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Trump. Das Zwitschern der Politiker(innen) oder
Politik, die uns nicht Schaudern macht, ist und bleibt DADA

"Zuweilen, wenn es den Menschen in der Verfremdung zwischen Ich und Welt schaudert, überkommt ihn die Erwägung, daß etwas zu tun sei. Wie wenn du in schlimmer Mitternacht vom Wachtraum gepeinigt liegst, die Bollwerke sind zerfallen und die Abgründe schreien, und du merkst mitten in der Pein: es gibt das Leben noch, ich muß nur hindurch zu ihm - wie, aber wie?: so der Mensch in den Stunden der Besinnung, schaudernd erwägend und richtungslos. Und vielleicht weiß er die Richtung doch, ganz unten, mit dem ungeliebten Wissen der Tiefe, der Richtung der Umkehr, die über das Opfer führt." (Martin Buber, Ich und Du, ersterschienen 1923).

Könnte es sein, dass wir in einer Welt leben, in der wir - zumindest in der "Westwelt" - an unserer Bequemlichkeit und dem Verbrauch an Rohstoffen und natürlichen Systemen ersticken? In der arabischen Welt opfern Menschen ihr Leben, für welche Ziele auch immer, wofür aber würden wir modernen Zivilisationsprothetisierten noch diesen höchsten Einsatz leisten? Nein, ein Opfer für den Terror ist weder attraktiv noch ist es sinnvoll, aber Veränderung ohne Opfer, das wäre für Martin Buber ein hohler Trug. Änderung setzt die Bereitschaft zum Opfer voraus. Da sind statt IS-Terroisten sehr wohl die demokratisch gesinnten Akteure des arabischen Frühlings ein Vorbild. Opfern könnten wir indes, auch ohne "Menschenopfer" das "Niveau" unseres Pseudowohlstandes, die Höhe unserer täglichen überschüssigen Kalorienzufuhr, das Übermaß an inhaltsleeren Daten oder den unklugen Umgang mit unseren natürlichen und energetischen Ressourcen.

Helmut Schmidt, der populäre Mahner, der sich stets selbst als eine Aura inszenierte, ohne deshalb aber jemals durch offene risikobereite Menschen wirklich "verehrt" und "geliebt" worden zu sein, wollte alle Menschen, die sich von Visionen leiten lassen, zum Arzt schicken. "Wie armselig!", hätte ihm Martin Buber entgegen gerufen. Die Welt "pragmatisch" als ein zweckzentriertes Verhängnis zu begreifen, das es nur als ein "Es" ohne Träume und Visionen und ohne das romantische, weil gegenwärtige Gespräch miteinander zu gestalten gilt, führt vor allem dann in die Irre, wenn nur genannte "Ursachen" des Zustands der Welt durch die "einzig" wichtigen Manager(innen), Politiker(innen), Wissenschaftler(innen), Facharabeiter(innen), Meister(innen) und Ingenieur(inn)e(n) benannten "Mittel" für antizipierte Zwecke und zur Lösung von Problemen benannt werden. Inzwischen meint man zwar auch vor dem Hintergrund eines Arbeitskräftemangels betagte Rentner(innen) und Pensionäre als Reserve des Fortschritts bereit halten zu müssen, aber die eigentlichen Träger der Lasten "einfache" Arbeiter(innen) und Angestellte, die bleiben weiterhin mehr oder weniger unsichtbar im Hintergrund, obwohl sie ein elementarer Bestandteil der aktiv wirkenden kollektiven Kraft sind, die das Neue und hoffentlich Bessere schafft. Technokratische "Lösungen" als Diffamierung von Utopien, Reformen und damit verbundene Visionen verhöhnen den freien, gemeinsamen und kreativen Gestaltungsprozess. Gewünschte Veränderungen werden nur noch als notwendiger Abbau sozialer Leistungen vorgetragen, ob als AGENDA 2010 oder als Wende in der Überführung von staatlichen Infrastrukturen in privatwirtschaftliche Profit-Verwaltung im Rahmen der Austeritätspolitik. Dabei sind so viele Felder und Handlungsebenen denkbar, die Wert ohne finanzielle Mehraufwendungen zu schaffen vermögen. In der Tauschökonomie und der Ökonomie des Sharings werden tagtäglich neue Ideen hierzu geboren. Letztere sind oft aus dem Gespräch, dem Nachdenken hierüber und der Erarbeitung von Lösungen in Teams geboren. Die alten technokratischen Selbstbezüge der ideokratischen und technokratischen Erfinderwelt entbehren zumeist des Risikos des "Nu" im "Ich und Du", wo "Blick irr an Blick prallt und das Geständnis der Unerlöstheit aus ihnen bricht" (Buber).

Wir benötigen Vögel, weil sie uns vor einem Übermaß an "Insekten" schützen. Eigentlich wäre dies auch eine Aufgabe für Politiker(innen) und unsere "Macher" auf allen Ebenen. Wir lieben Vögel, wenn sie uns durch ihren Gesang zur rechten Zeit erfreuen und uns in ein romantisches Naturverhältnis zu verführen vermögen.

