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Polizeitaktik sollte Polizisten schützen -
Der "schwarze Block" der Polizei auf dem Hamburger G20 Gipfel

 

(Anmerkung zu den Hamburger Straßenschlachten anlässlich des G20-Gipfels)

Polizisten sollten zu ihrem eigenen Schutz ihr Gesicht zeigen

Vor mehr als 10 Jahren habe ich zusammen mit der Evangelischen Kirche einen Ausbildungsgang mit Berliner Polizisten zum Thema "Bürger und die Polizei" als externer Fachmann mit durchgeführt. Die älteren Polizisten beklagten sich dabei mehrheitlich darüber, dass die jungen Bereitschaftspolizisten vor solchen Einsätzen besonders scharf gemacht werden, indem sie in ihren Unterkünften gezielt schlecht behandelt werden. In Berlin wird inzwischen seit Jahren die Polizeiarbeit wirklich ernst genommen und unterstützt. Deshalb haben sich die negativen Ereignisse am 1. Mai deutlich reduziert.

Die Straftaten schwarzer Vermummter sind die eine Seite und gehören juristisch verurteilt. Bei der heutigen Demonstration waren aber ersichtlich weit mehr Vermummte mit schwarzen Sturmhauben unter den Polizisten zu finden. Der Bürger hat indes ein Recht darauf, dass Polizisten ihr Gesicht zeigen. Natürlich gehört dazu auch das Recht einen Schutzhelm zu tragen. Aber wer in der Führug der Polizei lässt junge Polizisten heute noch ins offene Messer des Hasses junger Leute laufen, indem man ihnen die Erkenntnis verweigert, dass Vermummung immer zu unguten Gegenreaktionen führt?

Ein Polizist, der Gesicht zeigt, schafft Vertrauen. Wer Polizisten vor allem wie Kampfmaschinen und Kampfroboter ausrüstet, und sie in "normalen Lagen" unfairerweise zu SEK-Einsatzkommandos macht, der kämpft nicht für sondern gegen erfolgreiche Polizeiarbeit.

Die Polizei ist besser als ihre PR

Der Polzeipropaganda von ewig Gestrigen darf man nicht trauen. Die Polizei, z.B. hier in Berlin, ist inzwischen weit bürgernäher als die Prügelknaben, die sich früher in ihrem Unwissen und ihrer Naivität hinsichtlich des Lösens von Konflikten in Kreuzberg über Jahre auf Befehl einer reaktionären Polizeiführung unnötige Straßenschlachten liefern mussten. Jeder angegriffene oder verletzte Polizist ist übrigens ein Angriff auf uns alle. Dafür braucht es nicht das mediale Gesetz der großen Zahl um unsere Aufmerksamkeit auf solche Angriffe zu steigern. Aber die ständigen Übertreibungen an Opfern (niemals hat es in Hamburg mehr als 500 verletzte Polizisten gegeben; das hätte alle dort vorhanden Kräfte in den Ambulanzen vollends überfordert) machen die PR der Polizei nicht glaubwürdiger. Zum altbekannten Katz-und-Maus-Spiel der Prügeljahre in Berlin gehörte die Tatsache, dass die Polizei die Zahl verletzter Polizisten übertrieb und die Anzahl der Demonstranten als Ausdruck des Bürgerprotestes durch die Polizei-PR entsprechend heruntergespielt wurde. Umgekehrt hat das linksliberale Milieu in der Presse die Verletzungen der Polizisten stets verharmlost und die eigene Verankerung in der Bevölkerung durch überzogene Demonstrantenzahlen kongenial übertrieben.

Rettet die "neuen" Polizist(inn)en!

