf mehr Anspruch haben als das, was ihnen die Gesellschaft zugesteht, obwohl sie in Wirklichkeit eben nicht zu den Benachteiligten gehören.

Diese Haltung, mehr zu erwarten, als einem "moralisch" oder sonst wie außerhalb der "Mehrheitsgesellschaft" zusteht, ist die treibende Kraft für diese neue "Mitte". Unzufriedenheit mit den Verhältnissen sollte aber eben genau nur denen gegönnt und erlaubt sein, die tatsächlich und spürbar sozial benachteiligt sind. Der Schutz dieser Menschen wäre die Aufgabe von aufgeklärten Eliten, die dabei in den letzten Jahren sträflich versagt haben. Hilfe zur Selbsthilfe war deshalb das Konzept der alten präsozialistischen und präsozialdemokratischen Gesellschaft, die dann konsequenterweise zu einem wirklich selbstbewussten Proletariat führte, das damals viele soziale Errungenschaften auch für den heutigen Mittelstand erkämpft hat. Die Aufklärer, wie Marx oder Bebel mögen im 19. Jahrhundert aus dem Bürgertum gekommen sein, die Täter zur Veränderung aber waren - oft unter Einsatz des eigenen Lebens - die benachteiligten Menschen selber, die die Änderung der Gesellschaft in ihre eigene Hand genommen haben.

An diese nur noch rudimentär vorhandenen Mitgestaltungsmöglichkeiten "der da unten" und die umso stärker virulente Sehnsucht einer Rückkehr danach, appellieren die modernen Populisten, wenngleich sie häufig und meist auch ganz anders vor allem "nationale" und eher "egoistische" Ziele verfolgen. Auf diese Weise haben sie es geschafft sich ein entsprechendes Renommee bei dem "verführbaren" Teil der "kleinen Leuten" zu erarbeiten und profitieren von der Ignoranz der Gutmenschen, die diese "Aufmüpfigen" nun als "unmündige" Menschen diskreditieren. Am liebsten würde der Gutmensch den Wählern der Populisten das Wahlrecht ganz entziehen; soweit zum Demokratieverständnis in solchen Kreisen. Das "Volk" ist der inzwischen umkämpfte Begriff, der je nach politischer Couleur entsprechend dämonisiert wird. Dabei ist die Antwort doch eigentlich einfach: Nehmt Euch alle gegenseitig ernst, hört einander zu, und gebt euch als gleichberechtigte einander die Hand, um dann auf eine relativ friedliche Weise Eure Meinungen im politischen Wettstreit miteinander zu messen. Der dabei erfolgreichere möge letztendlich der demokratische Sieger sein. Soweit der Kommentar eines hoffnungslosen Romantikers zu diesen Konflikten.