Immer wieder haben es auch Politikerinnen oder Politiker mit ihrem Charme oder ihrer Aura vermocht, Menschen zu begeistern oder gar für eine kurze Zeitspanne zu "beglücken" und darüber hinaus zu den notwendigen, oft auch opfervollen Schritten oder "Investitionen" auf dem Weg zu einem "besseren Leben" zu aktivieren. Zu solchen Menschen gehören - natürlich historisch modifiziert nach politischer Couleur und persönlicher Sichtweise der Betrachter - mit Sicherheit Menschen wie Tadeusz Kosciuszko, Abraham Lincoln, Karl Marx, August Bebel, Rosa Luxemburg, Mahatma Gandhi, Fidel Castro, Winston Churchill, Charles de Gaulle, Konrad Adenauer, John F. Kennedy, Martin Luther King, Willy Brandt, Michail Gorbatschow, Lech Walesa, Vaclav Havel und/oder wahrscheinlich auch, zumindest für jeweils kurze Momente vor, während und wahrscheinlich auch noch nach seiner Amtszeit Barack Obama.

Immer mehr aber haben es auch durchaus andere zwar ebenso populäre aber deutlich rechtere bis reaktionäre politische Menschen, wie Franz Josef Strauß, Margaret Thatcher, Silvio Berlusconi, Ronald Reagan, oder Donald Trump bis hin zu den aktuellen Populisten in den Niederlanden, Frankreich oder selbst sogar die weniger charismatischen Akteure der AfD in Deutschland erreicht, Menschen entweder spontan oder über einen längeren Zeitraum zu begeistern bzw. für unerwartete Überraschungen in der öffentlichen Wahrnehmung der "Volksstimme" zu sorgen. Ähnlich lassen sich auch die Erfolge von Erdogan in der Türkei, Putin in Rußland, Kaczynski in Polen oder Viktor Orban in Ungarn - unter jeweils spezifischen nationalen Bedingungen - als von der Sympathie einer jeweils nationalen politischen "Mehrheit" getragen betrachten und diskutieren. Solche Politiker(innen) sind punktuell hörbar, ja in ihren Momenten höchster Gegenwärtigkeit, erfreut sich der Bürger an ihrem "Gesang", ihren "Thesen", ihren "Entscheidungen" oder auch nur ihrer überzeugenden "Rhetorik". International durchaus geachtete deutsche Politiker wie Helmut Kohl, Gerhard Schröder oder Angela Merkel werden indes ansonsten mit kleinen Ausnahmen wohl weniger markant in Erinnerung bleiben, weil sie in weitaus geringerer Weise entsprechende Gefühle zu wecken vermochten.

Hass und Liebe liegen oft nah beieinander. Charismatiker(innen) verstehen es mit den Gefühlen des "Volkes" zu spielen und deren Meinungen, Einstellungen und Gefühle für einen gewissen Zeitraum zu inspirieren. Immerhin wird solch charismatischen Menschen, wie oben beschrieben, vor allem im Zenit ihrer Sympathiekurve "intensiver", aber oft auch nur kurzfristig und sporadisch "zugehört". Politiker(innen), die die "Volksseele" nicht in gleicher Weise zu erreichen vermögen, verblassen in ihrer Nichtwahrnehmbarkeit und Durchschnittlichkeit. Ihre Sprache kommt bei den Adressaten gar nicht erst an, selbst dann, wenn sie als Gesetzgeber oder Gestalter im Hintergrund erfolgreich sein sollten, weil ihre "Mitteilungen" im DADA der Aussagelosigkeit ersticken. Persönlichkeiten und Menschen können sich, wie wir Normalbürger auch, verändern und neu erfinden.