Der "neue" Polizist und die neuen Polizistinnen sind gebildet, haben relativ gute allgemeinbildende und berufliche Abschlüsse und sind durch ein hartes Auswahlverfahren gegangen. Dadurch hat sich die Qualität der Polizist(inn)en zumindest in Berlin deutlich verbessert, auch die Feminisierung der Polizeiarbeit hat der Berliner Polizei gut getan. Der Polizist unterscheidet sich nicht mehr grundsätzlich in seiner politischen Orientierung vom Durchschnitt der Bevölkerung, auch auf den "Migrationshintergrund" wird bei der Einstellung sinnvollerweise Rücksicht genommen. Rechtsradikale und rassistische Bemerkungen, die man sehr wohl noch in den 60er und 70er Jahren von vereinzelten Polizisten auch öffentlich hören konnte, sind deutlich an den Rand der Demokratisierung innerhalb der Polizei getreten. Der Polizist ist unter gutwilligen und eben nicht kriminellen Menschen zu einem anerkannten Bürger in Uniform geworden und beweist jeden Tag die Fähigkeit selbst Pöbeleien mit der nötigen Gelassenheit und Distanz zu ertragen. Natürlich brauchen wir mehr "gute" Polizisten, aber nicht um jeden Preis. Moderne Polizisten zeichnen sich durch die Fähigkeit aus, sich selbst in angemessener Weise in Konflikten so zurück zu nehmen, dass effektive Lösungen in häufig akuten Situationen erreicht werden können, selbst dann, wenn es ihnen gerade auch in den entsprechenden sozialen Brennpunkten Berlins oft sehr schwer fällt, die aufkeimende eigene Wut bei Angriffen und Beleidigungen ensprechend zu kontrollieren. Soweit mir bekannt, wurden auch in anderen Bundesländern erfolgreich entsprechende Anstrengungen zur Aufwertung der Polizeiarbeit vorgenommen. Der ungelernte Polizeiarbeiter der Vergangenheit ist oft zu einem "Ingenieur der öffentlichen Ordnung" mit der entsprechenden sozialen Aufwertung geworden. Und dass ein Polizist privat auch, wie wir alle irgendwann einmal, über die Stränge zu schlagen vermag hat im Vorfeld des G20-Gipfels die Berliner Polizistinnen und Polizisten in der öffentlichen Meinung nicht weniger sympathisch sondern eben menschlich gemacht. Wer einen Polizisten zu einem fehlerfreien Menschen stilisieren will, der sorgt für das unmenschliche Ordnungsmonster, das nur die Spießer und Reaktionäre als Vorbild wollen können.

Noch vor kurzem habe ich eine wohl sehr erfolgreiche und bei der Berliner Polizei auch gefragte "Coacherin" und Trainerin in der Polizeiarbeit in meinem Auto mitgenommen. Sie erzählte mir, dass jetzt der Schrei nach deutlich mehr Polizisten (in dem sich alle Reaktionäre, Konservative und Spießer der Nation über viele Jahrzehnte und aktuell auch wieder zusammengefunden haben - so meine persönliche Ergänzung), schon wieder negativ auf die Auswahlpolitik im Polizeidienst niedergeschlagen habe. Wenn das Personal an qualifizierten Leute fehle, werden einfach die Auswahlkriterien heruntergeschraubt.

Polizisten sind in erster Linie Menschen
und dann auch Vertreter der Staatsgewalt und des Rechts

Der Bürger muss - um Respekt vor Polizisten zu haben - in erster Linie den "Menschen" als Vertreter seines Rechtes im Polizisten erkennen. Erst dann versteht er, dass ein Polizist oft unser aller Wohlergehen mit seinem Leben verteidigt. Dafür brauche ich aber ein Gesicht, bei dem ich mich bedanken kann, und Übeltäter, die es auch bei der Polizei gibt, dürfen sich nicht hinter der Vermummung verstecken dürfen. Da hat die Hamburger politische SPD-Polizeiführung wieder einmal auf voller Linie versagt.

Namensschilder für Polizisten waren die erste richtige Lösung, Bodycams zur Beweissicherung scheinen ein weiteres entsprechendes Angebot zu sein. Warum also nach all der positiven Erneuerung bei der Polizei solch eine von scheinbaren Minderwertigkeitskomplexen geprägte Rückkehr zu den Kampfformen der Vergangenheit, allerdings dazu noch mit einem deutlich aufgerüsteten modernisierten Bedrohungs- und Waffenarsenal auf Seiten der Polizei? Die Hooligans der Politik in schwarzer Montour, die Polizisten mit Molotow-Cocktails angreifen, Autos und Geschäfte in Brand setzen, die kamen den Reaktionären, die mit der Modernisierung auch der Polizei noch immer nicht klar kommen, gerade recht. Wer weiß, welche agents provocateurs darunter (durch Dritte motivierte, bezahlte und entsprechend angeleitete Bösewichter) auch noch von bisher unbekannten Kreisen gezielt gesteuert wurden? Dumme Menschen lassen sich ja für fast alles mißbrauchen.