Die Menschen, die mir in meinem Leben etwas Besonderes bedeuten, waren oft diejenigen, die mich das Wort "Solidarität" und menschlichen Beistand aus der bürgerlichen Konkurrenzwelt kommend erst einmal lernen ließen. Sie waren zwar irgendwie auch wie die "Asozialen" in der Gesellschaft benachteiligt, aber ihre Fähigkeit sich zu wehren hat sie stark und überzeugend gemacht. Meist hatten sie auch das nötige Selbstbewusstsein, sie kannten ihre jeweiligen Talente, die ihnen andere absprachen, und sie waren gegen den Widerstand, der ihnen entgegen gebracht wurde, dennoch erfolgreich. Gestählt durch die eigene Weiterbildung oder eigene Qualifikationen, die sie im Laufe ihres Lebens trotz ihrer Benachteiligungen im Bildungssystem gewonnen haben, konnten sie eigene Ziele anstreben und diese in einer insofern noch offenen Gesellschaft zum Teil auch erreichen. Sie konnten oft "Dinge", oder wussten durch ihre eigene Erfahrungen über ganz andere Wahrheiten als ich im Kosmos bescheid. Sie waren in ihrem Alltag auf ihre Weise klüger als die Menschen aus der arroganten Bürgerschicht, aus der ich stammte, der Wohlstandsadel mit oft "zwei linken Händen", dessen Angehörige "deren" nützliches und pragmatisches Wissen niemals erlernt oder gewusst hätten. Wer im Bürgertum wirklich selbst etwas konnte, der war zumeist, so meine Erfahrung, auch selbst eher liberal und weltoffen und voller Respekt für Menschen, die einen konstruktiven handwerklichen, dienstleistenden oder technischen Beitrag zur Gesellschaft leisteten. Mein Großvater beispielsweise war solch ein bürgerlich wohlwollender Patriarch, dem es, so bin ich überzeugt, nicht eingefallen wäre Menschen an sich nur aufgrund ihrer sozialen Herkunft zu verachten. Die misanthropischen Nörgler und weltverachtenden Nationalisten im Bürgertum sind meist eher unter den weniger kompetenten Menschen zu finden, und unter denjenigen, die arroganterweise meinen mehr zu verdienen als ihnen tatsächlich zusteht: Aufsteiger um jeden Preis, koste es was es wolle, denn der Zweck heiligt aus dieser Perspektive natürlich auch die perfidesten Mittel. Die proletarische selbstbewusste historische Facharbeiter-Linke indes ist historisch auch eine der Hauptursachen für die Qualität des Exportschlagers: "made in Germany", den jetzt die dummen deutschtümelnden Nutznießer der nachfolgenden Generationen nur noch für sich vereinnahmen wollen. Alle National- oder Meinungs-"Fremden", die zu diesem aktuellen Wohlstand beigetragen haben, sollen zudem entweder in ihre Heimatländer zurückgeschickt oder wie die kritische eher sozial eingestellte Linke möglichst kriminalisiert und ins soziale Abseits gestellt werden. Und weil die proletarische Linke in Deutschland mit der Verbürgerlichung der Arbeiter und Angestellten insgesamt an Bedeutung verlor, blieben vielfach nur noch wir "Salonbolschewisten" übrig (denen es eigentlich gut ging bzw. geht), die wir doch stets von sozialer Gleichheit sprachen, und wir dennoch unsere soziale Ungleichheit weiter lebten und pflegten. "Wie glaubwürdig 'ist das denn'?", würden meine sprachlich modernen Nichten und Neffen heute sagen.

Dieses Milieu ist weit verbreitet unter den "Gutmenschen", nach meiner eigenen persönlichen Meinung und Beobachtung, worüber sich natürlich sicherlich streiten lässt, und ganz besonders unter den Wählern und Mitgliedern von "grün" oder "links". Das facharbeiterorientierte Milieu, das ich für seine strukturelle Aufrichtigkeit gerade in den 70er Jahren (als selber für viele Jahre als Jugendvertreter und Funktionär in den Gewerkschaften damals fast täglich aktiv) persönlich so bewundert habe, ist systematisch im Bildungssystem entweder degradiert und wegrationalisiert worden, oder es wurde zu einem kleineren Teil durch kleine Zusatzbelohnungen schweigend bis hin zur vollständigen politischen Mundlosigkeit integriert. In den Stammbelegschaften großer Betriebe, gerade auch unter Meistern und Ingenieuren des zweiten Bildungsweges, finden sich jetzt Menschen, die umgekehrt privilegiert den Menschen in prekären Lebenssituationen in den Randbelegschaften gegenüberstehen, die sie dann selbst zur eigenen Selbstberuhigung und Legitimation des eigenen glücklichen sozialen Aufstiegs als faul, ungebildet oder sozial schädlich diskreditieren, obwohl sie oft selbst einmal ursprünglich den gleichen sozialen Benachteiligungen im Bildungssystem nur knapp entkommen sind. Sozialer Aufstieg und soziale Stellung wurden insofern immer mehr individualisiert, so dass am Ende diese soziale Gruppe vergaß die Rahmenbedingungen und offenen Aufstiegsmöglichkeiten der 60er, 70er und 80er Jahre in Deutschland einzufordern, zu schützen und zu stabilisieren, die ihrem eigenen sozialen Aufstieg zugrunde lagen. Auf der Reise "nach oben" profitieren auch sie von der wachsenden Spaltung der Gesellschaft, obwohl sie doch nie wirklich zu "denen da oben" gehören werden. Die Grenzziehung zwischen Facharbeiter- und sonstigen Bildungseliten war in Deutschland aber nie so ganz eindeutig und zwangsläufig können auch wenige Spitzenkräfte der Deutschen Wirtschaft auf solch eine "einfache Herkunft" verweisen. Die kleinen bürgerlichen Sonderleistungen und Privilegien in einer technokratischen Ingenieurswelt machen die Ursachen der Verarmung der neuen Mittelschichten intransparent und lassen vor dem Hintergrund einzelner individueller Aufstiegserfolge die strukturelle Benachteiligung eines wachsenden Teils der deutschen Bevölkerung in den Hintergrund treten. Dieser Grauschleier der sozialen Verhältnisse macht es den Populisten einerseits leicht die Benachteiligung des "kleinen Mannes" zu diagnostizieren, und andererseits die wirksamen Möglichkeiten der historisch linken sozialen Gegenwehr als "volksfremd" zu diffamieren und die Notwendigkeit einer wirklich sozialen Opposition zu verschleiern.