Mit nur einer markanten wahrnehmbaren Entscheidung im Bewußtsein der Öffentlichkeit kann die Wahrnehmung eines politisch Handelnden schon geändert werden: Die Durschnittsfrau und Aussitzerin Merkel hat dadurch, dass sie mit ihrem klaren Ja zur "bedingungslosen" Einreise von Flüchtlingen aus Ungarn "in höchster Not" und ihrem Legitimationsjingle "Wir schaffen das!" mehr oder weniger zufällig und eher ursprünglich ungewollt eine neue markenbildende Zäsur gesetzt. Durch diese akute Entscheidung ist eine ansonsten eher unsensible und visionslose Machtpolitikerin, der man (mir ansonsten persönlich völlig unverständlich) eine besondere Intelligenz zuschreibt, genau wie Helmut Kohl, durch den Strudel der Ereignisse (in seinem Fall war es die nicht durch ihn sondern durch Gorbatschow bewirkte Einleitung des Falls der Mauer) - also ohne eigenes persönliches und strategisches Zutun - ursprünglich planlos aber dann doch öffentlich wirksam in das Fahrwasser eines international geachteten Humanismus gestolpert. Ihr fehlte insofern vor der Öffnung der Grenze eine eigene markenbildende Strategie der Menschlichkeit. Immerhin galt sie bereits, anders als viele andere ihrer Vorgänger, nicht als persönlich vorteilnehmend und korrupt, sondern eher als "normal und bescheiden". Durch ihre "Entscheidung" und die damit ausgelöste Polarisierung der Gesellschaft steht sie jetzt sogar durchaus markant bei den einen als Symbol der Menschlichkeit da, und bei den anderen, und erfreulicherweise sogar bei einer deutlich kleineren Minderheit unserer deutschen Bevölkerung, wird sie stattdessen als ein Symbol der Nachgiebigkeit und Dummheit betrachtet. Diese Politikerin, die mit ihrer hündischen Loyalität gegenüber Bush, dem Jüngeren, und ihrer hemmunslosen Bejahung des zweiten Irak-Krieges und seinen ungezügelten terroristischen Entfesselungsfolgen all das Elend mit zu verantworten hat, das der aktuellen Flüchtlingskrise voranging, hat nun vor dem Urteil der Anständigeren in der Welt eine friedensnobelpreiswürdige humane Entscheidung getroffen, die ihre Verantwortung für die kriegerischen Ereignisse in der Vergangenheit zu recht vergessen macht. Dies ist die tatsächliche "Gnade des Vergessens", die ihr Lehrmeister Helmut Kohl zur eigenen Verteidigung so gerne selbst ins Spiel brachte. Was kann man sich mehr wünschen, als dass einem Donald Trump in Zukunft ein ähnlich positiver Gnadenakt der Chance zur Selbständerung wiederfährt, und wie bei keinem anderen Menschen auch ist eine solch "gute aktive Tat" und Umkehr sogar bei einem bisher so dauerhaft egozentrischen Gröfaz Donald Trump für die Zukunft prinzipiell nicht ausgeschlossen; wenn er vielleicht doch noch - zur eigenen Überraschung - sein eigenes humanes Fundament wieder finden sollte.

Solzhenitsyn hat dies auf die folgende Formel gebracht: “If only it were all so simple! If only there were evil people somewhere insidiously committing evil deeds, and it were necessary only to separate them from the rest of us and destroy them. But the line dividing good and evil cuts through the heart of every human being. And who is willing to destroy a piece of his own heart?
During the life of any heart this line keeps changing place; sometimes it is squeezed one way by exuberant evil and sometimes it shifts to allow enough space for good to flourish. One and the same human being is, at various ages, under various circumstances, a totally different human being. At times he is close to being a devil, at times to sainthood. But his name doesn't change, and to that name we ascribe the whole lot, good and evil.
Sokrates taught us 'Know thyself'” (Aleksandr I. Solzhenitsyn, The GULAG ARCHIPELAGO Vol. 1, S. 168)

Zuhören setzt Wahrnehmung voraus. Sehr oft aber geht uns inzwischen die Wahrnehmung im Gezwitscher, dem DADA der alltäglichen Politik verloren. Auch das Gezwitscher der Vögel wird zumeist nicht mehr als Gesang empfunden. Wir nehmen es kaum noch wahr, und wenn wir es wahrnehmen, weil es scheinbar so unmelodisch und inhaltsleer zu sein scheint, dann kann es uns als "Geräuschkulisse" in manchen Situationen, z.B. als Schlafstörung beim Aufwachen am frühen Morgen sogar merklich irritieren. Oft aber gibt es für die meisten Menschen kaum noch eine Möglichkeit den Vögeln mit ihrem Gesang zuzuhören oder gar auf die Vögel zu hören. Sie kommen in deren asphaltierten Alltag schlicht nicht mehr vor, und so haben die ziviliserten Stadtmenschen längst auf eine andere Geräuschkulisse, z.B. das Fernsehgerät als audiovisuelle Tapete umgeschaltet.

Ähnlich verhält sich dies für viele "unzufriedene" Bürger auch mit der Politik und den Politiker(innen). Sie haben die eher servilen, und oft nur auf öffentlichen Druck "reaktiven" Politker(innen) mit ihren kaum noch unterscheidbaren Persönlichkeitsausprägungen, wie die Zivilisationsgestörten die für sie unidentifizierbaren "diffusen" Vögel, oft abgeschaltet. Diesen Politikern gelingt es nicht in einer Markenwelt ein eigenes sozial akzeptiertes Markenimage aufzubauen. Sie erfüllen die Erwartung des Publikums nach deutlich wahrnehmbaren und unterscheidbaren Marken kaum noch. Dem Gezwitscher der politischen Akteure, aber auch deren um so vielfältigeren Kommentatoren, auf hunderten von Kanälen, ob im Fernsehen, Radio, der Boulevardzeitung oder Internet, versuchen die Rezipienten eher in andere Formen der Unterhaltung zu entfliehen, die sie als deutlich weniger langweilig betrachten. Je "aussageloser", je "akzeptierender" und eben nicht "provozierender" die politische Rede geworden ist, und dabei dennoch nach kontinuierlicher Legitimation durch ihre "Einschaltquoten" strebt, umso mehr muss dieses Bemühen in die wachsende Nichtwahrnehmung führen, dem das Zwitschern so ähnlich ist.