Das schwierige Grundrecht auf "Widerstand"

Ganz schwierig wird die Debatte, wenn es um das Widerstandsrecht geht, ein Recht, das zu den unveräußerlichen Menschenrechten in Diktaturen gehört, aber so gar nicht in die Welt einer politisch demokratischen Ordnung passt. Der Widerspruch liegt da, wo wir noch immer undemokratische Verhältnisse in der Wirtschaft vorfinden, und viele Widerstandswillige die Politik nicht von der Wirtschaft als System der reinen Geldvermehrung zu trennen vermögen, das uns auch sozial- oder umweltschädliches Pseudowachstum als "Wohlstand" verkaufen möchte. Gerade unsere Politiker tun alles, um genau diese Grenze durch die Ökonomisierung der Politik, durch Korruption, Nepotismus und einfachere verschwiegenere oft private oder familäre Vorteilsnahmen verschwimmen oder gar verschwinden zu lassen, anstatt die Wirtschaft konsequent zu politisieren, zu orientieren und damit zu demokratisieren. Diese Verwirrung findet besonders im Kopf junger Menschen ihren Niederschlag, die dann aufgrund der öffentlichen Verwirrung von Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten, möglichst auf alles undifferenziert "dreinschlagen" wollen, was ihnen feindlich und ihre eigene Zukunft mißachtend daher kommt. Von einer diskussionsfreudigen SPD, wie sie sich immer gerne öffentlich darstellt, hätte ich mehr Fähigkeit zur Selbstreflektion im Vorfeld des G20-Gipfels erwartet, deshalb trifft sie auch die Hauptschuld im Hamburger Desaster. Die Konservativen, gruppiert um Merkel, haben sich schlicht nur so konsequent antidemokratisch verhalten, wie man es auch ansonsten von ihnen erwarten kann. Besonders tragisch ist dabei die Tatsache, dass eine Frau Merkel bisher keinerlei begründete Anhaltspunkte dafür gibt, außer ihrer persönlichen intriganten Machtbesessenheit unter eigenen Mitstreiter(inne)n auch noch wirtschaftlich und finanziell korrupt zu sein; während ein Gerhard Schröder, als Aushängeschild eines sozialdemokratischen "Weltwirtschaftsführers", da von einem ganz anderen nur noch "berechnenden" und folglich sehr unangehmen Kaliber zu sein scheint. Wen wundert es also, wenn immer mehr "einfache Leute" den Konservativen folgen, weil sie wenigstens von denen "innenpolitische Sicherheit" ohne Terroranschläge und brennende Geschäfte versprochen bekommen, wenn wirtschaftliche Sicherheit durch eine ehrliche und gerechte Sozialpolitik ansonsten eh schon nicht mehr zu haben ist. Zu halten vermögen natürlich alle für den G20-Gipfel verantwortlichen Personen, Institutionen und Parteien ihre Versprechen der Lösung "globaler Probleme" ohne eine "radikale" Umkrempelung unser politischen, ökonomischen und sozialen Verhältnisse dennoch nicht. Gerade darin verfangen sich nun aber die gewaltbereiten jungen Leute, die für sich in diesem Chaos ein Widerstandsrecht in Anspruch nehmen, das jedoch mit gutem Grund nur für Unterdrückungssituation in Diktaturen das Recht auf die Auflösung des einseitigen staatlichen Gewaltmonopols durch widerständige Gewalt freigibt.

Die politisch verantwortliche SPD geriert sich wieder als Lampenputzerpartei

Die SPD war leider schon immer eine Lampenputzerpartei, die aus der Angst vor dem Obrigkeitsstaat und ihrer neurotischen Angst vor „Zerstörungen“ neben ihrer Attraktivität für kluge Arbeiter und „zivile Rebellen“ eben auch zum Sammelpunkt analer Charaktere (S.Freud) wurde (… bei uns herrscht Ordnung!); und dafür kneift man als Mitmacher auch schon mal den After zusammen, selbst wenn es unangenehm juckt und zwickt. Dies ist die Wurzel des Verrats der SPD an ihren Unterstützern (Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!) Bei den Begriffen „Militär“ und „Polizei“ schlagen dem rechten SPD-Spießer eben immer noch die Hacken zusammen und er versteht die Welt nicht mehr, in der notwendige Veränderungen immer nur durch den „begrenzten Normenkonflikt“ (Herta Däubler-Gmelin) entstehen können. Dies ist die unangenehme, volkstümelnde, unintelligente Seite der SPD. Aber darf man diese Partei historisch darauf reduzieren? Nein, auch wenn sich ein orangener Faden des Prügelns auf Demokraten von Noske zu Scholz in Hamburg ziehen lässt.

„War einmal ein Revoluzzer,
Im Zivilstand Lampenputzer;
Ging im Revoluzzerschritt
Mit den Revoluzzern mit.

Und er schrie: ‚Ich revolüzze!‘
Und die Revoluzzermütze
Schob er auf das linke Ohr,
Kam sich höchst gefährlich vor.

Doch die Revoluzzer schritten
Mitten in der Straßen Mitten,
Wo er sonsten unverdrutzt
Alle Gaslaternen putzt.

Sie vom Boden zu entfernen,
rupfte man die Gaslaternen
Aus dem Straßenpflaster aus,
Zwecks des Barrikadenbaus.