Zukunftsfreude setzt Zukunftsbelohnungen für angemessenes nachhaltig lebensbereicherndes Verhalten voraus. Eine austeritätsorientiere Gesellschaft, die es nicht schafft das Nullwachstum im Angesicht der "schwarzen Null" in eine Gesellschaft des Seelenwachstums zu verwandeln, wird die Mehrheit ihrer Mitglieder weder motivieren noch psychisch stabilisieren können, um mutig und selbstbewusst ohne zu nörgeln und zu jammern nach den notwendigen kreativen Lösungen für aktuelle wirtschaftliche, technische oder ökologische Probleme zu suchen. Durchhaltevermögen ist zu einem aktuellen psychologischen Thema geworden, Bücher über das Thema "Resilienz" schießen wie Pilze aus dem Boden. Kulturelles Wachstum muss insofern dem wirtschaftlichen Wachstum folgen und dieses in seiner Qualität und Bedeutung auf Dauer überflügeln. Die Welt kann sich in Zukunft ökonomisch wie technisch leisten, dass alle Menschen satt werden, ein sicheres Dach über dem Kopf haben und nicht mehr zu dürsten brauchen. Unsere Welt könnte noch "mobiler" und "flexibler" werden und uns von unnötigen Zwängen der alten Wirtschaftsgesellschaft befreien. Wenn wir begreifen, dass Populisten indem Sie Vorurteile und Konflikte schüren, den gesellschaftlichen Wohlstand um so mehr in die an sich so unnötige Rüstung umleiten, und die "kleinen Leute" am allermeisten durch die Rüstungsetats bestehlen, dann können wir auch überzeugend den gesellschaftlichen Wohlstand mehren, der jetzt noch von den kalten wie heißen Kriegern von der Gesellschaft abgezogen wird.

Das antike Griechenland, als Mutter aller Demokratien, hatte bereits verstanden, dass die Kultur, und nicht der Oikos und die Hauswirtschaft den eigentlichen Auftrag der Gesellschaft bedeutet, um aus der "Idiotie" der alltäglichen Knappheit auf ein höheres geistiges Niveau zu gelangen. Der "Geist" und das "Geistige" scheint auch eine neue Welle unter jungen Leuten auszulösen, die sich inzwischen sogar nur für die "Idee" eines geeinten Europas begeistern, ohne sich in den Niederungen von Vorschriften und Verhaltensregelungen des nur wirtschaftlichen Miteinanders in einer nur bürokratischen und nur wirtschaftsliberalen EU zu verstricken. Junge Leute verstehen es inzwischen auf eine erstaunliche Weise den Geist in Musik, Sport und Kultur über die dingliche Existenz hinaus wieder zu beleben. Eine grünere lebenswertere Stadt braucht eben nicht primär mehr Geld in den Haushalten der Staaten und Kommunen, sondern primär bessere Ideen, damit Ersparnisse und Investitionen in eine möglichst effiziente Steigerung der Lebensqualität umgeleitet werden können. Deshalb ist der Aufschrei vor allem der Jugend gegen Trump so erfreulich. Die neue Jugend ist eine skeptische Jugend, auch skeptisch gegen die Revolutionsbeteuerungen meiner Generation, die doch häufig nur eine romantische Chimäre war.