Das surreale DADA war keine Bestätigung der Sinnenleere sondern deren radikale Kritik, in der der hoffnungsvolle Traum nach Gespräch und Verständigung miteinander in Form der öffentlichen Karikatur immer wieder aufzuscheinen vermochte. Buber fragt danach, "Wie kann in einem Wesen die verschüttete Beziehungskraft auferstehen, (die) allstündlich (wie) ein rüstiges Gespenst den Schutt feststampft? Wie sammelt sich ein Wesen ein, das unablässig von der Sucht der abgelösten Ichheit im leeren Kreis gejagt wird? Wie soll einer der Freiheit innewerden, der in der Willkür lebt."

Der machiavellische an der Macht orientierte Politikbegriff stellt die "Willkür" der jeweils politisch Herrschenden in den Vordergrund und entbehrt insofern jeder Romantik. Es gilt folglich in einer solchen Politikwelt genügend "Willkür" hinter sich zu versammeln, um dann dem politischen Willen der jeweils eigenen Klientel mit Macht zum Durchbruch zu verhelfen. Dieser Politikbegriff ist weit entfernt, von dem "Freiheitsdenken", das stets die wirklichen Revolutionäre in der Welt geleitet hat, und ohne deren Mut es nie notwendige Veränderungen gibt, bzw. gegeben hätte.

"Der freie Mensch ist der ohne Willkür wollende. Er glaubt an die Wirklichkeit; das heißt; er glaubt an die reale Verbundenheit der realen Zweiheit Ich und Du. Er glaubt an die Bestimmung und daran, daß sie seiner bedarf: sie gängelt ihn nicht, sie erwartet ihn, er muß auf sie zugehen, und weiß doch nicht, wo sie steht; er muß mit dem ganzen Wesen ausgehen, das weiß er. Es wird nicht so kommen, wie sein Entschluß es meint; aber was kommen will, wird nur kommen, wenn er sich zu dem entschließt, was er wollen kann. Er muß seinen kleinen Willen, den unfreien, von Dingen und Trieben regierten, seinem großen opfern, der vom Bestimmtsein weg und auf die Bestimmung zu geht. Da greift er nicht mehr ein und er läßt doch auch nicht bloß geschehen. Er lauscht dem aus sich Werdenden, dem Weg des Wesens in der Welt; nicht um von ihm getragen zu werden: um es selber so zu verwirklichen, wie es von ihm, dessen es bedarf, verwirklicht werden will, mit Menschengeist und Menschentat, mit Menschenleben und Menschentod. Er glaubt, sagte ich; damit ist aber gesagt: er begegnet." (Buber)

Politik als Begegnung wird längst geübt: In kommunikationsoffenen Bürgerinitiativen zuförderst, aber auch in Familien, Firmen und Institutionen, in denen ein gleichberechtigtes, offenes und multikulturelles Klima gepflegt wird, und in denen die an der Kommunikation beteiligten Personen immer wieder von den Ergebnissen und Entscheidungen von "Ich und Du" überrascht sein werden. Fragt sich natürlich nur, ob uns für die Lösung der durch falsche autokratische Entscheidungen historisch aufgeworfenen Probleme, oder für die durch das Lernen aus Erfahrung notwendige Korrektur des Althergebrachten genügend "Zeit" bleibt, um diese gegenwärtige Gesprächs- und Entscheidungskultur zu fördern.

Mit den Worten der Kanzlerin Merkel könnte man hier von "Alternativlosigkeit" sprechen, wenn damit nicht ein völlig anderes soziales Entwicklungskonzept gemeint wäre. "There is no alternative" (TINA), was wohl auf Margret Thatcher zurückgeführt wird, ist in Wirklichkeit das Gegenkonzept zum Mut der Gegenwärtigkeit, das eben nicht affirmativ sondern in seiner Entwicklung dynamisch ist. Die Herauslösung einer belastenden Geschichtlichkeit ist keinesfalls unhistorisch sondern trägt den Erkenntnissen eines kulturellen Prozesses Rechnung, an dessen vorläufigem Ende die Gegenwärtigkeit aufgewertet und deshalb auch neu bewertet wird. Hintergrund ist der Eintritt in eine neue Suche nach einem neuen und anderen Du.

"Das Ich des Grundwortes Ich-Es, das Ich also, dem nicht ein Du gegenüber leibt, sondern das von einer Vielheit von ‚Inhalten' umstanden ist, hat nur Vergangenheit, keine Gegenwart. Mit anderm Wort: insofern der Mensch sich an den Dingen genügen lässt, die er erfährt und gebraucht, lebt er in der Vergangenheit, und sein Augenblick ist ohne Präsenz. Er hat nichts als Gegenstände; Gegenstände aber bestehen im Gewesensein. Gegenwart ist nicht das Flüchtige und Vorübergleitende, sondern das Gegenwartende und Gegenwährende, Gegenstand ist nicht die Dauer, sondern der Stillstand, das Innehalten, das Abbrechen, das Sichversteifen, die Abgehobenheit, die Beziehungslosigkeit, die Präsenzlosigkeit. Wesenheiten werden in der Gegenwart gelebt, Gegenständlichkeiten in der Vergangenheit." (Buber)