Aber unser Revoluzzer
Schrie: ‚Ich bin der Lampenputzer
Dieses guten Leuchtelichts.
Bitte, bitte, tut ihm nichts!

Wenn wir ihn’ das Licht ausdrehen,
Kann kein Bürger nichts mehr sehen,
Laßt die Lampen stehn, ich bitt!
Denn sonst spiel’ ich nicht mehr mit!‘

Doch die Revoluzzer lachten,
Und die Gaslaternen krachten,
Und der Lampenputzer schlich
Fort und weinte bitterlich.

Dann ist er zuhaus geblieben
Und hat dort ein Buch geschrieben:
Nämlich, wie man revoluzzt
Und dabei doch Lampen putzt.

Erich Mühsam

Wo bleibt die Fähigkeit zur Versöhnung? -
Auch der "mob" hat ein Menschenrecht!

Implizit war die SPD, wohl Bebel sei Dank, immer auch eine Partei der Versöhnung, die heute so Not tut. Sozialdemokraten haben stets Änderungen propagiert, für die sie als Volkspartei sehr viele Menschen mit auf die Reise nehmen wollten, was durchaus demokratisch legitim aber für die faktische Lösung von Problemen, die schneller und radikaler Lösungen bedürfen, dann oft zu spät kommt. Und radikale "Lösungen" sind eben dann keine Lösungen, wenn sie nur gegen den erheblichen Verhaltenswiderstand vieler Menschen mehr oder weniger zwangsweise durchgesetzt werden sollen bzw. können. Dies hat so viele kommunistische Systeme zum Scheitern gebracht. Vergessen ist deshalb oft die Tatsache, dass der soziale Änderer einen glaubwürdigen und mehrheitsfähigen Nachweis für den Nutzen der von ihm propagierten Veränderung erbringen muss. Der konservative Bewahrer des Status quo hat eigentlich sogar ein genuines Recht auf sein Beharren, solange durch die Gewalt- und Zerstörungsaktionen eines blinden oder verblendeten Mobs die Gefahr einer sozialen Verschlechterung besteht. Genau dieser ungezügelte und unreflektierte Mob hat in Hamburg einen gezielten Anschlag auf die Demokratie geplant und gewagt. Man geriert sich als Sozialrevolutionär und betreibt rein faktisch das Werk reaktionärer Zerstörer. Wie dumm ist folglich eine SPD-Führung, die genau diesem Mob auf den Leim geht, und in vorweg genommenem Gehorsam den brodelnden Unmut junger Menschen durch blindes Zuschlagen und Dreinschlagen mit völlig überzogenen „Strafaktionen“ ohne juristische Legitimation beleidigt, und damit die Seele, das Gefühl und das Herz solcher Hoffnungsträger wieder einmal nur in blinde Wut und ebensolchen Hass überführt?

Sascha Lobo hat auf seine bedachtsame und kluge Weise die World Wide Wut anläßlich des G20 Gipfels als Ausdruck der Manipulierbarkeit von Öffentlichkeit thematisiert: ""Was Gewalt gegen Schwächere angeht, habe ich eine emotionale Schwachstelle. Lasst mich beobachten, wie ein Mann ein Kind totschlägt, und mein Widerstand gegen die Todesstrafe fällt temporär auf Null. Mühsam müsste ich danach meine Wut durch Einsicht in demokratische Grundsätzlichkeiten zurückdrängen. Ich weiß also um die Macht des emotionalen Moments. Und trotzdem war ich schockiert von den Schockwellen des G20-Gipfels in der digitalen Sphäre. Nämlich davon, wie 'wenig' es letztlich braucht, damit normale Bürger Rechtsstaatlichkeit auch über den Moment der Hitze hinaus als entbehrlich betrachten" (Quelle: Die G20 Randale und das Netz. World Wide Wut, Spiegel Online 12.7.2017). Genau dies ist den politisch Verantwortlichen vorzuwerfen: Sie setzen immer mehr und immer häufiger auf solche Ereignisse und Momente und empören sich danach über den Populismus, der aus der unnötigen gewaltsamen Zuspitzung von Konflikten erwächst. Der schwarze Block wird zur tsunamigleich zerstörerischen Naturgewalt dämonisiert, gegen den King Kong auf dem Empire State Building zu einem vernachlässigbaren Mini-Problem unguter Sitten wird. Noch in den Tagen nach dem G20-Gipfel fasst inzwischen eine über 100-köpfige (sic!) Sonderkommission nach und geht wie die Bild-Zeitung auf denunzierende Randaliererjagd. Verhöhnt wird dann noch eine Justiz, die sich an die notwendigen Prozeduren zur "Dingfestmachung" von Verbrechern hält und die juristischen Regularien zur Verfolgung einhält. Man hätte sich solch große Kommissionen für kapitale Wirtschaftverbrechen gewünscht, für Steuersünder, die die Öffentlichkeit um Milliarden betrügen oder für mafiöse Strukturen in Wirtschaft, Politik und Kultur. Aber weit gefehlt. Die Polizei soll auf der Straße mal wieder den Rücken hinhalten für die Feigheit und Käuflichkeit der politisch Mächtigen. Dass man insofern als mediengeprägter Zuschauer selbst zu differenzieren verlernt, denn wieviele hochanständige und idealistisch eingestellte Politikerinnen und Politiker werden aus solch einer Perspektive mit beleidigt, ist ein an sich nicht hinnehmbarer Kollateralschaden. Der Schadensersatz hierfür müßte aber von den Hochanständigen bei den politischen Mißbrauchstätern und nicht bei uns kritischen Beobachtern eingefordert werden.