Geblieben ist folglich zu recht die Skepsis derer "da unten", auch gegen die/uns ehemalige(n) Rebellen und Intellektuelle(n), die sich "dort oben" zusammen mit den Konservativen und Reaktionären gut eingerichtet haben; und wenn diese Skepsis nun statt nach links mehr nach rechts tendiert, so ist dies eine moderne und eben populäre Nuance der Zeit, weil sich die selbst definierte soziale "Linke" entweder längst von der "unteren" Mitte der Gesellschaft verabschiedet hat, oder weil sich immer häufiger nur noch Intellektuelle als liberal, multikulturell offen und sozial definieren. "Die da unten" haben eben immer deutlicher gemerkt, dass vor all diesen zuletzt genannten Adjektiven ein pseudo- hätte stehen können.

Ideologien mögen, wenn sie der Wirklichkeit angemessen sind, die Wegrichtung ein wenig besser bestimmen und beschreiben, aber entscheidend sind die Handlungen, Taten und Produkte, die aus ihnen erwachsen. Die neue eher pragmatisch fordernde Jugend verzichtet deshalb immer häufiger auf luftige Ideologien und bewertet stattdessen die tatsächlichen Leistungen des Geistes auf dem Weg zu einem lebenswerteren Alltag und einer überzeugenderen Kultur. Wer Trump politisch bekämpfen will, der darf nicht bei der Denunzierung seiner Sprache und seiner lächerlichen Fehler stehen bleiben. Trump, so wie er sich selbst darstellt, kann einfach und schnell durch notwendige Antworten in Form von Handlungen, Taten und Produkten als Antwort auf die oben aufgeworfenen Probleme ad absurdum geführt werden.

Die Ästhetik der Zukunft wird keine Trump-Ästhetik sein, so wie das Frauenbild der Zukunft nicht durch seine Botox-Begleiterinnen verkörpert wird. Small und menschlich wird beautiful sein. Junge Leute durchschauen die Heuchelei und Unehrlichkeit einer Welt, die nach wie vor wie besoffen nach den Luxusgütern der modernen kapitalistischen Gesellschaften strebt. Die Wohlstandskinder von heute sind die Eliten von morgen, und diese haben in ihrem Innersten mit ihren sozialen Netzen längst den Weg einer neuen Wertigkeit gewählt, auch wenn sich die alten Systeme mit Verve bemühen die neuen Welten der neuen Einfachheit zu vereinnahmen. Vereinfachter Tausch wird Besitzdenken ablösen. Der Trump-Tower ist der Grabstein der alten Glitzerwelt mit ihren Peinlichkeiten einer völlig überlebten Hotelästhetik. Micro-Häuser, wie sie von jungen Designern entwickelt werden, entziehen den Trumpisten die Substanz. Urban Gardening Projekte werden unsere Städte verwandeln. In den erholsamen Straßencafés der neuen Städte wird kaum noch Platz sein für den Pomp und den Prunk der trumpschen Einkaufs-Malls. Erst einmal wird sich die Jugend von den Amazons, Googles und Microsofts dieser Welt die Autonomie im Umgang mit den Errungenschaften moderner Kommunikation zurückholen müssen, aber mit Mauern und Zäunen ist dieser Weg nicht vorgezeichnet.

Ich sehe die kapitalistische Welt, wie wir sie aktuell kennen, und wie sie kaum besser als durch einen Trump karikiert werden kann, insofern, wie einen Baum vor seinem Absterben. dessen populistische Triebe scheinbar noch einmal überbordend und hypertroph von unten nach oben sprießen, die dem eigentlichen Baum aber in Wirklichkeit die seine fruchtbringende Substanz, seinen Saft und seine Kraft nehmen. Erst wenn diese Triebe mit Geist und Geduld zu Gunsten des Lebens des Baumes beschnitten werden, wird sich der Baum wieder kraftvoll erneuern können und völlig neue Früchte tragen. Noch interessanter aber wird es, wenn neben den sterbenden Baum, dessen Rettung durchaus fraglich sein kann, in gebührendem Abstand und auf neuer Erde ein weiterer neuer Baum gepflanzt wird, der diesen ersten Baum auf Dauer sehr wohl zu ersetzen vermag. Aus vielen kleinen neuen Bäumen wird ein Wald. Wer den Wald und nicht nur einen Baum retten will, der gibt dem Wechselspiel der Vielfalt der Bäume sein Recht. Dazu sind Populisten aufgrund ihrer fremdenfeindlichen Engstirnigkeit nicht in der Lage, sie haben nicht verstanden, dass das wirklich Neue und Notwendige immer aus der Vielfalt mit ihren zufälligen Mutationen erwächst. Ob dahinter ein größerer Plan steckt, ist zumindest unter Philosophen umstritten, ihn zu kennen braucht man aber nicht, wenn man die Früchte der Evolution weiterhin ernten möchte. Auch insofern ist der Traum von Monostaaten mit einer Monobevölkerung mit einem Monowohlstand in einer so wunderbar globalisierten Welt geradezu absurd.