Das Gegenwartende und Gegenwährende sind die Vorstufe der Akzeptanz und der Geduld, mit der wir letztendlich auch dem politischen Gegner im Gespräch als ein Du begegnen sollten. Dies bedeutet weder Verzicht auf den provokanten Impuls noch auf die Inanspruchnahme einer jeweils gewählten und eigens interpretierten Geschichtlichkeit, weil wir diese ja in der gleichen Weise dem Du zubilligen. Solch ein Geschichtsbewußtsein ist aber kein "retro" sondern, wenn es zu ändern vermag, sogar "gefährlich", denn niemand wird wissen wohin es letztendlich wohl zu führen vermag. Ebenso kann man sich in der Historie auch ausruhen und als ein Reaktionär oder historischer Mitläufer ohne Gestaltungsimpuls nur einfach bequem bleiben.

Sieht man sich in den modernen Wohnungen der bürgerlichen Eliten dieses Landes um, so ist die Geschichtlichkeit des Es so dominant geworden, dass man sich als neue "an der Qualität orientierte" Form des sozialen Umgangs die jeweils gerade erstandenen historisierenden manufakturiellen Produkte als Trophäen des "Es" gegenseitig imponierend vorstellt und vermeintlich damit die eigene soziale Potenz zu rühmen vermag.

Gegenwärtigkeit einer ganz anderen Art hingegen glauben indes nun diejenigen als Gegenmodell pflegen zu müssen, die auf solch retrospektive Originale verzichten zu können meinen, und in der multiplen Vergegenwärtigung der medialen Kopien versinken. Deren Novitäten sind die Apps und die Smartphones, mit denen sie ihre kulturelle Enthaltsamkeit dokumentieren, obwohl sie doch häufig nur auf deren Interfaces im Dialog schrumpfen und Präsenz und Gegenwärtigkeit als Selfies unter whatsapp-Bedingungen missverstehen. Gegenwärtigkeit, nach Buber, ist hingegen ein kompliziertes und höchst komplexes Unterfangen, erfordert den Mut, Offenheit und die entsprechende Risikobereitschaft. Dies gilt für die privaten Alltagskulturen wie für die "große" Politik.

Genau diese "Gegenwärtigkeit" in der Politik, statt historisierende Lagerantworten zu geben, fordern aktuell erhebliche Teile der Wähler der Populisten ein, natürlich neben den Ewig-Gestrigen, die durch den Mainstream solch rechter Politik hauptsächlich bedient werden. Hierzu passt auch die Politik der skeptischen neuen Generationen, die sich um völlig neue Antworten auf drängende Fragen innerhalb und außerhalb der sozialen Netze bemühen, wobei letztere aber wohl ein Ausdruck des neuen Perspektivwechsels selbst zu sein scheinen.

Sind deshalb historische Antworten auf drängende soziale und politische Probleme obsolet geworden? Mitnichten, sie haben vielmehr die Chance in einen vielfältigeren, dynamischeren und ernsteren Dialog zu geraten, der sehr wohl auch von gemeinsam akzeptiertem Erfahrungswissen über den Mainstream der Gesellschaft hinaus zu profitieren vermag, und insbesondere von den Impulsen, die durch die Widerständigen, die Rebellen, die Revolutionäre, die Schmuggler, die Piraten, die Wilderer sowie die "Verrückten" in Auseinandersetzung mit willkürlicher oder historisch legitimierter sozialer Herrschaft gegeben wurden.

Moderner Populismus schockiert die etablierten Kräfte, weil er auf mehr Mitentscheidung der sich nicht genügend berücksichtigten Menschen rhetorisch abhebt, ohne deshalb dieses Recht auf Mitentscheidung faktisch auch tatsächlich eingelöst zu haben. Immerhin vermag der Populismus aber die politisch Abstinenten, die sich bisher der repräsentativen Wahl enthalten haben, auf die Reise mitzunehmen. Die großen Sehnsüchte des Publikums in modernen Demokratien, nicht nur "ein" Wort bei der Stimmabgabe mitreden zu dürfen, sondern umfassend beteiligt und informiert zu werden, die aber bleiben erhalten, selbst dann wenn sich diese Sehnsüchte von den populistischen Akteuren in autokratischen Strukturen allzu leicht wieder missbrauchen lassen.

Entscheidend für die Differenzierung des Populismusbegriffs ist die genauere Untersuchung der jeweiligen Gesellschaft, in der er virulent wird. Auch wenn ich den Populismusbegriff ansonsten für nicht sonderlich zielführend in der Debatte halte, so kommt man doch nicht umhin, ihn im Kontext der allgemeinen Verwendung entsprechend zu untersuchen.