Merkel und Scholz haben in Hamburg den "Landsfrieden" gezielt gebrochen

Landfriedensbruch betreiben die Eliten. Das Delikt Landsfriedensbruch nach § 125 STGB in seiner Unbestimmtheit an sich gehört abgeschafft. Die Straftaten, die ein Einzelner im "schwarzen Block"-Mob begeht, die gehören in der Tat auch zügig nach dem normalen Strafrecht, für leichte oder schwere Körperverletzung, Einbruch, Brandstiftung, versuchten Totschlag oder gar versuchten Mord abgeurteilt. Da braucht es weder neue Gesetze noch mehr Polizisten sondern nur eine Justiz, die endlich versteht, dass die Beschädigung menschlichen Lebens ein höheres Rechtsgut berührt als der Diebstahl von Sachwerten in unserer "Sachgesellschaft", weshalb die Tat durch ein Urteil vor Gericht auch in einen angemessenen Zeitzusammenhang gestellt werden muß. Dies gilt aber genauso für Straftäter in U- und S-Bahn, für Prügelväter und Prügelmütter wie für diese sogenannten "Landfriedenstäter", von denen Franz Josef Strauss einmal sagte, dass die "Anwendung der für Menschen gemachten Gesetze nicht möglich ist, weil diese Gesetze auch bei Rechtsbrechern noch mit Reaktionen rechnen die der menschlichen Kreatur eigentümlich sind." Wer diese Täter wie der AfD-Mob als nicht "menschliche" Tiere bezeichnet und in diesem Zusammenhang von Terrorismus spricht, der verwendet die gleiche undifferenzierte und lockere Sprache auch für den Krieg. Krieg aber findet in Syrien und wahrscheinlich auch im gesamten Nahen Osten statt, wo unser Hunger nach deren Öl nach wie vor eine nicht zu unterschätzende Kriegsursache spielt. In Hamburg wurden keine Dörfer mit Frauen und Kindern bombardiert, kein LKW ist mit Tötungsabsicht in eine Menschenmenge gefahren und auch keine Diskothek mit Hunderten von Menschen ging in Flammen auf. Lassen wir also die "Kirche im Dorf" und geben wir jungen Menschen mit zum Teil auch gravierendem Fehlverhalten die zweite Chance, die sie verdienen. Seien wir doch froh, dass in diesem Gemetzel von Wurfgeschossen, Brandsätzen und ungerechtfertigten Verprügelungen von friedlichen Demonstranten durch Polizisten keine Todesopfer zu beklagen sind.