Wird multikulturelle Vielfalt aber umgekehrt zu einem Totschlagsargument gegenüber begründeten Zweifeln mancher Populisten am Weg in die Moderne und Multikulturalität zu einem linken oder grünen Religionsersatz, der die Einforderung konkreter Handlungen, Taten und Produkte stattdessen entwertet oder gar verbietet, so ist die Verurteilung der Skepsis der Populisten hinsichtlich des Weges genauso unehrlich und heuchlerisch wie deren "Ausländer-raus-Programme". Unter gegebenen Bedingungen wird Multikulturalität genutzt, um das Prinzip "teile und herrsche" zu bedienen, die Wagnisse und Risiken unserer Gesellschaft werden dann nur unter den Ärmsten der Gesellschaft verteilt, so dass für die Betroffenen individuell dann noch weniger vom gesellschaftlichen Kuchen übrig bleibt.

Diese wahrgenommene Unehrlichkeit und Heuchelei ist es, die das liberale und sozial denkende Milieu in unserer Gesellschaft immer kleiner und letztendlich auch immer unglaubwürdiger werden ließ. Das Vertrauen in die Kraft zur sozialen Veränderung ist entschwunden, und damit haben wir Linksliberalen heute nun umso mehr zu kämpfen, wenn wir uns gegen den wachsenden Populismus zur Wehr setzen wollen. Indem wir den Wählern der Populisten implizit deren Rationalität absprechen, bestätigen wir zudem noch deren Erfolge und treiben die Spaltung der Gesellschaft noch stärker voran. Schon deshalb ist für mich jetzt das reden miteinander und das zuhören von höchster Priorität, ohne deshalb die Scharlatane zu verschonen, die diese vertrackte Situation des mangelnden Vertrauens der Gestaltungswilligen untereinander für den Aufbau und Ausbau autokratischer Strukturen und das Schüren nationaler Emotionen mißbrauchen, wo wir in einer zunehmend globalisierten Welt doch das gegenseitige internationale Vertrauen und die Zusammenarbeit um so mehr benötigen.

Vielleicht besinnt sich insofern auch einmal ein Trump, auch wenn wir ihm dieses jetzt alle absprechen wollen. Vielleicht mahnt ihn nur ein kleines "Nu" zum Innehalten oder gar zu einer Umkehr. Dann würde auch er feststellen, dass es in Wirklichkeit nicht zweierlei Menschen gibt, "gute" und "böse", sondern dass beide Tendenzen in uns die Chance haben sich für die jeweils gewünschtere, und unter Umständen "bessere" Seite zu entscheiden, rechts oder links.

"Es gibt nicht zweierlei Menschen; aber es gibt zwei Pole des Menschentums. Kein Mensch ist reine Person, keiner Eigenwesen, keiner ganz wirklich, keiner ganz unwirklich. Jeder lebt im zwiefältigen Ich. Aber es gibt Menschen, die so personbestimmt sind, daß man sie Person, und so eigenwesenbestimmte, daß man sie Eigenwesen nennen darf. Zwischen jenen und diesen trägt sich die wahre Geschichte aus." (Buber)

Es ist eine Freude mit ansehen zu können, wie der Trump-Schock inzwischen nicht nur die liberale Linke in ihrer prekären Analyse hoffentlich konstruktiv irritiert, sondern mitzuerleben wie Trump auch das tendenziell eher konservative bis reaktionäre Lager komplett durcheinander wirbelt. Von der Kritik der abgehobenen Toskana-Linken wird jetzt auch dort auf eine Kritik an der Stammtischwirklichkeit der vorurteilsverhafteten Populisten abgehoben, die in einer Art Selbstimmunisierung auch interne Kritik an sich selbst zu diskreditieren und zu diffamieren versuchen. Die selbst ernannten Eliten der konservativen bis reaktionären Pseudosieger im Kampf zwischen den Klischees von Kommunismus und Kapitalismus sind ein Teil dieses Stammtischgespräches. Setzen sie auf Dauer selbst nur auf ihren eigenen Hass und ihren Überlegenheits-Hochmut gegenüber Andersdenken, dann werden sie sehr schnell aus der aktuellen Wolke einer widerspruchsfreien klassen- und schichtenübergreifenden Volksgemeinschaft fallen, weil sie in dieser Welt durch ihren chronischen Eigennutz auf ähnliche Weise nicht verstanden werden, wie wir Links-Intellektuellen, die wir auf unser Recht auf den philosophischen und psychologischen Erklärungsansatz von Welt beharren.