Unterdrückte und Benachteiligte gibt es in allen Gesellschaften. Während in der Vergangenheit sozialistische Visionen die geeigneten Sehnsuchtsphantasien der Armen und Entrechteten in den Armutsgesellschaften beflügelten, bevor sie dann an der Wirklichkeit einer nach wie vor langsamen wirtschaftlichen Entwicklung fast immer scheiterten, stellen sich in den Wohstandsgesellschaften völlig andere Fragen. Auch hier gibt es zwar Benachteiligte und sozial isolierte Menschen, aber die Gesamtgesellschaft profitiert von der Ausbeutung und Nutznießung der "Zweiten" und "Dritten Welt". Die in solch "avancierten" Gesellschaften notwendigen "Opfer" zur gerechteren Gestaltung der Weltwirtschaft, setzen ein sehr viel differenzierteres "höheres" Verständnis und einen romantischeren Umgang mit dem Wohlstandsbegriff voraus. Die Einsicht der dort agierenden "Eliten" erfordert umso mehr die Fähigkeit zur Selbstreflektion und Selbstzurücknahme vor der Akzeptanz von "Einbußen" und "Opfern", die doch so ganz untypisch für diese "Leistungs-" und "Erfolgsgesellschaften" sind. Die Binsenweisheit, dass ein Weniger oft ein Mehr sein kann, müsste dann aber in einer neuen Bewertung von Warenwert und Arbeitsethik erst noch überzeugend in neue gemeinsam entworfene Lebenskonzepte umgesetzt werden.

Die modernen Gesellschaften leben, mit Bubers Worten, in der "Unwirklichkeit". Sie sind dem "Es", dem Streben nach wohlständiger Weltbeherrschung auf den Leim gegangen, und halten sich für mehr oder weniger zu recht privilegiert. Erst die Anerkennung des "Du" als ein gleichberechtigtes, löst den notwendigen Aufruf des Selbstzweifels auf. In der Politik gilt der Selbstzweifel indes als unerotisch, der Aufruf zur Existenz ist für die notwendigen Veränderung eines kollektiven und globalen Weltbewusstseins aber unerlässlich, um aus der Unwirklichkeit zur Wirklichkeit und Gegenwärtigkeit zurückzukehren.

"Je mehr der Mensch, je mehr die Menschheit vom Eigenwesen beherrscht wird, um so tiefer verfällt das Ich der Unwirklichkeit. In solchen Zeiten führt die Person im Menschen und in der Menschheit eine unterirdische, verborgene, gleichsam ungültige Existenz - bis sie aufgerufen wird." (Buber)

Die Keime der neuen Welt sind längst virulent. "Aussteiger" markieren den Weg, die Notwendigkeit einer Grundversorgung für die "Gefallenen" in den Wohlstandsgesellschaften wächst, und die politische Forderung, in die diese Weltsicht kumuliert, ist das "bedingungslose Grundeinkommen". Bedingungslosigkeit, das genau ist die Voraussetzung, die Buber für ein erfolgreiches "Ich und Du" statt eines "Ich und Es" fordert.

Die narzistische Störung unserer modernen Gesellschaften: die am Ich orientierte Negation der Kraft der Gemeinsamkeit und der Gemeinschaftlichkeit, weiß von ihrem Unerfülltsein, flüchtet sich aber immer wieder in den "wahnwitzigen Schein einer Erfüllung" (Buber), die in der Wohlstandsgesellschat des "Es" so nahe zu liegen scheint. Die historisch scheinbar obsolet gewordene Gemeinschaftlichkeit ist aber längst aus ihrer Stiefkindrolle entwachsen. Möglichst viele Freunde zu haben, auch wenn dies nur lockere Facebookbezüge sind, ist zum Sozialprivileg geworden. In Wirklichkeit haben wir in der historischen Analyse nur übersehen, dass sich alle Eliten in allen Gesellschaften zu allen Zeiten durch weit gefasste und dennoch häufig sehr eng verwobene soziale Netze ausgezeichnet haben, und diese sogar häufig die Grundlage für entsprechende Macht und Privilegien waren.

Unser modernes Privileg sind genau diese Netze geworden, die früher für die entsprechende Mobilität und Flexibilität einen viel größeren Einsatz von Rohstoffen und Energie erforderten, um sich die Freuden der Veränderung zu Eigen zu machen. Diese Veränderung der wirtschaftlichen Substanz ermöglicht sowohl den schnellen Wechsel der Identitäten als auch die Befriedigung der menschlichen Kreativität und Neugier, ohne deshalb zwingend ein Leben auf Kosten Dritter führen zu müssen. Noch ist die Sharing-Economy an den Zwingrahmen der alten Ökonomien gebunden, aber die wachsenden prekären Lebensverhältnisse werden auf Dauer vor dem Hintergrund stabiler sozialer Grundversorgung ihre Angst machende Komponente verlieren. Politik wird in solch einer Welt sehr viel weniger machtorientiert als gesprächsorientiert verlaufen. Schon vor diesem Hintergrund werden die sozialen Themen nicht ab- sondern zunehmen, und auf Dauer die Lebenswelten zusammenführen, vor dem Hintergrund des Verzichts der jeweils Erleuchteten zu Gunsten einer gemeinsamen höheren kulturellen Wirklichkeit.