Über den Mut zum Widerstand

Ich bewundere vielmehr diese mutigen jungen Menschen in Hamburg, die sich den zahlreichen durch Polizei, Politik und Justiz künstlich aufgebauten Verboten friedlich entgegengestellt haben; die die Schläge, die Wasserwerfer, das Tränengas ertragen haben, um für uns alle mehr Freiheiten und eine gerechtere Verteilung von Gütern auf der Welt einzufordern. Mir persönlich fehlt inzwischen – anders als in meiner Jugend - der Mut und die Kraft zu solchen Handlungen, weil dieser „passive“ Widerstand, der eben alles andere als passiv ist, mehr bedeutet als nur geschütztes Demonstrieren von uns Demokraten anderer Meinung unter risikobefreiten Bedingungen. Ja, viele junge Menschen haben der Polizei heftigst widersprochen, sie haben gelitten und geweint, wurden beleidigt und erniedrigt durch die ungerechtfertigten Überreaktionen von schlecht ausgebildeten Bereitschaftspolizisten im Rausch der eigenen Macht und Gewalt. Solch einer stand mir plötzlich einmal im eigenen Alter von 15 Jahren mit einem Schlagstock gegenüber in Frankfurt bei den Springer-Blockaden 1968 nach einer Verfolgungsjagd bis zur Begrenzungsmauer eines HInterhofs, wo ich nicht mehr weiterlaufen konnte. Als ich dann nur noch: "Bitte nicht schlagen!" rief, da zeigte er plötzlich sein menschliches Gesicht und ließ noch im Schlagen begriffen von mir ab. Ich war damals nicht sonderlich "politisch", aber diese Geste hat mich in Hinsicht auf mein Menschen- und eben auch mein Polizistenbild geprägt. Zwei Gesichter haben sich getroffen, und zwischen beiden Menschen blieb das Band der Menschlichkeit erhalten. Diesem Polizisten widme ich insofern diesen Blogbeitrag, den er eigentlich verursacht hat. Dieser Mensch und Polizist hatte damals sogar eine Befehlsverweigerung begangen, denn es sollten an diesem Tag auch unbeteiligte nur zuschauende Bürger als Kampfauftrag der Polizei mit verprügelt werden. Er aber hat sich damals für die Menschlichkeit entschieden, und deshalb bin ich mir sicher, dass auch die deutliche Mehrheit der Polizisten in Hamburg kein Vergnügen am Verprügeln von Menschen hatte. Viele auch junge Polizistinnen und Polizisten werden sogar privat unter dem Auftrag, den man ihnen gegeben hat, und unter den Schlagbefehlen, die sie ausführen mussten, gelitten haben - und zwar auch ohne sich deshalb in der Lagermentalität der Polizei ihren Kolleginnen oder Kollegen entsprechend anvertraut zu haben. Ja, es gibt sie natürlich auch, Sadisten unter Polizisten, die unter der Maske der Rechtsstaatlichkeit ihre kaputten Triebe ausleben, aber Gott-sei-Dank sind solche Ausnahmen manchmal sogar therapierbar. So nämlich funktioniert Welt: Die Mehrheit von uns allen leidet unter der Unmenschlichkeit, die politische und wirtschaftliche Systeme von uns ab und zu abverlangen, und manche unter uns wehren sich dann mit dem entsprechenden Mut sogar, zumeist aber bleiben wir doch sehr oft Feiglinge und erleiden insofern unsere jeweils spezifischen Niederlagen.

Viele neue junge Leute, die unter Umständen sogar noch nie in solch einer Situation waren, haben im Rahmen des G20-Gipfels zum Teil verbotenen Widerstand geleistet, und das ist auch gut so, selbst für die Polizei; denn nur eine streitbare und widerständige Demokratie erlaubt auch Polizisten eine andere Meinung zu haben als die eigene Führung.

Die Täter waren die Einlader und Planer des Gipfels -
Die Opfer sind wir alle als Bürger

Natürlich ist die Veranstaltung aus dem Ruder gelaufen, aber wie blind und naiv muss man eigentlich sein, um so etwas nicht im Vorhinein zu wissen? Blamiert haben sich wieder einmal unsere politischen und sozialen Pseudoeliten, die wutschäumend in stiller Nacht und monogamen Betten ihre Machtsiege gefeiert haben, und dabei mit Krokodilstränen auf die Zerstörungen verweisen konnten, die ihre eigenen Bürgerkinder als Anklage an Ihre Eltern der Welt zugemutet haben. Unsere „Eliten“ und ihre prostitutiven Mitmacher(innen) sind in einem weit gefährlicheren Rausch als diejenigen, die im Rausch der Zerstörung von Läden und Existenzen jede humane Kontrolle über sich selbst verloren haben (aber eben auf einem nur relativ niedrigen und ansonsten ungefährlichen kriminellen Niveau; nur deshalb reagiert die Justiz zu recht nicht auf diese Gewalt wie bei der Ausübung von Schwerverbrechen), während das eigentliche Geschäft unserer Eliten in Wirklichkeit doch nur die weitere und zwar in jeder Hinsicht „hemmungslose“ und umfassende Zerstörung von Welt ist.

Die größte Chaoten sind unsere "Eliten"

Wer also sind die größeren Chaoten, wer die gefährlicheren Vermummten? Doch wohl die, die zwar nicht ihr Gesicht aber dafür ihre Konten verschleiern, die mit brachialster Gewalt durch Kündigungen Existenzen zerstören, die sich Natur und Kultur als Privatbesitz aneignen, die sich alles leisten zu können meinen, und darauf hoffen können, vorerst für ihren kriminellen Egoismus kaum zur Verantwortung gezogen zu werden.