Auf der Suche nach "dem" Volk landen diese konservativen Eliten dann doch höchstens bei diesem einen Fünftel bis einem Drittel der Gesellschaft, das durch das Beharren auf die eigenen oft primitiven Ansprüche nur die eigenen Vorurteile in der Welt politisch perpetuieren möchte, und sich der notwendigen Veränderung durch Gesprächsverweigerung halsstarrig entgegenstellt.


"In Wahrheit trägt dieses derart glorifizierte ‚Volk' aber selbst eine gehörige Mitschuld an der zunehmenden politischen Entleerung und technokratischen Verselbstständigung der Volksparteien, die jetzt allerorten lauthals beklagt werden. Über Jahrzehnte hinweg galt es als eiserne Regel der Demoskopie, dass politischer Richtungsstreit innerhalb der Parteien vom Wähler als mangelnde Geschlossenheit ausgelegt und entsprechend bestraft wird. Drei Viertel der Deutschen kritisieren mittlerweile, dass sich die Volksparteien immer weiter von der Lebensrealität entfernen. Und in der Tat fanden sich in zahlreichen Wahlergebnissen für die jeweils betroffene Partei schmerzhafte Belege dafür. Der Reflex des Wählers, Unstimmigkeiten unter ihren politischen Repräsentanten als Schwäche auszulegen, statt darin Chancen für eine offenere gesellschaftliche Debatte zu erkennen, zeigt, dass in der Unzufriedenheit mit 'denen da oben' stets auch eine autoritätsfixierte Sehnsucht nach der starken, für klare Verhältnisse sorgenden Hand mitschwang, und nicht nur der urdemokratische Wunsch nach mehr bürgerlicher Teilhabe. Folgerichtig zeigen sich die heute besonders aggressiv protestierenden 'besorgten Bürger' und ihre rechtspopulistischen Repräsentanten auch keinesfalls begierig darauf, kontrovers über bessere Zukunftslösungen zu diskutieren. Ihr Ideal von Demokratie besteht eher darin, dass ihre eigenen Ansprüche und Vorurteile widerspruchslos akzeptiert werden." (Richard Herzinger, Warum es ein Fehler ist, auf "die Elite" zu schimpfen, Welt, 27.5.2016)


Sind wir alle aktuell nicht weniger getäuscht durch Dritte als vielmehr enttäuscht von uns selbst, weil der "richtige Weg" auf den vor uns liegenden Pfaden so schwierig geworden ist, und die Wegstrecke angesichts der althergebrachten aber kaum noch brauchbaren und erfolgreichen Wegbeschreibungen so undurchsichtig und vernebelt erscheint? Enttäuschte Menschen sind leider so wenig überzeugungskräftig. Insofern unterscheiden wir änderungsoffenen Linksliberalen uns nur sehr wenig von den konservativen "Bewahrern". Gelassenheit gibt mir indes die Tatsache, dass sich gerade die egalitären Verhältnisse in den Familien in den letzten vier Jahrzehnten in Deutschland so erheblich verbessert haben, sehr unterschiedliche Identitäten und Lebensentwürfe nicht mehr von vorneherein negiert oder bestraft werden, und darüber hinaus sogar sozial mehr oder weniger anerkannt sind - auch wenn dies von den Ewig-Gestrigen so noch bejammert wird. Letztere haben historisch nur den einen entscheidenden Vorteil, dass vor allem diejenigen, die etwas ändern wollen, gute und bessere Begründungen für ihre Pläne brauchen, denn schlechter als es ist, kann es allemal werden. Die Wege zum "Guten" sind und bleiben mit deutlichen Zweifeln behaftet, daran wird und kann sich auch durch einen Donald Trump kaum etwas ändern.