Ist diese Einstellung in einer Welt von Waffen, Militärs und Kriegen nur einfach naiv? Es scheint so zu sein, doch gibt es kein Naturgesetz der auf Dauer angelegten sozialen Ungleichheit, die ja die Hauptursache für alle kriegerischen Handlungen und Verbrechen ist. An zu vielen Pazifisten die sich der scheinbar regelmäßigen und oft in gewissen Zyklen an unterschiedlichen Orten immer wieder stattfindenden Vernichtung von Welt mit Widerstand entgegensetzen, liegt die Existenz und Wiederkehr solcher Kriegskatastrophen jedenfalls nicht. So wie die allgemeine Vernichtung der Welt immer wieder wie ein Damokles-Schwert über uns schwebt, ist die kontinuierliche und systematische Möglichkeit einer Befriedung von Welt jedenfalls ebensowenig widerlegbar.

Voraussetzung für eine solche Welt, die alles andere als ein finales Paradies nach einem politischen oder religiösen "Endsieg" ist, sondern eine um so dynamischere des Austauschs und des Lernens miteinander, ist die Einsicht, dass Sicht und Einsicht in der Bereitschaft und den Mut zum "ewigen Du" münden sollten.

"Jedes geeinzelte Du ist ein Durchblick zu ihm. Durch jedes geeinzelte Du spricht das Grundwort das ewige an. Aus diesem Mittlertum des Du aller Wesen kommt die Erfülltheit der Beziehungen zu ihnen, und die Unerfülltheit. Das eingeborene Du verwirklicht sich an jeder und vollendet sich an keiner. Es vollendet sich einzig in der unmittelbaren Beziehung zu dem Du, das seinem Wesen nach nicht Es werden kann." (Buber)

Erst wenn wir zu verzichten lernen, und aufhören das Du nur als ein auf bestimmte "Eigenschaften" und "Eigenheiten" reduziertes "Es" zu begreifen, und nur wenn wir offen unter Inkaufnahme des eigenen Untergangs im Du auch die Chance und die Möglichkeit einer nicht geahnten Rettung sehen, werden wir das eigene Spektrum an Denk-, Erlebens- und Handlungsmöglichkeiten erweitern, was die eigentliche und polit-ökonomisch wünschbare Dimension des Wohlstands moderner Gesellschaften sein wird, die die Mangelwirtschaft historisch überwunden haben. Mit dieser Akzeptanz des Du ist die Akzeptanz der Gegenwart verbunden, die sich wechselseitig bedingen.

"Dann wird das eine sichtbar, worauf es ankommt: die vollkommne Akzeptation der Gegenwart.
Freilich setzt die Akzeptation, je weiter der Mensch sich in das Abgetrenntsein verlaufen hat, ein um so schwereres Wagnis, eine um so elementarere Umkehr voraus; ein Aufgeben nicht etwa des Ich, wie die Mystik zumeist meint: das Ich ist wie zu jeder Beziehung so auch zur höchsten unerlässlich, da sie nur zwischen Ich und Du geschehen kann; ein Aufgeben also nicht des Ichs, aber jenes falschen Selbstbehauptungstriebes, der den Menschen vor der unzuverlässigen, undichten, dauerlosen, unübersehbaren, gefährlichen Welt der Beziehung in das Haben der Dinge flüchten lässt." (Buber)

Die Fähigkeit zur "Ausschließlichkeit" ist natürlich genuin romantisch. Das Loslassen und Heraustreten aus der Welt des Es zum Du und das damit verbundene "Losmachen von sozialen Nutznießungen oder Zwängen" und das "Heraustreten" aus der eigenen Rolle ist alles andere als einfach und insofern keinesfalls trivial:

"Jede wirkliche Beziehung zu einem Wesen oder einer Wesenheit in der Welt ist ausschließlich. Losgemacht, herausgetreten, einzig und gegenüber wesend ist ihr Du" (Buber)

Neben der längst bekannten und allzu häufig nur romantisch kritisierten Flucht in das Haben der Dinge, bewährt sich die Prognosekraft eines Martin Buber aber auch, um die aktuelle Flucht in die beiden anderen Hauptdimensionen des Erkennens von Welt zu beschreiben:

"Auf der einen ist … das Universum. Dem Wirbel der Gestirn enttaucht die kleine Erde, dem Wimmeln auf der Erde enttaucht der kleine Mensch, und nun trägt ihn die Geschichte weiter durch die Zeiten, die Ameisenhügel der Kulturen, die sie zertritt, beharrlich wieder aufzubauen. … ‚Eins und alles'.
Auf der andern geschieht die Seele. Eine Spinnerin spinnt: das Kreisen aller Gestirne und das Leben aller Geschöpfe und die ganze Weltgeschichte; alles ist eines Fadens Gespinst, und heißt nicht mehr Gestirne und Geschöpfe der Welt, sondern Empfindungen und Vorstellungen, oder gar Erlebnisse und Seelenzustände. ‚Eins und alles'" (Buber)