Der Erfolg des Gipfels liegt im Aufblühen eines neuen Widerstandes,
das macht unsere "Eliten" so nervös

In Hamburg haben vor allem junge Menschen das „Maul auf gemacht“ haben ihren Schmerz und ihre Beleidigung herausgeschrien, haben dadurch andere „neue“ Menschen zu neuen Einsichten geführt, diese als neue Mitstreiter um sich versammelt und den „Rechtsstaat“ in seiner Schattenseite, der Facette der Rechtsbrüchigkeit neben dem Rechtsschutz entlarvt.

Hamburg hat den Widerstand gegen eine falsch verstandene Globalisierung größer gemacht, und die, die jetzt jammern und lamentieren über die Zerstörungen in wahrscheinlich sogar Millionenhöhe - Schäden, die jedoch eine Demokratie wie die unsere zumindest finanziell locker verkraften kann - die haben auch vorher schon das Klagelied ihrer eigenen Impotenz gesungen: den Kehrreim ihrer eigenen Unfähigkeit, die wirklich berauschende Kraft von Phantasie, Loslösung und Veränderung in sich selbst wirken zu lassen und daran menschlich zu wachsen und zu erstarken. Im Nachhinein zeigt sich entlarvend die Pseudo-Ernsthaftigkeit der Klagegesänge der G20-Freunde, wenn die tatsächlichen Opfer der Gewaltexzesse, die kleinen Ladenbesitzer z.B. entschädigt werden sollen und müssen. Es waren indes bisher vor allem die "Opfer", weil Opferbereiten, die Menschen in den von der Gewalt betroffenen Stadteilen, die den von der Politik betrogenen bei den Aufräumarbeiten geholfen haben. Welch eine menschliche Stärke, welch eine bewundernswerte Reaktion nach all den Zerstörungen und Verletzungen!

... doch der Deutsche Spießer bleibt weiterhin ungerührt;
der angepasste Mainstream stützt ihren "Leader", Frau Merkel,
und schäumt nur vor Wut ob des eigenen Versagens:
Schuldig sind immer die Anderen, die Kritiker, die Linken,
die Presse und die verkommene Jugend!


Spießer sind unfähig zur Veränderung, sie beharren notorisch auf dem "schon immer Dagewesenen", selbst dann, wenn dieses "Damals" zum Schaden an der Gesellschaft geworden ist. Das "Damals" des neuen Spießers ist das "hippe" und "coole" und bereits für ihn verdaubar Vorgefertigte. Es ist doch in Wirklichkeit der gleiche nur noch ein wenig ästhetisierte "Konsum" vor allem fertiger "Lösungen", die dennoch im alten hyperkommerziellen Gewand daherkommen: Ein "neuer" Lebens-Hack für unpolitische Geeks, der doch möglichst grundsätzlich eben nichts Wesentliches ändern soll. Der neue Spießer schlägt folglich in die gleiche Kerbe wie der alte, deshalb finden sich z.B. unter den konflikt-, provokations- und widerstandsscheuen harmoniesüchtigen modernen Hubschraubereltern inzwischen so viele "neue" Merkelfreunde, weil die ja eine Frau und "so ganz anders ist". Und heimlich schleicht sich dann auch noch die Vorstellung bei solchen Leuten ein, dass wir Deutschen wohl doch etwas ganz Besonderes sein müssen, weil wir meinen, den Umweltschutz erfunden zu haben, weil unsere Demokratie so gut und lebendig ist, weil Deutschland bisher noch keine wirklichen "NO-GO-AREAS" kennt, und weil es uns allen doch letztlich "so gut" geht. Noch, möchte man empört rufen, wenn man weiter denkt, doch Deutschland ruft: Merkel sei Dank! Vergessen sind und bleiben das untere Drittel der Gesellschaft, und das ist dann häufig auch noch dumm genung mit der AfD die eigenen Henker zu wählen. Es sind genau diese "modernen" Wähler, die Frau Merkel den nächsten Wahlsieg verschaffen werden und die Änderung von Welt dadurch weiter verzögern. Vergessen auch die Tatsache, dass Frau Merkel eine der Hauptpropagandistinnen des zweiten Irak-Krieges war, unter dessen Folgen die gesamte Welt noch heute leidet. Wie Wolfgang Röhl in seinem Stern-Beitrag vom 30. Dezember 2017 so einleuchtend bemerkte, scheint das Spießertum quasi unzerstörbar zu sein: "Gestatten: Hier kommt der NDS, der Neue Deutsche Spießer. Sieht nicht mehr ganz so aus wie Alfred Tetzlaff, Wolfgang Menges unvergessenes Kult-Ekel aus dem Fernsehen den Siebziger. Passt aber in die Definition. Laut Brockhaus ist der Spießer ein 'engstirniger Mensch, der sich an überlebten Anschauungen und moralischen Grundsätzen orientiert, Neuerungen und Fortschritte ablehnt und seinen sozialen Status verteidigt'. Der Mainstream-Mensch eben, immer im Kielwasser seines Szenedampfers. Der Typus stirbt nie. Man kann ihn überall entdecken."