Der moderne Mensch, der gelernt hat, global zu Denken, neigt in einer heutzutage deutlich zusammen gewachsenen Welt, was die technischen Möglichkeiten der gegenseitigen Erreichbarkeit betrifft, um so mehr dazu sich in das Universum zu flüchten, in dem er aufgrund der eigenen Nichtigkeit keinerlei Verantwortung mehr weder für sich selbst noch für das soziale und politische Du übernehmen muss. Ausdruck dieser Weltsicht ist die tagtägliche Sehnsucht nach dem Einbruch der Apokalypse in das eigene persönliche Weltgetriebe, das mediale Scannen aller Nachrichten nach dem Big Bang, der die Nutzlosigkeit des eigenen Eingriffs a posteriori zu Nichte machen würde. Bleibt noch der Weg in einen absoluten Sarkasmus und Zynismus oder der Eintritt in eine jeweils selbst gewählte und neu definierte Parallelwelt der eigenen egozentrischen Interessen, Neigungen und Bedürfnisse.

Eine Restauration der Gefühle im Biedermeier der Innenarchitektur und der Mode hingegen, der Abkehr von der äußeren hässlichen Welt auf der Suche nach den inneren Gefühlen ist weit weniger romantisch als gemeint, denn eher beschränkt und borniert. Der rebellische Impuls von Abkehr und Innehalten wird nicht in einen Neuanfang übergeführt, den sie begünstigen könnten, vielmehr wird ein esoterisches Idyll geschaffen und propagiert, das sich selbst gegen alle politische Verantwortung immunisiert. Die Welt eines in solcher Weise ästhetisierten Gutmenschentums ist weitaus unpolitischer, aber darüber hinaus auch noch dem offenen Du weit abgewandter als die kleinbürgerliche Sicht des modernen Populismus mit den immanenten "einfachen" Lösungen. Immerhin sind letztere noch auf einer Suche nach Lösungen für Probleme, denen sich die ersteren bereits in der Analyse versagen.

Den Politiker(innen) in populistischer Manier vor diesem Hintergrund das eigene Scheitern und den Verrat vorzuwerfen, zeigt mit dem Zeigefinger von sich weg, wo er doch eigentlich in Form der Selbstkritik auf sich zurückführen sollte. Politiker haben mit dem gleichen Problem der Flucht vor dem Du zu kämpfen, das uns alle wahrscheinlich graduell unterscheidet.

Wir billigen den Politiker(innen) merkwürdigerweise nicht zu, mit dem gleichen Selbst-Widerspruch zu leben, der uns alle in unserer relativen kulturellen Phantasielosigkeit und Feigheit als Nutznießer der Wohlstandsgesellschaft vereint:

"Was ist das: Selbst-Widerspruch?
Wenn der Mensch das Apriori der Beziehung nicht an der Welt bewährt, das eingeborene Du nicht am begegnenden auswirkt und verwirklicht, dann schlägt es nach innen. Es entfaltet sich am unnatürlichen, am unmöglichen Gegenstand, am Ich; das heißt: es entfaltet sich da, wo es gar keinen Ort zur Entfaltung hat. So entsteht das Gegenübertreten in sich selbst, das nicht Beziehung, Gegenwart, strömende Wechselwirkung, sondern nur Selbstwiderspruch sein kann." (Buber)

Selbst einen Donald Trump als ein Du zu verstehen, nötigt uns eine Fähigkeit ab, die den Ekel, die den Großteil aller Europäer gegen ihn samt seiner Familie zu einen scheint, nicht zu überschreiten vermag. Den Vertretern des modernen Populismus, so es denn einen solchen in all seiner Uneinheitlichkeit geben sollte, wird die Last einer abgrundtiefen menschlichen Verachtung einer selbsternannten Elite mit auf den Weg gegeben, die doch ansonsten in jeder Hinsicht als "Mitmacher" von der Perpetuierung der sozialen Verhältnisse profitiert hat.

Die bürgerliche Welt hat die moderne Demokratie gerne als Quasselbude diffamiert; dies rechtfertigt aber umgekehrt nicht die Welt des Wirrwarrs als eine eindeutig abzulehnende zu disqualifizieren. Uns bleibt nach wie vor nur diese eine Welt, zu der auch die Trumps dieser Welt gehören. Die Spaltung in "gut" und "böse" in der Beurteilung "gegenwärtiger" Entwicklungen hilft hier nicht weiter: Wir müssen um so mehr lernen selbstkritisch auf uns jeweils selbst zurück zu blicken, um daraus Konsequenzen für neue mutige Entscheidungen in der Suche nach dem konstruktiven Du zu treffen. Starten wir folglich mit dem Schaudern vor uns selbst, bevor wir vor dem Anderen erschauern. Meist ist das, was uns schaudern vor uns selbst macht, sehr nah bei dem, was uns im Anderen stört. Die Rigidität der Verdurchschnittlichung sozialer Phänomene und Probleme einerseits und die Oberflächlichkeit bei der Benennung von Ideen und Lösungen hierfür andererseits, die wir in einem Trump zu erkennen meinen, könnten unter Umständen die eigenen sein.