Ja, Frau Merkel, feiern sie ruhig die Dummheit in der Beständigkeit des Unrechts, die Dumpfheit in der Entwicklung neuer Ideen, die Arroganz des Exportüberschusses, mit der wir Deutsche als Nation momentan durch überhebliche Deutschtümelei die friedliche Entwicklung eines neuen gerechteren Europas behindern und unter Umständen sogar zerstören. Sie haben durch diesen unnötigen G20-Zirkus in unnötiger Weise das Leben von Polizisten aber eben auch das Leben von Demonstranten gefährdet. Ja, genießen Sie die weltweite Anerkennung des Spießertums, ihrer Oligarchien und auch die Unterstützung der ewig Ängstlichen, sowie der Sie umschleimenden Mitmacher. Aber in ihren für Sie so typischen trüben unlebendigen Augen, Frau Merkel, da spiegelt sich eben nicht der Glanz der Begeisterung junger Menschen wieder, die trotz der Schmerzen und der Schläge von Hamburg, des Ziehens an Haaren von jungen Frauen durch Polizisten an einer Autobahnraststätte, des Tretens auf Gefühle und trotz der ruppigen verbalen und körperlichen Angriffe auf die Selbstachtung junger Menschen durch ruppige Befehls“geber“ an Straßenkreuzungen ihre menschliche jugendhafte Souveränität im Umgang mit Demokratie gezeigt haben. Die physischen Verletzungen von Körperteilen der Demonstranten durch einen hemmungslosen Mob von Bereitschaftspolizisten waren dabei noch das geringere Übel. Sie haben jetzt auch noch die Tortur der Medien zu ertragen, die die Friedlichen zu Schuldigen und die Schuldigen zu Friedlichen machen wollen.

Widerstand und nachfolgende Inklusion schafft Gesellschaft:
Der Gipfel des Gipfels war ein Erfolg!

Der Erfolg der Mißerfolge des Konglomerates aus Hamburger SPD und Deutscher Großkoalitionspolitik hat in den Köpfen, Herzen und Seelen der Opfer stattgefunden. Erst bleibt zwar noch die Verbitterung über die unnötigen Zerstörungen und die Verletzungen von Menschen, aber im Hintergrund brodelt bereits das tiefe Gefühl, dass sich jetzt endlich und bald etwas ändern muss. Das ganze System der Kolonialisierung unserer Lebenswelt durch das große Geld wird immer mehr infrage gestellt. Viele explizit bisher "unpolitische" junge Menschen haben sich in Interviews in Hamburg so geäußert. Sie bekennen sich zu einer neuen Identität des Widerstands, die die Gewalt auf der Straße so nicht benötigt. In Hamburg scheinen sie zum ersten mal erkannt zu haben, was sie wollen, und zwar eben "das" genau nicht. Sie werden sicher schnell lernen, dass aus dem "das" ein "was" werden muss, eine neue Idee von Welt und ein neues Zusammenleben. Insofern war der G20 wirklich der Gipfel, der Gipfel an Ignoranz und Arroganz, von dem aus die Welt nach neuen Ufern ausschauen wird. Der Gipfel der Mächtigen hat sich in Hamburg überlebt, er ist wie das abgestandene Bier eines ungebremsten Kapitalismus schal geworden. Feiert den Pseudoerfolg Eurer Gipfel Ihr Merkelianer, doch glaubt mir - wie im Leben so oft - kehren sich, weit früher als man denkt, die Gewalten um. Lletztendlich haben auf Dauer in der Geschichte auf dem Globus doch der Verstand und die Vernunft immer wieder zu siegen vermocht, auch wenn wir dies in diesen scheinbar so wirren Zeiten kaum zu erkennen glauben. Armut und Kriege lassen sich aus dem Zentrum der westlichen Demokratien in die Peripherie verlagern, jetzt aber scheint die "Gerechtigkeit" zurück zu schlagen. Die Menschen der zweiten und dritten Welt kommen zu uns, um das zurückzufordern, was wir ihnen gestohlen haben. Frau Merkel, Ihr „ergebnisloser“ Gipfel, die Party der Superreichen in der Hansestadt, war eben auch ein weiterer Gipfel an Erkenntnis für die wirklich noch Hungrigen und insofern Lebendigen, die ganz anders als Sie die "wirkliche" Zukunft der Welt darstellen und diese vielleicht sogar mit ihrem Mut und der Mühe der Erkenntnis zu neuen Ufern des Überlebens zu geleiten vermögen.